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Berufsfeld Nachwuchs-Trainer: Innovatives Ausbildungsprogramm der Beko BBL schafft hauptamtliche Perspektiven

Berufsfeld Nachwuchs-Trainer: Innovatives Ausbildungsprogramm der Beko BBL schafft hauptamtliche Perspektiven

— Horst Schneider

„Wie funktioniert der Floater?” Wer jungen Spielern Basketball näher bringen will, wird früher oder später diese Frage beantworten müssen. Schließlich erfordert der lässig aussehende Korbwurf viel Ballgefühl und technisches Geschick. „Auf jeden Fall für den Floater nur die starke Hand wählen”, rät Stefan Weissenböck. Der Österreicher, der in den vergangenen Jahren Assistenztrainer an der Seite von Chris Fleming bei den Brose Baskets war, doziert in der Berliner Max-Schmeling-Halle aber nicht vor Nachwuchsspielern, sondern vor sechs jungen Nachwuchs-Trainern, die im Rahmen des Beko BBL-Trainerprogramms für eine Woche in Berlin zusammengekommen waren.

Die Zukunft unseres Sports steht und fällt mit exzellenten Nachwuchstrainern, die eine hochqualifizierte Ausbildung haben.

Jens Staudenmayer (Leiter Sport der Beko BBL)

Finanziert vom Ausbildungsfonds, in den die 18 Klubs der Beko BBL sowie 40 Klubs aus ProA und ProB einzahlen, geht das vor einem Jahr aus der Taufe gehobene Programm jetzt in seine zweite Saison. Folglich umfasste der Lehrgang in Berlin bereits zwei Gruppen. Hinter den sechs Trainern des ersten Jahrgangs hat sich bereits ein zweiter mit acht weiteren Nachwuchs-Trainern formiert. Neben Teilnehmern von Erstligaklubs wie ALBA BERLIN, den Brose Baskets oder Phoenix Hagen sind auch Nachwuchs-Trainer der ProA-Ligisten BV Chemnitz 99 und Oettinger Rockets Gotha dabei. 2015 steigt der nächste Jahrgang in das dreijährige Ausbildungsprogramm ein.

Referent Stefan Weissenböck führt mit den Trainerstudenten eine Videoanalyse durch.

Nachfrage nach qualifizierten Jugend-Trainern steigt

Den Ausgangspunkt für das Projekt bildet die deutlich steigende Professionalisierung der Nachwuchsarbeit der Bundesligastandorte und damit einhergehend der wesentlich höhere Bedarf an hochqualifizierten Nachwuchs-Trainern. Bis vor ein paar Jahren existierte nicht einmal ein Berufsbild dafür. Die Nachwuchsarbeit lag zumeist in den Händen von ehrenamtlichen Übungsleitern. Die zu finden, wird aber immer schwerer – einerseits wegen der zeitlichen Komponente, andererseits wegen der gestiegenen Anforderungen. Gerade die umfangreichen Aufgaben im Unterbau der Profiklubs benötigen neben den auch weiterhin wichtigen Ehrenamtlichen auch verstärkt den Einsatz von hauptamtlichem, spezialisiertem Personal.

Das neue Trainerprogramm soll helfen, die enorm gestiegene Nachfrage nach qualifizierten Jugend-Trainern zu befriedigen. „Vor allem Berlin, Bamberg und Oldenburg haben schon seit längerem selbst in dieser Richtung etwas ausprobiert. In Absprache mit unseren Vereinen bieten wir jetzt einen überfachlichen Rahmen, an den die Vereine ihre Ausbildung andocken können”, beschreibt Jens Staudenmayer, Leiter Sport der Beko BBL, das Konzept, Nachwuchs-Trainer parallel zur hauptamtlichen Tätigkeit bei ihren Vereinen ergänzend zu qualifizieren. Die sich über drei Jahre erstreckende Ausbildung orientiert sich dabei am Modell der EWE Baskets Oldenburg, die unter der Leitung ihres Nachwuchskoordinators Ralph Held schon seit einigen Jahren diese Form der berufsbegleitenden Ausbildung praktizieren. 

Dass das Konzept Anklang findet, dokumentiert die Tatsache, dass es pro Jahr mehr Bewerber als Plätze gibt. „Grundsätzlich prüfen wir, wie sich die Situation vor Ort gestaltet und ob geeignete leistungssportliche Strukturen vorhanden sind”, erläutert Jens Staudenmayer die Auswahlkriterien. Dabei zeigt sich, dass die Klubs verstärkt national nach talentierten Nachwuchs-Trainern suchen und die Teilnahmeplätze als attraktive Jobangebote verstanden werden. So umfasst der neue Jahrgang unter anderem einen Augsburger, der für die Ausbildung nach Bremerhaven gezogen ist, sowie einen Berliner, der vom Bundesligisten ratiopharm ulm angestellt wurde.

Hier demonstriert Stefan Weissenböck eine Technik für Centerspieler. Trainerstudent Simon…

Lehrgänge, Hospitationen und „Online-Campus”

Ergänzend zu der Ausbildung im Verein umfasst das Trainerprogramm verschiedene Hospitationen bei anderen Klubs. Wenn beispielsweise ein Bamberger Nachwuchs-Trainer für eine Arbeitswoche nach Berlin kommt oder ein Oldenburger nach Bamberg, dann erhalten dadurch nicht nur die Auszubildenden, sondern auch die Vereine wertvolle Anregungen aus  den anderen Standorten. Im dritten Jahrgang sind auch Hospitationen über einen längeren Zeitraum im Ausland an Spitzenstandorten für Nachwuchsarbeit im Basketball, aber auch in anderen Sportarten vorgesehen.

Ende Juli waren jeweils zwei Teilnehmer des Programms für ein Gemeinschaftsprojekt mit dem DBB zur Wettkampfdiagnostik bei den U20- und U18-Europameisterschaften. Dabei ging es um Video-Auswertungen hinsichtlich der Jugendnationalspieler. An den Ergebnissen können die Trainer im Verein jetzt detailliert ablesen, wo die Stärken und Schwächen im internationalen Vergleich liegen. Direkt nach der Lehrgangswoche reisten zwei Teilnehmer zur U16-EM nach Lettland.

„In den drei Jahren lernt man alle Bereiche kennen, die das Arbeitsfeld des Basketballtrainers beinhaltet. Das hilft einem dabei herauszufinden, ob man eine Zukunft als Trainer hat“, sagt Ralph Held. Der Nachwuchskoordinator der  EWE Baskets Oldenburg schätzt das vereinsübergreifende Programm. Die Teilnehmer profitieren vom Austausch mit den anderen Kollegen – auch über die eigens entwickelte Online-Plattform. Der „edubreak CAMPUS“ des Bildungsunternehmens Ghostthinker GmbH fungiert zudem für die Vor- und -Nachbereitung der zentralen Lehrgänge. Die Nachwuchs-Trainer stehen dadurch in einem intensiven Austausch mit den namhaften Dozenten aus Basketball-Praxis und Sportwissenschaft.

Natürlich sind die Trainerstudenten auch in der Eigenrealisation gefordert, hier setzt Simon…

Ein neues Berufsbild: Nachwuchs-Trainer

„In unserem Online-Campus kommunizieren wir sehr viel miteinander“, sagt Simon Bertram. Den gebürtigen Berliner, der jetzt in Bamberg zu Hause ist und wie die meisten anderen Teilnehmer viele Jahre ehrenamtlich als Nachwuchs-Trainer tätig war, hat das Trainerprogramm zu dem Schritt ermutigt, ganz auf eine Zukunft als Basketballtrainer zu setzen: „Diese Ausbildung ist genau das, was mich erfüllt. Und sie gibt mir die Chance, das zu meinem Beruf zu machen.” Ohne das Angebot einer solch fundierten Ausbildung wäre ihm diese Entscheidung sicher schwerer gefallen.

Vieles spricht dafür, dass die sechs Absolventen des ersten Jahrgangs und sicher auch die der folgenden Jahrgänge nach dem Durchlaufen des Trainerprogramms keine Probleme haben werden, einen Job als Nachwuchs-Trainer zu finden. Alle Vereine bauen derzeit ihre Nachwuchsarbeit aus, und alle haben erkannt, dass sie dafür qualifiziertes Personal benötigen.

„Die Zukunft unseres Sports steht und fällt mit exzellenten Nachwuchstrainern, die eine hochqualifizierte Ausbildung haben“, so Jens Staudenmayer. „Bis ein junger Spieler den Sprung in den Profi-Bereich schafft, vergehen einige Jahre – das ist ein Weg, der bereits in der Grundschul-AG beginnt.” Dieser Ausbildungsprozess müsse auf jeder Stufe kompetent begleitet werden. „Da braucht es geschulte Trainer, die auch als Führungspersönlichkeit mit all den Facetten, die eine Spielerentwicklung mit sich bringt, umgehen können.”

Und den Floater werden die Trainer aus dem Ausbildungsprogramm dem Nachwuchs auch beibringen können…

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