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BIG - Basketball in Deutschland
Sven Schultze im BIG-Interview: „Innerlich habe ich Heiko gefeiert!“

Sven Schultze im BIG-Interview: „Innerlich habe ich Heiko gefeiert!“

— Kai Zimmermann, BIG

Sven Schultze erlebte als Albatros die Finalserie gegen die Bayern. Er wohnt mit seiner Familie in Berlin, doch geboren ist er in Bamberg. Wer könnte die neuen Rivalitäten im deutschen Basketball besser erklären als der 36-Jährige? Deshalb bat die BIG den neuen Kapitän der Eisbären Bremerhaven für die große Saisonvorschau zum Interview:

„Aber so richtig zur Sache ging es erst in den Finals. Bei uns gab es eine Stimmung: Wir gönnen es den anderen Berlinern nicht, dass sie für München den Titel holen.“

Sven Schultze

Sven Schultze, Sie haben in der vergangenen Saison die Spiele zwischen ALBA und Bayern auf dem Feld erlebt. Warum hat sich in so kurzer Zeit eine so ausgeprägte Rivalität entwickelt?

Das hat sich Schritt für Schritt ergeben. Es begann vor der Saison, als mehrere unserer Spieler zu den Bayern wechselten: Yassin Idbihi, Deon Thompson, Nihad Djedovic und natürlich Heiko Schaffartzik. Die Spiele in der regulären Saison waren auf dem Feld relativ harmlos. Da fand die Rivalität eher bei den Fans statt. Wir haben schon so etwas wie Hass auf die Bayern gespürt, nachdem so viele Spieler zu ihnen gewechselt waren. Dann gab es diese Geschichte mit dem Kreuz, das keins war. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt wussten unsere neuen Spieler noch gar nicht, warum es zwischen beiden Klubs so abging. Trotzdem wurde die Stimmung aggressiver, das habe ich gespürt. Wir haben das zweite Spiel in München gewonnen, obwohl einige unserer Jungs verletzt waren. Damit hatten wir die Bayern zweimal geschlagen. Das hat sie gestört. Aber so richtig zur Sache ging es dann erst in den Finals.

Warum?

Da ging es dann wirklich um ALBA eins gegen ALBA zwei. Das Adrenalin hat gepumpt. Alle kamen irgendwie aus Berlin, der ganze Coaching Staff aus München war bei ALBA, viele Spieler. Bei uns gab es eine Stimmung: Wir gönnen es den anderen Berlinern nicht, dass sie für München den Titel holen.

Aber am Ende konnten Sie das nicht verhindern.

Nein. Bayern hat sich das verdient.

ALBA war jahrelang der Platzhirsch in der Bundesliga. Hat die gegenseitige Abneigung damit zu tun, dass in Berlin Angst besteht, die Führungsrolle als Klub nun auch an München abgeben zu müssen?

Ich denke schon. ALBA hat über mehrere Jahre den Etat nicht erhöht und versucht, das Beste daraus zu machen. Die Bayern haben in drei Jahren etwas Großes aus dem Boden gestampft, das gilt auch für den Etat. Jetzt sind sie die Macht, die es zu schlagen gilt.

Glauben Sie, dass Bayern nachhaltig in den Basketball investieren wird? Das bezweifeln einige ALBA-Offizielle gern.

Bayern meint das ernst. Die stecken nicht zurück. Warum sollten sie sich so engagieren, wenn sie keinen Plan verfolgen? Darauf kann ALBA nicht setzen.

Wie kann ALBA dagegenhalten?

In puncto Etat wird das sicher erst mal kompliziert. Aber ALBA hat nach wie vor die beste Struktur. Da sitzt die größte Erfahrung. Die Leute, die dort arbeiten, machen das seit Jahren, ob Marco Baldi, Mithat Demirel oder Robert Mayer – alles Leute, die mit allen Wassern gewaschen sind.

„Ich bin in Bamberg geboren und da bin ich noch ausgebuht worden, als mir die Silbermedaille um den Hals baumelte. Das hat mich getroffen. Heiko dagegen konnte den Erfolg auskosten – mit einer Verbeugung. Ich fand das nicht stillos, es war eher ehrlich und mutig.“

Sven Schultze

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Die Führungsetagen von ALBA und Bayern haben sich in der vergangenen Saison viel gefetzt. Das Tischtuch soll zwischen ALBAs Boss Marco Baldi und Bayerns Trainer Svetislav Pesic sogar ganz zerschnitten sein.

Das sollen die unter sich auskaspern. Ich denke aber, die werden sich wieder vertragen.

Auch Svetislavs Sohn Marko mischte als Bayern-Sportdirektor munter mit. Sie haben mit Marko noch zusammengespielt. Hat Ihr Verhältnis durch die Schärfe in den Playoffs gelitten?

Nein, es ist weiter ausgezeichnet. Wir haben halt in den Spielen einige Blicke ausgetauscht, mal 'nen Scherz gemacht. Sasa hatte uns Spieler angewiesen, vor dem Spiel auf Austausch zu verzichten. Er meinte, wir sollten uns besser konzentrieren. Das habe ich auch befolgt. Aber das hat nichts mit Marko zu tun. Bevor er Sportdirektor bei Bayern wurde, war er mein Agent. Ich habe mir Rat bei ihm eingeholt. Er hat mich aus Italien zurück nach Berlin gebracht.

Wird Bayern weiter so marschieren?

Ich glaube schon. Aber es wird schwieriger, als manche glauben.

Warum?

Der Druck ist sehr hoch und wächst jetzt weiter. Die Macher erwarten nicht weniger als die zweite Meisterschaft, dazu Performance in der Euroleague, also Top 16 oder noch mehr. Und man muss abwarten, ob einigen Spielern der Erfolg, jetzt Meister geworden zu sein, nicht gleich zu Kopf steigt. Das geht schnell.

Heiko Schaffartzik verbeugte sich in Spiel vier vor dem Berliner Publikum, nachdem er ALBA im Bayern-Trikot abgeschossen hatte.

Ich muss an dieser Stelle die Wahrheit sagen: Ich habe innerlich gefeiert, dass Heiko das gemacht hat. Er hat das ganze Jahr über, abgesehen von einem Interview bei euch, zu den Themen nichts gesagt. Und wenn du dann in der Stadt, in der du geboren wurdest, ausgepfiffen wirst, dann tut das weh. Ich habe das selbst erlebt, als wir mit ALBA in Bamberg verloren hatten. Dort bin ich geboren, dort moderiert mein Vater noch heute die Pressekonferenzen. Da bin ich noch ausgebuht worden, als mir die Silbermedaille um den Hals baumelte. Das hat in mir gebrodelt, es hat mich getroffen. Aber du musst damit umgehen. Heiko konnte den Erfolg dagegen auskosten – mit einer Verbeugung vor seinem Publikum. Das ist eben Heiko, er hat die Pfiffe auf seine Art gekontert. Ich fand das nicht stillos, es war eher ehrlich und mutig.

Sie sprechen von Bamberg. Kann der Ex-Serienmeister in den kommenden Jahren in den Kampf um die Krone eingreifen?

Derzeit ist ein bisschen die Luft raus. Die Fans waren durch die vielen Meisterschaften erfolgsverwöhnt. Bamberg ist ein Dorf, und wenn man hört, was die Leute jetzt so sprechen, sehen den neuen Kurs viele skeptisch. Und wenn die Fans in Bamberg nicht dahinterstehen, ist es dort schwierig. Den Trainer kenne ich noch aus meinen italienischen Zeiten, der ist sehr gut. Aber die Mannschaft muss sich finden. Und wenn es keinen Erfolg gibt, wird Herr Stoschek ungeduldig werden.

Ihr Tipp für die kommende Saison im Dreikampf?

Bayern ist schwer zu schlagen. Bamberg hat einen Neuanfang, die werden es nicht leicht haben. Bei Berlin ist der Druck auch wieder groß, man ist zweimal Pokalsieger geworden. Der Kern des Teams ist zwar zusammengeblieben, aber ALBA spielt Euroleague, das ist wieder was anderes und belastet. Die Münchener haben schon gezeigt, dass sie es über die Saison konstant durchziehen können. Ich denke, sie werden es wieder machen.

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