FB Twitter Instagram YouTube Google+
BIG - Basketball in Deutschland
Tübingens Aleksandar Nadjfeji im BIG-Interview: „Der Schmerz ist seit 20 Jahren mein Freund!“ Pressefoto Ulmer

Tübingens Aleksandar Nadjfeji im BIG-Interview: „Der Schmerz ist seit 20 Jahren mein Freund!“

— BIG, Frank Weiss

Aleksandar Nadjfeji ist mit 38 Jahren der älteste Profi in der Beko BBL. Seit 13 Jahren spielt er in Deutschland. BIG sprach mit „Pista“ über seinen deutschen Pass, das Alter und den Abstiegskampf mit den Walter Tigers Tübingen.

Aleksandar Nadjfeji hat gute Laune, als BIG ihn erreicht. Am Abend zuvor haben die Walter Tigers Tübingen einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf eingefahren. Nach teilweise 20 Punkten Rückstand drehte das Team die Partie gegen Bremerhaven nach der Pause, siegte mit 84:80. Mit seiner cleveren Spielweise begeistert „Pista“ die Fans in der BBL seit 2001, als er von KK Radnicki Belgrad zu den Telekom Baskets Bonn wechselte.

Aleksandar Nadjfeji, können wir das Interview auf Deutsch führen oder ist Ihnen Englisch noch immer lieber?

(lacht) Englisch ist besser. Aber wie Sie möchten.

Also machen wir auf Englisch weiter. Sie haben jetzt einen deutschen Pass. Wie ist es, Deutscher zu sein?

Es war ein logischer Schritt in meiner Karriere. Ich liebe es noch immer sehr, Basketball zu spielen und das gibt mir neue Möglichkeiten. Doch es geht dabei nicht nur um den Sport, auch um meine Familie. Das ist auch für die Zukunft meiner Kinder wichtig. Sie sind schon so lange in Deutschland. Ich kann sagen, dass Deutsch ihre Muttersprache (er sagt das Wort auf Deutsch) ist.

Sie werden mit Ihrer Familie in Deutschland bleiben?

Ja, ich denke, wir werden nach meiner Karriere hierbleiben. Es ist gut für die Kinder und das Leben in Deutschland gefällt uns.

Sie spielen seit 13 Jahren in Deutschland. Ist an Ihnen schon etwas typisch deutsch?

Was ist typisch deutsch?

Das Klischee sagt zum Beispiel, Deutsche sind pünktlich, fleißig und alles ist immer gut organisiert.

Gut, sagen wir Disziplin. Das gefällt mir. Es macht das Leben einfacher, wenn man weiß, was man im Leben will. Das gilt auch für den Basketball. Das ist einer der Gründe dafür, warum ich noch immer gerne spiele und mich auf dem Court noch ganz gut mache.

Sie essen aber auch gern Käsespätzle ...

Ja, die mag ich wirklich sehr. (lacht)

Sie sind mit 38 Jahren der älteste Spieler in der BBL. Fühlen Sie sich auch so?

Wenn ich nur auf diese Zahl schaue, natürlich. Doch wenn ich meine Performance auf dem Court anschaue, fühle ich das nicht.

Hätten Sie gedacht, dass Sie so lange auf hohem Niveau spielen würden?

Ja, warum nicht? Ab einem bestimmen Alter ist die wichtigste Frage: Wie geht man mit seinem Körper um, wie pflegt man ihn? Wenn man das gewissenhaft und gut macht, bedeutet das Alter nicht so viel. Vielleicht brauche ich nach den Spielen mehr Zeit zum Regenerieren. Aber ansonsten hat die Leistung nicht so gelitten.

Haben Sie an der Spielvorbereitung oder der Regeneration in all den Jahren etwas verändert?

Oh ja! Ich habe meine Routine: Ich stretche viel und mache regelmäßig Übungen für den Rumpf. Wichtig ist auch, dass ich im Sommer nicht zu lange pausiere. Ich mache vielleicht zwei Wochen gar nichts und entspanne. Doch dann beginne ich mit Laufen und meinen Übungen. Wenn ich in meinem Alter zu lange pausiere, wird es schwer, wieder in Form zu kommen.

Und daran haben Sie noch immer Spaß? Die Vorbereitung auf eine Saison ist ja meist nicht lustig.

Nein, es ist hart, sich da immer wieder zu motivieren. Doch wenn man den Sport mag und immer die Unterstützung der Familie hat, wie ich, dann geht das. Wir sind eine Sport-Familie. Die Kinder sind ja auf dem Court groß geworden und kommen zu den Spielen. Das treibt mich auch heute noch an. Und ohne Freude und Spaß geht es nicht, sich mit 38 Jahren noch zu motivieren und das Maximale zu geben. Das gibt mir die Stärke, um weitermachen zu können.

Haben Sie ein Vorbild, jemanden, der auch so lange gespielt hat?

Nicht wirklich. Ich weiß nur: Als ich nach Deutschland nach Bonn kam, wurde mir von Arvid Kramer erzählt, der noch als 40- oder 41-Jähriger spielte. Dann ist da natürlich noch Chris Ensminger, der bis 39 aktiv war. Er ist ja nur zwei Jahre älter als ich.

Schauen wir auf Ihre Stats: Sie machen in 18 Minuten Spielzeit knapp zehn Punkte im Schnitt. Ihre Team-Kollegen, die teilweise zehn Minuten mehr spielen, kommen kaum auf mehr Punkte. Sie sind sehr effektiv!

Ich versuche, immer mein Bestes zu geben und bin natürlich auch auf die Unterstützung meiner Kollegen angewiesen. Doch Statistik ist für mich nicht wichtig. In manchen Spielen score ich viel, in anderen weniger. Mit 38 Jahren schaue ich aber wie gesagt nicht mehr viel auf die Stats. Für mich ist es wichtig, dem Team zu helfen.

Was sind Ihre Stärken? Haben sie sich über die Jahre verändert?

Meine größte Stärke war immer das Pick’n’Roll-Spiel. Blöcke setzen, Blöcke lesen. Ich bin auch noch gut zu Fuß und kann noch immer den Fastbreak laufen. Ich bin zwar nicht mehr der Schnellste, doch ich kann mein Spiel noch immer auf hohem Niveau spielen.

Vergangene Saison waren Sie schon auf halbem Weg zum Trainer. Wie sieht Ihre Rolle im Team heute aus?

Derzeit bin ich nur Spieler. Letzte Saison und das Jahr davor in München waren schwer für mich. Man gibt sein Bestes, spielt aber wenig. Letzte Saison hatte ich einen Vertrag als Trainer, aber mit der Möglichkeit, mit dem Team zu trainieren, weil wir zu wenig Spieler für das Training hatten. Dann hat mir der Trainer die Chance gegeben zu spielen. Als alle Spieler gesund waren, habe ich Igor (Trainer Perovic, die Red.) als Assistent geholfen. Doch ich habe gemerkt, dass ich immer noch spielen will. Und der deutsche Pass hat die Tür wieder geöffnet. Ich will so lange spielen, wie es geht. Nach meiner aktiven Karriere werde ich auf jeden Fall im Basketball bleiben, als Coach oder was sich sonst ergibt. Ich genieße es jetzt aber noch, zu spielen – und warum soll ich mir das nehmen lassen?

Wir sehen also nicht die letzte Saison von Aleksandar Nadjfeji als Spieler?

Nein, wenn ich gesund bleibe und der Körper mitmacht, spiele ich, solange es geht. Man muss natürlich von Saison zu Saison schauen. Aber ich will man Bestes geben, um den Rekord zu brechen. (lacht)

Welchen Rekord? Den als ältester Spieler in der BBL-Geschichte?

Nein, nicht unbedingt. Ich will dem Team und den jungen Spielern helfen. Ein gutes Beispiel geben, wie man mit 38 oder 39 Jahren noch immer in guter Verfassung sein kann.

Auch wenn Sie weiterhin spielen wollen: Was wünschen Sie sich zum Ende Ihrer Karriere?

Ich weiß, dass das Ende meiner Karriere kommt. Es ist vielleicht noch ein Jahr, vielleicht aber auch zwei oder drei. Ich will gesund bleiben, um meinem Team auch in der so wichtigen zweiten Saisonhälfte helfen zu können. Tübingen wünsche ich, dass wir keine Verletzungsprobleme mehr bekommen und uns aus dieser bedrohlichen Situation schnell befreien können.

Und am Morgen nach dem Spiel tut der Körper jetzt ein wenig mehr weh?

Das geht. Es hängt davon ab, wie viele Minuten ich gespielt habe. Doch mit Schmerzen habe ich kein Problem. Der Schmerz ist seit 20 Jahren mein Freund. Ich habe schon so viel mitgemacht, glücklicherweise keine schweren Verletzungen.

Wo wird Tübingen am Ende der Saison stehen?

Wenn wir so auftreten wie gegen Bremerhaven, werden wir im Tabellen-Mittelfeld stehen. Ich denke, alle Spieler haben gesehen, was möglich ist, wenn wir diesen Charakter zeigen. Natürlich kommen noch viele schwere Spiele. Doch nur so geht es, um dieses Ziel zu erreichen.

Seine Kollegen scheinen verstanden zu haben. Nur zwei Tage später der nächste Erfolg: Tübingen gewinnt 85:76 gegen Trier. Nadjfeji macht 13 Punkte und Trainer Igor Perovic lobt ihn nach der Partie: „Wichtig war für uns Aleksandar Nadjfeji, der uns in der zweiten Halbzeit durch seine Erfahrung viel Sicherheit gegeben hat.“ Die nächste Partie in Hagen geht zwar verloren, doch Aleksandar Nadjfeji schafft einen Meilenstein. Mit einem akrobatischen Wurf knackte er in der elften Spielminute die Marke von 5000 Karrierepunkten in der Beko BBL. Er ist neben Derrick Allen der zweite aktive Profi in der Liga, der zu diesem elitären Klub gehört.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es aktuell im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

-       Per Günther - Der Poker um den Nationalspieler und welche Stars im Sommer noch auf dem Markt sind

-       Hermann Schüller - Warum er die Wahl von Alexander Reil zum neuen Liga-Präsidenten kritisch sieht

-       Jamel McLean - Die Wahrheit über den Vertrag des Shootingstars bei ALBA BERLIN

-       John Bryant - Welche Zukunft der Center-Koloss bei Bayern München hat

-       Josh Duncan - Wie der Forward Bamberg nach seiner Verletzung zum Höhenflug verhalf

-       Konstantin Klein - Frankfurts Aufbau spricht über seine EM-Chancen, deutsche Talente und Zlatan Ibrahimovic

-       Nicolai Simon - Braunschweigs Guard und die Zuschauer-Problematik der Löwen

-       Ranking: Most improved players - Diese Spieler überraschten uns in der laufenden Saison in der Beko BBL

-       David Brembly - Der deutsche Guard, der aus Polen kam und sich in Bayreuth sofort in den Fokus spielte

-       Martin Romig - Crailsheims Geschäftsführer sspricht im Interview über die Folgen des Spielausfalls in Hagen

-       Chris Fleming - Mit welchem Trainer- und Betreuerstab der neue Bundestrainer in die EM geht

-       Misko Raznatovic - Der Chef der einflussreichen Spieler-Agentur BeoBasket im Interview

-       Tibor Pleiß - Deutschlands Center über die EM und seinen Start beim FC Barcelona

-       Michael Spöcker - Der neue Trainer der Talentschmiede Ehingen/Urspring im Porträt

-       Farmteams - Teil 1 des Checks der Ausbildungs-Klubs der Beko BBL-Teams

-       Marek Piotrowski - Der Trainer erklärt seinen Durchmarsch von der Landesliga bis in die Bundesliga

-       El nuevo mundo de Maxi – Die Maxi-Kleber-Kolumne

-       BIG Business / BIG Player Check / Spiel des Monats / Hallo Beko BBL, hier BIG ! / Spotlight  / BIG Block / Hallo Junge Liga, hier BIG ! / Mein Leben ist Basketball … aber ich lebe nicht davon

comments powered by Disqus
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Kinder plus Sport