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BIG - Basketball in Deutschland
„Ich werde nie der aalglatte Typ sein!“ - Gießens Headcoach Denis Wucherer im BIG-Interview © MARCO KESSLER | MEDIASHOTS

„Ich werde nie der aalglatte Typ sein!“ - Gießens Headcoach Denis Wucherer im BIG-Interview

— Jan Finken

Denis Wucherer hat den Traditionsstandort Gießen wieder in die Beko BBL geführt. Erst 42 Jahre alt, hat der ehemalige Nationalspieler von der NBBL bis zur A2-Nationalmannschaft auf vielen Ebenen gecoacht. Seine aktive Karriere ist dabei früher zu Ende gegangen, als ihm lieb war.

Herr Wucherer, NBBL, Junioren-Nationalmannschaft, A2, A1, ProA, jetzt die Beko BBL: Sie sind erst 42 Jahre alt, haben aber bereits auf den unterschiedlichsten Levels Erfahrungen als Co-Trainer und Headcoach gesammelt. Folgen Sie da einem Masterplan?

Ich will nicht sagen, dass ich wie die Jungfrau zum Kinde zum Trainerjob gekommen bin, aber die Chancen, als Trainer zu arbeiten, kamen immer sehr gelegen. Meine Aufgabe als NBBL-Trainer bei den Bayer Giants Leverkusen, gewissermaßen mein Einstieg ins Coaching, hat mir einen Riesenspaß gemacht. Leider konnte ich die Saison nicht zu Ende bringen, weil ich aus familiären Gründen für einige Zeit nach Südafrika gegangen bin. Als ich 2009 wieder zurück war, kam das Angebot von Dirk Bauermann, unter dem ich lange gespielt habe, die A2-Nationalmannschaft bei der Universiade zu betreuen. Ursprünglich sollten wir das beide machen, aber Dirk hat mich im Training beobachtet und meinte irgendwann: Du machst das mal alleine. Für mich war das natürlich super, weil ich nach dem Prinzip Learning by doing frei arbeiten konnte. Dirk konnte sich dafür ganz auf die A-Nationalmannschaft konzentrieren, wo ich dann anschließend als Co-Trainer hinzustieß. In dieser Funktion war ich bei einer Europa- und einer Weltmeisterschaft dabei, und auf diesem Niveau konnte ich natürlich jede Menge lernen. Nach diesen beiden Sommern mit der Nationalmannschaft konnte ich für mich sagen: Ja, der Trainerjob ist etwas für mich.

Von wem haben Sie am meisten mitgenommen?

Am stärksten hat mich sicherlich Dirk Bauermann geprägt, mit dem ich später ja auch noch beim FC Bayern München zusammengearbeitet habe. Ich denke, vom Coaching, von der Gestaltung des Trainings und der Ansprache an die Spieler her ähneln wir uns sehr. Riesigen Eindruck hat bei mir außerdem Ettore Messina hinterlassen, unter dem ich zu meiner aktiven Zeit in Treviso spielen durfte. Da habe ich jede Trainingseinheit praktisch in mich aufgesogen. Messina ist in Europa zusammen mit Zeljko Obradovic das Maß aller Dinge, was Coaching angeht. Viel gelernt habe ich auch von Henrik Dettmann, auch wenn wir nicht das beste Verhältnis hatten. Seine ruhige und abgeklärte Art hat mir aber immer sehr imponiert.

Was würde der Trainer Wucherer über den Spieler Wucherer sagen?

Puh, schwierig … Wahrscheinlich war ich ein Albtraum. (lacht) Ich war als Spieler immer einer, der sich viele Gedanken gemacht hat, manchmal auch zu viele. Bisweilen ist es wohl besser, das zu machen, was der Trainer sagt, nach dem Training nach Hause zu gehen, Playstation zu zocken und ins Bett zu gehen – einfach funktionieren. Ich bin überzeugt davon, dass ich zwei, drei Jahre länger hätte spielen können, wenn ich öfter meinen Mund gehalten hätte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich da manchmal cleverer hätte agieren können. Heute weiß ich das – man wird mit dem Alter ja auch klüger – und versuche das inzwischen auch zu beherzigen, auch wenn ich sicher nie der aalglatte Typ sein werde.

Ist Ihnen diese Eigenschaft auch seinerzeit beim FC Bayern München zum Verhängnis geworden? Als Dirk Bauermann 2012 sechs Tage vor Saisonbeginn völlig überraschend entlassen wurde, mussten auch Sie als Co-Trainer gehen.

Ich war halt das Anhängsel, das in diesem Zuge auch seinen Hut nehmen musste. Uns traf diese Entscheidung des Klubs völlig überraschend, schließlich stand die neue Saison gerade vor der Tür.

Mit welchen Gefühlen werden Sie denn am 31. Januar 2016 mit den 46ers zum Gastspiel bei Ihrem ehemaligen Klub FC Bayern reisen?

In München erwartet von uns niemand einen Sieg. Wir haben einen der kleinsten Etats der Liga, während die Bayern vielleicht 15 Millionen Euro in ihren Kader investiert haben …

Die Frage zielte weniger auf das Sportliche als vielmehr auf den emotionalen Aspekt, was Sie betrifft …

Seit dieser Geschichte sind ja schon ein paar Jahre vergangen. Ich muss beim FC Bayern München niemandem etwas beweisen, obschon ich glaube, dass meine erfolgreiche Arbeit in Gießen in den vergangenen beiden Jahren auch dort registriert wurde. Es war unschön und menschlich enttäuschend, aber das Leben geht weiter. Ich habe in München viel gelernt und möchte die Zeit dort nicht missen.

In der Beko BBL spielen 18 Klubs, es gibt aber nur sechs deutsche Headcoaches, Sie eingeschlossen. Sind deutsche Trainer schlechter als jene aus Osteuropa oder Italien?

Das glaube ich nicht. Es ist noch nicht lange her, da lag die Quote deutscher Trainer in der Beko BBL bei 50 Prozent, da waren dann noch Sebastian Machowski und Stefan Koch dabei. Zu der Zeit war die Liga meiner Meinung nach auf einem guten Weg. Es gibt genug gute deutsche Trainer, die wir hierzulande derzeit noch in der Pipeline haben; neben den beiden Genannten, Machowski und Koch, zum Beispiel Henrik Rödl, der vielleicht heute noch Trainer in Berlin wäre, wenn Mike Penberthy 2006 im dritten Finalspiel gegen Köln seine beiden Freiwürfe getroffen und Alba die Meisterschaft gewonnen hätte. Die Deutschen, die jetzt in der Liga arbeiten, machen alle einen hervorragenden Job: Mathias Fischer in Bonn, Thorsten Leibenath in Ulm … Großen Respekt habe ich vor Ingo Freyer: Was der in Hagen mit einem kleinen Etat auf die Beine stellt – Chapeau! Als ich noch in Italien gespielt habe, fand ich das dortige Modell sehr interessant: Ausländische Trainer durften dort nur arbeiten, wenn sie in einer anderen europäischen Liga schon eine Meisterschaft gewonnen hatten. Auf diese Weise wurden die einheimischen Coaches protegiert und entwickelt. Ich finde, über ein solches Modell könnte man auch in Deutschland nachdenken.

Braucht denn auch die deutsche A-Nationalmannschaft einen deutschen Trainer?

Ich halte Chris Fleming für eine gute Lösung, die hoffentlich Perspektive hat. Man muss nun abwarten, wie sich sein Job bei den Denver Nuggets mit dem Amt des Bundestrainers verträgt.

Headcoaches aus der Bundesliga dürfen nicht Bundestrainer in Personalunion sein. Macht das Sinn?

Ich glaube, Sasa Obradovic hat das einmal ganz gut mit einem Augenzwinkern ausgedrückt: Das Amt des Bundestrainers ist etwas für alte Männer. Meiner Meinung nach trifft das den Nagel auf den Kopf: Junge Coaches wollen nicht nur zwei Monate im Jahr mit einer Mannschaft arbeiten, sondern jeden Tag in der Halle stehen. Fleming war es wahrscheinlich auch zu langweilig, nur im Sommer mit dem Team trainieren zu können und ansonsten viel hinter den Kulissen zu arbeiten. Wer einen jungen Coach mit frischen Ideen als Bundestrainer will, der muss Kompromisse eingehen.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es seit Dienstag, den 27.10.2015, im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Inhalt der BIG #47

Chris Fleming - Der Bundestrainer spricht im großen BIG-Interview über die Eurobasket, Dennis Schröder und die NBA
Ingo Weiss - Der DBB-Präsident zieht sein EM-Fazit und spricht über die Chancen auf ein olympisches Qualifikationsturnier
Neue Playercards - Nachgerüstet: Diese Spieler kamen kurz vor Saisonstart
Deutsche im Fokus - Zehn Spieler, von denen wir in dieser Saison mehr erwarten
Nicolo Melli - Der italienische Nationalspieler über Bamberg und die EM
Paul Zipser - Bayerns Forward hat bei der EM den nächsten Schritt gemacht
Deon Thompson - Was der Rückkehrer Bayern München in der Defense gibt
Jordan Taylor und Will Cherry - Albas neues Point-Guard-Duo im Doppel-Interview
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