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BIG - Basketball in Deutschland
„Ich kann Schmerzen ignorieren!“ - Oldenburgs Vaughn Duggins im BIG-Interview

„Ich kann Schmerzen ignorieren!“ - Oldenburgs Vaughn Duggins im BIG-Interview

— Jan Finken

Vaughn Duggins ist der wichtigste Spieler der EWE Baskets Oldenburg. Im großen BIG-Interview spricht er über seinen Umgang mit Schmerzen und erklärt, warum seine Tischtennisplatte nach seinem College-Coach benannt ist und wie er sich in den Jump Shot seiner Frau verliebte.

Herr Duggins, Sie spielen aktuell Ihre dritte Saison in der Beko BBL – wir können uns also auf Deutsch unterhalten?

Wie bitte? Noch nicht einmal annähernd … (lacht). Ich bin zwar sehr froh, wieder in Deutschland zu spielen, aber für ein ausführliches Gespräch auf Deutsch reicht es noch nicht.

Sie sind nach zwei Jahren in Frankreich wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Warum nach Oldenburg, und gab es auch andere Optionen?

Ja, die gab es. Ich hatte eine starke letzte Saison in Frankreich und es gab einige Anfragen, auch aus Deutschland. Ich hatte die Verhandlungen wie gewohnt in die Hände meines Agenten gelegt, der mich erst ins Boot geholt hat, als er ein wirklich interessantes Angebot vorliegen hatte, das seiner Meinung nach zu mir passte. Ich war wirklich begeistert, als die Anfrage aus Oldenburg kam. Aus meiner Tübinger Zeit wusste ich, dass die EWE Baskets eine Top-Adresse in Deutschland sind: sehr professionell und sehr angesehen. Von daher war es für mich letzten Endes keine schwierige Entscheidung. Ich hatte gehofft, nach Deutschland zurückkehren zu können. Meiner Frau und mir hat es schon in Tübingen sehr gut gefallen, wo wir einige Freundschaften geschlossen haben. Diese Erinnerungen haben uns in dem Beschluss gestärkt, erneut nach Deutschland zu kommen.

Ihr Headcoach Mladen Drijencic ist zwar schon 50 Jahre alt, in der 1. Liga aber noch ein Rookie-Coach. Wie waren Ihre ersten Eindrücke von ihm?

Coach Mladen war einer der wichtigsten Gründe, warum ich nach Oldenburg gekommen bin; er hat mich gleich in unserem ersten Gespräch überzeugt. Ich liebe seine Energie und seinen Enthusiasmus …

… der ihn oft zum sechsten Mann auf dem Feld macht …

Ja, das kann man so sagen. (lacht) Wir merken ihm jeden Tag an, wie sehr er seinen Job liebt und dass er für den Basketball lebt. Er hat eine gute Ansprache an die Spieler, egal ob es sich um einen Youngster oder um einen Veteranen handelt. Einziges Problem: Ich verstehe sein Englisch manchmal nicht. (lacht)

Was hat er Ihnen gesagt, welche Rolle Sie bei den EWE Baskets spielen sollen?

Er hat für mich schon die Rolle des Go-to-Guys vorgesehen. Ich soll auf dem Feld kreieren, für mich und für andere. Ich soll an beiden Enden des Feldes mit voller Energie spielen.

Derzeit erzielen Sie 18 Punkte pro Spiel, holen vier Rebounds, verteilen vier Assists und haben eine bemerkenswerte Wurfquote. Sehen wir aktuell den besten Vaughn Duggins aller Zeiten?

Gute Frage. (lacht) Ich war schon immer der Typ, der scoren konnte, meinen ganzen Stolz lege ich aber in die Verteidigung – Defense nehme ich persönlich. So gesehen will ich an beiden Enden des Feldes immer Vollgas geben, in jedem Training, in jedem Spiel. Im letzten Jahr habe ich mir viel Selbstvertrauen für mein Spiel geholt, das kommt mir jetzt in Oldenburg zugute. Es muss aber auch beachtet werden, dass ich hier so viele unglaublich gute Mitspieler um mich herum habe, das macht für mich vieles einfacher. Alles in allem will ich den Ball aber flach halten: Es ist noch früh in der Saison, und es kann noch viel passieren.

Nehmen Sie es nicht persönlich, aber mit Ihren Muskeln und Ihrem Bart sehen Sie aus wie ein Holzfäller. Spiegelt sich in Ihrem Äußeren auch Ihre Mentalität als harter Arbeiter auf dem Spielfeld wider? Schließlich sind Sie auch auf dem Land groß geworden …

Ich muss Sie enttäuschen, aber dass ich kein Farmer wie mein Vater werde, war relativ früh klar; Fahrten auf dem Traktor haben mir nicht so viel Spaß gemacht wie ihm selbst. (lacht) Generell haben Sie recht, dass ich auf dem Parkett wenig für Show und Theatralik übrig habe und mich eher als der Arbeitertyp sehe. Abseits des Feldes weiß ich aber durchaus nette Kleidung zu schätzen – ich gehe gern shoppen!

Zu der Attitüde des hard working guy passt auch der Ruf, den Sie sich am College erworben haben. Ihr früherer Athletiktrainer Jason Franklin nannte sie den „ultimativen Krieger“, der „Toughness auf ein neues Level gehoben hat“ …

Da haben Sie ja ganz schön in den Archiven gekramt … Ich kenne das Zitat von Jason nicht, aber es ist natürlich eine Ehre, so etwas über sich zu hören. Ich denke, er spielt auf meine Senior-Saison an, in der ich lange unter starken Rückenschmerzen litt …

… und Sie trotzdem immer gespielt haben. Sie sprachen damals davon, dass es einzig und allein um „Pain Management“ ginge …

Ich denke, dass jeder Profisportler einmal an den Punkt kommt, an dem ihm Schmerzen wirklich zusetzen. Dann kommt es darauf an, wie mit dem Schmerz umgegangen wird. Lasse ich ihn oder den Gedanken an ihn zu, oder versuche ich ihn zu ignorieren und gebe im Spiel trotzdem 100 Prozent? Ich kann mich noch sehr gut an die Situation erinnern, in der ich mir die Verletzung zugezogen habe: Ich ging zum Rebound, verdrehte meinen Oberkörper, um den Ball zu fangen, und landete unglücklich auf dem Fuß meines Gegenspielers. Danach hatte ich Schmerzen wie noch nie zuvor. Ich habe dann aber einen Weg gefunden, mit dem Schmerz umzugehen, beispielsweise habe ich damals begonnen, mich vor Spielen immer sehr lange und intensiv aufzuwärmen. Das habe ich bis heute beibehalten.

Mit Chris Kramer gibt es in Oldenburg einen weiteren Akteur, der während der Spiele wenig Rücksicht auf seine eigene Gesundheit nimmt.

Ja, Chris und ich pflegen einen ähnlichen Basketballstil. (lacht) Ich kenne ihn übrigens schon seit Highschool-Zeiten: Er stammt wie ich aus Indiana, und wir haben seinerzeit im selben Allstar-Team gespielt. Dort waren wir zwei Wochen im Jahr zusammen, haben gemeinsam trainiert und gegen die Allstar-Auswahl Kentuckys, zu der Indiana eine besondere Rivalität gepflegt hat, gespielt. Umso schöner, dass wir jetzt bei den EWE Baskets wieder in einem Team stehen.

Sie haben eingangs erwähnt, dass Coach Drijencic Sie in der Rolle des Go-to-Guys sieht – noch ist Oldenburg aber das Team von Rickey Paulding.

Und das wird es auch bleiben! Rickey ist schon jetzt eine lebende Legende, und das nicht nur in Pauldingburg. Es war schon zu meiner Tübinger Zeit beeindruckend, zu sehen, welchen Stellenwert Rickey gerade bei Fans anderer Klubs genießt. Ich habe bislang noch keinen Spieler kennengelernt, der uneigennütziger ist und härter arbeitet als Rickey. Mit ihm zusammenzuspielen, ist für mich eine Ehre.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es ab sofort im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

 

Inhalt BIG #48

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