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BIG - Basketball in Deutschland
Berlins Alex King im BIG-Interview: „Hier, Kapitän, 400 Euro, macht euch einen lustigen Abend!“ Matthias Kuch

Berlins Alex King im BIG-Interview: „Hier, Kapitän, 400 Euro, macht euch einen lustigen Abend!“

— BIG, Kai Zimmermann

ALEX KING bestätigt in dieser Saison seinen Durchbruch als Leistungsträger in der Beko BBL. Bei Alba spielt der Kapitän fast 18 Minuten pro Spiel, legt 7,7 Punkte auf und trifft fast 50 Prozent seiner Dreier. Dabei wollte King als 18-Jähriger frustriert aufhören. Ein BIG-Gespräch über Abgründe eines jungen Profis, die Rettung vor dem Karriereende und den Luxus, in der Metropole Berlin sein Glück gefunden zu haben

Alex, Du spielst jetzt seit zwei Jahren in Berlin - Wo sind die Unterschiede zu Frankfurt, Bonn und Würzburg?

Es geht in erster Linie um Verantwortung und Druck. In Berlin hast du größere Verantwortung als in Würzburg, zumindest fühlt es sich so an. Es wird auf dem Feld schlichtweg mehr von dir verlangt. Es ist eine größere Fanbase da, du musst produzieren, wenn du Anerkennung haben willst. Bei Alba spielen nur Topspieler. Du willst einer sein? Dann zeig es.

Mehr Business?

Mehr Business, mehr Geschäft. In Würzburg und Bonn wird dir viel gegeben, unabhängig von deiner Leistung. Wenn du verlierst, drücken die Fans ein Auge zu und die Klubverantwortlichen auch. Comfortable. Du bleibst immer deren Darling. In Berlin ist es weniger familiär. Du muss was bringen, um etwas zu bekommen. Wenn du es nicht bringst, kann es ungemütlich werden. Du spürst den Druck, dann gibt’s Gespräche. Plötzlich geht die Tür auf, und ein Marco Baldi sagt: „Jungs, das kann nicht sein.“ Wenn du mit Würzburg gegen Alba gewinnst, kommt der Manager schon mal rein: „Hier, Kapitän, 400 Euro, macht euch einen lustigen Abend!“ Hier gibt’s das nicht. Hier ist es ein Muss, eine Selbstverständlichkeit, zu gewinnen.

Was tust du dafür, um die Erwartungen zu erfüllen?

Ich lebe Basketball, mehr noch als früher. Seitdem ich in Berlin bin, ist mein Level an Professionalität noch mal deutlich gestiegen. Ich hätte nie gedacht, dass ich das erreichen könnte. Ich hatte in Würzburg eine klare Struktur, die meinen Tag bestimmt hat. Training, Krafttraining, wann ist dies und wann das. Aber seitdem ich hier bin, habe ich einen Ablauf, den ich strikt einhalten muss. Und das setze ich auch um. Darunter leiden die Leute in meinem Umkreis. Ich kann viele Anrufe nicht annehmen, weil ich schlafen muss, weil ich essen muss, weil ichauf dem Laptop Spiele ansehen muss . Das ist meine Routine. So läuft mein Leben.

Wie viele Stunden am Tag sind Basketball?

Von früh bis abends. Eigentlich ununterbrochen.

Macht deine Ehefrau das mit?

Zum Glück ja. Sie arbeitet selbst viel. Wir achten darauf, uns Zeit zu nehmen, wenn es dann doch mal einen freien Tag gibt, schalte ich ab. Ansonsten unterstützt sie mich, wo sie kann. Sie kocht für mich. Sie respektiert meinen Tagesablauf. Ich habe bestimmte Zeitpunkte, zu denen ich aufstehen muss. Meistens gegen acht Uhr, fertig machen, dann frühstücken, Presse, zum Training gehen, Extraeinheiten für das Shooting, mittagessen, schlafen, 17.45 Uhr Video, 18.30 wieder Training bis 20.30 Uhr. Und abends sehe ich dann meine Videos. 21 bis 21.30 Uhr bin ich meistens zu Hause, dann esse ich was – und dann ab ins Bett.

Couch fällt aus?

Meistens. Wir sind oft beide zu kaputt. Es lohnt sich nicht, weil dir die Augen zufallen.

Und das macht Spaß?

Wenn du gewinnst, ja. Dann ist alles viel leichter. Wenn du verlierst, wird es schwieriger. Es ist generell weniger die physische, vielmehr die psychische Belastung, die dich anstrengt. Du musst ja ununterbrochen den Kopf einschalten, wenn es um Systeme geht, wenn es um Drills geht. Das schlaucht. Es sind kurze Zeitabstände, und du musst immer wieder krass fokussiert sein. Da kommst du kaum noch auf andere Gedanken. Und das ist gut so.

Warum gut?

Es hilft mir, meinen Rhythmus zu behalten. Wenn ich das Gefühl habe, dass mich etwas aus der Bahn bringt, wenn ich merke, dass ich an etwas anderes denke, fühle ich mich sofort unwohl. Dann handle ich sofort. Ich weiß, dass ich mich zurück auf die Bahn setzen muss. Wenn ich zu locker drauf bin, schadet mir das. Wenn ich merke, es geht zu wenig um Basketball. Falls zum Beispiel Bekannte gekommen sind und es länger wird, werde ich kribbelig. Ich spüre dann: Das ist nicht gut für meinen Rhythmus.

Wirkt sich das auf deine Leistungen sofort negativ aus?

Ja, das Gefühl habe ich.

Woran merkst du das?

Es ist eine Frage der Sicherheit. Ich bin kein unglaubliches Talent. Ich kann nicht jeden Tag in die Bar gehen und trotzdem performen. Ich muss arbeiten, um meine Performance zu zeigen.

Gibt es Spieler, bei denen es läuft, obwohl sie das nicht so durchziehen?

Die gibt es. Chris Williams in Frankfurt war so einer. Ein Phänomen. Ein Spieler, der nächtelang losgehen konnte wie er wollte. Er hat trotzdem unglaubliche Statistiken aufgelegt. Ein Ausnahmetalent, die gibt es immer wieder. Man sieht es ihnen nicht an.

Auch heute noch? Die Liga wird immer professioneller.

Ich denke schon. Aber richtig ist auch, dass das abgenommen hat. Die Spieler tragen einfach mehr Verantwortung auf ihren Schultern. Früher waren die Gehälter niedriger. Jetzt gibt’s schon etwas mehr. Und wenn du es nicht bringst, kommt schnell ein neuer Spieler und nimmt deine Spielzeit. Das ist ein Grund, warum ich Sasa Obradovic so schätze.

Warum genau?

Er verteilt das nicht nur nach Talent, sondern nach Arbeit. Das gilt für deutsche Spieler und für die Amis. Die haben natürlich eine höhere Verantwortung. Aber jeder, der hart arbeitet, bekommt die Chance, sich zu zeigen.

Du spielst mehr als 17 Minuten. Zufrieden?

Im Moment läuft es gut und ich kann mich nicht beklagen. Als Spieler freut man sich immer, wenn man mehr spielt, aber durch die Doppelbelastung Euroleague/Beko BBL ist es genau richtig, ich bin nicht eingeschränkt. Ich bekomme meine Würfe, kann mich aber auch in der Defense auspowern und präsentieren. Und wenn ich müde bin, wechsele ich mich auch mal selbst aus.

Ungewöhnlich. Das hast du schon getan?

Klar. Wenn ich fertig bin, sage ich das. Und Sasa findet das auch besser so – er merkt, seine Spieler geben alles. Und ich kann mir sicher sein, wieder zurück ins Spiel zu kommen. Ob es dann 17, 18 oder 19 Minuten sind, ist mir egal. Mir ist wichtiger, dass ich Verantwortung in der Mannschaft habe und mitspiele. Gerade ist dieser Phase, in der wir Euroleague spielen und in der BBL Erster sind, ist es für mich entscheidend, dabei zu sein und zu bleiben. Ich bin ein Teil dieser erfolgreichen Mannschaft, und das zählt für mich.

Was sind deine persönlichen Ziele?

Ich fühle mich sehr gut, meine Gelenke und meine Knie sind gut. Ich will fit bleiben und noch einige Jahre gut spielen. Natürlich denke ich manchmal, warum habe ich diese Schritte nicht mit 18 gemacht, dann wäre ich mit 24 in der NBA. Aber ich bin halt ein Spätzünder. Ich hatte meinen Durchbruch erst mit 27, 28. So ist das halt! Ich habe Feuer in mir und kann besser werden. Mich entwickeln, größerer Ziele erreichen. Vielleicht spiele ich irgendwann noch mal im Ausland. Ansonsten muss ich mich hin und wieder kneifen. Berlin ist Liebe. Der Nervenkitzel, wenn ich einlaufe. Das Publikum. Auf dem Spielfeld zu sein. Unser Job ist generell ein Traum, ein Wahnsinn. In dieser Halle zu spielen, für diese Stadt, ist Wahnsinn. Ich habe mit vielen vorher darüber gesprochen, zum Beispiel mit Nino Garris, der damals in Frankfurt war. Ich war oft in Berlin, im Sommer zum Streetball. Jedes Mal, wenn wir landen und zur Schützenstraße fahren, fehlen mir die Worte für den Luxus, hier spielen zu können. Atemberaubend.

Du bist 29. Was willst du an dir verbessern?

Mein Ballhandling. Das möchte ich verbessern, ich arbeite mit den Assistent Coaches. Grundsätzlich geht das aber in allen Bereichen. Ich möchte mein Postgame wieder mehr pflegen. Das war früher mein Ding. Meine Rolle ist, zu verteidigen. Alles andere ist Bonus.

Dein Dreier liegt in dieser Saison bei fast 50 Prozent.

Er soll trotzdem noch besser werden, noch konstanter.

Du hast dich schon in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Wie hat das geklappt?

Ja, es ist verrückt, dass ich heute werfen kann. Im Alter zwischen 13 und 28 habe ich geworfen und gehofft: Geh bitte rein, bitte kein Airball! Ich habe 15 Jahre nur gehofft. Der Erste, der mir wirklich geholfen hat, war Mike Koch. Er war selbst ein irrer Shooter und hat mir viele Mechaniken gezeigt. Da hat es sich zum ersten Mal gut angefühlt, Würfe zu nehmen. Ich war aber noch wacklig. Eigentlich habe ich erst im zweiten Jahr in Würzburg richtig Vertrauen entwickelt. Marcel Schröder und Michael Meeks haben mit mir trainiert, jeden Tag stundenlang geschossen, mir Techniken gezeigt, ein paar Dirk-Nowitzki-Übungen. Werfen, werfen, werfen. Heute feile ich weniger an den Techniken, entwickle mehr Routine, um die Mechanik zu haben.

Das hat offenbar funktioniert.

Das bedeutet mir eine Menge. Für mich ist es fast ein Orgasmus, wenn ich einen Dreier treffe. Jetzt habe ich in Würzburg mit sieben von sieben Dreiern einen Rekord aufgestellt, das war noch vor Klay Thompson. Das war ein Spiel, bei dem ich wusste: Er geht rein. Für mich wird kaum ein System gelaufen, aber ich bekomme meine Situationen, zum Beispiel beim Pick’n’Pop. Und ich weiß, die Jungs sehen mich. Ich muss nur laden und schießen. Einen Wurf zu haben, auf den ich mich verlassen kann, ist wie ein neuer Abschnitt in meinem Leben. Heute habe ich das Gefühl: Dieser Job ist einfach geil. Dann haust du mal einen 360er-Dunk raus!

Wir wollen nicht kleinlich sein, aber der Dunk gegen den MBC sah komisch aus ...

Komm schon, ich hab mich gedreht! Es war einfach geil, das Ding rauszuhauen. Es hat Spaß gemacht! Ich habe ihn im Training geübt und gedacht, jetzt wird umgesetzt, ich mache es einfach. Früher hätte ich mir ohne Ende Gedanken gemacht. Ich hätte gedacht: Hoffentlich mache ich keinen Fehler. Was passiert, wenn ich danebenwerfe, bei einem Turnover. Diese Gedanken behindern dich beim Spielen. Du kannst dich dann nicht aufs Wesentliche konzentrieren.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es ab Dienstag, den 24.02.2015 im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

- Hans-Jürgen Appelrath - Der Informatik-Professor war Kandidat für die Wahl zum BBL-Präsidenten. In BIG spricht er über die Probleme der Liga

- Daniel Theis - Hat Bambergs Forward das Zeug zum Topstar? Die Analyse in BIG

- EWE Baskets Oldenburg - Johannes Herber erklärt, warum der Klub aus dem Norden in der Krise steckt

- Alex King - Der erfahrene Forward blüht bei Alba Berlin auf. Im großen BIG -Interview spricht er über die Gründe

- Vladimir Stimac -Warum der Center für Bayern München immer wertvoller wird

- Khalid El-Amin - Der erfahrene Aufbau führte Göttingen ins Mittelfeld der Tabelle

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- Vitalis Chikoko - Triers Big Man über seinen Weg aus Simbabwe in die BBL und das Ziel NBA

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