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BIG - Basketball in Deutschland
Berlins erster Mann für die Crunchtime: Point Forward Reggie Redding im BIG-Portrait © Eberhard Thonfeld

Berlins erster Mann für die Crunchtime: Point Forward Reggie Redding im BIG-Portrait

— BIG, Bastian Teinert

Reggie Redding hatte die erste Formkrise in seiner Zeit bei Alba Berlin. Ausgerechnet er, der Shootingstar der vergangenen Saison. Seine Großeltern waren gestorben. Der Verein bietet ihm einen Therapeuten an. Redding lehnt ab. Trotzdem schafft der Amerikaner ein Leistungs-Comeback. Jetzt trägt er wieder viele Hoffnungen der Berliner.

Und plötzlich hat es Clutch gemacht. Braunschweig, Anfang März, in der Volkswagen-Halle ist Alba Berlin zu Gast: Die Berliner führen 67:64. Keine 48 Stunden nach der kräftezehrenden Overtime-Niederlage in Barcelona muss Alba bis in die Schlussphase zittern. 13 Sekunden zeigt die Spieluhr noch, als Reggie Redding seinen Landsmann Derrick Allen abräumt, beim Korbleger blockt. Akeem Vargas vollendet den anschließenden Fastbreak zum Sieg für die Albatrosse. Reggie Redding meldete sich nach einem ziemlich zähen Spiel (0 von 8 FG) am Ende eindrucksvoll zurück. Der Block war spielentscheidend. Für Redding sogar mehr als das. Es war das Comeback des Clutch-Players bei Alba. Diesmal mit einer mitreißenden Aktion in der Defensive.

Redding wechselte im Sommer 2013 aus Tübingen nach Berlin und schlug prächtig ein. So ging es im Herbst 2014 weiter. Wieder machte es Clutch, und das gegen die San Antonio Spurs! Reggie traf fünf Sekunden vor Schluss einen Dreier, stahl danach den Einwurf des NBA-Champions und ebnete somit den Weg zum Buzzer von Jamel McLean.

Ohne Redding hätte Alba das Ding gegen die Spurs nicht auf so legendäre Art und Weise gedreht. Nur einige Wochen später, in der Euroleague gegen Malaga, riss er die Fans erneut von den Sitzen. Sein Lay-up ganze 0,2 Sekunden vor dem Ende brachte Alba den 78:77-Sieg. Anscheinend konnte Redding in dieser Phase anpacken, was er wollte, es gelang. „Wie man als Spieler das nächste Level erreicht? Ich denke, man muss dafür in jedem Spiel seine bestmögliche Leistung bringen“, sagt er.

Doch so einfach ist es nicht immer. Vor allem wenn das wahre Leben zuschlägt. Im Dezember starb Reggies geliebte Großmutter nach einer Krankheit. „Das war keine große Überraschung“, sagte Redding dem Berliner „Tagesspiegel“ später in einem Interview. Reggie reiste kurz vor Heiligabend nach Philadelphia und wollte kurz nach der Beerdigung zurück nach Berlin fliegen. Die Familie feierte noch etwas Weihnachten vor. Reggie war fünf lange Jahre nicht zum Fest zu Hause gewesen. Am nächsten Morgen war auch sein Großvater verstorben. Wie aus dem Nichts. „Ein Schock“, so Redding weiter. „Er war eine Vaterfigur für mich. Ich bin bei ihm aufgewachsen.“ Schweren Herzens kehrte Reggie mit einigen Tagen Verspätung nach Berlin zurück, in das schließlich einsame Leben eines Basketballprofis, der weder Frau noch Kind hat. „Wenn ich zu Hause sitze, schießen mir tausend Dinge durch den Kopf. Diese Geschichte hat mich mehr beeinflusst als ich es wollte. Man könnte auch sagen, mehr als ich es zulassen wollte. Auch wenn einige Leute sagen, so sei nun mal das Leben. Es ist hart für mich, meine Großeltern waren mir sehr nah“, räumte Reggie offen ein.

Auf dem Court kann Redding abschalten. Wenn er spielt, denkt er nicht nach. Die Trauer kommt später und beeinflusst vielleicht doch sein Spiel. Coach Obradovic fragte ihn genau danach, wie sehr der Tod seiner Großeltern ihn beschäftigen würde. Redding: „Ich habe Sasa geantwortet, er solle sich wegen mir nicht zu sehr den Kopf zerbrechen. Ich würde einen Weg finden, wieder effektiv zu sein.“ Den Tod seiner Großeltern wollte er als Ausrede für seine schwankenden Leistungen nicht gelten lassen. Auch der Sportdirektor suchte das Gespräch. „Mithat fragte mich, ob ich nicht mit jemandem darüber reden wolle, vielleicht mit einem Therapeuten“, erzählt Redding. Seine Antwort: „Hell, no. I’m not crazy, man.“

Natürlich wollten die Alba-Bosse ihrem Star helfen. Das gelang Mithat Demirel in einem weiteren Gespräch, wie er nach Reddings Gala beim Sieg gegen Kaunas erklärte. Sein wankender Star hatte sich gerade mit 27 Punkten freigeschossen. Dazu hatte Redding sieben Rebounds gepackt und fünf Assists aufgelegt. Demirel: „Reggie hat sich zu lange darauf konzentriert, unser Spiel tragen zu wollen und immer gleich selbst abzuschließen. Er hat heute zuerst die Kleinigkeiten erledigt. Gut verteidigen, rebounden, seine Mitspieler einsetzen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er so ein Spiel macht.“ In diesem Punkt, im Gegensatz zur Frage, einen Psychiater aufzusuchen, ist Redding mit Demirel einverstanden. „Mithat hat absolut recht. Ich war immer ein Spieler, der das Spiel auf sich hat zukommen lassen. So habe ich meine Spots gefunden, meine Pässe an den Mann gebracht, meine Würfe genommen. In den letzten Wochen wollte ich es erzwingen, anstatt es passieren zu lassen“, sagt Redding.

Einer der Besten möchte er sein. In der BBL hat Redding dieses Ziel erreicht. Nach seinen Leistungen gegen die Spurs und in der Euroleague ist auch Europa auf ihn aufmerksam geworden. Reggies Vertrag läuft im Sommer aus. In einem BIG-Interview erklärte er unlängst auf die Frage, wie wichtig ihm Geld sei: „Sagen wir, es ist wichtig. Ich arbeite für meine Zukunft.“ Natürlich sind Reggies Leistungen den Top-Teams des Kontinents ins Auge gesprungen und natürlich ist die Kasse einiger Teams wesentlich praller gefüllt als die der Berliner. Doch noch will Redding die Gedanken um seinen nächsten, sehr wahrscheinlich am besten dotierten Vertrag seiner Karriere ausblenden. Er räumt aber ein: „Jeder denkt an seine Zukunft. Niemand kann behaupten, dass ihn seine Zukunft nicht beschäftigen würde. Man sollte da schon ehrlich sein.“

Ehrlich sein, vor allem zu sich selbst. Das hat Redding aus den Wochen gelernt, in denen es nicht gerade rundlief. Dass er auf dem Parkett dabei zu schnell zu viel erreichen wollte, ist wohl der Hauptgrund für seinen ersten längeren Durchhänger bei Alba. Und nun? Reggie ist gereift und sagt: „Ich wollte in jedem Spiel auf Anhieb etwas Großes liefern. So bin ich aber nicht, so ein Spieler bin ich nicht. Das war wohl Gottes Art, mir mitzuteilen, ich solle das Spiel wieder auf meine Art spielen. Seitdem ich das eingesehen habe, läuft es etwas besser für mich. Hoffentlich bleibt es so. Ich weiß, dass es Spiele geben wird, die für mich nicht so großartig laufen werden. Ich werde versuchen, mich dafür nicht zu killen.“

Den kompletten Artikel könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es ab Dienstag, den 31.03.2015, im Handel gibt (Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten), außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

  • Beko BBL Top Four. Auftakt zum Pokal-Spezial: Warum das Finalturnier in Oldenburg so wichtig für die Liga ist
  • Reggie Redding. Wie der Star von Alba Berlin seine Formkrise überwand
  • Julius Jenkins. Warum Oldenburgs Routinier noch immer so wertvoll ist
  • Mathias Fischer. Bonns Coach spricht im -Interview über das Top Four
  • Brose Baskets. Nach dem Aus im Eurocup geht es mit voller Kraft ins Top Four
  • Der BBL-Reality-Check. Exklusiv: So wird die BBL bis 2020 die beste Liga Europas.
  • Wolfgang Heyder. Die schonungslose Liga-Analyse von Bambergs Manager
  • TBB Trier. Warum der Traditionsstandort der Liga erhalten bleiben sollte
  • Retter im Abstiegskampf. Diese Hoffnungsträger sollen ihre Klubs in der Beko BBL halten
  • Jason Brickman. Wie der neue Aufbau Bayreuths Offensive in Schwung brachte
  • Alex Ruoff. Johannes Herber erklärt, warum der Allrounder so wertvoll für Göttingen ist
  • Chris Welp. Sein ehemaliger Team-Kollege Heimo Förster erinnert sich an Deutschlands EM-Helden
  • D.J. Kennedy. Wie der Topscorer der BBL die MHP Riesen auf Playoff-Kurs brachte
  • Johannes Voigtmann. Warum der Center mit nur 22 Jahren schon so wertvoll für die Fraport Skyliners ist
  • Leon Kratzer. Das Center-Talent erklärt im -Interview, warum er sich in Bamberg durchsetzen wird
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