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Sanfter Riese, feiner Kerl – Ein Kommentar zum Tode von Nationalspieler Chris Welp Holger Sauer

Sanfter Riese, feiner Kerl – Ein Kommentar zum Tode von Nationalspieler Chris Welp

— Reinhard Schwarz

Die Besten sterben zu früh - Dieser Gedanke schoss mir spontan in den Kopf, als ich heute die Nachricht von Chris Welps Tod erhielt. Traurig und betroffen gedachte ich der Berührungspunkte unserer gemeinsamen Basketball-Historie.

Reinhard „Blacky“ Schwarz

Schwarz, Jahrgang 1943, war bis 2008 Redakteur bei der dpa und dort ab 1972 zuständig für das Ressort Basketball. Bei 13 Europa-, vier Weltmeisterschaften und fünf Olympischen Spielen begleitete „Blacky“ die deutsche Basketball-Nationalmannschaft und war stets mit vielen Emotionen dabei. Erste Basketball-Schritte unternahm der rüstige Pensionär im Alter von 15 Jahren bei der HTG Bad Homburg, für die er bis heute aktiv ist (Ü65). Den deutschen Basketball verfolgt er noch heute interessiert.

Nicht nur mir bescherte Chris als EM-Held des 4. Juli 1993 den wohl magischsten Moment meiner Laufbahn als Basketball-Reporter. Die Bilder der von ihm initiierten deutschen Sternstunde in der Münchner Olympiahalle waren wie in einem Film sofort präsent. Allen voran das fluchtartige Verlassen des Parketts in die Kabine, während die Teamgefährten sich selbst und ihren Erfolgscoach Svetislav Pesic enthusiastisch feierten.

So war er eben, der stille Star aus Delmenhorst im Oldenburger Land, dessen geerdete Wesenszüge auch im größten Triumph seiner Karriere zum Vorschein kamen. Zurückhaltend, ja fast schüchtern wirkte er auf mich bei der ersten Begegnung, verblüffend der geradezu sanfte Händedruck des 2,12-Meter-Riesen beim ersten shake hands. Es war die weiche Wurfhand eines Gefühlsmenschen, die seiner eleganten Spielweise entsprach. Filigran, nicht brachial erledigte er seinen Knochenjob unter den Körben, wo rustikalere Centertypen rohe Kräfte walten ließen. Er war kein Ellbogentyp und dennoch auf seine Weise ein Großer mit dem gewissen Touch.

Was bleibt, ist die respektvolle Erinnerung an einen feinen Kerl, der trotz des vielleicht selbst auferlegten Stigmas eines Einzelgängers ein veritabler Teamplayer war. Sein verschmitztes Lächeln wird uns fehlen. Ruhe sanft, du sanfter Riese - und schönen Dunk für die besonderen Momente.

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