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Bundestrainer Chris Fleming in der OrangeZone: „Ein Riesenschritt für den deutschen Basketball“ © Camera 4

Bundestrainer Chris Fleming in der OrangeZone: „Ein Riesenschritt für den deutschen Basketball“

— Interview: Martin Fünkele

Im Interview mit der Ulmer Hallenzeitung OrangeZone spricht der Bundestrainer über die Nationalspieler Per Günther und Tim Ohlbrecht, die Entwicklung junger Spieler und die Ulmer Pläne, an der Donau ein „überragendes Konzept“ umzusetzen.

Chris, du hast mit deiner Aussage in der BIG, Per sei „der beste deutsche Game Manager, den wir haben“ für mächtig Aufsehen gesorgt. War dir das bewusst?

Chris Fleming: (Lacht). Dieser Satz ist vielleicht ein bisschen zu absolut verstanden worden. Es ging mir lediglich darum, die Stärken und Schwächen eines jeden Spielers zum Ausdruck zu bringen, und dass Per Schluss-Situationen sehr gut managt.

Was genau hast du damit gemeint?

Dass er das Tempo eines Spiels sehr gut steuert. Das ist, was ihn auszeichnet. Mehr wollte ich auch gar nicht sagen. Es ging mir nicht darum zu sagen, dass er bei der Nationalmannschaft der Hauptakteur sein wird. Ich halte sehr viel von ihm, aber ich glaube, dass die Hierarchie der Mannschaft erst zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt wird.

Hattest du zu deiner Bamberger Zeit schon Interesse an Per?

Ja, wir wollten ihn in Bamberg haben, bevor er seinen aktuellen Vertrag unterschrieben hat.

© DBB | Camera 4

Tim Ohlbrecht, den du zwei Jahre selbst in Bamberg gecoacht hast, spielt nach seiner Rückkehr aus den USA in Ulm eine starke Saison. Wie beurteilst du seine Entwicklung?

Als sehr positiv. Ich habe Tim 2008 bis 2009 trainiert, das ist lange her und Tim war damals ein sehr junger Spieler. Heute weiß er, was er ist, ist viel gefestigter – auch als Mensch. Auf dem Feld hat er eine Balance zwischen seinem Lowpost-Spiel und seinen Fähigkeiten als Werfer gefunden. Ich freue mich für ihn, dass er seinen Weg gegangen ist – auch wenn es nicht der Weg war, den viele für ihn vorgesehen hatten. Was man bei all dem nicht vergessen darf: Tim ist erst 26 und seine besten Jahre kommen noch.

Was kann Ohlbrecht heute, was er damals in Bamberg noch nicht konnte?

Heute ist seine Spieleridentität klar. Er ist konstanter in seinem Entscheidungsverhalten, seine Jump-Hooks fallen konstanter – aber das Wichtigste ist: Er weiß, wer er ist. Früher gab es so viele Leute, die ihm sagen wollten, was er zu tun hatte. Das war nicht leicht für ihn als jungen Spieler.

Was kannst du heute bzw. musst du heute in deinem Job als Bundestrainer können, was als Bundesligatrainer nicht wichtig war?

Als Club Coach siehst du die Entwicklung eines Teams in zehn Monaten. Fehler kannst du zu einem gewissen Grad in Kauf nehmen, weil du weißt, dass du von ihnen lernen wirst. Jetzt ist der Prozess viel kürzer, alles ist intensiver, enger. In Ulm werden sich einige daran erinnern, wie weit das Team im September 2012 war, als es das Euroleague-Quali-Turnier in Italien gespielt hat. Vergleicht man das September-Team mit dem im Mai 2013 – liegen Welten dazwischen. Für die Nationalmannschaft gibt es diese Entwicklungschance nicht. Das heißt für mich als Trainer: das Spiel vereinfachen ohne dabei die spielerische Qualität einzuschränken.

Die Europameisterschaft und ihre Vorrunde in Berlin ist deine erste große Herausforderung als DBB-Coach. Wie planst du dieses Turnier bzw. welche Schritte sind bis zum Beginn des Trainingslagers Anfang August zu tun?

Zunächst geht es mir darum, meine Spieler kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen, die dafür nötige Zeit will ich nicht im Sommer verlieren. Die größte Aufgabe wird es dann sein, eine Spielkultur zu entwickeln, mit der sich der Verband und die Spieler identifizieren können.

Welche Stimmung nimmst du bei den Spielern wahr, wenn du mit ihnen über die EM im Sommer sprichst?

Ich erhalte aus allen Richtungen ein sehr positives Feedback.

Für den DBB ist es nach der EM 1993 das erste internationale Turnier in Deutschland. Auch die Bundesliga unterstützt das Projekt und wünscht sich einen Hype. Sind die Erwartungen gerechtfertigt?

Ich glaube schon. Wir werden einen tollen Basketball sehen – jeder kennt die Gruppe, in der wir antreten. Wir haben eine sehr junge Generation, die gemischt mit einigen erfahrenen Spielern sicher eine super Werbung für Basketball machen wird.

Ich weiß, was es Dirk bedeutet, für Deutschland zu spielen. Aber nur wenige verstehen, was er opfern muss, um im Sommer zu spielen.

Chris Fleming

Welches Anforderungsprofil hast du bei der Zusammenstellung des Kaders und wie wichtig ist dabei Dirk Nowitzkis Entscheidung?

Meine erste Anforderung an die Spieler ist: bereit sein, sich für Team Deutschland zu opfern. Wir haben keine Zeit, um Egos und kleine Probleme zu befrieden. Jeder muss bereit sein, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen und Verteidigung zu spielen. Dirks Entscheidung kann ich nicht kontrollieren. Ich weiß, dass er sehr ernsthaft darüber nachdenkt und als Mensch ein sehr großes Verantwortungsbewusstsein hat. Außerdem bedeutet es ihm sehr viel, für Deutschland zu spielen. Aber für uns kann das zum jetzigen Zeitpunkt keine große Rolle spielen, weil wir keinen Einfluss auf seine Entscheidung haben. Deshalb würde ich mich freuen, wenn die Medien sich zunächst auf die Spieler konzentrieren, die bereit sind zu spielen. Dass es eine große Verstärkung wäre, einen der besten Spieler der Welt bei uns zu haben, darüber muss man nicht sprechen.

Gibt es also eine EM-Vorbereitung mit Dirk und eine ohne? Hast du einen Plan B, wenn er nicht kommt?

Nein, habe ich nicht. Natürlich gibt es Specials, die du machst, wenn Dirk dabei ist. Dirk hat so eine große Bandbreite an Möglichkeiten, dass wir unsere Offensive situativ anpassen werden. Zwei komplett unterschiedliche Planungen wird es aber nicht geben.

Dirks Karriere gilt vielen jungen Spielern nicht erst seit dem Film „Der perfekte Wurf“ als Blaupause. Was ist für dich an seiner Entwicklung für junge Spieler vorbildlich?

Das Besondere an ihm ist, dass er immer bereit war, sehr viel dafür zu opfern, richtig gut zu sein. Ich glaube nicht, dass viele Leute verstehen, was er opfern muss, um im Sommer dabei zu sein. Er kann nicht zwei Tage vorher seine Schuhe anziehen und kommen. Er braucht eine lange Vorbereitungszeit, um sich auf das Level zu bringen, das er von sich erwartet. Dieser Ehrgeiz zeichnet ihn aus. Und: Er hat sehr häufig beton wie wichtig ihm die Nationalmannschaft für seine Entwicklung war.

Durch die 6+6-Regelung haben sich die BBL-Clubs selbst in die Pflicht genommen, deutsche Spieler einzusetzen. Beurteilst du diese Regel heute als Bundestrainer anders als du sie früher als Clubtrainer beurteilt hast?

Nein. Die Regel war damals ganz gut und ich finde sie nach wie vor gut. Aber wenn wir darüber sprechen, Basketball in Deutschland zu entwickeln, ist diese Regel sicher nicht der Schlüsselpunkt. Wir müssen tiefer einsteigen: In der Regionalliga, ProB und ProA. Hier muss es darum gehen, die bestmöglichen Entwicklungschancen für junge Spieler zu schaffen. Hier will ich mich auch als Bundestrainer einbringen. Lasst uns die Point Guard Position anschauen: Hier sind Per und Dennis Schröder absolute Ausnahmeerscheinungen.

Warum?

Weil jede ernsthafte Mannschaft im Herrenbereich einen ausländischen Point Guard hat. Es ist also kein Geheimnis, warum wir so wenige gute deutsche Point Guards haben – das sollten wir ändern.

Mit Ohlbrecht, Günther und Schwethelm hat Ulm aktuell drei potenzielle Nationalspieler. Die Tendenz, dass die besten Deutschen allerdings nach München, Berlin oder Bamberg gehen, ist jetzt schon nicht zu übersehen. Wird so die Kluft zwischen den drei Großen B`s und dem Rest der Liga nicht zu groß?

Ich würde nicht sagen, dass es nur die 6+6-Regel ist, die diese Kluft schafft. Der Unterschied der Finanzen und Ambitionen ist mittlerweile relativ groß geworden. Wenn ein guter junger Spieler für viel mehr Geld in der Euroleague spielen kann, ist das natürlich sehr reizvoll. Wir müssen uns aber mehr mit der Frage beschäftigen, wie wir eine viel breitere Basis für Toptalente kreieren können.

In Ulm wird der Bau eines neuen Trainingszentrums geplant – auch, um mit der Ausbildung eigener Spieler ein Argument im Wettbieten um die Talente zu haben. Ein richtiger Schritt?

Das ist der Weg! Thomas Stoll hat mir die Pläne gezeigt und das Konzept ist überragend. Es gibt wenig bis gar keine Clubs, die solche Strukturen haben. Alles auf einem Grundstück – das wäre ein Riesenschritt für Ulm und den deutschen Basketball.

Welchen Rat kannst du den Verantwortlichen bei der Planung dieses Projekts geben?

Für mich ist es sehr wichtig, die Geschäftsstelle direkt am Trainingszentrum zu haben. So schaffst du die Identifikation unter den Mitarbeitern und auch umgekehrt. So sieht der Spieler, was alles im Office getan wird. Aber die Hauptsache ist: Drei Spielfelder und einen Kraftraum in einem Komplex zu haben. Viele haben Trainingshallen, aber niemand hat mehr als ein Spielfeld. Wenn du wirklich bewegen willst, ist das aber zu wenig. Wir haben jetzt für die Nationalmannschaft eine Halle mit Parkettboden und zwei Feldern gesucht – das findest du in Deutschland fast nicht. Mein zweiter Rat betrifft die Versorgung der Spieler. Der Jahreszyklus der Spieler wird immer länger und enger. Deshalb sind Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten so wichtig. Vor Ort zu essen und alles, was hilft, kurze Wege zu haben ist, wichtig.

Deutsche Topspieler kommen im Jahr mit Liga, europäischem Wettbewerb und Nationalmannschaft auf über 80 Spiele… Absagen wie die von Per im letzten Sommer sind da verständlich. Wie kann man das Problem lösen?

Wir als Verband müssen im athletischen und medizinischen Bereich topbesetzt sein – was wir auch sind. Aber was noch wichtiger ist: Die Kommunikation mit den Clubs muss offen und intensiv sein.

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