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Nationalspieler Per Günther in der OrangeZone: © K1X

Nationalspieler Per Günther in der OrangeZone: "Ich wollte eigentlich nur zocken!"

— Interview: Joshua Wiedmann

Sieben Jahre bei einem Club sind eine lange Zeit – aber für Per Günther offenbar noch nicht lang genug. Der 27-Jährige hat im Frühjahr um zwei Jahre bei ratiopharm ulm verlängert und könnte damit am Ende seines aktuellen Vertrags der Bundesliga-Spieler mit der größten Vereinstreue unter den aktiven sein. Höchste Zeit für ein Zwischenfazit – über emotionale Bindungen zu Teams, die Lust auf Verantwortung und das Ziel, endlich wieder richtig zu verteidigen.

Per, du hast unlängst auf Facebook ein Foto aus Jugendtagen gepostet. Darauf: Du und ein Kumpel in weiten Jeans und übergroßen Jacken, lässig an einem Geländer lehnend. Wie alt warst du da?

Per Günther: So etwa 16. In die Klamotten wollte ich damals noch reinwachsen. (lacht)

Basketball und Hip-Hop, war das dein Ding?

Absolut. Ich habe diesen Stil gelebt, seit ich 12 oder 13 war. Für mich gab es nur Hip-Hop und Basketball. Das war eine verrückte Zeit.

Welche Vorstellungen hattest du in diesem Alter von deiner Zukunft?

Später einmal professionell Basketball zu spielen war jedenfalls nicht in meinem Sichtfeld. Ich wollte als Jugendlicher eigentlich nur zocken. Das war meine Welt: Crossover, Basketball-Mixtapes schauen, viele Punkte machen. Ich hatte mal ein Spiel mit 70 Zählern oder so. Das war auch das einzige, was ich wirklich konnte: Scoren. Auf dem Feld Leuten auf die Backe zu geben – das war mir wichtig.

Wann hat sich diese Einstellung geändert?

Das war natürlich ein Prozess. Wenn du irgendwann zu den Jugend-Nationalteams kommst, realisierst du, wo es hingehen könnte. Aber auch da war ich lange eher ein kleines Licht. Als ich 16 war, ist Brandt Hagen insolvent gegangen, der Verein musste in der Regionalliga neu starten. Für mich war das ein Glück, zumal mein Vater dort Trainer wurde. Das hat mir sicher einen Vorteil verschafft.

In einem Interview mit der Schwäbischen Zeitung hast du gesagt, dass du es genießt, in Ulm so viel Verantwortung zu tragen. Ist dir eine tragende Rolle wichtiger als die Aussicht auf einen Titel?

So eindeutig ist es nicht. Auch einen Titel zu gewinnen wäre großartig. Aber momentan will ich meine Möglichkeiten komplett ausreizen. Ich möchte spielen und in der Verantwortung stehen, dass wir gewinnen. Ich habe das Gefühl: Wenn ich einmal über 30 bin und meinen besten Basketball gespielt habe, dann ist es vielleicht Zeit für eine kleinere Rolle bei einer größeren Mannschaft. Dann kann ich mir auch vorstellen, irgendwo für 15 Minuten von der Bank zu kommen. Aber am jetzigen Punkt meiner Karriere will ich mich als Basketballer ausleben.

Am Ende deines neuen Vertrages wirst du neun Jahre für ein Team gespielt haben – das kann aktuell kein Bundesliga-Spieler von sich behaupten. Denkst du bei Entscheidungen wie im Frühjahr auch an dein Vermächtnis?

Sicherlich. Noch hängt in der ratiopharm arena ja kein Trikot. (schmunzelt) Aber bevor das Jersey von Jarvis Walker nicht irgendwo verewigt wurde, sollte auch kein anderer in den Genuss kommen. Aber die Vorstellung, wie Jarvis nach 20 Jahren mit meinen Kindern in die Arena zurückzukehren und so empfangen zu werden wie er, ist sehr schön. Das hätte einen hohen Wert.

Warum gibt es nicht mehr Per Günthers in der Bundesliga? Was braucht es noch, damit wir mehr Spieler über Jahre an einem Standort sehen?

Meine Situation war sicher eine Besondere. Ich bin damals als junger Spieler zu einem kleinen Club gekommen, und seither sind beide Seiten parallel gewachsen. Ob ich noch hier wäre, wenn die Arena nicht gebaut worden wäre? Es ist also nicht fair, wenn ich sage: Ich bin die einzige Konstante und mit dem Club durch dick und dünn gegangen. Trotzdem würde ich mir natürlich wünschen, dass junge Spieler ein, zwei Jahre länger bei einem kleineren Club bleiben. Vielleicht ist die Kluft zwischen den Ausbildungsclubs und den Spitzenteams dafür aber auch zu groß.

© DBB | Camera 4

Lass uns in die Gegenwart kommen. Du hast dich für diesen Sommer vom Nationalteam abgemeldet. Wie schwer fällt eine Entscheidung gegen eine EM-Vorrunde im eigenen Land?

Letztlich schlage ich mich seit 18 Monaten mit körperlichen Beschwerden herum, die ich so nicht kannte: Knie, Achillessehne, Zipperlein hier und da. Da ist so eine Art Schneeballeffekt entstanden, für den ich die Quittung bekommen habe, als es mir am meisten weh getan hat: gegen Saisonende. Ich war immer stolz darauf, meine besten Spiele in den Playoffs gemacht zu haben. Ich hatte immer das Gefühl, noch einen Extra-Gang zu haben, wenn es wichtig wird. In diesem April hatte ich den nicht. Ich war körperlich weit von dem Niveau entfernt, auf dem ich sein muss in den Playoffs. Da sehe ich meine Verantwortung gegenüber dem Club. Deswegen hat es mit der Nationalmannschaft keinen Sinn gemacht.

Trotz der Beschwerden hast du statistisch deine beste Bundesliga-Saison gespielt. Was gibt es – außer gesund zu werden – jetzt noch für dich zu tun?

Ich muss auf der anderen Seite des Balles wieder stärker werden. Ich habe mir immer eingeredet, dass ich verteidigen kann, wenn ich es wirklich will. In letzter Zeit hatte ich die dazu nötige Physis nicht. Einige Gegner haben mir in der abgelaufenen Saison so richtig eingeschenkt. Und das lag nicht daran, dass ich nicht verteidigen kann, sondern weil ich keinen Saft in den Beinen hatte. Das war sehr frustrierend. Mein Anspruch ist es, von den körperlichen Voraussetzungen her nächste Saison meine beste Saison zu spielen.

Wir haben eingangs über die Pläne des jungen Per Günther gesprochen. Welche Visionen hast du heute, wenn du an die Zeit nach deiner Basketball-Karriere denkst?

Ich bin gut befreundet mit einigen Jungs in der Liga, die etwas älter sind als ich. Da beobachtet man natürlich, was die sich überlegen: Wer wird Manager, wer Agent, wer geht in die freie Wirtschaft? Bei mir beginnt jetzt die Phase, in der man sich damit zu beschäftigen beginnt, zumal ich nicht glaube, dass ich länger als bis 32 oder 33 Basketball spiele. Aber einen konkreten Plan gibt es noch nicht.

Gibt es noch etwas, das dir als Profi fehlt? Das du unbedingt noch erreichen willst?

Natürlich würde ich gern einen Titel gewinnen. Ich bin dreimal Zweiter geworden. Wenn das so bleibt, nagt das nach dem Karriereende sicherlich an einem. Aber wie schon gesagt: Eigentlich bin ich froh, wie meine Karriere bisher gelaufen ist. Als Leistungssportler lebt man ständig an der Grenze, da muss nur eine Verletzung oder eine Fehlentscheidung kommen. Insofern kann ich mich nicht beschweren.

Zum Abschluss nochmal ein Bild. Für die BBL solltest du mal die Welt malen, „wie sie dir gefällt“. Das Ergebnis ist ein Typ, der auf seiner Couch schläft – daneben eine leere Flasche Wein. Wie ist das zu verstehen?

Das war beim Allstar-Day. Was da passiert, sollte man nicht zu hoch hängen. (lacht)

Ist der junge Typ auf der Couch trotzdem Ausdruck dessen, dass man sich als Profi wünscht, manchmal mehr vom Leben zu haben?

Ja, es gibt schon Dinge, die man vermisst. Ganz besonders das Reisen. Fast jeder aus meinem Freundeskreis war mal in Australien, hat ein paar Monate in London gelebt oder an einem Austausch teilgenommen. Es gibt nur bestimmte Phasen im Leben, in denen du das machen kannst. Mit 34 Jahren, nach der Karriere, ist das zu spät. So etwas kann man nicht nachholen. Da gibt es auch bei mir Sehnsüchte – allein schon, mal ein paar Tage Skifahren gehen zu können im Winter. Aber damit darf man sich nicht beschäftigen, sonst frisst einen das auf. Zumal der Weg, den ich eingeschlagen habe, auch die ein oder andere gute Seite hat.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der Ulmer OrangeZone lesen oder ganz einfach Hier.

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