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Nationalmannschaft
Schulteroperation und Reha oder Heim-EM mit Dennis und Dirk - Das Dilemma meines Kumpels Daniel Theis fotoduda.de

Schulteroperation und Reha oder Heim-EM mit Dennis und Dirk - Das Dilemma meines Kumpels Daniel Theis

— Philipp Schwethelm

Philipp Schwethelm schreibt für Euch während der Europameisterschaft über die Deutsche Nationalmannschaft. Der Swingman der EWE Baskets Oldenburg hat 49 Länderspiele in der Vita und war bei der WM 2010 und der EM 2011 am Start.

Kurz vor Beginn der Europameisterschaft wurde ich öfters auf meinen ehemaligen Mitspieler und Kumpel Daniel Theis angesprochen. Er nahm dieser Tage an einem Vorbereitungsspiel in Ulm teil, anstatt sich mit der deutschen Nationalmannschaft auf die Heim-EM vorzubereiten. Ich finde da jede Sichtweise legitim, sehe das als Profi aber natürlich immer sofort aus meinem eigenen subjektiven Blickwinkel.

Bei Daniel fällt mir als allererstes ein, dass es sich in seinem jungen Alter schon um den zweiten Eingriff an seiner Schulter handelt. Die Schulter gilt neben dem Kniegelenk als eines der komplexesten Gelenke und ist damit ziemlich heikel, besonders für einen Basketballer. Man versucht Operationen in der Saison zu vermeiden, um auf der einen Seite keine Spiele zu verpassen und auf der anderen Seite mal ohne Zeitdruck ein Reha-Programm durchziehen zu können. Das kommt bei Verletzungen in der Saison verständlicherweise oft etwas zu kurz. Da steigt man oft schon bei 70-80 Prozent wieder ein, um nicht noch weitere Spiele zu verpassen. Es ist für mich deshalb absolut nachvollziehbar, dass Daniel die Sommerpause nach einem Eingriff dazu nutzt, ohne Zeitdruck seine „Schwachstelle“ im Körper so aufzubauen und zu stärken, dass es zu keinem dritten Eingriff kommen muss.

Es gibt bestimmt Spieler, die in dieser Situation sagen würden, dass eine Heim-EM und eine mögliche Teilnahme an den Olympischen Spielen es wert sind, dieses Risiko einzugehen und zu spielen. Vor diesen Jungs habe ich großen Respekt. Jedoch bekommt dieser Spieler dann oft in der Saison von seinem Klub als seinem Arbeitgeber und dessen Fans den Unmut zu spüren, wenn er angeschlagen ausfällt, weil er seine Verletzung nicht im Sommer richtig auskuriert hat. Für jeden Spieler ist es schwierig, in dieser Zwickmühle die richtige Entscheidung zu treffen.

Daniel verzichtet darauf an der Seite seines Kumpels Dennis Schröder und mit Dirk Nowitzki unter größtmöglicher medialer Aufmerksamkeit eine Heim-EM zu bestreiten. Das wäre ein Highlight in seiner Karriere gewesen! Er aber hat sich dazu entschieden, seinem Körper Zeit zu geben. Dass er jetzt bei einem Vorbereitungsspiel seines Vereins wieder als Teil eines Heilungs- und Aufbauprozesses langsam heran geführt wird, ist dabei nur völlig legitim. Es ist etwas anderes, sein erstes Testspiel nach fast zweimonatiger Pause zu bestreiten, als sich gleich ohne großes Training mit den besten Spielern seiner Zunft zu messen.

Als Person, die in der Öffentlichkeit steht, sind solche Entscheidungen immer besonders schwer. Mir als Spieler fällt es natürlich leichter, Daniels Entscheidung zu verstehen. Ich hoffe, dass meine Gedanken helfen, sich in seinen Kopf hineinzuversetzen.

Auch ohne Daniel wird die EM am Samstag starten. Und ich bin davon überzeugt, dass es gut wird. Ich freue mich sehr darauf, den Jungs vor dem Fernseher die Daumen drücken zu können. Die vielen Maßnahmen der Nachwuchsarbeit des DBB und der Beko BBL tragen langsam ihre Früchte und wir haben auch trotz der großen Verletzungsmisere eine Wahnsinnstruppe am Start.

Lasset die Spiele beginnen, Phil

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