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BIG - Basketball in Deutschland
„Auf Wut lässt sich nichts Positives aufbauen“ – Berlins Headcoach Ahmet Caki im BIG-Interview Christoph Worsch

„Auf Wut lässt sich nichts Positives aufbauen“ – Berlins Headcoach Ahmet Caki im BIG-Interview

— Frank Weiss

Ahmet Caki übernahm im Sommer den Headcoach-Job bei ALBA BERLIN. Nach dem Fehlstart in die Saison ist ein Platz unter den ersten vier vorerst in weiter Ferne. In BIG spricht er über die Probleme, erklärt seine defensive Philosophie und warum er weiter so ruhig bleibt.

Ahmet Caki, Sie hatten eine schwierige Vorbereitung. Brandon Ashley erzwang seine Vertragsauflösung, Nationalspieler kamen erst kurz vor Saisonstart zum Team, Forward Malcolm Miller verletzte sich. Die Folge: ALBAS Start in die Saison war nicht gut. Hätten Sie gedacht, dass es so schwierig wird?

Wie Sie gesagt haben, hatten wir in der Preseason einige Probleme. Wir hatten das Team erst vier oder fünf Tage vor dem Bonn-Spiel erstmals komplett beisammen. Dann haben wir noch Tony Gaffney für Ashley verpflichtet. Paul Carter bekam einen Dreimonatsvertrag, um den Ausfall von Miller zu kompensieren. Ich sehe das jedoch so: Es ist unser Job, jede Situation bestmöglich zu managen. Wir haben unser Bestes getan. Wir haben gute, aber auch schlechte Spiele gezeigt. Wir hatten vor den Spielen meist auch wenig Zeit zur Vorbereitung. Doch ich sehe Fortschritte im Verständnis untereinander. Die Zeit arbeitet für uns. Wir sind noch nicht bei hundert Prozent, doch wir werden jeden Tag besser.

Sie haben einen eher ruhigen Coaching-Stil. Sie wollen eine familiäre Atmosphäre schaffen. Wurden Sie in dieser Saison schon einmal laut?

Ich weiß, manche Trainer werden gerne laut, um das Team aufzuwecken. Aber in diesen Spielen hatte ich nicht das Gefühl, dass dies helfen würde. Ich kann gegenüber dem Team oder einem Spieler auch laut werden. Ich will das aber nicht als generelles Mittel einsetzen. Das ist nicht mein Stil. Ich will, dass das Team versteht, was passiert, und lieber technische und taktische Anweisungen geben, als zu schreien und Druck auszuüben. Wir sind Profis, spielen auf dem höchsten Level. Die Spieler sollten von allein mit maximaler Motivation und Leidenschaft antreten. Wir müssen uns gemeinsam auf die Details in der Offensive und in der Defensive konzentrieren.

Gibt es keine Situationen, in denen Sie wütend werden?

Wissen Sie, als ich als Headcoach anfing, so mit Ende zwanzig, war ich oft wütend und sauer. Doch man lernt, dass sich auf Wut und Druck langfristig nichts Positives aufbauen lässt. Man muss ein Vertrauensverhältnis haben. Wenn wir gegen Chimki mit 30 Punkten hinten liegen. Was hilft es da, wenn ich an der Seitenlinie rumschreie? Das soll nur zeigen, dass ich meinen Job mache und die Spieler nicht. Es läuft doch schon schlecht. Mein Ansatz ist vielmehr: Wir gewinnen und verlieren zusammen. Doch natürlich bin ich auch mal sauer. Meist im Training. In den Spielen zeigen wir uns, repräsentieren ALBA BERLIN. Da will ich mich positiver und ruhiger geben, kühlen Kopf bewahren und das Spiel richtig managen. Wenn ich aggressiver bin, ist das nicht der richtige Weg. Doch wie gesagt, im Training kann das anders sein. Da bricht das Gefühl schon manchmal raus. Ansonsten will ich beim Team bleiben und im Spiel helfen.

Offensiv lassen Sie sehr schnell spielen. Würden Sie gern mehr Struktur sehen?

Ehrlich gesagt, würde ich schon gern mit mehr Struktur spielen. Doch auf diesem Level sind wir noch nicht. Wenn wir ein schlechtes Spiel haben, einem Rückstand hinterherlaufen, versuchen wir einfach, schneller zu scoren. Wir pressen, gehen auf den Steal. Dazu kommt, dass in der BBL, wie gesagt, viele Teams die Zone dichtmachen. Daher gebe ich den Spielern nach ein, zwei Pässen und vielleicht einem Pick’n’Roll, die Freiheit zu attackieren, um das aufzubrechen. Denn nach vier, fünf Pässen sieht es meist nicht anders aus. Wir arbeiten aber natürlich auch an unserer Halfcourt-Offense, da können und müssen wir uns noch steigern.

Offensiv wird das Spiel in vielen Partien von Center und Top-Scorer Elmedin Kikanovic getragen. Haben Sie Ihr Spiel inzwischen mehr auf ihn ausgerichtet?

Wir versuchen, ihm den Ball zu geben, er ist aber nicht die einzige Option. Da machen die Perimeter-Spieler einen guten Job, ihn richtig einzusetzen. Wir müssen noch manche Dinge im Low Post verbessern, zum Beispiel wenn er gedoppelt wird.

Aufbau Peyton Siva hat noch Formschwankungen, aber insgesamt scheint er sich immer besser zurechtzufinden. Manchmal hat er immer noch leichte Ballverluste. Wie sehen Sie ihn?

Er hat seinen Stil, man kann ihn nicht komplett ändern. Als Trainer muss man sich darauf einstellen, wie er sich auch auf meinen Stil einstellen muss. Wenn man einen Peyton Siva im Team hat, muss man sich als Trainer Gedanken machen, wie man ihn am besten einsetzt. Es ist richtig, er ist nicht gut in die Saison gestartet. Aber in den letzten zwei, drei Spielen hat er gut kreiert, den Ball bewegt, gut nach innen gebracht, gut Pick’n’Roll gespielt und nach defensiven Stopps den Ball gepusht. In der Verteidigung, besonders beim Druck auf den Ball, kann er noch besser werden. Insgesamt macht er seine Sache aber immer besser.

Was würden Sie von ihm offensiv gern noch besser sehen?

Er sollte früher in unsere Offensive einsteigen, mit ihm oder einem anderen Spieler.

Auch wenn er noch Fehler macht, schien er in der Crunchtime in vielen Spielen zuletzt da zu sein.

Ja, er hat ein Gefühl für das Spiel und das Selbstvertrauen, wichtige Würfe zu nehmen. Wir haben im Team aber drei, vier Spieler, die das können. Peyton ist einer davon. Wichtig ist mir aber, wie er das Spiel vorher kontrolliert. Wenn das Spiel beginnt, gibt man als Trainer einen Teil der Verantwortung an den Point Guard ab. Er muss unsere Vorbereitung im Kopf haben, für das Spiel und die Saison, und das Team führen. Er wird besser.

Bogdan Radosavljevic hatte eine starke Preseason, mit vielen Punkten und Rebounds. Da Kikanovic bei der Nationalmannschaft war, bekam er auch viel Spielzeit. Dennoch konnte er dies in der Saison noch nicht in dieser Form zeigen.

Nach dem Bonn-Spiel war er krank, verpasste das Jena-Spiel. Dann kamen Rückenprobleme dazu. Er hat da seinen Rhythmus etwas verloren. Dennoch stimme ich zu, ich erwarte noch etwas mehr von ihm. Wenn Kikanovic auf die Bank geht, muss er mehr Energie bringen und Toughness zeigen, besser rebounden. Wir sprechen mit ihm auch darüber. Wir müssen ihm da trotz der gesundheitlichen Dinge helfen.

Ist die gesamte Situation für Sie auch eine lehrreiche Zeit?

Mit Sicherheit. Anderes Land, andere Liga und eine Preseason, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Glücklicherweise haben wir ein tolles Management. Marco (Geschäftsführer Baldi, d. Red.) und Himar (Sportdirektor Ojeda, d. Red.) können das gut einschätzen und wissen, wie man damit umgeht. Ich habe einen guten Coaching Staff und die Spieler die richtige Einstellung. Alle zusammen müssen wir mit den Problemen umgehen und ich habe das Gefühl, wir sind auf dem richtigen Weg.

Das Ziel von ALBA ist, unter den ersten vier zu landen. Können Sie das noch schaffen?

Das ist das Ziel, richtig. Mit vier Niederlagen aus den ersten acht Spielen sieht das natürlich nicht so gut aus. Doch wir werden dafür bis zum letzten Moment kämpfen. Wenn wir beginnen, unseren Stil zu spielen, und damit Spiele gewinnen, können wir auch mal eine Serie hinlegen. Noch sind viele Spiele zu absolvieren.

Haben Sie das Gefühl, dass das neue Team schon eine Verbindung zu den Fans aufgebaut hat?

Wir haben tolle Fans. Sie kommen, unterstützen uns, warten am Ende des Spiels, um mit dem Team abzuklatschen. Ich bin überzeugt, dass sie den Prozess, in dem wir uns befinden, verstehen. Ich habe zwar noch mit niemandem darüber gesprochen, doch ich meine das zu fühlen. Die Fans versuchen, uns mit ihrer Unterstützung dabei zu helfen.

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