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Ulms David Brembly in der OrangeZone: „Nach Ballettunterricht und Breakdance wollte ich Tänzer werden“ Florian Achberger

Ulms David Brembly in der OrangeZone: „Nach Ballettunterricht und Breakdance wollte ich Tänzer werden“

Ulms 22-jähriger Flügelspieler im Interview über seine musischen Eltern, seine Zeit in Polen und die ersten beiden Jahre in der Beko BBL:

David Brembly hat für seine 22 Jahre schon viel erlebt. Der Ulmer Neuzugang hat in vier Ländern gelebt, besitzt drei Staatsbürgerschaften und spricht fließend Deutsch, Englisch und Polnisch. Und: Brembly ist nicht nur ein sportlicher Tausendsassa, sondern auch musisch begabt. Im Interview spricht der Sohn einer polnischstämmigen Choreografin und eines amerikanischen Gospelsängers über Musik, Heimatgefühle, seine Zeit in der Basketball-Akademie von Sopot und erschwerte Start-Bedingungen in Ulm.

David, nach über einem Vierteljahr in Ulm: Wie hast du dich hier eingelebt?

David Brembly: Sehr gut. Ulm fühlt sich schon wie ein Zuhause an. In meinem ersten Bundesliga-Jahr in Bayreuth hatte ich keine Ahnung, was auf mich zukommt. Deswegen habe ich damals nur das Wichtigste mitgenommen – Trainingssachen, Klamotten, Laptop. In Ulm bin ich auf jeden Fall für zwei Jahre. Außerdem wohne ich jetzt mit meiner Freundin zusammen, es ist wichtig, dass sie sich genauso wohlfühlt. Zumal sie mehr daheim ist als ich, denn wir Spieler sind ja permanent unterwegs.

Das Leben aus dem Koffer musst du eigentlich gewohnt sein, immerhin bist du in deiner Kindheit vielfach umgezogen.

Stimmt. Meine Mutter ist Choreografin von Beruf, und als Choreografin hat man mal hier Jobs, mal da. Wenn sie Engagements über mehrere Monate hatte, dann haben mein Bruder und ich sie begleitet. Wir hatten irgendwann nicht nur einen Wohnsitz in Berlin, sondern auch einen in Polen, außerdem hat mein Vater in Paris gelebt, und für sieben Monate waren wir in den USA. Wir haben die Welt gut bereist – deswegen kann ich heute neben Deutsch auch Polnisch und Englisch fließend.

Wie hast du die vielen Länder und Ortswechsel erlebt?

Am Anfang war es immer etwas schwer, denn als Kind musst du bei jedem Umzug die Schule wechseln. Ich war immer überall der Neue. Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und gelernt mich anzupassen. Und ich glaube: Dadurch, dass ich so viel herumgekommen bin, habe ich einen ganz anderen Blick auf die Welt bekommen. Ich habe die verschiedensten Menschen und Kulturen kennengelernt. Ich glaube, dadurch bin ich ein offener Mensch geworden.

Ist dir eine Auslandserfahrung besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben?

Die Zeit in der polnischen Basketball-Akademie. Das war anfangs unglaublich hart. Mit 14 Jahren habe ich in Sopot ein Basketball-Stipendium bekommen. Sopot hatte damals nicht nur eine Euroleague-Mannschaft, sondern auch die Nachwuchs-Akademie. Ich war damals in einer Basketball-Klasse. Morgens war zwei Stunden Training, danach Schule, abends wieder Training – und die Talentiertesten durften danach noch mit den Profis trainieren. Für mich war das sehr schwer. Ich hatte zuvor noch nie professionell gespielt – und dann kommst du nach Polen und hast eine Euroleague-Mannschaft über dir. Das Niveau war unfassbar hoch.

Gehen wir noch weiter in deine Kindheit zurück: Du warst ein echtes Allround-Talent im Sport, bist als Kind geschwommen, hast Leichtathletik gemacht und gefochten. Wie kamst du zum Basketball?

Sport war immer schon mein Ding. Mein Vater ist Amerikaner, ich kannte also die ganzen Sportarten aus seiner Heimat. Wir hatten immer einen Football, einen Baseball und einen Basketball zuhause. Aber die anderen Sportarten waren lange wichtiger für mich, im Fechten war ich sogar nordrhein-westfälischer Meister. Mit 12 habe ich dann mit Basketball angefangen. Ich wollte einen Ausgleich zur Schule und hatte Lust auf Sport. Allerdings war ich auf einer Ganztagesschule – und die Leistungsteams in Berlin haben schon mittags trainiert. Also habe ich beim TV Pfefferwerk angefangen, das ist ein ziemlich kleiner Verein. Mit der Zeit habe ich gemerkt: Basketball, das macht richtig Bock!

Was hat dir Basketball gegeben, was die anderen Sportarten nicht hatten?

Ich war immer schon ein Gruppenmensch. Ich kann mich an Fechtturniere erinnern, an denen ich als Kind teilgenommen habe. In den Pausen saß ich immer alleine rum, konnte nur mit dem Trainer reden. Das war mir irgendwann zu einsam. Ich bin jemand, der gerne Spaß hat, sich mit anderen unterhält. Beim Basketball hatte ich dieses Teamgefühl.

Du hast es angesprochen: Dein Jugendverein in Berlin, TV Pfefferwerk, war ein kleiner Club ohne großes Nachwuchsprogramm, wie es TuSLi oder ALBA haben. Wie kamst du damit zu dem Basketball-Stipendium in Sopot?

Im Sommer gab es in Sopot immer ein Basketball-Camp. Da habe ich einmal teilgenommen. Ich war der einzige dunkelhäutige Junge im Camp, der Polnisch sprach – vielleicht bin ich deswegen aufgefallen. (lacht) Als meine Mutter ein paar Jahre später nach einer Basketball-Ausbildung für mich gesucht hat, machte in Sopot gerade die Akademie auf. Ich war dort zum Probetraining, und die haben mich direkt genommen. Es hat sich dann ergeben, dass meine Mutter auch in Sopot arbeiten konnte. Aber ich wäre auch allein nach Polen gegangen. Ich wollte das damals unbedingt machen.

Neben Sport gibt es noch etwas anderes in deinem Leben: die Musik. Du spielst Gitarre, Klavier und Schlagzeug. Hast du jemals daran gedacht, Musik zu deinem Beruf zu machen – so wie deine Eltern?

Eltern sind immer Vorbilder, und in meiner Familie haben Musik und Tanz immer eine Rolle gespielt. Als ich ganz klein war, hatte meine Mutter in Berlin eine Tanzschule. Da habe ich Ballettunterricht genommen und Breakdance gemacht. Ich wollte damals Tänzer werden. In Polen haben mich meine Eltern dann in eine Musikhochschule gesteckt. Der Unterricht bestand aber aus viel Theorie, das war mir irgendwann zu trocken. Also habe ich privat Gitarre und Schlagzeug gelernt. Aber irgendwann musste ich mich eben zwischen Musik und Basketball entscheiden – und da war die Wahl klar.

Du warst mit 18 Jahren fester Bestandteil der ersten Mannschaft Sopots, hast in der polnischen Liga und in der Saison 2012/13 auch im Eurocup gespielt. Wie kann es sein, dass in Deutschland solange niemand Notiz von dir genommen hat?

Die polnische Liga ist in den letzten Jahren tief gefallen. Ich glaube, aus Deutschland schauen da nicht mehr viele Leute hin. Vielleicht war ich auch unter dem Radar, weil ich bei keinem großen deutschen Programm gespielt habe, vielleicht wussten viele auch nicht, dass ich einen deutschen Pass habe. Das Thema mit dem Pass kam erst dann so richtig auf, als ich mich zwischen der polnischen und der deutschen U20-Nationalmannschaft entscheiden musste. Das war keine einfache Entscheidung. Der polnische Jahrgang 1993 ist kurz davor in Hamburg Vize-Weltmeister geworden. Das war ein richtig talentiertes Team.

Also war das keine reine Basketball-Entscheidung, sondern auch eine des Herzens? Ist Deutschland für dich Heimat?

Für mich ist es schwer zu sagen, wo meine Heimat ist. Ich habe drei Pässe – ein Teil von mir ist Amerikaner, ein Teil Pole, ein Teil Deutscher. Es war schon mehr eine Basketball-Entscheidung. Ich wollte für Deutschland spielen, zumal die polnische U20 damals nur in der B-Division gespielt hat.

Im Sommer 2014 bist du nach Deutschland zurückgekehrt. Hat es dich selbst überrascht, wie schnell du dich in der Beko BBL durchsetzen konntest?

Überrascht nicht. Ich bin sicher nicht mit der Erwartung nach Deutschland gekommen, dass ich gleich All-Star werde. Aber ich habe Bayreuths Coach Mike Koch damals gefragt: ‚Ist es realistisch, dass ich bei dir auch spiele?‘ Er hat mir versichert, dass ich eine faire Chance erhalte. Und er hat Wort gehalten.

Jetzt bist du in Ulm. Was ist für dich der nächste Schritt, den es zu erreichen gilt?

Jeder Basketballer will eines Tages in der NBA spielen – auch wenn dieses Ziel vielleicht noch fern erscheint. Man muss groß träumen dürfen. Dafür braucht man aber auch einen klaren Karriereplan. Für mich ist der nächste Schritt, ein wichtiger Spieler in einem Team zu werden, das um die Playoffs mitspielt – und deswegen bin ich in Ulm. In den nächsten zwei Jahren will ich ein Leistungsträger in Ulm werden. Ich denke, das ist durchaus realistisch.

Was fehlt dir noch, um ein solcher Spieler sein zu können?

Es war immer mein Ziel, mit 25 Jahren ein kompletter Spieler zu sein. Auf den Positionen zwei und drei muss man das sein. Man muss scoren können, passen, verteidigen. Dafür braucht man Athletik, aber man muss auch ein Spiel lesen können. Ich glaube, da ist noch Luft nach oben bei mir. Auf dem Feld bessere Entscheidungen zu treffen und mein Ball-Handling zu verbessern – das sind die Dinge, die ich mir in erster Linie für die nächsten zwei Jahre vorgenommen habe.

Du hast einen verletzungsgeplagten Sommer hinter dir: Gegen Saisonende in Bayreuth hattest du eine Sprunggelenksverletzung rechts, dann beim A2-Nationalteam eine Bänderverletzung im linken Knöchel. Wie hat das dich beeinflusst?

Es hat sich zeitweise angefühlt, als hätte man mir beide Beine weggenommen. Auf den Knöcheln lastet im Sport alles. Es ist schwer, sich zu bewegen wie man es gewohnt ist, wenn man bei vielen Bewegungen Schmerzen hat. Ich war davor nie verletzt. Ich musste erst lernen, damit umzugehen, war am Anfang oft ungeduldig. Da bin ich auch manchmal überehrgeizig.

Du hast dich trotz der Probleme durchgebissen – auch in der Vorbereitung. War Pausieren nie ein Thema?

Nein. Es bestand kein Risiko, dass die Verletzungen sich verschlimmern, also konnte ich auch trainieren. Das einzige waren die Schmerzen. Ich hätte natürlich auch aussetzen können, aber danach hätte ich wieder bei Null anfangen müssen. Außerdem hatten wir in der Vorbereitung in Ulm so viele Verletzte, da konnte ich nicht so leicht sagen: ‚Ich bin jetzt einfach mal raus!‘

Apropos Verletzungen: Dein Vorbild ist NBA-Legende Kobe Bryant, der auch mit 38 Jahren und nach vielen Rückschlägen noch spielt. So lange professionell zu spielen, ist das für dich auch eine Option?

Ich will so lange Basketball spielen, wie es geht. Die entscheidende Frage ist immer: Wie lange macht der Körper mit? Deswegen bin ich der Meinung: Man sollte frühzeitig anfangen, vorzusorgen – auch in jungen Jahren. Als junger Spieler denkt man ja oft, man muss nichts für den Körper tun; sich nicht dehnen, die Gelenke nicht kühlen, kein Eisbad nehmen nach dem Training. Ronnie Burrell hat mir im letzten Jahr in Bayreuth gesagt: ‚Dehne dich lieber jetzt schon – mit 30 wirst du dir dafür dankbar sein!‘ Ich gucke mir in Deutschland immer Sasa Nadjfeji an, der ist 39 und spielt immer noch. Er scheint etwas richtig gemacht zu haben.

Noch mehr Ulmer Basketballer gibt es in der OrangeZone: Hier geht es zur aktuellen Ausgabe des Ulmer Klubmagazins.

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