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BIG - Basketball in Deutschland
„Die Liga ist sehr dicht, und mir ist jeder Gegner recht“ – Berlins Headcoach Sasa Obradovic im BIG-Interview © Fotoduda

„Die Liga ist sehr dicht, und mir ist jeder Gegner recht“ – Berlins Headcoach Sasa Obradovic im BIG-Interview

— Interview: Frank Weiss

Sasa Obradovic steht in der vierten Spielzeit als Trainer von ALBA BERLIN vor seiner größten Herausforderung. Im BIG-Interview spricht er über seine neuen Spieler, den Pokalgewinn, die vier Niederlagen gegen Ludwigsburg und mögliche Playoff-Gegner.

Sasa Obradovic, die Situation von ALBA in dieser Saison ist paradox. Sie haben mit dem Team den Pokal gewonnen. Im Eurocup mit dem Top 16 das Ziel übererfüllt und in der Beko BBL ist ein Platz unter den ersten vier und damit das Erreichen des Halbfinals auch noch drin. Dennoch ist der Eindruck da, dass es bei ALBA in dieser Spielzeit nicht rundläuft.

Dafür gibt es Gründe. Die Situation mit den Ausfällen von Niels Giffey und Jordan Taylor ist ein großes Problem. Das ist wohl die Hauptursache. Zudem brauchen einige der neuen Spieler noch Zeit, um sich an das neue System zu gewöhnen. Es gibt bei Spielerverpflichtungen keine Garantien. In meinem dritten Jahr hier hatten wir da Glück. Wir hatten eine Basis und Spieler, die das Spiel auf höchstem Level verstanden haben. Ich musste nicht viele taktische Dinge erklären. In diesem Jahr ist das eine große Herausforderung: das Spiel lesen und reagieren. Für diese Phase jetzt im Januar und im Februar gibt es noch weitere Gründe: wir hatten kaum Heimspiele. Dann haben wir aufgrund der Verletzungen einen neuen Spieler geholt, das beeinflusst auch die Chemie. Wir mussten also viel kompensieren. Das klappt in manchen Spielen, manchmal nicht. Dazu müssen sich die Spieler normalerweise an mein System anpassen. In dieser Saison muss ich in eine andere Richtung gehen – wenn auch nicht komplett.

Erklären Sie das bitte.

Ich habe natürlich immer noch meine Überzeugungen und will bestimmte Dinge danach haben. Doch ich muss auch akzeptieren, dass es Spieler gibt, die meinen Weg vielleicht nicht ganz mitgehen können. Da muss ich flexibel sein und herausfinden, wie sie am stärksten sein können. All das beeinflusst das Spiel, den Rhythmus, den Spielfluss.

Heißt das, dass die Spieler auf dem Court mehr Freiheiten haben oder haben Sie Ihr System angepasst?

Die Spieler haben im Spiel immer Freiheiten. Sie müssen die Spielzüge aber respektieren und in der Defensive exakt arbeiten. Ich kann nicht sagen, dass wir das derzeit immer tun. Das ist ein Prozess, der noch nicht beendet ist. Bei einigen Spielern sind noch Angewohnheiten aus der Vergangenheit da, obwohl wir im Training schon viel gearbeitet haben. Das sind Angewohnheiten aus anderen, kleineren Ligen. Dort waren die Ansprüche vielleicht nicht so hoch. Jetzt sind sie auf höchstem Niveau und dennoch muss man dabei produktiv sein.

Sie hatten erwartet, dass es einfacher wird?

Ich hatte gedacht, dass es schneller geht, sagen wir es so. Zwei Spieler haben praktisch keine Zeit gebraucht, um sich an das System zu gewöhnen. Das sind Kikanovic und Milosavljevic. Kreso Loncar kam spät und war nicht in bester körperlicher Verfassung. Es ist ein Auf und Ab bei ihm. Andere haben Probleme, all die Dinge zu verarbeiten. Wir haben sehr gute Phasen, dann ist es wieder überhaupt nicht gut.

"You know"

An der Seitenlinie sind Sie engagiert wie immer. Haben Sie die Ansprache im Training geändert?

Nein, ich denke, ich bin derselbe. Natürlich bin ich nicht glücklich, wenn ich sehe, dass die Dinge nicht so laufen, wie ich mir das vorstelle. Bei diesen Dingen werde ich emotional.

Setzen Sie auch Zeichen? Es heißt, Sie haben Alex King mal aus dem Training geworfen.

Ich glaube, das war zu Beginn der Saison. Aber das ist Teil des Systems.

Letzte Saison haben Sie erzählt, Sie hätten auch Jamel McLean mal aus der Trainingshalle geworfen.

Ich tue das nicht bewusst, um einen Konflikt zu provozieren. Manche Trainer machen das. Ich reagiere auf Dinge. Aber das ist nichts Persönliches. So wie ich als Trainer ein technisches Foul bekomme oder die Referees mich auch mal vom Spiel ausschließen. Ich akzeptiere das, ich habe einen Fehler gemacht, aber dann geht es weiter. Damit habe ich kein Problem. Vor allem wenn danach eine gute Reaktion des Spielers kommt.

Das ist wohl auch ein Grund, warum Sie Anfang der Saison Kresimir Loncar holten, einen erfahrenen Big Man. Haben Sie von ihm mehr erwartet?

Wie gesagt, er hat die Vorbereitung nicht mitgemacht. Wenn man körperlich nicht hundertprozentig fit ist, hilft auch die Erfahrung nicht viel. Er muss sich die Fitness nun während der Saison in den Spielen holen, das ist nicht einfach. Es stimmt, er ist noch nicht auf der Höhe. Doch ich bin überzeugt: Wenn es wirklich zählt, wird er da sein. Mit seiner Erfahrung und seinem Basketballwissen wird er uns helfen. Jetzt ist es noch ein Auf und Ab. Er hat in den Spielen immer wieder gute Phasen. Und in Spielen, wo wir ihn brauchten, wie in Frankfurt, war er da. Oder auch auswärts in Würzburg. Gerade auswärts brauchst du solche Spieler, die den Unterschied machen können.

Ein weiterer Spieler im Frontcourt ist Jonas Wohlfarth-Bottermann. Er ist in seiner dritten Saison bei ALBA, seine Spielzeit ist noch immer nicht gestiegen. Das Gefühl ist: Wenn er reinkommt, hilft er dem Team mit seiner Energie. Wie sehen Sie seine Situation?

Wenn man ein fast komplett neues Team hat, kann man nicht alle Erwartungen erfüllen. Wichtig ist vor allem, die Neuen, die deine Schlüsselspieler sein sollen, zu integrieren. Wenn diese Spieler dann Probleme haben, musst du sie auch mal trotz der Fehler spielen lassen. Manchmal hat es Jonas daher vielleicht nicht verdient, auf die Bank zu müssen. Manchmal hat er es dagegen wieder sehr verdient. Aber insgesamt haben Sie recht. Er spielt mit viel Energie, er hilft uns damit. Er muss auf dem Court aber noch ruhiger werden, um produktiver zu sein. In den letzten Spielen hat er einen wichtigen Teil beigetragen. Wie Sie sicher bemerkt haben: Ich habe ihn zuletzt auch starten lassen. Er wird besser.

Haben Sie eine Erklärung für diese Serie gegen Ludwigsburg? Sie haben alle vier Spiele in dieser Saison verloren.

Im letzten Spiel haben wir gesehen: Wir sind sehr von Dragan Milosavljevic abhängig. Aber das ist bei anderen Teams sicher nicht viel anders. Bamberg ist ohne Wanamaker auch eine andere Mannschaft. Dragan hat Top-Qualität, die nicht einfach ersetzt werden kann. Dann fehlte noch Niels und mit Jordan Taylor ein Point Guard, der die Ballhandling-Skills hat, um gegen diese Aggressivität zu bestehen. Die ersten beiden Niederlagen im Eurocup waren ein Schock, mit der Spielweise von Ludwigsburg sind wir nicht gut zurechtgekommen. Wir haben auf den Druck nicht reagiert.

Aber Sie wissen doch, wie Ludwigsburg spielt!

Ja, ich weiß das. Es ist leicht, darauf hinzuweisen. Doch wenn man es dann zu spüren bekommt und man so ein Spiel nicht gewohnt ist, wird es schwer. Dann hat man eben 20 Ballverluste. So eine Spielweise gibt es nicht in Israel, nicht der VTB-Liga. Vielleicht in Spanien ein wenig. Jetzt kommt ein Team, das dich damit killt. Und du stehst da: Was tue ich jetzt? Auch im dritten Spiel haben wir nicht gut reagiert. Das vierte Aufeinandertreffen lag an Kleinigkeiten. Da hätten wir auch gewinnen können.

Sie könnten auch in den Playoffs auf Ludwigsburg treffen.

Wenn das so kommt, ist es so. Das kann man nicht vorhersagen oder es sich aussuchen. Mir ist jeder Gegner recht. Die Liga ist sehr stark und sehr eng zusammen. Abgesehen von Bamberg vielleicht, können die ersten sechs Teams Zweiter oder Sechster werden.

Bamberg ist für Sie das stärkste Team? Auch München hat seine Auf und Abs.

Das ist immer die Frage: Wer dominiert, wer hat Probleme? Wir haben Probleme mit Verletzungen, die unseren Rhythmus stören. Bamberg spielt jedoch schon eine Weile auf höchstem Niveau. Sie haben pure Qualität auf jeder Position. Bamberg ist ein Top-8-Team in der Euroleague. Und wer weiß, wenn es im Viertelfinale ein gutes Match-up gibt, warum soll dann nicht auch das Final Four drin sein? Sie haben die Qualität. Sie hatten bisher kein Tal, haben ihr Spiel auf einem hohen Level gehalten. Wir waren letzte Saison in der Beko BBL und der Euroleague schon sehr konstant. Das ist nicht einfach. Am Ende sind wir in der Liga nicht ins Finale gekommen, auch wenn es viele erwartet haben, weil wir so gut aussahen.

Wir dürfen jetzt nicht zufrieden sein. Der Pokalsieg sollte eine Motivation sein, den Hunger vergrößern.

Nun hat das Team überraschend den Pokal gewonnen und das mit einem Sieg gegen Gastgeber München. Kann das ein Wendepunkt in der Saison sein?

Das ist immer die Frage. Es hebt auf jeden Fall die Stimmung. Es kann aber auch andersrum gehen. Wir dürfen jetzt nicht zufrieden sein. Der Pokalsieg sollte eine Motivation sein, den Hunger vergrößern. Denn mit diesem Erfolg ist die Saison nicht zu Ende. Aber angesichts der Umstände, über die wir zuvor gesprochen haben, ist der Pokalsieg sensationell. An diesen zwei Tagen haben wir alles zusammengebracht, darauf müssen wir aufbauen. Ich muss das Team loben, wir haben als Mannschaft zusammengespielt. So wie beim Sieg in Frankfurt oder im Eurocup gegen Klaipeda. In Do-or-die-Spielen scheinen wir gut sein. Ich hoffe, das können wir beibehalten.

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Inhalt BIG #51
15 Forderungen an unseren Basketball - Was sich ändern muss, um die Sportart in Deutschland groß zu machen
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