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BIG - Basketball in Deutschland
„Ohne den Titel wäre die Saison bedeutungslos“ - Nationalspieler Daniel Theis im BIG-Interview

„Ohne den Titel wäre die Saison bedeutungslos“ - Nationalspieler Daniel Theis im BIG-Interview

— Interview: Jan Finken

Daniel Theis für viele der beste deutsche Spieler in der Beko BBL. Seine Leistungen werden immer konstanter. Theis ist endlich ganz gesund – und wird im Sommer, sofern er fit bleibt, bei der EM-Quali für die Nationalmannschaft spielen. Das große BIG-Gespräch:

Daniel, es gibt nicht wenige, die der Meinung sind, dass die Brose Baskets 2015/2016 das beste deutsche Team aller Zeiten sind. Du bist Teil dieser Mannschaft. Siehst du das genauso?

Wir wollen gar nicht bestreiten, dass wir ziemlich gut sind. Über die Auszeichnung „Bestes Team“ können wir gern noch einmal reden, wenn wir am Ende tatsächlich wieder die Deutsche Meisterschaft geholt haben. Ohne den Titel wäre eine tolle reguläre Saison bedeutungslos. Aber noch einmal: Wir wissen um unsere Stärke und unser Potenzial. Wir waren in unseren Heimspielen bislang sehr dominant und haben zu Hause fast alle Spiele hoch gewonnen; auswärts tun wir uns ab und zu noch ein wenig schwer. Jeder sieht, wie tief unsere Rotation ist, wir spielen mit zehn, elf oder zwölf Mann. Egal wer bei uns ins Spiel kommt, es tut der Qualität keinen Abbruch.

Ist die noch tiefere Bank der gravierendste Unterschied zur vergangenen Saison?

Es war schon im letzten Jahr eine unserer großen Stärken, dass wir mit einer großen Rotation spielen konnten. In dieser Saison ist das noch einmal besser geworden, dazu haben wir Erfahrung, beispielsweise mit Nicolò (Melli, Anm. d. Red.) und Nikos (Zisis), aber auch mit Lucca (Staiger) und Yassin (Idbihi), dazubekommen. Diese Erfahrung ist gerade in Spielen, die auf des Messers Schneide stehen, unglaublich wichtig. Hinzu kommt, dass Spieler wie Brad (Wanamaker), Janis (Strelnieks) und Darius (Miller) die Liga jetzt besser kennen. Dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen und hilft uns als Team enorm weiter. Die meisten unserer neuen ausländischen Spieler der vergangenen Saison hatten vorher noch nie in der Beko BBL gespielt. Jetzt wissen alle, worauf es hier ankommt.

Stellst du bei Brad oder Janis konkret fest, dass bei ihnen das eine Jahr Erfahrung in der Beko BBL jetzt den Unterschied ausmacht? Beispielsweise dass sie sich besser darauf einstellen können, wie hier gepfiffen wird?

Auf jeden Fall. Es ist in Sachen Referees immer noch eine Umstellung von der Euroleague auf die Bundesliga, aber Brad, Janis oder auch Darius, der aus der NBA nach Deutschland kam, können jetzt vieles besser einschätzen und sich außerdem auf die verschiedenen Stile einstellen. Wenn es beispielsweise gegen Hagen geht, weißt du, dass Phoenix einen unkonventionellen Stil pflegt, dass in dieser Partie viel gerannt und geworfen wird und dass in der Defense viel geswitcht wird. Solch einen etwas wilden Stil siehst du nicht oft, von daher ist es gut, wenn du darauf vorbereitet bist. Das ist auch einer der Gründe, warum wir in dieser Saison so konstant spielen, egal gegen wen es geht.

Ihr seid zu Hause sehr dominant. Mit dem Heimvorteil während der kompletten Playoffs im Rücken: Wer soll euch in einer Best-of-five-Serie schlagen?

Wir haben schon vergangene Saison gesehen, wie wichtig der Heimvorteil für uns ist. Vor unseren eigenen Fans zu spielen, gibt uns den entscheidenden Extra-Kick, den wir in engen Spielen brauchen. Man hat es jetzt auch in der Euroleague gesehen: Zu Hause gewinnen wir die großen Spiele gegen große Teams, auswärts fehlen dann ein paar Prozent. Vor den eigenen Fans zu spielen, hilft immer. Es wäre aber der größte Fehler, den wir machen können, wenn wir uns blind auf unseren Heimvorteil verlassen und sagen: Wenn es hart auf hart kommt, haben wir das fünfte Spiel immer zu Hause. Der Kader von Bayern München ist mit den Nachverpflichtungen wieder unglaublich tief und in einem Do-or-die-Spiel niemals zu unterschätzen. Oder Oldenburg, das seit Monaten auf einem konstant hohen Level spielt und das uns erst jüngst in der Liga geschlagen hat. Auch Frankfurt ist, wenn dort alle fit sind, ein enorm gefährlicher Gegner.

München, Oldenburg, Frankfurt … Alba Berlin fehlt in deiner Auflistung.

Klar, die Berliner gehören auch dazu, weil sie unter Sasa Obradovic vor allem defensiv immer sehr gut stehen. Aber man sieht auch, dass die Berliner in diesem Jahr einige Probleme haben oder besser gesagt, dass andere Teams die Lücke geschlossen haben. Um noch einmal das Beispiel Oldenburg aufzugreifen: Ein Team, das in den vergangenen Jahren immer in den Playoffs vertreten war, das aber meiner Meinung nach noch nie so konstant gespielt hat wie in dieser Saison. Und die Skyliners sind immer unangenehm zu spielen. Von daher würde ich nicht sagen, dass Berlin schlechter als in den Jahren zuvor ist – die Lücke dahinter ist einfach kleiner geworden. Ulm ist zum Beispiel auch eine Mannschaft, die du nie unterschätzen darfst.

Zurück zu Euch: Mit Melli und Leon Radosevic gibt es in Bamberg zwei neue Big Men. Wie bewertest du euer Zusammenspiel?

Es lief von Anfang an erstaunlich gut. Gerade mit Nicolò, der nur ein Jahr älter ist als ich und den ich noch von der U20-Europameisterschaft kenne. Obwohl er noch relativ jung ist, spielt er schon wie ein Veteran, hat eine unglaubliche Ruhe und Übersicht. Sowohl er als auch Leon sorgen für eine hohe Qualität im Training, wodurch gerade ich viel lerne.

Hat sich deine Rolle wegen der Neuen im Frontcourt im Vergleich zur vergangenen Saison geändert?

Die haben damit weniger zu tun. Ich bekomme in dieser Saison noch mehr Vertrauen von Coach Trinchieri. Gerade in den Euroleague-Spielen, in denen es am Ende knapp war, stand ich meistens in der Crunchtime auf dem Feld.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an mein erstes Gespräch mit Andrea, der mir kurz nach seiner Ankunft in Bamberg sagte, dass er sich besonders auf die Zusammenarbeit mit dir und Elias Harris freue; ihr beide wärt „seine Projekte“. Spürst du diesen speziellen Status, den du bei ihm hast?

Ich weiß, dass er viel von mir hält. Er spricht viel mit mir und bestätigt, dass ich im Vergleich zur vergangenen Saison einen großen Schritt nach vorne gemacht habe. Dass ich dieses Vertrauen bekomme und in den wichtigen Momenten auf dem Feld stehe, tut mir natürlich gut. Ich gehe also davon aus, dass ich bislang einiges richtig gemacht habe. (grinst)

Die Liga fände es wahrscheinlich super, wenn du in den Statistiken noch auffälliger wärst, Stichwort 16/8. Sie braucht deutsche Gesichter und Typen wie Per, Joe und dich, um die Liga zu vermarkten. Beim Allstar Day in Bamberg warst du schon der Poster-Boy; merkst du, dass die BBL dich gern ins Schaufenster stellt?

Darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Es ist schön, dass es so ist, aber ich laufe ja nicht durch die Gegend und stelle mich vor mit: Hallo, ich bin das Gesicht der Liga.

Aber du lehnst diese Rolle auch nicht ab?

Nein, auf keinen Fall. Mich freut das, weil ich dabei auch an die jüngeren deutschen Spieler denke, die von der Beko BBL träumen. Für die bin ich gern ein Vorbild, wie sowieso jeder Nationalspieler ein Vorbild für die jüngeren Generationen sein sollte. Schau dir Per an: Er ist seit acht Jahren in der Liga und das Paradebeispiel dafür, was deutsche Spieler in der 1. Liga erreichen können. Ganz wichtig dabei ist in Pers oder auch in meinem Fall, dass wir in Ulm und damit bei einem vergleichsweise kleinen Klub den Durchbruch geschafft haben. Man muss dafür nicht direkt zu einem absoluten Top-Team gehen.

Das komplette Interview könnt Ihr in der aktuellen Ausgabe der BIG lesen, die es ab sofort im Handel gibt! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten!

Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Inhalt BIG #53

Der Schiri-Report. Wie gut sind unsere Referees? Das große Doppelinterview mit Jens Staudenmayer und Boris Schmidt. Alle Refs im Check und Reaktionen aus der Liga

Quantez Robertson. Der Guard spielt schon sieben Jahre für die Fraport Skyliners. Warum er ein Glücksfall für den Klub ist

Daniel Theis. Bambergs Forward spricht im großen BIG-Interview über die Saison der Brose Baskets und seine Zukunft beim DBB

Paul Zipser. Der Bayern-Star über seine Entwicklung und die Chancen bei der NBA-Draft im Juni

Ruben Spoden. Wie Würzburgs Identifikationsfigur die Saison des Aufsteigers erlebt

Der große Playoff-Check. Stärken, Schwächen, Stats und Chancen aller Kandidaten für die Postseason in der Beko BBL

Chris Kramer. Der Oldenburger Publikumsliebling über die Chancen der EWE Baskets in dieser Saison, seine Entwicklung und die enge Freundschaft zu Rickey Paulding

Dragan Milosavljevic. Der Serbe über seine Rolle als Schlüsselspieler bei Alba Berlin, die schwierige Saison und die Chancen in den Playoffs

D.J. Covington. BasketDoc Dr. Christoph Lukas erklärt die schwere Verletzung von Phoenix Hagens Center

Der Triumph beim AST. Bundestrainer Harald Stein spricht über den Sieg beim Albert-Schweitzer-Turnier. Alle Talente im Check

Dr. Stefan Holz. Der BBL-Geschäftsführer über den eskalierenden Streit zwischen FIBA und Euroleague und die Position Deutschlands

Euroleague. Warum Bamberg den Einzug ins Viertelfinale bald packen wird

Nowitzki und Schröder. Was das Abschneiden in den NBA-Playoffs für die Zukunft der deutschen Stars bedeutet

Detlef Schrempf. Deutschlands NBA-Legende über Nowitzki, Schröder und die Playoffs

Bazoumana Koné. ProA: Der Star der Hamburg Towers ist auf dem Sprung in die BBL

Fan-Hype im Osten. ProB: Zuschaueransturm auf die Playoff-Serie zwischen Dresden und Rostock

Eisvögel USC Freiburg. Warum der DBBL-Klub trotz verpasster Playoffs an seinem Nachwuchskonzept festhalten will

Rubriken: Business / Player Check / Hallo Beko BBL, hier! / Scouting Report / Think mit Patrick Femerling / Herber geht’s nicht / Spotlight / Mein Leben ist Basketball, aber ich lebe nicht davon

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