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BIG - Basketball in Deutschland
„Wenn wir nicht gewinnen, haben wir unseren Job nicht gemacht“ – Nationalspieler Paul Zipser im BIG-Interview

„Wenn wir nicht gewinnen, haben wir unseren Job nicht gemacht“ – Nationalspieler Paul Zipser im BIG-Interview

— Interview: Florian Schmidt-Sommerfeld

Paul Zipser ist der aussichtsreichste deutsche Kandidat in der NBA-Draft 2016. Im BIG-Interview spricht er über seine NBA-Ambitionen, die Saison des FC Bayern, die anstehenden Playoffs und bricht eine Lanze für Dennis Schröder

Paul, du hast dich neulich im Training am Zeh verletzt. Ist die Verletzung bis zu den Playoffs ausgeheilt?

Der Zehennagel war abgeknickt, aber inzwischen ist wieder alles da, wo es sein soll. Ich habe Schmerzen gehabt, aber es ist gut verheilt und ich habe keine Probleme damit.

Ihr habt zum Ende der regulären Saison einen harten Spielplan – ist das gut oder schlecht?

Gut, da kommt man in den Rhythmus. Ich denke an das letzte Jahr zurück, als wir aus zwei harten Serien kamen und voll im Rhythmus waren und Bamberg zweimal mit drei zu null durchgegangen ist. Dann haben wir sie im ersten Spiel ein bisschen überrumpelt. Hätten wir das in das zweite Spiel mitnehmen können, wären wir vermutlich Meister geworden.

Könnten sich die Playoffs dieses Jahr ähnlich entwickeln?

Das könnte sein, aber Bamberg hat auch dazugelernt. Die Mannschaft ist dieses Jahr noch stärker als letztes, das haben sie auch international gezeigt. Ich denke aber nicht, dass sie dieses Jahr vor einer möglichen Finalserie gegen uns wieder zwei Sweeps schaffen. Denn da sind diesmal sehr gute Mannschaften wie Oldenburg und Frankfurt dabei. Ich denke, die Liga ist ein bisschen stärker geworden.

Beim Pokalturnier habt ihr sie geschlagen …

Das war ein sehr knappes, hartes und umkämpftes Spiel. Das haben wir alle noch ein bisschen in den Köpfen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, auch weil es eben ein gutes Ende für uns hatte.

Eine Blaupause dafür, wie Bamberg in den Playoffs geschlagen werden könnte?

Sie haben Schwierigkeiten, wenn man harte Defense spielt. Das haben wir beim Top Four vorgemacht und dann haben sie nicht wie sonst ihren Rhythmus gefunden. Wenn man sie nicht – wie sie es sonst gewöhnt sind – Fast Break laufen lässt, sondern immer wieder hart verteidigt, dann kann man sie aus dem Rhythmus bringen und auch besiegen.

Beim Pokalturnier hat es mit dem ersehnten Titel nicht geklappt. Titellose Jahre sind beim FC Bayern nicht gern gesehen, schon gar nicht zwei hintereinander. Ist die Meisterschaft Pflicht?

Wir spielen bei diesem Verein, um Titel zu holen. Beim Top Four hatten wir die große Chance, die wir leider verpasst haben. Letztes Jahr gegen Bamberg waren wir auch nah dran, jetzt sollte es mal wieder ein Titel sein. Das Team und ich persönlich glauben fest daran, dass wir das schaffen können, weil wir eine starke Mannschaft sind.

Du bist seit Januar 2013 hier. Was hast du von diesem Verein in dir aufgenommen?

Die Einstellung ist eine komplett andere als in anderen Vereinen. Ich war davor bei einem Zweitligisten, der versuchte, in die Playoffs zu kommen. Wenn wir verloren haben, lag es immer an irgendetwas, so nach dem Motto: Das passiert halt mal. Hier in München ist es in jedem Spiel so: Wenn wir nicht gewonnen haben, dann haben wir unseren Job nicht gemacht.

Da gab es dieses Jahr einiges aufzuarbeiten. Welche Erklärungen hast du für die Niederlagen, die es vor allem in der Bundesliga gab?

Man muss immer als Team zusammenspielen und sein Spiel durchziehen, auch gegen schwächere Gegner, denn dann wird es auch leichter, gegen stärkere Verteidigungen zu bestehen. Wenn man gegen einen Absteiger larifari spielt, dann hat man im nächsten Spiel zum Beispiel gegen Berlin, Frankfurt oder Bamberg seinen Rhythmus nicht.

Trainer Svetislav Pesic ist nach gewonnenen Spielen, in denen die Mannschaft aber nicht gut gespielt hat, oft unzufriedener als nach Niederlagen mit ordentlicher Leistung. Eben weil er Sorge um den Rhythmus hat?

Ja, das ist seine Philosophie, das habe ich von ihm gelernt. Auch wenn wir mit 20 Punkten vorne sind, wollen wir immer weiter seriös unser Spiel spielen, dann schafft man es auch gegen gute Gegner, sein Spiel durchzudrücken.

Zu deiner persönlichen Entwicklung: Auch wenn Spieler oft nicht viel auf Statistiken geben, deine Zahlen haben sich beeindruckend entwickelt. Die Spielzeit ist in der Bundesliga von 13 auf 19 Minuten gestiegen, deine Wurfquoten sind brutal gut ...

Brutal gut? Ich kenne sie gar nicht ...

43 Prozent von der Dreierlinie und mehr als 60 Prozent aus dem Zweipunktebereich.

Ich denke auf dem Spielfeld ganz anders. Ich bin selbstbewusster und mein Gegner hat es schwerer gegen mich. In der Offensive hatte ich eine Woche, in der ich sehr selbstbewusst geworden bin, und das habe ich für mich behalten. Daraus habe ich sehr viel gelernt. Auch der Sommer hat mir sehr geholfen.

Die Zeit mit der Nationalmannschaft.

Ob das das Training war, einfach mal ein ganzes Jahr ohne Verletzungen – es war einfach Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus. Training, gute Impulse – das war eine sehr gute Mischung. Dann der Wettbewerb bei der Europameisterschaft. Ich hatte ein bisschen mehr Verantwortung und so auch mehr Verantwortungsbewusstsein. Ich durfte nicht denken: Ich werfe jetzt, und wenn der danebengeht, passiert auch nichts. Ich bin selbstbewusster in meinen Bewegungen. Das habe ich dieses Jahr gelernt und ich denke, das Team hat das auch mitbekommen, dass ich da einen Schritt gemacht habe. Dann bekommt man mehr Bälle, dann bekommt man mehr Selbstvertrauen vom Team.

Findet der große Schritt mehr im Kopf statt?

Wenn ich letztes Jahr gefragt wurde, habe ich immer gesagt: Ich habe einen Schritt nach vorne gemacht. Aber so, wie ich damals gespielt habe, war das nicht mein Spiel. Ich war der Meinung, ich sei der junge Spieler und lasse mal die anderen machen. Das war letztes Jahr noch immer in meinem Kopf. Meine Mitspieler und Trainer haben gesagt: „Mach mal! Mach mal!“ Aber ich war irgendwie noch nicht so weit. Ich war einfach nicht so weit, wie ich zu dem Zeitpunkt im Kopf sein wollte. Ich denke, das hat sich komplett geändert. Ich habe auch diese Saison schlechte Spiele gemacht, bei denen ich nicht weiß, woran es liegt. Ich bin jetzt 22 geworden …

Da darf man noch Leistungsschwankungen haben.

Es geht noch. Aber ich will nächstes Jahr mehr auf einem Level bleiben. Hoch, runter, hoch, runter – das nagt an einem.

Wie ist der große Schritt im Kopf zu erklären?

Ich hatte keine Verletzung. Wenn man von einer Verletzung zurückkommt, denkt man an das Zurückkommen und nicht daran, besser zu werden. Die Knieverletzung (Anm. d. Red.: Innenbandriss in den Playoffs 2014) hat mich doch schwerer getroffen. Ich war damals immer wieder ängstlich, wenn ich zum Korb gezogen bin. Dann weiß auch ein Gegner, dass ich nicht ziehen will, und geht näher ran. Das ist jetzt anders. Jetzt habe ich mehr Platz und der Gegner weiß nicht, was ich machen will.

Wie findet man wieder Vertrauen in sein Knie?

Durch Zeit. Ich denke ungern an die Phase nach der Verletzung, an das Zurückkommen zurück. Wenn ich ziehe, abspringe und dann noch in der Luft überlegen kann, was ich mache, hilft mir das in meinem Spiel enorm, Mitspieler oder einen Abschluss zu finden. Dass ich immer ein bisschen gehemmt in die Zone gegangen bin, hat zu Turnovern geführt. Dann geht man beim nächsten Mal bewusst anders in die Zone und ist noch etwas ängstlicher. Da kommt dann was ins Rollen. So wie es jetzt ins Gute geht, ging es damals ins Schlechte. Das habe ich komplett abgelegt und darüber bin ich froh.

Bayerntrainer Pesic sagt, die Zukunft des Vereins sind Paul Zipser, Maxi Kleber, Karim Jallow und Daniel Mayr.

Ich weiß gar nicht, ob wir schon mal alle zusammen auf dem Feld standen. Wir haben gute junge deutsche Spieler hier, da werden wir sehen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Das kann er besser beurteilen, weil er mehr Spieler und Saisons gesehen und erlebt hat.

Ob du noch länger beim FC Bayern spielen wirst, wird auch von der NBA-Draft abhängen. Wenn du dir die Draft malen dürftest, was würde passieren?

Wenn ich sie mir malen dürfte, wäre ich der Nummer-eins-Pick.

In den Mockdrafts stehst du meist Anfang der zweiten Runde. Wie viel würde es dir bedeuten, in der ersten Runde gezogen zu werden, so wie Dennis Schröder 2013?

Dennis stand in den Mockdrafts – wenn ich mich recht erinnere – immer recht weit hinten und binnen zwei Wochen ist er dann nach oben geschossen. Das zeigt doch: Jetzt könnte ich in den Mockdrafts auf 50 stehen und als 15. gezogen werden. Oder ich stehe die ganze Saison auf Platz zehn und werde gar nicht gedraftet. Ich glaube, der Unterschied zwischen Ende erster und Anfang zweiter Runde ist nicht so groß. Es kommt wohl vorrangig darauf an, dass man ein Team findet, das zu einem selbst passt.

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Inhalt BIG #53

Der Schiri-Report. Wie gut sind unsere Referees? Das große Doppelinterview mit Jens Staudenmayer und Boris Schmidt. Alle Refs im Check und Reaktionen aus der Liga

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