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„Ich bin noch nicht am Limit“ – Nationalspieler Karsten Tadda über seinen Wechsel nach Ulm Camera 4

„Ich bin noch nicht am Limit“ – Nationalspieler Karsten Tadda über seinen Wechsel nach Ulm

— Florian Eisebitt, OrangeZone

Ulms Neuzugang Karsten Tadda über seinen Rollenwechsel in Gießen, seinen schönsten Meistertitel mit Bamberg und seine Ambitionen mit ratiopharm ulm.

Karsten, du kommst mit fünf Meistertiteln, drei Pokalerfolgen sowie einer Saison beim letztjährigen BBL-Aufsteiger aus Gießen im Gepäck nach Ulm. Was hast du dir für die neue Spielzeit vorgenommen?
Karsten Tadda: Ich möchte an die Erfolge, die Ulm in der letzten Saison hatte, anknüpfen. Klar ist das ambitioniert, immerhin sind sie ins Finale gekommen. Ich weiß noch nicht, wie unsere internen Ziele als Mannschaft aussehen, das muss man alles noch besprechen. Aber ich möchte, dass wir erfolgreich Basketball spielen und persönlich ist es mir ein Anliegen, wieder die Playoffs zu erreichen.

Die ersten Berührungspunkte mit einigen deiner jetzigen Teamkollegen liegen schon mehr als 9 Jahre zurück. Beim NBBL TOP4 2006 hast du zusammen mit Tim (bei TSV Tröster Breitengüßbach) gegen Hagen und Per Günther gespielt. Welche Erinnerungen hast du an dieses Aufeinandertreffen?
Tadda: Rückblickend war es für Tim und mich ein sehr enttäuschendes NBBL TOP4. Wir sind mit sehr hohen Erwartungen dorthin gefahren. Wir waren der Favorit beim ersten TOP4 überhaupt und konnten die Erwartungen letztendlich nicht erfüllen. Unter anderem auch, weil Per mit seinen Hagenern uns im Halbfinale schon den Wind aus den Segeln genommen hat. Deswegen sind meine Erinnerungen an das TOP4 an sich nicht sehr positiv.

Wenn wir schon weit zurückblicken, wie bist du eigentlich zum Basketball gekommen?
Tadda: Mein Papa hat früher Basketball gespielt. Ich bin dann als kleiner Junge mit zu den Spielen gefahren und habe in den Auszeiten und in der Halbzeit auf die Körbe geworfen. Aber ich habe nicht nur Basketball gespielt – sondern auch Fußball und Tennis. Irgendwann musste ich mich dann aus schulischen Gründen entscheiden, welche Linie ich fahren wollte, welche Sportarten ich fortführe. Am Ende ist Basketball übrig geblieben.

Würdest du deinen Papa als deinen persönlichen Mentor bezeichnen?
Tadda: Kann man schon so sagen. Ich würde auch sagen, dass mein Papa mein größter Kritiker ist. Er findet immer was, was nicht gut war oder ihm nicht gepasst hat. Ich bin sehr froh darüber, dass ich jemanden an meiner Seite habe, der mich in meiner gesamten Karriere bisher immer unterstützt und gefördert hat.

(Z.z. „Mein Papa ist mein größter Kritiker, er findet immer etwas, was ihm nicht gefällt.“)

Also werden wir deinen Papa auch des Öfteren in der ratiopharm arena begrüßen dürfen?
Tadda: Selbstverständlich. Da die Distanz von Bamberg nach Ulm nicht die größte ist, werden wir definitiv auch meine Familie das eine oder andere Mal in der ratiopharm arena sehen.

Du bist ein Bamberger Eigengewächs: vom Nachwuchsprogramm bis zu den Profis hast du alles mitgemacht und in der Folge mit Bamberg auch zahlreiche Titel gewonnen. Welcher Titel von den fünf Deutscher Meisterschaften und drei Pokalsiegen war der schönste?
Tadda: Ich würde sagen, der erste Titel ist der Schönste. Damals als Jugendspieler habe ich mir die Spiele von den Rängen angeschaut und habe natürlich auch die Meisterschaft als Zuschauer mitgefeiert. Ich habe mir nie zu träumen gewagt, selbst einmal auf dem Feld zu stehen und eine Meisterschaft zu feiern. Deswegen ist die erste Meisterschaft, die ich in Bamberg gewonnen habe, natürlich die allerschönste.

Theoretisch könnte man sagen, du hast im deutschen Basketball bereits alles gewonnen, mehrfach. Was treibt dich an, trotzdem weiter zu machen?
Tadda: Weiterhin erfolgreich zu spielen und weiterhin Titel gewinnen zu wollen. Wenn ich jetzt sagen würde, ich wäre zufrieden, bräuchte ich gar keinen Basketball mehr spielen. Ich bin ein Spieler, der sehr ehrgeizig ist, der, wenn es möglich ist, immer gewinnen möchte. Und das treibt mich an.

(Z.z.: „Für mich war es eine extrem große Ehre bei der EM mit Dirk Nowitzki zusammen zu spielen. Ich denke, davon träumt fast jeder Basketballer.“)

Du hast in deiner Karriere auch schon mit vielen großen Spielern – auf Vereinsebene oder auch in der Nationalmannschaft – zusammenspielen dürfen. Gibt es Persönlichkeiten, die dich besonders geprägt oder beeindruckt haben?
Tadda: Für mich war es eine extrem große Ehre letztes Jahr bei der EM mit Dirk Nowitzki zusammen zu spielen. Ich denke, davon träumt fast jeder Basketballer – mit ihm Seite an Seite zu stehen und ihn auch als Mensch kennen zu lernen. Das war für mich auf jeden Fall ein großes und bewegendes Erlebnis. Aber auch in Bamberg hatte ich Mitspieler, die jetzt auf NBA-Niveau spielen. Es waren viele Spieler dabei, die mich geprägt haben, von denen ich auch viel lernen konnte. Ich bin sehr froh darüber, dass ich diese Möglichkeit hatte.

Du bist ein bissiger Verteidiger – ein Kettenhund – und warst bisher immer gefährlich von der Dreierlinie. Würdest du dich als Prototyp des „Rollenspielers“ sehen?
Tadda: Ja, das kann man im Prinzip so sagen. Ich war natürlich immer in Mannschaften, in denen Spieler mit großen Namen waren. Und da muss es natürlich auch Rollenspieler geben, die sich um Aufgaben kümmern, die andere Spieler nur selten übernehmen. Ich würde mich in dieser Hinsicht schon als Rollenspieler bezeichnen. Letztes Jahr in Gießen war es natürlich anders. Da war ich dann weniger der Rollenspieler, sondern eher einer mit Führungsqualitäten. Ich würde sagen, es ist von Mannschaft zu Mannschaft unterschiedlich, in welcher Rolle ich in Erscheinung trete.

War der Rollentausch also der Grund, wieso du letzte Saison nach Gießen gegangen bist?
Tadda: Auf jeden Fall. In Bamberg war es speziell im letzten Jahr so, dass ich kaum mehr eine Chance, kaum mehr Einsatzminuten gesehen habe. Deswegen wollte ich mit meinem Wechsel nach Gießen auch meinen Kritikern zeigen, dass noch mehr in mir steckt als nur in der Ecke zu stehen und Dreier zu werfen oder eine Verteidigungsrolle zu übernehmen. Das habe ich dann im Großen und Ganzen auch gut ausgeführt. Ich war aber noch nicht an meinem Limit.

Wie groß war die Umstellung für dich, vom amtierenden Deutschen Meister zu einem Aufsteiger zu wechseln?
Tadda: Vereinstechnisch war es schon ein ganz großer Schritt, aber Basketball wurde auch in Gießen gespielt. Was das Training angeht und die Gegebenheiten drum herum war die Umstellung schon gewaltig. Bamberg ist halt einfach ein großer Verein, da stimmt einfach alles – in Gießen habe ich schon gemerkt, dass es auch anders sein kann. Aber das war für mich nicht ausschlaggebend. Ich wollte einfach Basketball spielen, ich wollte auf dem Feld stehen. Ich wollte dem nachgehen, was mir den meisten Spaß macht und das blieb mir zu dieser Zeit in Bamberg verwehrt.

Dein Trainer in Gießen, Denis Wucherer, hat Folgendes über dich gesagt: „Karsten versteht das Spiel, er hat einen hohen Basketball-IQ. Er besitzt herausragende Qualität. Er ist ein Vorzeigeprofi, der als Erster zum Training die Halle betritt und sie als Letzter verlässt. Solch ein Vorbild brauchen unsere jungen Spieler.“ Du warst also ein Führungsspieler in Gießen. Hat dich das in deiner persönlichen Entwicklung vorangebracht?
Tadda: Wie schon gesagt, es hat mir extrem viel geholfen, mit welchen Persönlichkeiten ich bisher zusammengearbeitet habe. Ich habe vieles von Spielern gelernt, die auf hohem Niveau gespielt haben oder noch spielen. Ich denke, solche Dinge wie als Erster beim Training zu sein und als Letzter zu gehen, das hilft einem, nicht nur sich selbst weiter zu entwickeln, sondern bringt einem auch Respekt bei den Trainern und Mitspielern. In einer Mannschaft ist es extrem wichtig, dass es auch solche Vorzeigeprofis gibt, an denen sich andere Spieler messen können und zu denen der Nachwuchs aufblicken kann.

Persönliche Rituale sind ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Faktor bei Sportlern. Wie verhält es sich bei dir, hast du ein typisches Pregame-Ritual?
Tadda: Wenn man den Tagesablauf betrachtet – wir haben morgens einen kleinen Shootaround, dann steht Essen an, wenn die Zeit besteht, ein kleiner Nap und dann geht die volle Konzentration aufs Spiel.

(Z.z.: „Ja, das war damals in Bamberg so, dass ich immer auf die rechte Toilette gegangen bin. Das war jetzt in Gießen nicht der Fall, da wir dort nur eine hatten.“)

Wir haben gehört du hast ein sehr persönliches Ritual und benutzt vor den Heimspielen gern immer die gleiche Toilette.
Tadda: Ja, das war damals in Bamberg so, dass ich immer auf die rechte Toilette gegangen bin. Das war jetzt in Gießen nicht der Fall, da wir dort nur eine hatten. Da habe ich das Ritual so ein bisschen abgelegt. Aber das ist ja im Prinzip nichts, was nicht wieder kommen könnte. Ich muss mir mal die Gegebenheiten in der Ulmer Kabine anschauen. Und vielleicht wird das eine oder andere Ritual, wenn es gut läuft, wieder dazukommen. (lacht)

Vom Meister, über einen Aufsteiger, zum Vizemeister – wie denkst du, wird deine Rolle im Team unter Coach Leibenath sein?
Tadda: Ich habe mit Thorsten lange geredet und er hat mir gesagt, dass er meine Defensivqualitäten sehr schätzt und die in Ulm gut benötigt werden. Er weiß, dass ich gute Passqualitäten habe, dass ich den Ball gut laufen lasse, dass ich gut für die Mitspieler kreieren kann und auch kreieren soll, wenn die Möglichkeit besteht. Also im Prinzip ist es eine Mischung meines Spiels aus Bamberger und Gießener Zeiten.

Der Kader von ratiopharm ulm ist weitestgehend zusammengeblieben, wurde punktuell verstärkt – wie schätzt du das aktuelle Team ein?
Tadda: Wir sind auf jeden Fall noch mal besser geworden. Ich denke, der Kader ist noch tiefer. Dadurch, dass wir alle relativ jung sind und immer noch hungrig, werden wir auf jeden Fall viel, viel Spaß miteinander haben und einen guten Basketball zusammen spielen. Bei mir ist es momentan so, dass ich wieder richtig Bock habe Basketball zu spielen und mich auf die neue Saison freue.

Zuletzt noch einen kurzen Ausblick auf deine ersten Spiele in der ratiopharm arena. In Gießen hast du nach drei Partien bereits deinen eigenen Fangesang bekommen – wie lange wird es in Ulm dauern?
Tadda: Das ist schwer zu sagen. Ich lasse mich gern überraschen, mit welchen kreativen Ideen die Ulmer Fans kommen. Ich weiß aus meinen Erfahrungen, dass in der Halle sehr engagiert angefeuert wird und eine sehr geile Atmosphäre herrscht. Deswegen lasse ich mich mal überraschen, wie lange es dauern wird.

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