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BIG - Basketball in Deutschland
„Ich nehme jeden Tag mindestens 500 Dreier“ - Paul Zipser über seinen Wechsel zu den Bulls Camera 4

„Ich nehme jeden Tag mindestens 500 Dreier“ - Paul Zipser über seinen Wechsel zu den Bulls

— Florian Schmidt-Sommerfeld, BIG

Paul Zipser wechselt von Bayern München zu den Chicago Bulls. Es ist der Wechsel des deutschen Basketball-Sommers. Kann Zipser wirklich den Durchbruch in den USA schaffen? Dieses BIG-Interview beweist, dass der Forward den Mut und die Entschlossenheit besitzt, um im ehemaligen Team von Michael Jordan eine Rolle zu spielen.

Zipser-Highlights:

Paul, was trainierst du im Hinblick auf die NBA gerade besonders intensiv?

Das Erste, was ich in jedem Training dabeihabe, ist Ballhandling. Dann mache ich ein, zwei Übungen Stabilisation beim Wurf. Dabei achte ich auf ein paar Sachen, die ich beim Wurf falsch mache. Als Nächstes, wie man in der Zone abschließt, dabei verschiedene Arten. Ob es ein Floater ist, oder explosiv ganz bis zum Ring. Und natürlich Pick’n’Roll. Und bei jeder Übung ist Ballhandling dabei, das habe ich mir so vorgenommen.

Der Fokus auf Ballhandling überrascht im Hinblick auf deine Spielweise bei Bayern nicht, im Hinblick auf die NBA schon eher. Rajon Rondo und Dwyane Wade werden bei den Bulls viel den Ball in der Hand haben. Wirst du nicht mehr Werfer als Ballhandler sein?

Der Plan stand schon vorher, da habe ich mir nicht viele Gedanken über meine Rolle im neuen Team gemacht. Ich habe einfach gesehen, was ich an meinem Spiel verbessern will, damit ich mich wohler fühle. Damit ich selbstbewusster ins Pick’n’Roll gehe, in die Zone komme und weiß, welche Möglichkeiten ich habe, in welchen ich gut bin. Dann geht man mit einem anderen Selbstbewusstsein und auch öfter in die Zone. Klar, mein Wurf ist eine große Stärke, besonders in der Rolle, die ich in dem Team dann vielleicht haben werde. An dem wird natürlich auch gearbeitet. Aber das habe ich auch schon letztes Jahr gut gemacht. Ich habe einen ziemlich guten Wurf, denke ich. Das sind dann einfach nur viele Wiederholungen, da geht es nicht mehr um Technik.

Die Dreierlinie der NBA ist einen halben Meter weiter hinten als bei der FIBA. Ist das für dich ein Thema?

Das ist schon ein Thema. Ich würde nicht sagen, dass es schwieriger ist, sondern einfach eine Umgewöhnung, weil man einen bestimmten Ablauf beim Wurf verinnerlicht hat. Und der ist jetzt ein bisschen anders: ein bisschen mehr Kraft, ein bisschen mehr Beine, man muss ein bisschen sauberer werfen. Die ersten Tage, in denen ich das geübt habe, haben ein paar Muskeln wehgetan, von denen ich nicht mal wusste, dass man sie zum Werfen braucht. (lacht) Aber das ist ganz normal und keine große Umstellung, man muss es einfach nur üben.

Nach 100 Dreiern jeden Tag verständlich.

Es sind schon ein paar mehr. Mindestens 500 Dreier jeden Tag, das merkst du dann schon im Handgelenk.

Zu deiner Rolle. Kann man verkürzt sagen: Im Idealfall erster Back-up von Jimmy Butler auf der Drei?

So wirklich habe ich mir keine Rolle rausgepickt, die ich einnehmen will. Ich denke, ich habe ganz gute Chancen, auf der Drei und der Vier helfen zu können. Mit einem Werfer macht man selten etwas verkehrt. Wenn ich ein paar Tage dort trainiere, werde ich schon wissen, was ich mir als Ziel setze.

Vor einiger Zeit hast du dich noch zurückhaltender geäußert, was das Spielen auf der Vier in der NBA angeht. Vor allem körperlich kommen echte Brocken auf dich zu. Inzwischen siehst du dich doch realistisch auf der Vier?

Wieso nicht? Klar gibt es auch andere Spielertypen auf der Vier, die einen ganz anderen Körper oder ein anderes Skillset haben. Es gibt aber auch Spieler, gerade aus Europa, die die Vier oft spielen und mir ähneln. Da muss man wissen, wie und wann man jemanden einsetzt. Generell denke ich, ich kann auch dort mal spielen, aber das wird nicht meine erste Position werden – auf keinen Fall.

Nach dem Trade von Derrick Rose standen die Zeichen auf Neuanfang, die Verpflichtungen von Rondo und Wade klingen eher nach „Win now“. Was ist für die Bulls nächste Saison drin?

Mit dem Team kann man auf jeden Fall die Playoffs schaffen. Ich denke, das ist eine gute junge Truppe.

Dein neuer Trainer, Fred Hoiberg, gilt als sehr kommunikativ, hört sich auch an, was die Spieler zu sagen haben. Wenn Hoiberg dich fragen würde: Paul, wie willst du eingesetzt werden? Was würdest du ihm antworten?

Ich würde ihm sagen: Das werde ich auf dem Spielfeld herausfinden. (lacht) Wenn ich merke, dass ich auf der Vier über das ganze Spiel hinweg Probleme habe, werde ich mit ihm reden. Was können wir da ändern? Er weiß schon, was man da machen kann. Auch wenn er nicht der Älteste ist, ist er schon ziemlich erfahren. Er soll ein super Trainer sein und ich freue mich darauf, mit ihm zu arbeiten. Ich denke, mit ihm kann man ganz gut reden, das habe ich auch gehört. Einmal haben wir schon kurz miteinander geredet, jetzt freue ich mich einfach auf die Herausforderung und dass man zusammen an einem Strang ziehen kann.

Er ist deutlich ruhiger als dein letzter Trainer, Svetislav Pesic. Players’ Coach oder harte Gangart – hast du eine Präferenz?

Ich komme mit beidem ganz gut klar. Wenn man weiß, was die Intention bei manchen Aktionen der Trainer ist, wenn man das herausfindet, kommt man mit vielen Trainertypen klar. Ich hatte in Heidelberg auch einen Trainer, der mehr Power im Coaching hat, ein bisschen mehr fordert, deswegen war ich eigentlich nicht viel anderes gewöhnt. Ich denke, das wird kein Problem für mich, in die eine oder die andere Richtung.

Mach's gut, Paule:

Coach Pesic und auch sein Sohn Marko hätten dich gern noch mindestens ein Jahr bei Bayern behalten.

Das hätten sie bestimmt gern. Aber es war damals das Ziel von beiden: Paul, wir werden dich zum NBA-Spieler machen. Das war eine Aussage, die mir einfach im Kopf geblieben ist. Der Trainer hat mir gesagt, er fände es für die Entwicklung besser, wenn ich noch hierbleiben würde. Ich denke, wenn man diese Challenge vor Augen hat, ist es etwas anderes, als wenn man hier ist und nur daran denkt, wie es drüben wäre. Das sehe ich anders als der Trainer. Er ist ein bisschen oldschool, das habe ich nicht anders erwartet. Viele seiner Spieler haben es so gemacht, er hat gute Erfahrungen damit gemacht. Aber das war mein Weg und er hat das akzeptiert. Er hat mich beglückwünscht.

Beide Pesics haben dir damals die NBA versprochen?

Es war mein Traum, das zu schaffen. Viele haben gesagt: Paul Zipser, Riesentalent. Aber was heißt das? Wenn ich meine ganze Karriere in Deutschland gespielt hätte, wäre es ein bisschen unter dem Level gewesen, das ich und viele andere mir zugetraut haben. Ich bin jetzt ein Stück näher dran, NBA-Spieler zu sein. Das ist man, wenn man wirklich dort spielt. Diese Challenge will ich vor mir haben. Wenn du nicht rübergehst, weißt du nicht, wie es gelaufen wäre.

Beim FC Bayern bist du zum Nationalspieler und jetzt zum künftigen NBA-Spieler gereift. Was wird davon bleiben?

Ich bin superstolz, ein Teil dieses Vereins gewesen zu sein. Ich komme immer gern zurück, die Leute werde ich vermissen. Jetzt wird mir erst bewusst, was dieser Verein eigentlich ist. Wenn man rübergeht, kennt jeder den FC Bayern. Das kann man nicht von jedem Verein sagen. Ich bin verletzt hierhergekommen, das war eine Riesenaufgabe. Marko hat viele Möglichkeiten gehabt, mir zu helfen, und jetzt habe ich gar keine Probleme mehr im Fuß und im Knie. Ich habe als Mensch und als Spieler so viel gelernt. Ich werde die Zeit auf keinen Fall vergessen.

Von der BBL in die NBA. Dennis Schröder war vor drei Jahren in einer ähnlichen Situation wie du jetzt. Holst du dir Tipps von ihm?

Er hat letzten Sommer schon viel erzählt, wie das Leben dort drüben ist. Vielleicht hat er ein paar Tipps, aber ich bin nicht so auf der Suche, wie man sich dort zurechtfindet. Ich glaube, das schaffe ich auch so.

Gar kein Muffensausen vor dem großen Sprung?

Ich denke, am Anfang werde ich auch ein paar Probleme haben, wo ich mich erst mal zurechtfinden muss. Ich weiß nicht, ob Ratschläge bei so einer Umstellung helfen. Das habe ich gelernt, als ich nach München gekommen bin: Es ist etwas anderes, wenn man von Problemen hört oder sie wirklich vor sich hat. Je mehr man darüber redet, desto mehr denkt man darüber nach, das ist vielleicht auch nicht so gut, wo man die Nationalmannschaft und das große Ziel Olympia 2020 vor Augen hat. Vielleicht wird er ein paar Dinge sagen, auf die ich achten soll, aber ich werde nicht zu ihm laufen und fragen: Hey Dennis, kannst du mir das und das mal sagen? Das werde ich früher oder später selbst herausfinden und meine eigenen Erfahrungen machen.

In die NBA zu gehen ist das eine, ausgerechnet zu den Bulls zu gehen, noch mal etwas anderes?

Auf jeden Fall ein Riesenunterschied. Als ich in der Nacht gehört habe, es wird Chicago, dachte ich direkt: Okay, MJ war da. Oh mein Gott. Das ist schon etwas anderes, weil man dieses Trikot einfach immer sieht. Oder die Leute laufen alle mit einer Chicago-Bulls-Cap rum. Die Bulls sind einfach superbeliebt in der Stadt. Chicago, Boston und die Lakers – das sind die drei großen Vereine, die irgendwie über den anderen stehen.

Abschließend: Auf das direkte Duell mit welchem Spieler freust du dich am meisten?

Auf jeden Fall LeBron. Auf Dirk würde ich mich auch freuen, wenn ich auf der Vier gegen ihn spielen würde. Wenn man sieht, wie LeBron in den Finals gespielt hat, dass ihn nicht mal einer der wohl besten Verteidiger der Liga wie Iguodala halten kann – da kann man nicht viel falsch machen. Man kann eigentlich nur gewinnen, am Anfang. Auch das will ich mal probieren.

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