FB Twitter Instagram YouTube Google+
Nachwuchs
38. Göttinger Mini-Turnier: 1.500 Kinder in 147 Teams und ein Überraschungssieger Swen Pförtner

38. Göttinger Mini-Turnier: 1.500 Kinder in 147 Teams und ein Überraschungssieger

— Swen Pförtner

Gut 1500 Talente aus 147 Mannschaften, die sich bei fast 400 Partien in 13 Sporthalle duellieren: Das 38. Mini-Turnier der BG 74 Göttingen hat abermals Maßstäbe gesetzt.

Swen Pförtner

Das Mammut-Event, bei dem die easyCredit Basketball Bundesliga und der Deutsche Basketball Bund Schirmherren sind, ist und bleibt das größte Basketball-Turnier Europas bis zur Altersklasse U12. Und am Ende gewinnt immer Berlin … halt! Diesmal nicht. Es ist Ausnahme statt Regel, wenn keine Mannschaft aus der Hauptstadt den begehrten Titel der männlichen U12 abräumt. Unter den Augen von Göttingens Headcoach Johan Roijakkers war das diesem Jahr mal wieder Fall: In einem packenden und sportlich hochklassigen Endspiel rang der TK Hannover die Chemnitz 99ers hauchdünn mit 32:31 nieder. Beide Teams agierten auf Augenhöhe, die Niedersachsen eroberten die Führung erst drei Minuten vor dem finalen Buzzer und gaben sie nicht mehr aus der Hand. Chemnitz durfte sich damit trösten, dass die Chemcats den Pokal der weiblichen U12 gewannen. Chef-Organisator Manfred Ude war trotz einiger "kleiner Katastrophen", wie er es nannte, zufrieden mit dem Ablauf der Veranstaltung. Und immerhin: In den meisten Altersklassen triumphierte Berlin. ALBA BERLIN nämlich, das dreimal siegreich war.

Es sei immer etwas Besonderes für die Kinder, die einzigartige Atmosphäre beim Mini-Turnier zu erleben, betont Stefan Raid, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Basketball-Bundes: „Die Kinder erleben hier bei diesem exzellent organisierten Turnier einfach den Spaß am Basketballspielen. Für fast alle ist das Turnier das herausragende Erlebnis in ihren noch jungen sportlichen Karrieren.“ Deswegen sei der DBB auch mindestens bei den kommenden beiden Auflagen als Schirmherr dabei.

Swen Pförtner

Wo die Stars von morgen spielen, schauen die Sternchen von gestern begeistert zu. Unter anderem Sophie von Saldern. Die in Göttingen aufgewachsene 106-fache Nationalspielerin ist von 1985 bis 1993 für die Veilchen aufgelaufen – und hat dennoch nie am Mini-Turnier teilgenommen. „Ich habe erst mit zwölf Jahren angefangen, Basketball zu spielen und war dementsprechend zu alt fürs Miniturnier.“ Sie unterstützt ihren achtjährigen Sohn Maximilian, der für SW Baskets aus Wuppertal auf Korbjagd geht. „Zu sehen, was das eigene Kind für Möglichkeiten bei diesem Wettbewerb hat, lässt mich erst richtig realisieren, was Turnier-Initiator Wessel Lücke für ein tolles Erbe hinterlassen hat“, betont von Saldern, die in Erkrath bei Düsseldorf lebt und als Personalleiterin bei den Kölner Verkehrsbetrieben arbeitet. Entspannen kann sie in ihrer Geburtsstadt allerdings nicht. „Als basketballaffine Mutter muss ich mich zurückhalten, keine zu großen Ansprüche auf meinen Sohn zu projizieren“, sagt die 44-Jährige.

Kein Problem damit, den lässigen Spielervater zu mimen, hat Sven Schultze. Kein Wunder, denn der 121-malige Nationalspieler und EM-Silbermedaillengewinner von 2005 begleitet seine Kinder regelmäßig zum Miniturnier. „Es ist definitiv ein fester Termin geworden“, berichtet der 38-Jährige. Sohn Nicola und Tochter Lilli laufen – wie einst der Papa – für ALBA BERLIN auf. „Nicola peilt den dritten Turniersieg in Folge an, die Jungs sind richtig heiß darauf“, sagt der Papa. Zwischen den Hallen pendelt Ehepaar Schultze mit dem Cityroller. Selbst nimmt der vierfache Deutsche Meister den Basketball kaum noch in die Hand. Seit er im Unfallkrankenhaus Berlin als Sporttherapeut arbeitet, trainiert er lediglich nebenher die Kaderspieler des Berliner Basketballverbands. Am Sonnabend geht es mit den anderen Eltern ins Restaurant. Seine Frau hat gebucht, er habe sich da rausgehalten. „Happy wife, happy life“, begründet der gebürtige Bamberger diese weise Entscheidung.

Swen Pförtner

Kinder+Sport Basketball Academy

„Üben, üben, üben“, empfehlt Steffen Teichert. Genau darum geht es bei der kinder+Sport Basketball Academy: sich viel mit dem Ball beschäftigen, die Skills durch spaßige Übungen schulen und sich dadurch als Spieler weiterentwickeln. „Und warum noch?“, fragt ein Teilnehmer. „Damit du im Spiel so richtig coole Handwechsel machen kannst“, erklärt Teichert, früherer Bundesliga-Akteur der BG Göttingen.

Die Stationen Dribbling, Koordination, Passen und Werfen absolvieren am Wochenende mehrere hundert Kinder beim Miniturnier. Alle haben ein Ziel: das All-Star-Level erreichen. „Da sind echt Gute dabei“, staunt Andy Onwuegbuzie. „Dabei sind die Drills gar nicht mal so einfach. Selbst ich tue mir schwer damit“, ergänzt der 22-Jährige, der in der abgelaufenen Saison für den Pro-A-Zweitligisten Team Ehingen Urspring aufgelaufen ist.

Um es seinem Vorbild Rickey Paulding später gleich zu tun, trainiert Zayana Kikuemba unentwegt. „Die Basketball Academy ist sehr lehrreich, dank ihr beherrsche ich jetzt alle Handwechsel, weil ich jeden Tag etwas dafür getan habe, um ein Level aufzusteigen“, erklärt der elfjährige Sohn angolanischer Eltern, der für den Oldenburger TB spielt.

Auf den Shirts der Mini-Turnier-Teilnehmer gab es eine Premiere: Erstmals waren die „Angry Birds“ als Maskottchen am Start.

Swen Pförtner

Siegerteams:

U12 männlich I: TK Hannover

U12 männlich II A: BC Ottendorf-Okrilla

U12 männlich II B: Südwest Baskets Wuppertal

U12 männlich II C: BC Anhalt

U12 weiblich I: ChemCats Chemnitz

U12 weiblich II: UBI Graz

U11 männlich I: ALBA BERLIN

U11 männlich II A: BC 70 Soest

U11 männlich II B: ALBA BERLIN

U11 weiblich: SC Rist Wedel

U10 männlich I: SG BG Bonn

U10 männlich II A: SSC Südwest Berlin

U10 männlich II B: BG BiBA

U10 weiblich: ALBA BERLIN

U9 I: Niners Chemnitz

U9 II: BC 70 Soest

„Wir können ein deutschlandweites Wachstum verzeichnen“ – Jens Staudenmayer

Swen Pförtner
Stefan Raid vom DBB (links) und Jens Staudenmayer von der easyCredit BBL.

Die easyCredit Basketball Bundesliga hat die Schirmherrschaft für das Miniturnier der BG 74 Göttingen verlängert. Jens Staudenmayer, Leiter der Abteilung Sport der easyCredit BBL, über positive Entwicklungen:

Sind Sie mit der Entwicklung im Minibereich zufrieden?

Wir können ein deutschlandweites Wachstum verzeichnen. Dass die Bundesligisten seit einem Jahr einen hauptamtlichen Minitrainer beschäftigen müssen, hat sich ausgezahlt. Die Aktivitäten an Schulen wurden sehr systematisch ausgebaut, wir erreichen mehr Kinder. Selbst verhältnismäßig kleinen Klubs wie Rasta Vechta gelingt es, sämtliche Grundschulen im Landkreis abzudecken.

Wie muss der nächste Schritt aussehen?

Nun gilt es, die Kinder früher systematisch zum Basketball zu bringen. Das Hauptthema hierbei ist die Einführung von niedrigeren Körben, was jüngeren Kindern ermöglicht, zeitiger mit dem Balltraining zu beginnen. Beim Fußball ist das Ziel, also das Tor, groß genug, bei uns hängt es aber zu hoch. Kinder auf einen 3,05 Meter-Korb werfen zu lassen, lässt sich damit vergleichen, einen Erwachsenen auf ein Ziel in 4,05 Meter Höhe werfen zu lassen. Ich hoffe, wir finden gemeinsam mit dem Verband eine Lösung. Das Problem ist eher baulicher als finanzieller Art, da eine Anlage pro Spielfeld nur ungefähr 1500 bis 2000 Euro kostet. Geld sollte kein Hinderungsgrund sein. Eine andere Möglichkeit wäre das Spiel mit einem noch kleineren Vierer-Ball, was die bessere Alternative zu Varianten wie Kastenball wäre.

Alba Berlin hat bereits Erfahrungen mit niedriger hängenden Körben gemacht. Wie sind die Rückmeldungen darauf?

Durchweg positiv. Alle Grundschul-Neubauten wurden bereits entsprechend eingerichtet. Es würde helfen, das einheitlich im Minibereich durchzusetzen, was allerdings nicht von heute auf morgen geschehen muss. Beim Fußball wird anfangs auch auf kleinere Tore gespielt, beim Tennis auf kleinere Felder. Durch die hohen Körbe kommen viele Kinder erst später zum Basketball als zu anderen Sportarten.

In den vergangenen Jahren wurden viele Reformen im Jugendbereich umgesetzt. Lässt sich inzwischen ein Ertrag erkennen?

Insgesamt haben wir viel mehr Kinder als früher, das Niveau ist deutlich besser. Was ich beim Top Four der JBBL und NBBL zuletzt gesehen habe, war schon beachtlich. Es war genau richtig, die Bundesligisten zu verpflichten, hauptamtliche Jugendtrainer anzustellen. Die Vereine investieren nun viel mehr in die Jugendarbeit. Die BG Göttingen hat beispielsweise ihr Trainingszentrum gebaut, ratiopharm Ulm den Orange Campus. Ehrenamtlich ist eine sehr gute Ausbildung vielleicht noch bis zur U12 möglich, anschließend wird es schwierig, das noch zu gewährleisten.

In Göttingen gibt es in diesem Bereich derzeit Schwierigkeiten. Der Kooperationsvertrag zwischen der BG Göttingen und dem ASC 46 Göttingen wurde aufgekündigt. Wie sollte eine sinnvolle Lösung aussehen?

Die BG sollte den ganzen Apparat ab der U16 selbst übernehmen. Alles andere wäre falsch verstandener Lokalpatriotismus. Auch zwei Regionalliga-Teams zu haben, macht wenig Sinn. Da sollte lieber eine Mannschaft in die Pro A oder Pro B. Ich hoffe, dass dies alle Beteiligten auf die Kette kriegen, sonst könnte es sein, dass gute Spieler zu Programmen wechseln, bei denen das besser funktioniert.

Die Deutschen-Quote ist ebenfalls ein Erfolgsmodell. Mit Schwennigen hat ein Pro-B-Aufsteiger, der die Lizenz nicht erhalten hat, dagegen geklagt.

Was natürlich überhaupt nicht sein kann, dass sich ein Verein gegen ein ganzes System stellt, zu dem er noch nicht einmal dazu gehört. So können wir nichts erreichen. Der Wert der Gemeinschaft muss auch etwas zählen. Wer es in der Regionalliga nicht schafft, mit dem eigenen Nachwuchs zu bestehen, bei dem läuft einiges schief. Durch die Quote haben viele Akteure den Sprung ins Profilager geschafft.

Zeigt sich dieser positive Trend auch in der Spitze?

Unsere Junioren-Nationalmannschaften schneiden regelmäßig stark ab. Dazu gibt es genug deutsche BBL-taugliche Spieler, die nur einen Klub finden müssen, in dem es genügend Spielzeit gibt. Die Fraport Skyliners Frankfurt sind in dieser Hinsicht vorbildlich. Da sagt der Manager eben, dass nur mit vier oder fünf Ausländern gespielt wird, und der Trainer muss dann zwangsläufig den Deutschen eine Chance geben. Wenn dann jedes Jahr mindestens ein Spieler pro Verein bei den Profis anklopft, sind wir zufrieden.

Ausgerechnet die derzeit größten Talente Isaiah Hartenstein (Zalgiris Kaunas), Kostja Mushidi (Mega Leks) und Moritz Wagner (University of Michigan) spielen allerdings im Ausland. Womit hängt das zusammen?

Es gibt unterschiedliche Entwicklungswege. Das College im Mutterland des Basketballs besitzt nach wie vor eine große Anziehungskraft, was wir nicht verteufeln. Allerdings ist der Übergang vom Jugend- in den Profibereich sowie die individuelle Ausbildung in Deutschland und Europa mittlerweile wahrscheinlich besser. Das zeigt sich auch daran, dass viele Europäer in der NBA hoch gedraftet werden.

An welchen Aspekten des Spiels muss in der Ausbildung konkret noch stärker gearbeitet werden?

Unsere Spieler werden immer athletischer, was wichtig ist, aber nicht überbewertet werden darf. Spielintelligenz muss stärker gefördert werden. Zwei Beispiele: Das erste ist Ricky Rubio. Jemand wie er wäre in der U10 vermutlich aussortiert worden, weil er zu klein ist. Die Spanier schulen aber das taktische Verständnis. Rubio hat einen überragenden Basketball-IQ und spielt zurecht bei den Minnesota Timberwolves in der NBA. Das zweite ist Fabien Causeur. In Frankreich ist es mittlerweile Tradition, große Point Guards auszubilden. Causeur hat keine Sprungfedern eingebaut, glänzt aber durch sein herausragendes Entscheidungsverhalten und hat dadurch seinen Platz in Europas Elite gefunden.

Stichwort Europa: Wie beurteilen Sie den Streit zwischen der ULEB, die die Euroleague ausrichtet, und dem Weltverband FIBA?

Für beide Seiten wird es enorm schwierig, gesichtswahrend aus diesem Konflikt, der auf dem Rücken des Basketballs ausgetragen wird, herauszugehen. Das Geschäftsmodell der Euroleague bedroht auf Dauer die nationalen Ligen. Es sollte hinterfragt werden, wie sinnvoll es ist, mehr als 70 Spiele in einer Saison zu absolvieren.

Die Euroleague erkennt die Nationalmannschaftsfenster der FIBA während der Saison nicht an, ebenso wenig die NBA. Der Wettbewerb wird dadurch stark verzerrt und gleicht einer Farce, wenn die besten Spieler einer Nation nicht mitspielen. Gerade die Nationalmannschaft ist im öffentlichen-medialen Interesse aber das größte Zugpferd. Machen Sie sich Sorgen?

Für den Deutschen Basketball Bund wird es schwierig, sich für die großen Turniere zu qualifizieren. Mit Dennis Schröder und Paul Zipser spielen bereits zwei Nationalspieler in der NBA, künftig werden es mehr. Dazu sind zahlreiche Leistungsträger bei Euroleague-Teams aktiv. Ich hoffe, dass die Truppe im Sommer bei der EM abliefert. Gut genug ist sie auf jeden Fall. Letztlich funktioniert auch die Liga durch eine starke Nationalmannschaft besser.

comments powered by Disqus
  • Tags:
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport