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BIG - Basketball in Deutschland
„Ich wollte einfach kein Rollenspieler mehr sein“ - Nicolo Melli im großen BIG-Interview Daniel Löb

„Ich wollte einfach kein Rollenspieler mehr sein“ - Nicolo Melli im großen BIG-Interview

— Alexander Büge

Nicolò Melli reifte in Bamberg zu einem der vielseitigsten Basketballer Europas. Im Gespräch mit BIG spricht er über Höhen und Tiefen in jungen Jahren, seine Entwicklung vom Bank- zum Starspieler und seine Ziele für die Zukunft.

Egal, wer zum Korb zieht: Daniel blockt ihn weg. Auf der anderen Seite ist es nicht möglich, ihn am Korb zu stoppen. Dafür springt er einfach zu hoch.

Melli über Daniel Theis

Nicolo Melli, Ihre Mutter, Julie Vollertsen, hat mit der amerikanischen Volleyball-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 die Silbermedaille gewonnen. Wie kamen Sie zum Basketball?

Ich habe nie wirklich daran gedacht, ebenfalls ein Volleyballspieler zu werden, weil es in meiner Heimatstadt Reggio Emilia kein gutes Volleyballteam gab. Stattdessen ist Basketball dort sehr populär. Und da auch mein Vater Basketball gespielt hat, war es immer mein Traum, Basketballprofi zu werden.

Wie alt waren Sie?

Ich war fünf Jahre alt und habe die Jugendmannschaften durchlaufen, bis ich es ins Team der ersten Mannschaft von Reggio Emilia geschafft habe.

Sie wurden im frühen Kindesalter als großes Talent angesehen und trainierten bereits im Alter von 13 Jahren in der ersten Mannschaft Ihrer Geburtsstadt.

Das war wirklich eine großartige Erfahrung, denn ich noch sehr jung und das Team von damals ziemlich gut. Aber in diese Situation bin ich nur gekommen, weil einige Spieler sich verletzt hatten. Dementsprechend habe ich damals auch überhaupt nicht damit gerechnet. Ich hatte mein Wochenende bereits mit meinen Freunden verplant und wollte mit ihnen in die Berge fahren. Doch an diesem Tag hat mich der Coach angerufen und gesagt, dass ich mit zum Spiel des ersten Teams kommen soll. Als 13-Jähriger konnte ich es gar nicht fassen, dass dies wirklich wahr ist. Deshalb habe ich das Telefon auch noch mal meinem Vater gegeben, der mir später bestätigt hat, dass es der Coach wirklich ernst meint. Beim Spiel saß ich dann tatsächlich als 13-Jähriger auf der Bank der ersten Mannschaft, eine wundervolle Erfahrung.

Haben Sie damals die Entscheidung getroffen, ein Basketballprofi werden zu wollen?

Ich glaube, so richtig dazu entschieden habe ich mich nie. Natürlich hat man immer diesen Traum, aber man wartet einfach auf die Möglichkeit. Als ich schließlich 16 Jahre alt war, hat mich der Coach im Sommer als neunten oder zehnten Spieler des Teams ausgewählt. Das war ein entscheidender Moment in meiner Karriere. Aber wirklich dazu entschieden habe ich mich nicht. Der Coach hat mich einfach in diese Situation gebracht, da er an mich geglaubt hat.

Wenig später durften Sie zum ersten Mal für die erste Mannschaft Ihres Heimatvereins auflaufen.

Das war natürlich eine große Ehre für mich. Ich kann mich auch sehr gut daran erinnern. Ich weiß noch, gegen wen wir damals gespielt haben, wie ich meinen ersten Treffer aus dem Feld erzielt habe und dass wir dieses Spiel gewonnen haben. An diesem Tag ist für mich wirklich ein Traum in Erfüllung gegangen. Schließlich spielte ich zum ersten Mal als Profi für das Team meiner Heimatstadt, welches für mich immer die größte Mannschaft überhaupt war.

Dennoch haben Sie sich drei Jahre später dazu entschieden, in Mailand einen Vierjahresvertrag zu unterschreiben. Warum?

Es war einfach die richtige Zeit für diesen Wechsel. Ich habe in Reggio Emilia tolle Erfahrungen gesammelt. Aber zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich meine Heimatstadt verlassen und auf einem noch höheren Level spielen. Es hat auch vorher schon Angebote gegeben, aber ich hatte mit dem Team vereinbart, dass ich die Mannschaft nicht verlasse, bevor ich mit der Schule fertig bin. Und so kam es dann auch. Ich wurde von Mailand unter Vertrag genommen, Reggio Emilia bekam eine Ablöse und ich die Chance, mich bei einem italienischen Top-Klub zu beweisen.

Zur Saison 2015/2016 sind Sie nach Bamberg gewechselt, um sich im Ausland weiterzuentwickeln.

Dabei ging es nicht darum, den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen, sondern darum, meine Rolle innerhalb eines Teams zu verändern. In Mailand habe ich fünf Jahre lang in einer bestimmten Art und Weise gespielt, wobei meine Rolle klar definiert war. Ich hätte dort locker auch meine gesamte Karriere verbringen können, doch ich wollte meine Laufbahn verändern und nicht länger ein Rollenspieler sein, der nicht besonders viel Verantwortung trägt. Ein Rollenspieler zu sein, ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Um ein erfolgreiches Team zu haben, braucht es eine Menge hochtalentierter Rollenspieler. Aber das wollte ich einfach nicht mehr sein. Deshalb war ich sehr glücklich, als das Angebot aus Bamberg kam. Brose hat mehr in mir gesehen. Und da ich ein großes Verlangen danach hatte, auf einem höheren Level zu spielen, habe ich mich schließlich dazu entschieden, nach Bamberg zu kommen. Es war eine Entscheidung, die meinen kompletten Karriereverlauf verändert hat.

Sind Sie mit Ihrer Entscheidung zufrieden?

Ich hatte die Möglichkeit, auf dem Feld und abseits davon viele tolle Persönlichkeiten zu treffen. Diese zwei Jahre waren schon eine sehr spezielle Zeit.

Sind Sie in Bamberg zum kompletten Spieler gereift?

Mit Sicherheit bin ich hier in Bamberg in den letzten zwei Jahren besser geworden. Hier hatte ich die Chance, viel Zeit auf dem Feld zu verbringen. Ich habe auch einige Seiten meines Spiels verbessert. Aber ich sehe mich nicht als kompletten Spieler und möchte mich eigentlich auch gar nicht selbst beurteilen. Das sollen lieber andere machen.

Sie könnten am Ende der Saison mehr als 80 Spiele absolviert haben. Werden Sie im Sommer trotzdem mit der italienischen Nationalmannschaft an der EuroBasket teilnehmen?

Natürlich ist es nicht einfach, denn die Saison ist wirklich sehr lang und die Spieler brauchen ihre Ruhephase. Aber für das Nationalteam zu spielen, ist immer eine Ehre. Wenn ich gesund bin, dann gibt es für mich deshalb auch keinen Grund, nicht dabei zu sein.

Wird Italien in Bestbesetzung auflaufen?

Das kann ich nicht einschätzen. Wir hatten einige Jahre, in denen unsere besten Spieler allesamt dabei waren. Wenn wir erneut mit den besten Spielern zur EuroBasket fahren, dann haben wir logischerweise auch die besten Chancen auf eine gute Platzierung. Aber fast noch wichtiger wird sein, wie wir uns als Team vorbereiten und ob wir in der Lage sein werden, auf dem Feld gut zusammenzuspielen.

Italien ist bei der EuroBasket 2015 Sechster geworden. Nun spielen Sie während der Vorrunde in Tel Aviv gegen Litauen, Deutschland, Israel, die Ukraine und Georgien. Was ist Ihr Ziel mit der Nationalmannschaft?

Zunächst geht es darum, dass die besten Spieler zum Trainingscamp kommen. Danach wollen wir mit der bestmöglichen Mannschaft zur EuroBasket fahren. Natürlich würde ich dort dann gern jedes Spiel gewinnen und die Goldmedaille holen. Aber wir müssen realistisch bleiben und sehen, wie das Team aussehen wird, ob alle gesund bleiben und wie die anderen Mannschaften zusammengesetzt sein werden. Denn so ein Turnier kann sehr lang sein und einen unvorhergesehenen Verlauf nehmen.

Freuen Sie sich auf das Spiel gegen Deutschland?

Natürlich ist dieses Spiel etwas Spezielles, denn ich treffe auf einige meiner Teamkollegen. Bis es so weit ist, muss ich aber mein Deutsch verbessern, damit ich verstehe, wie sie auf dem Feld kommunizieren. (lacht)

Es könnte zum direkten Aufeinandertreffen mit Daniel Theis kommen, wer hat im Training die meisten Eins-gegen-eins-Duelle gewonnen?

Egal wer zum Korb zieht, Daniel blockt ihn weg. Auf der anderen Seite ist es nicht möglich, ihn am Korb zu stoppen. Dafür springt er einfach zu hoch. Im Ernst: Wir spielen im Training nie Eins-gegen-eins. 

Was trauen Sie der deutschen Mannschaft zu?

Sie hat auf jeden Fall Talent und kann viel erreichen. Aber auch bei Deutschland kommt es darauf an, welche Spieler letztlich dabei sind. Ich hätte nichts dagegen, wenn beide Mannschaften die Endphase in Istanbul erreichen. Ich hoffe auch, dass Deutschland ein gutes Turnier spielt, solange die Deutschen schlechter als die Italiener abschneiden.

Für Ihre Mutter ist mit der Olympia-Teilnahme ein Traum in Erfüllung gegangen. Eifern Sie ihr nach?

Teil der Olympischen Spiele zu sein, war schon immer mein Traum. Aber ich weiß, dass der Weg dorthin ein sehr schwieriger ist. Dementsprechend enttäuscht war ich auch, dass wir die Qualifikation im letzten Jahr nicht geschafft haben. Doch wenn wir in den nächsten Jahren die Chance haben, uns für Olympia zu qualifizieren, dann werde ich diese auch wahrnehmen.

Einer Ihrer weiteren großen Träume ist es, die EuroLeague zu gewinnen. Können Sie dieses Ziel mit Bamberg erreichen? Ihr Vertrag läuft aus.

Das ist eine raffinierte Frage. Ich habe jetzt einige Jahre in der EuroLeague gespielt und will dieses Gefühl gern erneut haben. Und natürlich ist es auch ein Traum von mir, eines Tages die EuroLeague zu gewinnen. Aber was in Zukunft sein wird, kann ich nicht sagen. Ich fokussiere mich derzeit immer nur auf das nächste Spiel.

Einige NBA-Teams sind an Ihnen interessiert und überlegen, Sie unter Vertrag zu nehmen. Als Teenager hingegen sprachen Ihnen Scouts nach diversen Camp-Teilnahmen die athletischen Voraussetzungen für das Spiel in Amerika ab. Sind Sie nun bereit, in der besten Liga der Welt zu spielen?

Ich bin glücklich darüber, dass es diese Gerüchte gibt. Aber, ganz ehrlich: Damit befasse ich mich im Moment nicht. Ich konzentriere mich zu 100 Prozent darauf, die Saison mit Brose zu Ende zu spielen. Denn diese Augenblicke der Saison sind zu wichtig, um sich über die nächsten Jahre Gedanken zu machen. Nach den Playoffs werde ich mich mit den Verantwortlichen sowie mit meinem Agenten zusammensetzen und überlegen, wie meine Zukunft aussieht.

Das komplette Interview gibt es in der neuen BIG, die es ab sofort im Handel gibt! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten! Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

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