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BIG - Basketball in Deutschland
„Ich wollte mal raus aus Deutschland“ – Nationalspieler Maik Zirbes im großen BIG-Interview Rauchensteiner

„Ich wollte mal raus aus Deutschland“ – Nationalspieler Maik Zirbes im großen BIG-Interview

— Florian Schmidt-Sommerfeld

Maik Zirbes ist nach enttäuschender Zeit in Tel Aviv zurück in der easyCredit BBL. Mit den Bayern durfte er bereits im Pokalfinale mitmischen. Es soll nicht das letzte Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Klub Bamberg gewesen sein.

Maik Zirbes, wie kam die Heimkehr nach Deutschland nach zweieinhalb Jahren zustande?

Ich war zwei Jahre lang in Belgrad, habe dort viele sportliche Erfolge feiern können. Bei Maccabi hat die Saison dann mit viel Pech angefangen, wir haben viele enge Spiele verloren. Es ist für das Team leider nicht so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Dann ergab sich die Situation mit Bayern – einem Namen, den ich kenne, seit ich ein kleiner Junge war.

Den Plan, zum FC Bayern zu gehen, gab es schon seit Kindertagen?

Das nicht, aber Bayern ist einfach ein großer Name. Fan des Fußballvereins war ich aber nie. Wenn, dann von Kaiserslautern. Aber natürlich kennt man Bayern.

In Ihrer Kindheit in den 90er-Jahren waren Bayern und Kaiserslautern im Fußball große Konkurrenten. War Bayern für Sie sogar ein Feindbild?

Nein, gar nicht. Ich habe in dieser Zeit noch selbst Fußball gespielt und wir hatten Dauerkarten. Alle zwei Wochen bin ich mit meinem Vater auf den Betzenberg gegangen, das stand für mich mehr im Vordergrund. Ich habe das eher als Vater-Sohn-Tag gesehen.

Wann kam der Schritt zum Basketball?

Mit fünf Jahren habe ich mit Fußball angefangen und gespielt, bis ich zwölf war. Im Alter von sieben Jahren habe ich zusätzlich mit Basketball begonnen.

Schon allein wegen Ihrer Größe die Entscheidung für den Basketball?

Als ganz kleiner Junge wollte ich immer in beiden Sportarten Bundesliga spielen. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass das nicht funktionieren kann. (lacht) Ich war Torhüter und auch ganz gut, aber das hätte nicht weitergeführt.

Waren Sie im Basketball schon in der Jugend dominant?

Ich weiß nicht mehr, ob ich mit acht oder neun schon aufgeräumt habe. Aber ich war immer einer der Größten und eigentlich immer der Schwerste, dementsprechend konnte ich mich gut durchsetzen und daran Spaß haben. Der Entschluss, Profi zu werden, kam eigentlich recht spät. Mit 16 habe ich noch ein Praktikum als Kfz-Mechatroniker gemacht, weil ich nicht sicher war und ich mich sehr dafür interessierte.

In Trier haben Sie mit 18 Jahren in der Bundesliga debütiert. Für einen heutigen Nationalspieler haben Sie sich lange parallel Gedanken gemacht.

Ich denke, man sollte sich immer parallel Gedanken machen. Ich wollte immer einen Plan B haben, besonders wegen möglicher Verletzungen, man kann ja nie wissen. Es sind so viele Faktoren, die letztendlich mit reinspielen, ob man sich durchsetzt. Umso glücklicher bist du natürlich, wenn es so funktioniert, wie du es dir ausgemalt hast.

Besonders bei Roter Stern Belgrad lief es wie gemalt. Meisterschaften, Pokalsieg, MVP-Titel. Waren Sie ein bisschen überrascht, dass es so steil nach oben ging?

Es wäre verkehrt, zu sagen, dass ich überrascht davon war, dass ich letztendlich so gut Basketball spielen kann. Ich finde, man sollte immer einen gewissen Grad an Selbstbewusstsein haben und den auch beibehalten. Gerade im Sport. Ich wusste schon davor, dass ich Basketball spielen kann. In Belgrad wurde aber sehr viel mit mir gearbeitet, ich habe von den Trainern und allen Verantwortlichen sehr viel Vertrauen bekommen – das hat am Ende so perfekt gepasst, dass ich mich in dieser Form zeigen konnte.

In München sind Sie in ein gut funktionierendes Teamgefüge gekommen, zuletzt gab es mehr als zehn Siege am Stück. Ist es schwierig, zu einer Mannschaft zu stoßen, die gerade so richtig ins Rollen kommt?

Das macht es eigentlich nur einfacher. Ich möchte nicht hierherkommen und allen mein Spiel aufbrummen. Ich bin hier, um der Mannschaft alles zu geben, was ich habe, und genau das zu geben, was das Team braucht. Für mich ist es das Wichtigste, zu gewinnen, am besten das letzte Spiel der Saison. Meine eigene Rolle ist da nicht so wichtig.

Was bringen Sie dem Team im Vergleich zu Devin Booker und Danilo Barthel, den beiden anderen Centern?

Ich kann der Mannschaft mit viel Physis und mit meiner Erfahrung weiterhelfen. Dieses Jahr war mein fünftes in der EuroLeague, da hat man schon Erfahrungen gesammelt und unter anderem auch diese Einstellung aufbauen können, das Team in den Vordergrund zu stellen.

In den letzten zwei Jahren war Bamberg die Mannschaft, die es zu schlagen galt. Gilt das dieses Jahr wieder?

So oft, wie Bamberg in den letzten Jahren gewonnen hat, sind sie auf jeden Fall ein Titelfavorit. Trotzdem sind wir nicht zu unterschätzen und können Bamberg mit Sicherheit ärgern. Im Pokalendspiel waren wir schon sehr nah dran, hatten am Ende die Chance zum Sieg. Sie sollten mit uns rechnen.

Als Sie Bamberg verlassen haben, gab es den großen Umbruch nach der erfolgreichen Fleming-Ära. Der Schritt war für Sie perfekt – gab es damals trotzdem einen gewissen Unmut gegenüber Bamberg?

Ich bin auf keinen Fall mit einem schlechten Gefühl aus Bamberg weggegangen. Letztendlich glaube ich, dass viel zu wenig über die positive Zeit gesprochen wurde. Ich hatte in Bamberg eine großartige Zeit, es wurde auch dort viel mit mir gearbeitet. Ich habe viele Chancen bekommen, konnte europäisch spielen. Ich habe von den Trainern und dem Stab viel Vertrauen bekommen, deswegen blicke ich ziemlich positiv darauf zurück. Der Weg ins Ausland hatte nichts damit zu tun, wie ich mit Bamberg auseinandergegangen bin – es war damals einfach der logische nächste Schritt.

Sie hatten schon immer den Plan, irgendwann ins Ausland zu gehen?

Absolut. Ich wollte immer mal raus aus Deutschland. Es ist nun mal leider so: Basketball ist in Deutschland zwar angesehen, aber nicht so, wie man es sich als Basketballer wünscht. Da will man sich einfach neuen Herausforderungen stellen. Als Ausländer zu spielen, bedeutet, eine ganz andere Rolle auszufüllen. Zu lernen, mit diesem Druck umzugehen, darüber Erfahrung zu sammeln und letztlich zu einem gestandenen Spieler zu werden – das war der Plan.

Sie sind auf Instagram sehr aktiv. Eine Affinität zur Fotografie?

Mir gefällt das Format von Instagram einfach sehr gut. Es ist sehr einfach, darüber Kontakt mit den Fans aufzubauen und ihn zu erhalten. Ich finde es aber schade, wenn Sportler nur über Basketball posten. Das finde ich auf Dauer sehr langweilig. Ich habe einfach Spaß daran, meiner Person dort Ausdruck zu verleihen. Wenn ich was witzig finde, lade ich es hoch, egal ob es zum Basketball passt oder nicht.

Die Fans freut’s. Kommt man auch so richtig in Kontakt?

Absolut. Es ist immer wieder schön, Karikaturen von sich zu sehen oder Zuspruch zu bekommen. Natürlich hat man auch, na ja, nicht Feinde …

Hater?

Hater, genau.

Gibt’s nach einem schlechten Spiel böse Worte?

Wenn du bei Roter Stern spielst, kommen natürlich mal welche von Partizan mit ihren Kommentaren – aber ich gebe nicht wirklich viel auf Hater. Das gehört wohl einfach dazu. Ich habe mir vor vielen Jahren mal ein Video auf Youtube angesehen, in dem ein kleines Baby unglaublich süß gelacht hat. Darunter waren 50 000 Likes und 2000 Dislikes. Ich habe mir nur gedacht: Wenn Leute sogar dieses kleine Baby disliken ... das ergibt einfach null Sinn. Ich konzentriere mich auf meine Fans und auf die, die ein echtes Interesse haben. Man kann es nicht jedem recht machen.

In der letzten BIG-Ausgabe hat Jan Jagla Sie unter den deutschen Big Men als besten Center eingeordnet.

(überrascht) Okay.

Würden Sie zustimmen?

Danke für das Kompliment, aber ich denke, dass jeder ein eigener Spielertyp ist. Man kann nicht sagen: Für jeden Trainer ist genau dieser der beste Spieler auf der Welt. Jeder Coach möchte doch einen anderen Spielertyp haben und hat andere Absichten, einen Center einzusetzen. Es gibt so viele Spieler- und Centerprofile.

In der Nationalmannschaft hat man Sie bei der EuroBasket 2015 schmerzlich vermisst - durch die Verletzung kurz vor dem Turnier. Die deutsche Big-Men-Riege wirkt auf einem sehr guten Weg, der Flügel könnte noch ein bisschen mehr Tiefe gebrauchen.

Wir haben gerade eine sehr starke Jugend, die ankommt. Als Nationalspieler beobachtet man ja auch die Junioren-Nationalmannschaften, also weiß ich, dass da einige gute Leute kommen werden. Ich denke auch, dass es auffällig ist, dass viele Big Men gerade im Ausland und europäisch spielen und es bei den Flügeln nicht so ist. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber da sind auch Jungs dabei, die gutes europäisches Niveau haben oder das zumindest liefern könnten.

Zwei deutsche Nationalspieler spielen momentan in der NBA. Bei Paul Zipser scheint gerade alles sehr gut zu laufen, Tibor Pleiß dagegen hat sich als letzter Big Man versucht und konnte sich nicht durchsetzen. Haben Sie den Traum oder den Wunsch, in die NBA zu gehen?

Ich denke, dass jeder Basketballer sich wünschen würde, dort drüben zu spielen. Man wird sehen, wohin der Weg noch führt. Ich würde jetzt nicht Ja oder Nein sagen. Ich sehe die NBA nicht als das einzige große Ziel, wie viele andere. Auch in Europa kann man auf sehr hohem Niveau spielen. Man muss nicht zwingend in die NBA. Aber es ist noch genug Zeit, auch für mich: Pero Antic ist mit über 30 Jahren noch in die NBA gegangen. Ich glaube, dass es für alles im Leben den richtigen Zeitpunkt gibt.

Das komplette Interview gibt es in der neuen BIG, die es ab sofort im Handel gibt! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten! Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

Thema des Monats: Zustandsbericht deutscher Basketball. BIG beleuchtet zehn Brennpunkte, die für anhaltendes Wachstum entscheidend sind

Michael Stoschek. Der Brose-Boss spricht über seine Zukunftsvisionen für den Basketball in Bamberg

Jonas Wohlfarth-Bottermann. Ulms Center beschreibt die Emotionen, welche während seiner langen Reha-Phase aufkamen

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