FB Twitter Instagram YouTube Google+
BIG - Basketball in Deutschland
„Ich hatte mein Spiel komplett verloren“ – Würzburgs Robin Benzing im großen BIG-Interview Viktor Meshko

„Ich hatte mein Spiel komplett verloren“ – Würzburgs Robin Benzing im großen BIG-Interview

— Alexander Büge

Nationalmannschaftskapitän Robin Benzing über seinen Abgang aus München, seine spektakuläre Rückkehr in die easyCredit BBL und seine Pläne mit s.Oliver Würzburg.

DBB | Camera 4
Seit 2009 als Einziger immer im DBB-Trikot (hier: nach seiner Verletzung bei der EM 2015 in Berlin).

Robin, warst du froh, dass du nach der Niederlage gegen Spanien im EM-Viertelfinale endlich nach Hause konntest?

(lächelt) Auf der einen Seite habe ich mich darüber natürlich schon gefreut, da ich meine neugeborene Tochter nach der EM endlich kennenlernen konnte. Auf der anderen Seite wollte ich mit der Nationalmannschaft natürlich so gut wie möglich abschneiden. Wir hatten im Viertelfinale auch eine gute Chance, die Spanier zu schlagen. Es wäre mehr drin gewesen.

Warum hast du dich dafür entschieden, an der EM teilzunehmen, obwohl du die Geburt deines ersten Kindes erwartet hast?

Ich habe die Entscheidung gemeinsam mit meiner Frau getroffen. Wir haben lange darüber gesprochen und sind letztlich zu diesem Schluss gekommen. Dabei haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Zunächst hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Vertrag unterschrieben. Es ging bei der EM für mich deshalb auch darum, ein gutes Turnier zu spielen und mich zu präsentieren. Nach meiner leichten Knieverletzung, die ich mir beim Supercup in Hamburg zugezogen hatte, stand mein Einsatz kurz vor der EM auf der Kippe. Meine Frau hat mir letztlich den entscheidenden Anstoß gegeben und gesagt, dass ich bei der EM spielen soll. Dass ich rechtzeitig fit geworden bin, war für uns schließlich das Zeichen, die EM-Teilnahme jetzt auch durchzuziehen. Da die Geburt letztlich sehr schnell ging, blieb mir nach dem Ukraine-Spiel auch nicht mehr die Zeit, nach Deutschland zurückzufliegen.

Die ganze Situation hat mich sogar beflügelt. Ich konnte daraus Kraft ziehen und habe anschließend auch ein gutes Turnier gespielt. Gleichzeitig habe ich mich natürlich sehr auf zu Hause gefreut. Meine kleine Tochter dann zum ersten Mal zu sehen, war wunderschön, atemberaubend, einfach unbeschreiblich.

Robin Benzing über die Situation nach der Geburt seiner Tochter

Deine berufliche Zukunft war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt. Erst drei Tage nach der EM wurde dein Wechsel zu s.Oliver Würzburg perfekt gemacht. Wie kam es dazu?

Noch als ich in Tel Aviv war, hatte sich Coach Dirk Bauermann bei mir gemeldet. Nach dem Turnier wurde der Kontakt dann schnell intensiver. Ich wusste natürlich vorher, dass s.Oliver Würzburg sehr ambitioniert ist und dort etwas aufgebaut werden soll. Hinzu kommt, dass Würzburg von meiner Heimat nicht weit entfernt ist. Das macht es für meine Familie natürlich etwas einfacher, die Kleine regelmäßig zu sehen. Außerdem war mitentscheidend, dass Dirk Bauermann der Trainer in Würzburg ist. Er kennt mich in- und auswendig. Dirk weiß, was ich gut kann und was nicht. Einen Vertrag in Würzburg zu unterschreiben, war aus diesen Gründen letztlich sogar eine relativ einfache Entscheidung.

Eine Go-to-Guy-Rolle innezuhaben, spielte bei der Wahl deines Teams also auch eine entscheidende Rolle?

Ja, das war für mich sehr wichtig. Ich will nicht mehr nur von einer Seite zur anderen rennen. Während meiner letzten Jahre in München habe ich das vermehrt gemacht und dadurch an Selbstvertrauen verloren. Hier in Würzburg soll ich unter Dirk Bauermann auch ein Anführer sein. Er schenkt mir das Vertrauen, was ich ihm zurückzahlen will, indem ich Verantwortung übernehme und selbstbewusst auftrete.

 

FIBA

Wie kam es dazu, dass du dein Selbstvertrauen in München verloren hast?

Meine Rolle ist kleiner geworden und der Trainer hatte weniger Vertrauen in mich. Dadurch kam es auch, dass ich nicht mehr so gut getroffen und folglich auch weniger gespielt habe. Die Folge davon war, dass ich mit noch weniger Selbstvertrauen gespielt habe, wenn ich auf dem Feld stand. Und ohne Selbstvertrauen Basketball zu spielen ist Käse.

Der damalige Bayern-Coach, Svetislav Pesic, hat vor den Playoffs deines letzten Münchener Jahres gesagt, dass einige deutsche Spieler im Team zu bequem geworden wären.

Er hat das damals so gesehen. Aber eigentlich möchte ich dazu nichts mehr sagen.

Nach vier Jahren in München folgte im Sommer 2015 dein Wechsel nach Saragossa in die spanische ACB.

Ich hatte mein Spiel komplett verloren. Auch den Respekt in der BBL, bei den Fans, bei den Schiedsrichtern und bei allen Spielern. Für mich ging es zu diesem Zeitpunkt darum, mein Selbstvertrauen wiederzufinden. Deshalb war es sehr wichtig, einen Tapetenwechsel zu haben und in Spanien etwas Neues kennenzulernen. Dementsprechend wollte ich mir in Saragossa meinen Respekt verdienen und direkt zeigen, dass ich immer noch ein sehr guter Basketballspieler bin.

Wie?

Für unsere Mannschaft lief es leider nicht besonders gut, für mich persönlich dafür umso besser. Ich musste nicht mehr von der einen in die andere Ecke laufen. Stattdessen konnte ich wieder zu dem Spiel finden, das mich vorher ausgezeichnet hat. Darauf habe ich dann aufgebaut. Zudem war es wichtig, dass der Trainer an mich geglaubt hat. Neben dem Selbstvertrauen ist das beim Basketball das Wichtigste. Wenn der Trainer kein Vertrauen in dich hat, dann wird es ganz schwer, gut zu spielen. In Saragossa war aber genau das Gegenteil der Fall. Die Trainer haben mir dort Verantwortung gegeben und mir gesagt: Du bist ein guter Spieler. Das habe ich ihnen dann auch bewiesen, weshalb meine Erfahrung in Spanien letztlich eine sehr positive war.

Viktor Meshko

 

Können junge deutsche Spieler bei den absoluten Top-Teams zu Go-to-Guys werden?

Sich als junger Spieler bei einem Top-Verein für Minuten zu empfehlen und sich dort zu entwickeln, ist schwierig. Denn die Konkurrenz ist dort wirklich sehr groß, gerade bei den EuroLeague-Teams. Für die Entwicklung junger Talente ist es deshalb vielleicht besser, erst mal den Schritt zu einem kleineren Verein zu machen und dort in die Rolle eines Go-to-Guys hineinzuwachsen. So wie ich es nach meinem Wechsel zu Ulm gemacht habe. Als 20-Jähriger kam ich damals in die Erste Liga und durfte unter Coach Mike Taylor 25 bis 30 Minuten pro Partie spielen. So konnte ich schon in jungen Jahren wachsen und mein Spiel entfalten. Deshalb halte ich es für extrem wichtig, dass junge Spieler nicht direkt zu einem Top-Klub wechseln. Es sei denn, es gibt gute Farmteams, die ihnen in einer hohen Liga viele Minuten geben können. Um sich bestmöglich zu entwickeln, ist die Spielzeit in der Ersten Liga aber am wichtigsten.

Du bist 28 Jahre alt. Inwiefern kannst du dich selbst am besten weiterentwickeln?

Ich sehe bei mir in allen Aspekten noch Entwicklungspotenzial. Als 28-Jähriger bin ich inzwischen ein gestandener Spieler, habe viel erlebt und viel Erfahrung gesammelt. Durch diese Erfahrung kann ich bestimmte Situationen jetzt viel besser einschätzen. Dafür ist meine Rolle in Würzburg natürlich sehr gut. Als Führungsspieler muss ich in wichtigen Situationen Entscheidungen treffen, die den Ausgang des Spiels stark beeinflussen.

Das Ziel von s.Oliver Würzburg ist es, in dieser Saison um die Playoffs mitzuspielen. Im Vereinsinterview hast du gesagt, dass du in deinem dritten Würzburger Jahr ins Finale einziehen und um die Meisterschaft mitspielen willst. Wie soll das gelingen?

In diesem Jahr sind wir gut genug, um die Playoffs zu erreichen. Dennoch müssen wir abwarten und weiter unsere Leistung abliefern. Danach geht es darum, sich von Jahr zu Jahr zu steigern. Dafür wird es nötig sein, dass wir einen Großteil der Mannschaft zusammenhalten können, sodass sich die Automatismen im Team immer besser entwickeln, defensiv wie offensiv. In Bamberg hat man in den letzten Jahren gesehen, wie es funktioniert. Ein weiterer Faktor könnte unsere neue Halle werden.

Das komplette Interview gibt es in der neuen BIG, die es ab sofort im Handel gibt! Abonnenten haben sie bereits eine Woche früher im Briefkasten! Außerdem gibt es im Heft noch folgende Themen:

FIBA vs. EuroLeague. Thema des Monats: Der Streit um die Nationalmannschaftsfenster. Das fordert Bambergs Rolf Beyer, das sagen die Bosse der FIBA Europe und der EuroLeague

Robin Benzing. Der DBB-Kapitän spricht im BIG-Interview über sein starkes BBL-Comeback in Würzburg

Hallen-Pläne in Würzburg. Das Team von Dirk Bauermann könnte bald 
in einer 6000-Mann-Arena spielen

Robin Amaize. Warum der Shooting Guard für medi bayreuth 
so wichtig ist

Aito Garcia Reneses. ALBAs neuer Coach über seine Idee vom Spiel, 
seine Eindrücke von der BBL und ehemalige Spieler

Aleksej Nikolic. Wie der Europameister in Bamberg nach 
seiner Rolle sucht

Rasid Mahalbasic. Der Nachfolger von Brian Qvale will in Oldenburg endlich heimisch werden

Nihad Djedovic. Bayerns Rekordspieler hat seine Rolle unter Coach Sasa Djordjevic gefunden

Max Ugrai. Neustart in Jena nach dem Aus bei seinem Heimatverein Würzburg

Konstantin Klein. Nach einem Seuchenjahr mit schwerer Verletzung 
ist der Bonner Guard zurück

Robert Garrett. Der letzte deutsche Top-Scorer der BBL im großen BIG-Interview

Sebastian Schmidt. Wie Braunschweigs neuer Geschäftsführer mehr Zuschauer in die Halle locken will

John Bryant. Warum der ehemalige Liga-MVP jetzt in Gießen spielt und warum er in Valencia scheiterte

Mateo. Der Sänger von Culcha Candela erklärt 
seine Liebe zum Basketball

Henrik Rödl. Der neue Bundestrainer über seine Pläne und 
die umstrittenen Nationalmannschaftsfenster

Chris Fleming. Wie der ehemalige Bundestrainer seine Amtszeit und seinen Nachfolger sieht

Brandon Smith. Der Gründer von Global Sports Analytics über den Nutzen erweiterter Statistiken

ProA: PS Karlsruhe LIONS - Der selbstbewusste Aufsteiger träumt nach gutem Start von den Playoffs

ProB: ROSTOCK SEAWOLVES - Der sportliche Leiter Jens Hakanowitz über Basketball an der Ostsee und die Ziele des Klubs

Alina Hartmann. Seit dem Wechsel zu den TuS Bad Aibling Fireballs blüht die Nationalspielerin wieder auf

Marcus Albanus. Der Leiter von BigCityBasketball über Basketball 
in Großstädten

Rubriken: Herber geht’s nicht / Voigtmanns Tagebücher / Think BIG mit mit Stephan Baeck / Business / 1st Pick – David Pick / Player Check / Hallo easyCredit BBL, hier! / Scouting Report / Think / Spotlight / Im Block / Impressum / Hallo Junge Liga, hier! / Mein Leben ist Basketball … / Small / Bodies / Preview

 

comments powered by Disqus
  • Tags:
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport