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Wins and Losses - Bonns Shooting Guard Ron Curry im großen Portrait Jörn Wolter

Wins and Losses - Bonns Shooting Guard Ron Curry im großen Portrait

— Jörg Bähren

Der Name verpflichtet, auch wenn die Blutlinie sich nicht mit der des amtierenden NBA-Champs kreuzt. Dennoch weiß auch Ron Curry einen gepflegten Ball aus der Distanz zu werfen – und tut dies in Diensten der Telekom Baskets mehr denn je. Dabei muss sich der variabel einsetzbare Guard erst noch richtig an seine neue Rolle in Bonn gewöhnen – und an die starke Konkurrenz des deutschen Oberhauses.

Jörn Wolter

Ein Basketballfeld besteht aus diversen Linien, welche den Aktionsraum der ballspielenden Akteure maßgeblich einschränken, sie in (un-)sichtbare Bahnen lenken und Coaches dazu verleiten, auf ihre Taktikbretter reihenweise wirrer Symbole zu zeichnen. Insgesamt stehen den Strippenziehern sowie Aktiven insgesamt 420 Quadratmeter Parkett zur Verfügung, die optimal genutzt werden wollen, um am Ende von 40 Nettominuten mindestens einen Punkt mehr als der Gegner auf dem Konto zu haben. Es ist zu viel Platz, ausreichend Zeit vorhanden, um unnötigen Aktionismus zu unterbinden. Das weiß auch Ron Curry, der sich gern in der Ecke – scheinbar eingeklemmt zwischen Grund- und Seitenauslinie – einparkt und das Geschehen um sich herum sondiert. Der 24-Jährige ist keiner, der mit aller Macht in den Vordergrund treten will. Er ist ein ruhiger Vertreter, der seine eigenen Fähigkeiten genau einzuschätzen weiß und die Dinge lieber auf sich zukommen lässt. Das war schon immer so.

Mama told me if you fall, never stay down

An der James Madison University wissen sie ganz genau, was passiert, wenn Curry der Freiraum gelassen wird, um zu sich selbst zu finden. Vier Jahre lang besucht er das College im Nordwesten Virginias und reift dabei schon früh zum stillen Anführer der Dukes heran. „Ursprünglich habe ich Football gespielt, bin dann aber doch bei Basketball hängengeblieben“, berichtet der 1,93 Meter-Mann. Eine gute Entscheidung. Und eine unterhaltsame noch dazu. So sehen bei Heimspielen regelmäßig 8.500 Zuschauer, wie Curry zu einer wandelnden Scoring-Maschine mutiert. In seinem Junior-Jahr legt er durchschnittlich 13,9 Punkte auf, in seiner Abschluss-Saison 2015/2016 sind es gar 17,3 Zähler. Schon damals zeichnet sich ab, dass der Wurf aus der Distanz das bevorzugte Mittel der Wahl ist, um den Statistikzettel zu füllen – satte 40,4 Prozent seines offensiven Outputs kommen von „Downtown“.

Nach seinem Abschluss zieht es Curry für sein erstes Profijahr nach Slowenien zu KRKA Novo Mesto. „Das war eine ziemliche Umstellung. Plötzlich bist du nicht mehr der Superstar deiner Uni, sondern ein Spieler unter vielen – und die haben es alle drauf“, sagt der Amerikaner. „Es hat ein wenig gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, dass du nach einem schlechten Spiel auch als Profi die Chance bekommst, es beim nächsten Mal besser zu machen, anstatt dich und dein Spiel anzuzweifeln.“ Es ist eine lehrreiche Saison 2016/2017, in der Curry zudem viele Minuten auf der Position des Point Guards abreißt. „Ich hatte oft den Ball in meinen Händen, was mir eine Menge Sicherheit gegeben und mein Selbstvertrauen gestärkt hat.“

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Jörn Wolter

In Bonn ticken die Uhren anders als bei Novo Mesto. Die taktische Ausrichtung unter Coach Predrag Krunic ist eine andere. Bei den Baskets ist Curry nicht mehr der Alleinunterhalter, der jede Nacht den Helden geben, den ruhmreichen Retter mimen muss. „Hier sind erfahrene Spieler wie Josh (Mayo, die Red.) oder Julian (Gamble), die viel Verantwortung übernehmen, die Liga bereits kennen und von denen ich ungemein profitieren als auch lernen kann“, beschreibt Curry. „Dabei war es für mich zu Beginn nicht leicht, meine Rolle im Team zu finden, da ich während der Vorbereitung verletzt war. Dadurch hat es eine Zeit lang gedauert, bis ich wirklich wusste, auf welche Art und Weise ich Einfluss aufs Spiel nehmen kann.“ Auch wenn der Anpassungsprozess immer noch nicht ganz abgeschlossen ist, so wird von Partie zu Partie immer deutlicher, wie sich das Aufgabenfeld des Hobby-Rappers definiert.

Es gibt den schönen Begriff des „Three and D“ – Dreier und Defense. Dies stand ursprünglich lange Zeit sinnbildlich für eine ganze Generation deutscher Spieler, die sich in der Bundesliga durchzusetzen versuchte und nach einer basketballerischen Identität suchte. Stell dich in die Ecke, schmeiß den freien Dreier rein und verteidige dir hinten die Lunge aus dem Körper. Heutzutage ein klares Anforderungsprofil, welches von immer mehr Trainer wertgeschätzt wird – und entsprechend auch durch internationale Kräfte zu besetzen ist. „Bei uns ist es ganz klar so, dass ich gemeinsam mit Yorman (Polas Bartolo) oftmals auf die besten gegnerischen Guards angesetzt werde“, sagt Curry. „Das ist in der Bundesliga deutlich anspruchsvoller als noch in Slowenien, da du es nicht nur mit fünf bis sechs guten Mannschaften zu tun bekommst. Es gibt hier keine Selbstläufer – darauf musst du dich erstmal einstellen.“

Offensiv ist er bei den Rheinländern deutlich öfter Ballempfänger als Vorbereiter. Curry: „Eine Rolle, die mir eigentlich liegt. Wir spielen oft viele gute, viele offene Würfe für unsere Schützen heraus – ich muss meine eigenen Schüsse nur noch öfter verwandeln.“ Dass der Guard im Konstrukt von Coach Krunic von jenseits des Perimeters Gefahr ausstrahlen soll, ist klar erkennbar. Satte 52,6 Prozent aller Curry-Würfe schickt er von „Downtown“ auf die Reise. Und wenn er heiß läuft, dann können am Ende des Tages auch gern einmal wie gegen Berlin 24 Zähler auf dem Papier stehen – inklusive vier von sieben Dreiern. Ein statistischer Ausreißer, der gern eine Fortsetzung finden darf. „Es gibt solche Tage, an denen es einfach läuft. Trotzdem würde ich lieber einen konstanten Output haben und Spiele gewinnen – genau darauf arbeiten wir als Team hin.“

Den Original-Artikel gibt es hier auf der Homepage der Telekom Baskets Bonn.

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