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Gesichter der easyCredit BBL
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Happy Birthday, Flying Henning – Ein Aushängeschild des deutschen Basketballs wird 50 Jahre alt

— Sven Simon

Am Sonntag, den 16. April wurde der erfolgreichste Spieler der Ligageschichte 50 Jahre alt. Henning Harnisch feierte in den Neunzigern neun Meisterschaften in Serie und denkt heute als Vizepräsident von ALBA BERLIN den Basketball in Deutschland neu. Zeit für eine digitale Verbeugung vor dem ersten Star unserer Liga.

Den Namen hat wohl jeder in der heimischen Basketball-Gemeinde schon mal gehört: Henning Harnisch.

Aber einige kennen ihn vielleicht eher als den ALBA-Vizepräsidenten, der als der Entwickler der „kinder+Sport Basketball Academy“ festes Jury-Mitglied beim Dunking-Contest ist, der Querdenker, der an der Basis arbeitet, sich dafür interessiert, wie wir Sport als sozio-kulturelles Gut in der Gesellschaft verankern können sowie in unserer Sportart mehr und bessere Nachwuchstrainer ausbilden können und in den Zeiten von Ganztagsschulen den Basketball zu den Kindern bringen.

Es ist in Ordnung und wichtig, dass er auch dafür bekannt ist, aber an seinem 50. Geburtstag soll an dieser Stelle vor allem an den Basketballspieler Henning Harnisch erinnert werden.

Denn lange bevor er Vordenker unserer Sportart war, war er der erste Star unserer Liga. Und wie gut dieser Flying Henning in den Neunzigern war, lässt sich schnell vergessen, da er vor der digitalen Revolution spielte und es von den Spielern seiner Generation bisher kaum bewegte Bilder im Internet gibt.

Deshalb hier einige Videos über Harnisch als Spieler – oben Szenen aus seinen Bundesligajahren in Gießen, Leverkusen und Berlin und darunter einige Impressionen von der EM 1993, die seine Vielseitigkeit und Dominanz zur damaligen Zeit verdeutlichen. Dazu zwei TV-Beiträge aus den Neunzigern von Sat1 und dem WDR:

Henning Harnisch nach Seattle: Aprilscherz von Jump Ran

Auf welchem Niveau Henning Harnisch Mitte der Neunziger spielt, zeigt auch der legendäre Aprilscherz von 1994, dass er angeblich zu den Seattle Supersonics wechseln wird. In einer Zeit als Wechsel aus Europa in die NBA die absolute Ausnahme sind, glaubt die heimische Basketball-Gemeinde dies sofort. Selbst Agenturen und Zeitungen verbreiten zuhauf die Neuigkeiten, welche vom Basketball-Magazin Jump Ran von Sat1 inszeniert werden durch den überragenden Moderator Lou Richter und einen Beitrag mit Harnisch selber und Dirk Bauermann sowie Detlef Schrempf und Gary Payton - zu bestaunen im Video rechts:

Homestory: Profi bei Bayer 04 und Zivi im Kindergarten:

Dass Henning Harnisch schon als junger Profi anders tickt, zeigt der WDR-Beitrag hier rechts, in dem 1990 darüber berichtet wird, wie er zusammen mit seinem Teamkollegen und WG-Mitbewohner Moritz Kleine-Brockhoff neben dem Job als Bundesligaspieler für Leverkusen auch als Zivildienstleistender im Kindergarten arbeitet, anstatt wie damals für Spitzensportler üblich bei der Bundeswehr seinen Dienst in der Sportförderkompanie zu leisten.

Natürlich muss an dieser Stelle auf seine überragenden Schauspielkünste hingewiesen werden, als sie beide am Ende des Beitrags so tun sollen, als wenn sie auf dem WG-Sofa eingeschlafen sind: And the Oscar goes to …

Der Andersdenker

Jürgen Schwarz
Kein anderer Spieler der Liga gewann neun Meisterschaften - und schon gar nicht in Serie!

Henning Harnisch war der erste Posterboy der Bundesliga. Ungewollt. Dann trat der athletische Vielflieger mit nur 30 Jahren zurück, um wieder zur Uni zu gehen.

Von Sebastian Gehrmann

Mit Henning Harnisch muss man sich das so vorstellen wie mit diesen Kinderspielen, gedacht, die Motorik zu fördern, und bei denen man schon in jungen Jahren lernt, dass ein kantiges Bauklötzchen nicht durch eine runde Öffnung passt. Auch nicht mit Gewalt. Harnisch, lange Haare, buntes Stirnband, Flugeinlagen, war prädestiniert für ein Image, das in den 90ern Bravo-Sport-Sehnsüchte erfüllen sollte, aber Harnisch war nicht Bravo-Sport. Harnisch war die taz. Linkshänder, sagt man, seien immer ein bisschen anders. Harnisch ist vor allem neugierig. Über Basketball sagt er, es war Liebe auf den ersten Blick. Liebe, aus der die eigenen Ambitionen eine Profession machten und die doch eines blieb: seine Passion. Basketball nicht als Mittel zum Zweck, sondern Selbstzweck. Eine ernste Sache. Niemand wird neun Jahre in Serie deutscher Meister (1990 bis 1996 mit Leverkusen, 1997 und 1998 mit Berlin), gewinnt fünf Mal den Pokal, macht 169 Länderspiele und wird Europameister, der seinen Sport nicht ernst nimmt. Harnisch nimmt ihn sogar so ernst, dass er 1998, kurz nach dem 30. Geburtstag, seine Karriere beendet.

Harnisch und die taz

„Schütteln und Backen“ hieß die erste Kolumne von Henning Harnisch, die uns um die Jahrtausendwende regelmäßig in der „taz“ verzückte. Hier gibt es alle Ausgaben davon und unbedingt lesen müsst ihr die zeitlos schöne Folge „Trashtalk“ vom vierten November 1999 – das Beste was jemals in deutscher Sprache über Kommunikation auf dem Parkett geschrieben wurde, Sorry-ass-muthafucka!

Seit Anfang 2018 gibt es seine neue Kolumne „Henningway“, in der er über das Geheimnis der Isländer, Kniebeugen in der Öffentlichkeit und Spinner im Sport schreibt.

Satt sei er gewesen, müde, sagt Harnisch, ehrlich sich selbst gegenüber, weil er nicht mehr glaubte, körperlich höchsten Ansprüchen zu genügen. Das Spiel hatte sich verändert. Als Harnisch 1985 Profi wird, ist Basketball ein Studentensport, etwas miefig, nicht unbedingt sexy, was für Liebhaber. Als er nicht mehr Profi sein will, ist die Liga professionalisiert und das Spiel ein anderes. Die Studenten sind weitestgehend verschwunden, als sich Harnisch an der Universität einschreibt. Kultur- und Filmwissenschaften. Der Wandel in der Liga vollzog sich nicht schleichend, sondern rasant. Harnisch war das beste Beispiel. Ein Flügelspieler, der werfen konnte und Zug zum Korb hatte. Der passte und reboundete. Und dessen Spiel viel mehr Struktur hatte als in der romantisiert verklärten Erinnerung an den wilden, anarchischen „Flying Henning“. Dennoch war sein Spiel überraschend. Wie so vieles an Harnisch nicht vorhersehbar war. Welcher andere Nationalspieler wäre nach München 1993 auch auf die Idee gekommen, auf die Titelverteidigung zwei Jahre später zu verzichten und stattdessen lieber eine Buchhändlerlehre zu machen?

Dieses Kurzportrait über Harnisch stammt aus dem Buch „50 Jahre Basketball Bundesliga“.

Zur Person: Henning Harnisch

Henning und die Haare: Erst lang mit Stirnband, später kurz und blondiert, am Ende sogar mal Glatze.

Geboren am 15. April 1968 in Marburg / Small Forward / 2,02 Meter / Spitzname: Flying Henning

Stationen:

1985 beginnt Harnisch mit 17 Jahren seine Bundesligakarriere in Gießen; 14 Jahre später und nach seiner neunten Meisterschaft in Serie hört er 1998 im Alter von nur 30 Jahren auf, weil er sich nach eigenen Worten, zu alt fühlt, „um mit kurzen Hosen durch eine Sporthalle zu laufen“. Zu dem Zeitpunkt ist er der bestbezahlte deutsche Spieler der Liga, hat hoch dotierte Angebote aus dem europäischen Ausland, beginnt stattdessen aber zu studieren.

1985–1988: MTV 1846 Gießen

1988–1996: TSV Bayer 04 Leverkusen

1996–1998: ALBA BERLIN

Erfolge:

Europameister 1993

9 x Deutscher Meister (1990-1996 mit Leverkusen, 1997 und 1998 mit Berlin)

5 x Deutscher Pokalsieger (1990, 1991, 1993, 1995 mit Leverkusen, 1997 mit Berlin)

1990 und 1991 wurde er als Basketballer des Jahres in Deutschland geehrt (damals wurde diese Auszeichnung übrigens durch die Basketball-Zeitung vergeben, die vorher eine Wahl durchführte, bei der die Fans abstimmten, indem sie ein Formular aus der Zeitung ausschnitten, ausfüllten und per Post in die Redaktion schickten, wo dann ausgezählt wurde).

In 13 Saisons in der Bundesliga erzielte er 6153 Punkte und liegt damit in der Liste der 200 besten Korbjäger seit 1975 auf dem fünften Platz: Mike Jackel 10.789 Punkte / Jarvis Walker 6.582 / Michael Koch 6.404 / Carl Brown 6.317 / Henning Harnisch 6.152 Punkte / Derrick Taylor 5.906 / Calvin Oldham 5.568 / Stephan Baeck 5.84 / Chris Ensminger 5.438 / Frank Hudson 5.388

Harnisch trug in 169 Länderspielen den Adler auf der Brust, nahm dabei an einer Weltmeisterschaft (1994) und drei Europameisterschaften (1987, 1993, 1997) teil und 1992 an den Olympischen Spielen in Barcelona, wo er auch gegen das Dream Team spielte. Insgesamt erzielte er 2.079 Punkte für die DBB-Auswahl, legte in 28 Spielen 20 oder mehr Zähler auf. Sein Karrierebestwert im Nationaltrikot waren 28 Punkte (1991 beim 92:76 gegen Italien in Dortmund und 1994 beim 86:76 gegen Angola bei der WM).

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