FB Twitter Instagram YouTube Google+
„Für dieses Gefühl lebt man als Basketballer“

„Für dieses Gefühl lebt man als Basketballer“

Er stand jahrelang hinter Dirk Nowitzki im DBB-Aufgebot. Als der Würzburger in den vergangenen zwei Jahren eine Pause im Nationaldress einlegte, nutzte Jan-Hendrik Jagla die Gunst der Stunde, um sich ins Rampenlicht zu spielen. Erinnerungen an Heldentaten bei der EM 2009 ...
1314991216/img_Jan_Jagla_Deutschland_EM_2011.jpg... und der WM 2010.

Europameisterschaft 2009. Die junge deutsche Nationalmannschaft steht vor dem Neuanfang. Der Traum von Olympia 2008 war für gestandene Nationalspieler wie Pascal Roller, Patrick Femerling oder Robert Garrett der Höhepunkt ihrer internationalen Karriere.

image_1288779294890.pngTeam Germany berichtet live von der EM.

Auch Dirk Nowitzki nahm sich daraufhin eine Auszeit vom DBB-Team. Einer seiner sportlichen Träume war erfüllt, eine Pause war unausweichlich nach über zehn aufopferungsvollen Jahren im DBB-Trikot.

Umbruch, Kritik, Begeisterung

Mit den sogenannten „jungen Wilden“ um Robin Benzing, Philipp Schwethelm, Elias Harris und Co. sollte der Umbruch beginnen. Es hagelte Kritik von allen Seiten, doch Coach Dirk Bauermann wusste um das Tal der Tränen, das bei den zahlreichen leidvollen Niederlagen zu durchschreiten war. Kaum jemand setzte bei der EM in Polen auf Deutschland. Zu jung, zu unerfahren, zu roh stand den meisten Spielern auf die Stirn geschrieben. Dennoch gelang es dem DBB-Team, mit mannschaftsdienlicher Spielweise und Unbekümmertheit zu begeistern – obwohl am Ende nur ein Sieg und fünf Niederlagen zu Buche standen.

Probleme mit der physischen Gangart der Balten

1314960584/img_Jan_Jagla_2.jpgMit sechs Begegnungen hätten damals sicher nur die wenigsten gerechnet, hätte Jan-Hendrik Jagla, einer der älteren im Team, nicht die Verantwortung im letzten Gruppenspiel gegen Lettland übernommen. Mit bis zu acht Punkten durfte Deutschland gegen die bis dato sieglosen Letten verlieren.

Trotz einer Niederlage käme das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann in diesem Fall in die Zwischenrunde. Deutschland hatte sichtlich Probleme, gegen die physische Gangart der Balten, die phasenweise zweistellig führten.

33 Sekunden vor Schluss lagen die Letten noch mit 56:66 vorn. Die Zeit schien im Schneckentempo zu verstreichen. Noch 22 Sekunden. Deutschland brauchte einen Dreier, um die nächste Runde zu erreichen.

Jagla erlöst die DBB-Auswahl mit einem Dreier und zwei Freiwürfen

Jagla fasste sich ein Herz und drückte ab. Seine Bogenlampe fiel in den lettischen Korb. Auf dem Videowürfel leuchtete ein 60:68 – acht Zähler Rückstand, Deutschland wäre weiter. Im Gegenzug zitterten jetzt die Letten: Nach zwei vergebenen Freiwürfen sicherte Jagla sich den Rebound. Lettland foulte sofort, und Jagla trat an die Linie: Knochentrocken netzte der damals 28-Jährige zehn Sekunden vor dem Ende beide Versuche ein (62:68). Die letzten Offensivbemühungen der Letten versandeten in der deutschen Abwehr. Mit der Schlusssirene stürmten die deutschen Bankspieler jubelnd das Parkett, die Zwischenrunde war erreicht – und Jagla wurde mit 13 Punkten der Held des Tages.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl“

„Ich bin in solchen Situationen jemand, der eine Mannschaft leitet und seine Mannschaft weiter bringt“, beschreibt der Matchwinner seine Mentalität. „Für dieses Gefühl lebt man als Profisportler, als Basketballer. Das Gefühl ist unbeschreiblich. Das ist genau der Grund, warum man diesen Sport macht und warum man seine Energie investiert und seine Jugend aufgibt. Das ist der Moment, den man dafür bekommt. Es ist ein unglaubliches Gefühl.

Das Herz an der richtigen Stelle

1314960674/img_Jan_Jagla_3.jpgEin Jahr später, bei der Weltmeisterschaft 2010 in der Türkei, übernahm Jagla erneut Verantwortung. In der Gruppenphase warteten mit Argentinien, Serbien, Australien, Jordanien und Angola einige schwere Brocken, aber auch Gegner, die bezwingbar waren.

Dank einer Wildcard durfte das DBB-Team an der WM teilnehmen und zeigte gleich zum Turnierauftakt gegen die Südamerikaner, dass es das Herz an der richtigen Stelle hat. Nur einen Tag nach der schmerzvollen Vier-Punkte-Niederlage gegen Argentinien (74:78) stand Deutschland wieder auf dem Parkett und trat gegen die bärenstarken Serben an.

Deutschland kämpfte bis zur Schluss-Sirene und besiegte die Basketballer vom Balkan nach zweifacher Verlängerung mit 82:81.

„Vielleicht sogar das wichtigste Spiel meiner bisherigen Karriere“

Garant für den unglaublichen Sieg war erneut Jan-Hendrik Jagla. „Es war ein emotionaler Moment, weil es im Nationaltrikot war und extrem wichtig für die junge Generation. Denn sie haben gesehen, dass sie es schaffen können“, erinnert sich Jagla. „Deshalb war es auch für mich eines, vielleicht sogar das wichtigste Spiel meiner bisherigen Karriere.“

Keine Mannschaft konnte sich im Spielverlauf mit mehr als sechs Punkten absetzen. In der ersten Verlängerung vergab dann Steffen Hamann nach couragiertem Zug zum Korb die Entscheidung. In der zweiten Overtime sorgte Jagla mit einem unglaublichen Distanzwurf für die Entscheidung. Eine Minute vor Spielende traf der Power Forward mit Ablauf der 24-Sekunden-Uhr einen schwierigen Wurf aus dem Lauf von Downtown, der den Deutschen am Ende den Sieg brachte.

„Ich will den Ball haben“

1314975476/img_Jan_Jagla_Deutschland_EM_2011.jpgJagla lässt die Szene vor seinem geistigen Auge noch einmal ablaufen: „Der Ball ging ins Aus mit drei Sekunden auf der Wurfuhr. Es war klar, dass wir den Ball irgendwie bekommen und in Richtung Korb schmeißen müssen. Als wir in dieser Situation waren, sagte ich mir: Ich will den Ball haben! Ob er dann am Ende reingeht oder nicht, weiß man am Ende sowieso nie. Das ist ein Wurf, den man nicht üben oder vorhersagen kann. Das ist einfach so: Drei Sekunden sind auf der Uhr, und der Ball muss in Richtung Korb. Fertig. Aus. Dann bin ich relativ frei geworden, Steffen hat mir den Ball gegeben. Ich wusste, dass ich noch ein, zwei Dribblings habe und habe das Ding dann einfach Richtung Korb geworfen. An guten Tagen geht er rein, an den anderen 135.000 Tagen geht er nicht rein. Es war einfach Glück.“

Die Statistik von 24 Punkten, neun Rebounds und vier Assists unterstreichen die beeindruckende Leistung von Jan Jagla an diesem Tag.“

Komplett auf das Spiel eingelassen, konzentriert und alles gegeben

„Wir haben zum Auftakt knapp gegen Argentinien verloren. Das war natürlich schon deprimierend, aber gleichzeitig auch eine Standortbestimmung, weil man gesehen hat: „Okay, wir können mit den Besten der Welt mitspielen.“ Dann kam Serbien, und es war klar, dass wir gewinnen können. Das war jedem Spieler klar. Man hat sich einfach komplett auf das Spiel eingelassen, konzentriert und alles gegeben. Ich denke, da waren einige Spieler bei uns in der Mannschaft, die sich einfach in einen Rausch gespielt haben. Dadurch war es am Ende möglich, solch eine Mannschaft mit großen Namen zu schlagen.“

„Können uns in der Weltspitze einen Namen machen“

Der Sieg gegen Serbien blieb neben einem Achtungserfolg gegen Jordanien (91:73) der einzige positive Eindruck von der WM 2010. Es war vor allem ein moralischer Gewinn, der das Selbstbewusstsein der deutschen Mannschaft stärkte. „Wir haben zwei Spiele auf absolut hohem Niveau gespielt. Wenn man dann zwei Spiele am Ende unglücklich verliert, wäre das sehr demoralisierend gewesen“, meint Jagla. „Von daher war es wichtig, dass der Wurf reingegangen ist. Denn die Jungs wissen für die Zukunft: Wir können gewinnen und müssen uns vor niemandem verstecken. Wenn wir weiter hart arbeiten, können wir uns in der Weltspitze einen Namen machen.“
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport