FB Twitter Instagram YouTube Google+
„Ich bin nicht da, um irgendein Retter zu sein“

„Ich bin nicht da, um irgendein Retter zu sein“

Mit der Verpflichtung von Heiko Schaffartzik vom türkischen Erstligisten Türk Telekom Ankara strebt ALBA BERLIN nach mehr Konstanz auf der Spielmacherposition und will somit eine höhere Kontinuität im gesamten Spiel der „Albatrosse“ schaffen. Der 1,83 Meter große ...
image_1294905980815.jpeg... Berliner, der bereits zwischen 2002 und 2004 im Kader stand, erhielt einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2011/2012. Im Interview spricht der 27-Jährige über seine neue Herausforderung.

Herr Schaffartzik, hatten Sie, während der vielen Stationen, die Sie durchliefen, immer im Hinterkopf, irgendwann einmal zu ALBA BERLIN zurückzukehren?
Heiko Schaffartzik: „Ja, vor allem auch aus dem Grund, weil ich Berliner bin und Berlin meine Heimatstadt ist. Letztlich gab es mehrere Gründe, die ausschlaggebend waren. Zu diesem Zeitpunkt war es für mich die beste Entscheidung und eine Chance, die ich ergreifen musste. Nachdem wir mit Ankara aus der EuroChallenge ausgeschieden waren, blieb nur noch die türkische Liga. Dort müssen immer zwei Einheimische auf dem Feld stehen, sodass nur noch wenig Spielzeit für mich übrig geblieben wäre.“

Bereits im vergangenen Sommer hatten die Berliner Ihnen ein Angebot unterbreitet. Warum hat der Wechsel seinerzeit nicht geklappt?
Heiko Schaffartzik: „Im Sommer hatte ich den großen Wunsch, ins Ausland zu gehen. Ich hatte die Chance, bei einem renommierten Verein wie Türk Telekom Ankara zu spielen. Diese habe ich damals ergriffen. Deswegen hat es damals nicht gepasst.“

Bereuen Sie heute die damals getroffene Entscheidung?
Heiko Schaffartzik: „Auf keinen Fall. Ankara war eine tolle Erfahrung. Ich habe viel über eine für mich sehr fremde Kultur gelernt, eine neue Sprache erlernt und gesehen, wie es ist, als Ausländer in einem anderen Land zu leben – was ich davor nur als Kind kannte. Das war natürlich eine ganz andere Situation.“

Sie haben als Kind im Ausland gelebt?
Heiko Schaffartzik: „Ja, zweieinhalb Jahre in San Diego. Als wir in die USA gegangen sind, war ich vier Jahre alt. Mein jüngerer Bruder Kevin, der auch Basketball spielt, wurde dort geboren.“

„ALBA braucht keinen Allen Iverson“

image_129490599226.jpegNach den erheblichen Leistungsschwankungen in der Mannschaft wird von Ihnen einiges erwartet. Glauben Sie, dass Sie den Erwartungen gerecht werden können?
Heiko Schaffartzik: „Ich bin von mir sehr überzeugt. Ich bin aber nicht da, um irgendein Retter zu sein, sondern will der Mannschaft helfen so gut ich kann. In welcher Weise das sein wird, wird die Zeit zeigen.“

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation ein?
Heiko Schaffartzik: „ALBA hat eine sehr gute Mannschaft, einen sehr guten Trainer und ein sehr gutes Umfeld. ALBA braucht keinen Allen Iverson, sondern muss sich als Team richtig finden. Das ist ein Prozess. Wir haben jetzt Januar. Bis zu den Playoffs sind es noch mehr als vier Monate.“

Ist es schwer, in die eingespielten Systeme von ALBA hineinzufinden?
Heiko Schaffartzik: „Ich war schon einmal in einer ähnlichen Situation, als ich den Anfang der Saison 2007/2008 bei Central Hoops Berlin in der Regionalliga verbracht habe, ehe ich zu EnBW Ludwigsburg gewechselt bin. Ich weiß aus dieser Erfahrung, dass es schon eine Weile dauert, bis man die Mannschaft und deren Systeme kennenlernt. Dieses Mal wird es eventuell noch schwerer werden, weil ALBA natürlich ein sehr erfolgreicher Verein ist. Aber ich glaube schon, dass mit der Zeit alles machbar ist. Ich habe den gleichen Anspruch wie ALBA und der ist so erfolgreich zu sein wie möglich.“

Sie waren in der vergangenen Saison mit Yassin Idbihi in Braunschweig unerwartet erfolgreich. Haben Sie sich mit Yassin, vor Ihrer endgültigen Entscheidung nach Berlin zu wechseln, ausgetauscht?
Heiko Schaffartzik: „Yassin ist ein sehr guter Freund von mir. Wir kennen uns schon seit ich 15 bin. Wir telefonieren ständig. Ich hatte also ohnehin die ganze Zeit Kontakt zu ihm. Letztes Jahr haben wir sehr viel Zeit miteinander verbracht. Ich war vergangenen Sommer mit seiner Familie sogar in Marokko.“

Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?
Heiko Schaffartzik: „Ich bin froh, wieder zuhause zu sein. Mein Bruder ist zwar gerade in den USA und meine Schwester studiert auch im Ausland. Aber meine Eltern, bei denen ich zurzeit wohne, sind hier. Ich freue mich sehr, bei ihnen und meinen Freunden sein zu können. Aber am meisten freue ich mich darauf, Basketball zu spielen.“

„Mich interessiert die Vergangenheit nicht“

image_1294906003776.jpegHaben Sie schon mit Luka Pavicevic darüber gesprochen, wie Ihre Rolle aussehen wird?
Heiko Schaffartzik: „Ich glaube, dass der Trainer große Stücke auf mich hält und ich denke, dass ich eine tragende Rolle in der Mannschaft spielen kann. Er ist ein großer Verfechter des Pick & Rolls. Das ist auch etwas, was ich gerne mache. Deshalb glaube ich, dass ich viel von ihm lernen kann. Hinsichtlich meiner Rolle im Team, ob ich Starter, Back-up oder dritter Point Guard bin, habe ich keine Erwartungen.“

Sind Sie optimistisch, was Ihre Einsatzzeit angeht? Schließlich wurden die deutschen Spieler in den zurückliegenden Jahren in Berlin damit nicht so üppig ausgestattet.
Heiko Schaffartzik: „Mich interessiert die Vergangenheit nicht. Ich habe hier etwas, auf das ich mich konzentriere. Alles andere juckt nicht. Natürlich möchte ich spielen. Es gibt auf der Welt keinen Spieler, der das nicht möchte. Es liegt aber nicht in meiner Macht, über Spielanteile zu entscheiden. Mit der Einsatzzeit, die ich habe, werde ich aber hoffentlich etwas anzufangen wissen. Das, was ich möchte, ist erfolgreich mit dem Verein zu sein. Was ich beisteuern kann, das steuere ich bei.“

„Ich war früher sehr ungeduldig“

Was macht Heiko Schaffartzik, wenn er nicht Basketball spielt?
Heiko Schaffartzik: „Ich unterhalte mich gerne mit Leuten. Ich lese auch viel, zum Beispiel Frank Schätzing oder Philip Kerr – vor allem seine Reihe mit den Bernhard-Gunther-Romanen. Der Protagonist ist ein Privatdetektiv zur der Zeit, als die Nazis gerade an die Macht kommen. Kerr hat eine zynische Art von Humor. Kann ich sehr empfehlen. Ich schaue auch gerne Filme. Ich mag Tarantino und Spielberg. Ansonsten spiele ich ein bisschen Akustik-Gitarre. Ich kann zwar keine Noten lesen, aber es gibt ja Tabulatoren. Ich spiele aber nur das, was ich selbst gut finde, zum Beispiel Guns 'n Roses, Bob Dylan, die Rolling Stones und ein paar neue sowie klassische Stücke. Wenn niemand da ist, dann singe ich auch.“

Was ist der Unterschied zwischen Heiko damals und Heiko heute?
Heiko Schaffartzik: „Ich bin geduldiger geworden. Ich habe auch gelernt, andere Meinungen zu akzeptieren und festgestellt, dass meine Meinung nicht immer die richtige ist. Das hat ein Weilchen gedauert, aber das habe ich für mich als Wahrheit erkannt.“

Wenn man nicht in der Heimat ist, wie sieht man dann Berlin?
Heiko Schaffartzik: „Ich habe Berlin immer mehr geliebt, je länger ich davon weg war. Mit der Heimat verbindet jeder angenehme Dinge und vertraute Sachen. Man kommt nach Hause und sieht, wie die Stadt sich entwickelt hat. Für mich war das immer beeindruckend.“

Klingt so, als würden Sie nie wieder wegwollen …!
Heiko Schaffartzik: „Das wird die Zukunft zeigen.“

Zur Person:
Heiko Schaffartzik

Geboren: 3. Januar 1984 in Berlin
Größe: 1,83 Meter
Position: Point Guard
Verein: ALBA BERLIN (seit Januar 2011)
Stationen: Türk Telekom Ankara (2010/2011), New Yorker Phantoms Braunschweig (2009/2010), LTi GIESSEN 46ers (2008/2009), EnBW Ludwigsburg (2007/2008), EWE Baskets Oldenburg (2006/2007), sellbytel Nürnberg (2005/2006), Gießen 46ers (2004/2005), ALBA BERLIN (2002-2004), TuS Lichterfelde (2000-2004)

image_1288779294890.png
easyCredit Telekom TipBet Spalding Ranko Simba Dickie Group Kinder plus Sport