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„Trainer haben eine große Verantwortung“

„Trainer haben eine große Verantwortung“

Björn Harmsen ist mit 28 Jahren der jüngste Chef-Trainer in der Beko BBL. Und er ist längst kein Rookie mehr. Seit der Saison 2008/2009 betreut er die „Wölfe“, davor war er bei Science City Jena tätig. Im erstmalig erschienenen „LumaniSports“-Magazin spricht Harmsen über seinen ...
image_1294052347829.jpeg... Coaching-Alltag und die Entwicklung des Basketballs in Ost-Deutschland. Lesen Sie hier Auszüge des Interviews.

Herr Harmsen, Wie sieht Ihr normaler Arbeitstag aus?
Björn Harmsen: „Ich stehe gegen 7.30 Uhr auf, dann werden Kaffeemaschine und Fernseher fast parallel eingeschaltet. Das ist sozusagen mein erstes Frühstück – Kaffee und der nächste Gegner. Gegen 9.15 Uhr geht’s dann in die Halle, um das Training vorzubereiten. Um 9.45 Uhr bespreche ich das Training und die zu zeigenden Videoszenen mit meinem Assistenztrainer. Von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr trainieren wir, danach haben wir meistens mit der Mannschaft Mittagessen. Dann geht’s nach Hause, Kaffee trinken oder manchmal, wenn Zeit ist, folgt noch ein 15-minütiger Mittagsschlaf. Am Nachmittag schaue ich mir meistens vom jeweiligen Gegner Videos an. Um 16.45 Uhr fahre ich wieder in die Halle – Trainingsvorbereitung, Meeting mit dem Assistenztrainer. Von 18.00 Uhr bis 20.00 Uhr ist Training. Am Spieltag trainieren wir natürlich auch. Bei dieser Einheit geht es um Details. Außerdem teilen wir das Team in zwei Gruppen, Außen- und Innenspieler, und zeigen den Spielern noch einmal auf dem Video ihre Gegenspieler und worauf sie speziell achten müssen.“

Welchen Stellenwert hat das Training in Ihrer Coaching-Philosophie und Ihrer Auffassung als Trainer?
Björn Harmsen: „Training hat einen sehr wichtigen Stellenwert für mich, weil das Training die Basis für das Spiel ist. Man kann sich nur durch Training verbessern, einen Rhythmus miteinander finden, an Fehlern arbeiten und neue Dinge hinzufügen. Bei nur einem Spiel pro Woche versuchen wir eine gute Mischung von Spielauswertung, Gegnervorbereitung, Athletik, individuellem Training und natürlich auch Regeneration zu finden.“

Worauf legen Sie besonderen Wert, wenn es um Spielerverpflichtungen geht?
Björn Harmsen: „Ich lege Wert auf den Charakter. Es müssen Spieler sein, die auch im Kollektiv erfolgreich sein wollen und nicht nur individuell auffallen. Dann müssen wir genau analysieren, was wir brauchen. Vor allem Mannschaften mit kleinem Budget müssen auf zwei Sachen schauen: einerseits Charakter, andererseits, dass wir für das Geld, das wir zur Verfügung haben, auch den bestmöglichen Spieler holen. Man muss als Trainer eine Grundphilosophie haben, aber sein Konzept an die Spieler anpassen.“

image_1294052517945.jpegWie genau sieht Ihr Konzept als Coach aus?
Björn Harmsen: „Ich will defensiv sehr aggressiv und physisch spielen. Meine Philosophie sieht so aus, das wegzunehmen, was der Gegner machen möchte. Es gibt Trainer, die sagen: Wir verteidigen immer zwischen Ball und Korb, das heißt, die Angreifer können zwar außen machen, was sie wollen, aber sie dürfen nicht zum Korb. Mein Gedanke ist, all das zu verhindern, was sie machen wollen. Also wenn der Ball von Spieler A zu Spieler B soll, dann müssen wir erreichen, dass genau das nicht passiert. Jede Mannschaft hat einen Plan, an dem sie sich orientiert. Wir wollen dafür sorgen, dass dieser Plan nicht funktioniert oder der Gegner Umwege finden muss, die er natürlich nicht so gut kennt wie seinen eigentlichen Plan. Offensiv steht ganz klar das mannschaftliche Zusammenspiel im Vordergrund. Wer frei ist, muss den Ball bekommen. Ansonsten wollen wir konsequent versuchen, das schwächste Glied des Gegners und den besten Scorer anzugreifen.“

Aus Ihrer Sicht: Wie entwickelt sich der Basketball in Ost-Deutschland?
Björn Harmsen: „Das ist eine interessante Frage. Man muss da etwas zurückdenken. Basketball gab es zwar in Ost-Deutschland, es war aber keine gezielt geförderte Sportart, weil dieses Spiel ja aus den USA kam. Seit der Wende kann man feststellen, dass die Strukturen der Sportschulen beibehalten worden sind. Da hat man Bedingungen gefunden, die eigentlich für den Leistungssport in Deutschland am besten sind. Ich weiß zum Beispiel, dass viele Bundesligaprogramme gern so eine Sportschule einrichten würden, in der man seine Sportart trainieren kann. So war es an der Sportschule in Jena. Wir haben vor dem Unterricht trainiert, zwischen den Schulstunden und nach der Schule – das war leistungsintensiv. Diese Bedingungen sind wichtig, damit man in dieser Sportart auch vorankommt. Man muss in Talente investieren und mit ihnen konzentriert arbeiten.“

image_1294052659814.jpegWelche Möglichkeiten und Chancen sehen Sie für den Basketball in Ost-Deutschland?
Björn Harmsen: „Ich habe als Trainer alles trainiert, was man in Deutschland trainieren kann, von Minis bis Bundesliga. Es gibt ein Hauptproblem: Man investiert nicht in die Trainer im Jugendbereich. Es gibt zu wenig Jugendtrainer, die gezielt mit Jugendlichen arbeiten. Es fehlt an Personen, die dafür die Verantwortung tragen, aber auch honoriert werden. In vielen Städten müssten Leute eingestellt werden, um Kinder an den Sport heranzuführen und sie für Basketball zu begeistern. Um das zu schaffen, muss man die Verantwortlichen irgendwie dafür sensibilisieren, dass man in diesen Bereich auch Geld investieren muss.“

Zur Person:
Björn Harmsen
Björn Harmsen wurde am 19. Juli 1982 in Göttingen geboren. Im Jahr 2007 war er mit knapp 25 Jahren der jüngste Headcoach in Deutschlands höchster Klasse, als er mit Jena in die Erste Liga aufstieg. Seit 2008 coacht er den Mitteldeutschen BC, mit dem ihm zur Saison 2009/2010 ebenfalls der Aufstieg in die Beletage gelang.

Weitere Informationen zum „LumaniSports“-Magazin finden Sie unter www.lumanisports.net.
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