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„Wir sind stets optimistisch geblieben“ - Tigers-Manager Robert Wintermantel im Interview

„Wir sind stets optimistisch geblieben“ - Tigers-Manager Robert Wintermantel im Interview

Glücksgefühle an der Nordseeküste: Bei den Eisbären Bremerhaven gelang den WALTER Tigers Tübingen am vergangenen Sonntag der erste Saisonsieg. Durch den 90:83-Erfolg im „Eisbärenkäfig“ reichten die Tigers die „Rote Laterne“ an die BG Göttingen weiter.
1320658984/img_Robert_Wintermante_WALTER_Tigers_Tuebingen_2.jpgNach dem ersten Sieg nach zuvor sechs Niederlagen in Serie äußerte sich mit Tübingens Sportdirektor Robert Wintermantel über die jüngste Neuverpflichtung, eine sehr junge Tübinger Mannschaft und einen erfahrenen Haudegen, der gegen die Eisbären besonders motiviert war…

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Herr Wintermantel, herzlichen Glückwunsch zum ersten Saisonsieg. Wie groß ist der Stein, der Ihnen vom Herzen gefallen ist?
Robert Wintermantel: „Der war in der Tat schon ziemlich groß. Allerdings war uns schon vor Saisonbeginn bewusst, dass der Oktober für uns ein extrem harter Monat werden würde. Wir hatten unsere Mannschaft im Sommer komplett neu zusammengestellt. Der Kader ist sehr jung, das Durchschnittsalter liegt unter 22 Jahren. Gerade deshalb hatten wir das Team schon vor der Saison darauf vorbereitet, dass der Start nicht leicht werden würde.“

Auf sechs Niederlagen in Folge kann man ein Team vermutlich nicht vorbereiten. Wie geht eine Mannschaft, zumal eine so junge wie es die Tübinger ist, mit solch einer Negativserie um?
Robert Wintermantel: „Das war natürlich nicht einfach. Nicht nur die Spieler, auch der Trainer und das Management müssen das erst einmal wegstecken. Wir haben den Glauben an uns aber nicht verloren, weil wir gesehen haben, dass wir eine funktionierende Mannschaft haben, in der viel Potenzial steckt. Oldenburg hat gestern in Berlin mit 30 Punkten Differenz verloren und hatte noch nicht mal ansatzweise die Chance auf den Sieg. Als wir bei ALBA gespielt haben, lagen wir sechs Minuten vor Schluss nur mit zwei Punkten zurück. Bei Bayern München waren es drei Minuten vor dem Ende nur sechs Zähler Differenz. Quakenbrück hatten wir eigentlich schon geschlagen, und auch gegen Frankfurt haben wir recht unglücklich verloren. Wir waren also selten absolut chancenlos, von daher sind wir stets optimistisch geblieben.“

„Lou ist unser Leader“

Dieser Optimismus hat sich nun in Bremerhaven ausgezahlt. Besonders motiviert gegen sein altes Team schien Point Guard Louis Campbell, der mit 13 Punkten, sieben Rebounds und elf Assists am Triple Double schnupperte…
Robert Wintermantel: „Lou hatte ein Superjahr in Bremerhaven und war einer der Gründe, warum es die Eisbären 2010 ins Playoff-Halbfinale geschafft haben. Gegen seinen Ex-Klub zu spielen, hat ihn sicher zusätzlich motiviert – elf Assists sind da schon mal eine Ansage, zumal er angeschlagen in die Partie gegangen war.“

Angeschlagen ist ein gutes Stichwort. In Oldenburg konnte Campbell, auch verletzungsbedingt, nie an seine Form aus Bremerhavener Zeiten anknüpfen. Sie haben ihn trotzdem verpflichtet – ohne Bedenken?
Robert Wintermantel: „Für unser junges Team wollten wir auf der Spielmacherposition unbedingt einen erfahrenen Spieler haben. Wir haben uns eher an seinen Leistungen in Bremerhaven orientiert und gehofft, dass er diese auch bei uns abrufen kann. Ich fand seine Leistungen in Oldenburg, speziell vor dem Hintergrund, dass er Verletzungsprobleme hatte, aber auch ganz in Ordnung. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, sich angeschlagen durch eine Saison zu schleppen. Lou ist unser Leader. Schon gegen Quakenbrück hat er ein sehr starkes Spiel abgeliefert, gegen Bremerhaven war seine Leistung nun Grundlage für unseren ersten Sieg.“

„Mit der Verpflichtung von Cukinas haben wir an der richtigen Schraube gedreht“

1320659028/img_Robert_Wintermante_WALTER_Tigers_Tuebingen_4.jpgAm vergangenen Freitag haben Sie mit Pavelas Cukinas einen neuen Spieler verpflichtet, tags darauf stand er bereits in der Starting Five und spielte knapp 34 Minuten. Eine mutige Entscheidung, oder?
Robert Wintermantel: „Unser Trainer Igor Perovic hatte einen sehr guten Eindruck von ihm, er war körperlich in einem guten Zustand. Es war aber zugegebenermaßen eine kurze Vorbereitung. Freitagabend hat Pavelas das erste Mal mit dem Team trainiert, Samstagmorgen ging es direkt nach Bremerhaven. Im Spiel hat er uns dann vor allem mit seiner Übersicht sehr geholfen, und er hat die ersten vier Punkte für uns erzielt.“

Nicht mehr im Kader ist dagegen Velimir Radinovic…
Robert Wintermantel: „Er konnte unserer Mannschaft nicht in dem Maße helfen, wie wir uns das erhofft hatten. Mit der Verpflichtung von Cukinas haben wir an der richtigen Schraube gedreht. Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft unsere wahre Stärke zeigen, denn wir haben kein schlechtes Team!“

Der X-Faktor für Tübingen beim Spiel in Bremerhaven war aber Josh Young, der von der Bank kommend 16 Punkte erzielt hat.
Robert Wintermantel: „…und damit unser Topscorer war. Wir haben ihn im Frühsommer vom ProB-Ligisten Leverkusen verpflichtet, weil wir sein Potenzial als Scorer gesehen haben und überzeugt waren, dass er dies auch in der Beko BBL zeigen kann. Er ist unheimlich schnell, und er kann zuhören, wenn man ihm etwas erklärt. Noch fehlt ihm etwas die Übersicht auf dem Feld, aber das ist auch seinem jungen Alter (23 Jahre, Anm. d. Red.) geschuldet. Nicht umsonst haben wir ihm einen Zwei-Jahres-Vertrag gegeben.“

„Wir haben das Potenzial für einen Mittelfeldplatz“

Der Bann ist nun gebrochen, der erste Sieg ist unter Dach und Fach. Was darf die Konkurrenz in den kommenden Wochen und Monaten von den Tigers erwarten?
Robert Wintermantel: „Zunächst sind wir froh, dass wir den schweren Oktober hinter uns gelassen haben und freuen uns nun auf den November (lacht). Angesichts unseres schweren Auftaktprogramms haben wir auch keinen Druck auf die Mannschaft ausgeübt. Das Einzige, was wir von ihr verlangt haben, war: Ihr müsst von Spiel zu Spiel besser werden! Ich denke, dass wir das Potenzial für einen Mittelfeldplatz haben. In den vergangenen beiden Jahren sind wir Zwölfter geworden. Nun sind mit München und Würzburg zwei sehr starke Aufsteiger dazu gekommen, das ganze Gefüge verschiebt sich also wahrscheinlich etwas nach unten. Mit Platz 14 in der Endabrechnung wäre ich durchaus zufrieden.“

1320659113/img_Robert_Wintermante_WALTER_Tigers_Tuebingen_3.jpgKönnen Sie Platz 14 als Saisonziel auch den Fans in Tübingen verkaufen?
Robert Wintermantel: „Unsere Fans besitzen ein feines Gespür für die Rahmenbedingungen bei uns. Wir befinden uns immer noch in der Konsolidierungsphase und arbeiten zum wiederholten Male mit einem der kleinsten Etats der Liga. Von daher sehe ich es neben unseren beiden letzten sorgenfreien Jahren durchaus als Erfolg an, dass wir seit acht Jahren im Oberhaus spielen. Natürlich träumen unsere Fans von der Teilnahme an den Playoffs, ich auch. Aber ich bin auch Realist. Mit unseren Rahmenbedingungen – kleiner Etat, keine eigene Trainingshalle und so weiter – ist das Erreichen der Playoffs derzeit nicht realistisch. Das wissen, so glaube ich, auch unsere Fans. Solange die Mannschaft kämpft, alles gibt und das Spiel schön anzuschauen ist, honorieren das die Zuschauer, auch wenn es nicht zum Sieg reichen sollte.“
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