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"Ein Egozentriker ist zu verkraften" - Bonns Headcoach Michael Koch im Interview

Es ist die Neuauflage des Playoff-Finales von 2009, wenn die Telekom Baskets Bonn als derzeitiger Spitzenreiter der Beko BBL auf die EWE Baskets Oldenburg treffen. "Mit der Tabellenführung haben wir nicht gerechnet", sagte Bonns Trainer Michael Koch vor der Partie am ...
1319190454/img_Mike_Koch_Telekom_Baskets_Bonn.jpg... Samstag ( ab 20 Uhr live im TV auf SPORT1) zu SPORT1.

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Der 47-Jährige hat die knappe 2:3-Niederlage bei der Final-Serie von 2009 noch in Erinnerung. "Finanziell würde es uns besser gehen", trauert Koch dem verpassten Finalsieg nach.

Im SPORT1-Interview blickt Koch auch nach vorne und erklärt, was er im Sommer verändert hat, damit die Rheinländer nach einem "Seuchenjahr" wieder in die Playoffs gelangen.

Herr Koch, nach vier Spieltagen führt Ihre Mannschaft die Tabelle der Beko BBL an. Auch für Sie überraschend?
Michael Koch: "Mit der Tabellenführung haben wir nicht gerechnet. Wir haben vor der Saison mit acht neuen Spielern ein komplett anderes Team aufbauen müssen. Ich finde es überraschend, wie gut das Team schon harmoniert. Die Spieler haben sich schnell gefunden, die Charaktere passen gut zusammen."

Die vergangene Saison endete für Bonn mit Platz 13 enttäuschend. Was waren die entscheidenden Stellschrauben, die Sie vor der Saison gedreht haben?
Michael Koch: "Teamchemie war im vergangenen Jahr keine vorhanden. Nach dem verpatzten Saisonstart haben wir gemerkt, wie das Team zerfällt und sich Grüppchen bilden. Die erste Aufgabe im Sommer war für uns, die Teamchemie zu verbessern."

Wie haben Sie das angestellt?
Michael Koch: "Wir haben die Strategie geändert. Wir setzen nun mehr auf europäische Spieler. Wir glauben, deren Ausbildung ist besser. Sie ist nicht so Ich-bezogen wie bei vielen jungen Amerikanern, die die Beko BBL eher als Übergangsstation ansehen."

Dennoch haben Sie weiterhin Amerikaner im Kader, drei davon in der Starting Five.
Michael Koch: "Chris Ensminger ist eine lebende Legende als Center in der Bundesliga. Mit 37 Jahren besteht bei ihm keine Gefahr mehr, überheblich zu werden. Jared Jordan haben wir aus Griechenland zurückgeholt. Auch da wussten wir, welche Qualität er mitbringt. Bei anderen Spielern haben wir uns von ehemaligen Bonnern Spielern Informationen eingeholt. Tony Gaffney stammt zum Beispiel aus der Development League, wo er mit Ronald Dupree gespielt hat. Auf dessen Aussagen konnten wir uns verlassen."

Mit Simonas Serapinas und Benas Veikalas haben Sie ein Litauer-Duo geholt. Was zeichnet die beiden aus?
Michael Koch: "Litauer sind sehr engagierte und konsequente Basketballer. Sie lassen sich leicht führen, arbeiten hart im Training und sind starke Werfer von außen. Mit ihren Dreiern entlasten sie auch unseren Center. Wir sind in der Offensive unberechenbarer. Dazu sind sie erfahrene Spieler. Serapinas etwa bringt Erfahrung aus der Euroleague mit und hat schon bei der Nationalmannschaft gespielt."

Gibt es nur ein entweder oder? Entweder auf Amerikaner zu setzen oder doch europäisch zu spielen?
Michael Koch: "Ich sehe kein Problem, wenn unterschiedliche Nationen in einem Team vertreten sind. Ich habe selbst lange in Griechenland gespielt, wo Amerikaner, Ex-Jugoslawen und Griechen harmoniert haben. Wir haben drei Europäer und drei Amerikaner im Team – und es funktioniert in diesem Jahr gut. Sicherlich haben wir den Spielstil leicht verändert und ich musste aufpassen, welche Amerikaner zu den Europäern hinzukommen. Europäer sind mannschaftlicher orientiert. Wenn dann Egozentriker hinzu kommen, wird es gefährlich für das Team. Fällt nur einer aus der Rolle, ist das aber noch zu verkraften. Wir haben in dieser Saison bislang das Glück, eine solide Mannschaft zu haben."

Bonn gehörte jahrelang zu den Top-Teams in Deutschland. In den letzten 14 Jahren wurden Sie fünf Mal Vizemeister. Doch vor der Saison nannten alle Experten Bamberg, ALBA, Bayern und Oldenburg als Titel-Favoriten. Bonn wurde nicht erwähnt. Wie ist dieses Abrutschen zu erklären?
Michael Koch: "Im Sport geht das ganz schnell. Wir hatten in der vergangenen Saison ein Seuchenjahr und haben die Playoffs verpasst. Auch unser Etat ist geschrumpft. Da ist es verständlich, wenn die Experten vorhersagen, mit Bonn geht es bergab. Es wird ja auch ein schwieriges Jahr. Unser Ziel ist derzeit nicht, die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Wir wollen die Playoffs erreichen. Dort kann viel passieren. Das haben wir in den vergangenen Jahren in Bonn erlebt. Vor zwei Jahren waren wir Erster der regulären Saison und sind in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden. Als Sechster und Siebter sind wir in anderen Jahren ins Finale eingezogen. Wir müssen Schritt für Schritt nach oben kommen und mit dem Einzug in die Playoffs zufrieden sein."

Eines der angesprochenen Finals verloren Sie unter beinahe dramatischen Umständen gegen Oldenburg. Gibt es deshalb Revanchegelüste?
Michael Koch: "Kaum ein Spieler ist von der Finalserie mehr dabei. In Oldenburg sind nur Rickey Paulding und Milan Majstorovic dabei, bei uns keiner mehr. Die Niederlage war bitter, aber man muss die Vergangenheit hinter sich lassen."

Würden Sie heute anders da stehen, wenn Sie 2009 den Titel geholt hätten?
Michael Koch: "Definitiv. Finanziell würde es uns besser gehen. Wir sind abhängig von unserem Hauptsponsor Telekom. Bei Erreichen der Eurleague hätte die Telekom unseren Etat weit aufgestockt. Wir haben damals ein paar Scheine liegen lassen. Doch wer weiß, wie der weitere Verlauf gewesen wäre. Wir müssen mit der Situation in Bonn im Großen und Ganzen zufrieden sein. Wir holen mit einem kleineren Etat das Beste heraus und stellen meist eine schlagkräftige Truppe zusammen."

Oldenburg gehört zu den Titel-Favoriten, ist aber mit zwei Niederlagen in vier Spielen nicht überzeugend gestartet. Wie schätzen Sie das Team ein?
Michael Koch: "Oldenburg hat sehr athletische Spieler. Viele von ihnen besitzen Euroleague-Erfahrung. Adam Chubb kam aus Spanien zurück, Burrell hat in Polen, Bobby Brown in Griechenland gespielt. Sie haben große Namen, müssen sich aber noch als Mannschaft finden. Ich habe ein paar Spiele von Oldenburg gesehen. Ich glaube - anders als bei uns - fehlt ihnen noch etwas die Abstimmung. Dennoch zähle ich Oldenburg zu den Top Vier der Bundesliga - neben Bamberg, Berlin und dem FC Bayern."
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