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"Ein gutes Timing für mich und das Team"

Es gibt keinen deutschen Basketball-Fan, der ihn nicht kennt: Wendell Alexis, eine Basketball-Legende, bekannt unter dem Spitznamen „Iceman“. Nach außen hin war Alexis ein Eisblock, weil er immer eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte, kaltschnäuzig die ...
1311581406/img_WA3.jpg... spielentscheidenden Würfe nahm und traf, während die Max-Schmeling-Halle vor Emotionen überkochte. „Du musst einfach nur cool sein, vor jedem Wurf positiv denken“, verrät Alexis sein Erfolgsrezept.

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In besonderer Erinnerung bleiben sechs Deutsche Meisterschaften in Folge mit ALBA BERLIN zwischen 1996 und 2002, zwei Pokaltitel und die dreimalige Ehrung zum wertvollsten Spieler der BBL (MVP). „1996 war ein gutes Jahr nach Berlin zu kommen“, blickt Alexis zurück, der in den zehn Jahren davor in Spanien, Italien, Israel und Frankreich aktiv war. „Es war zu einer Zeit, als ALBA auf dem aufsteigenden Ast war – ein gutes Timing für mich und das Team.“ Alexis hält den ALBA-Vereinsrekord bei den am meisten erzielten Punkten (5.922).

„Zuhause habe ich Fotos von meiner Zeit in Berlin, sowohl von mir auf dem Spielfeld, als auch von meiner Familie in und um Berlin. Es war definitiv eine spezielle Zeit für mich. Berlin ist immer in meinem Herzen.“ Die Geschicke von ALBA BERLIN verfolgt der Small Forward auch heute noch in regelmäßigen Abständen übers Internet und hält zudem Kontakt zu seinen ehemaligen Teamkollegen Henrik Rödl und Derrick Phelps. Im Januar 2004 verabschiedete sich Alexis aus Deutschland, nachdem sein letzter Verein, der Mitteldeutsche BC, Insolvenz anmelden musste.

Fast hätte Alexis in Oldenburg gespielt

1311581422/img_WA1.jpgDer gebürtige New Yorker ging mit seiner Familie (Frau Nixia und den drei Söhnen Anell, Davide und Julian) zurück in seine Heimat. „Eigentlich wollte ich noch mal in die 1. Liga zurück“, berichtet Alexis.

„Aber als der Anruf von Oldenburgs Trainer Don Beck im Oktober 2004 kam, hatte ich zuvor schon als Co-Trainer auf der Highschool meines Sohnes zugesagt. Ich musste den EWE Baskets also absagen.“

So kam es, dass Alexis seine Karriere nicht als Spieler sondern als Coach fortsetzte. Sein ältester Sohn Anell, der damals in seinem ersten Jahr auf der St. Joseph's High School in Hillsborough, New Jersey, war, erinnert sich noch sehr genau an die Saison 2004/2005. „Es war hart unter meinem Dad zu spielen“, beschreibt Anell Alexis das besondere Vater-Sohn-Verhältnis.

„Ich habe wegen ihm immer sehr viel Druck verspürt und er hat mich auch anders behandelt, als die übrigen Spieler. Aber ich habe viel von ihm in dieser Zeit gelernt.“ Heute spielt Anell Alexis übrigens auf dem St. Marist College und strebt eine Profikarriere in Europa an. „Anell will in meine Fußstapfen treten“, bestätigt Papa Wendell. „Er hat das Zeug dazu und ist über zwei Meter groß.“

1311581471/img_WA4.jpgNach einer Saison auf der Highschool, wo er neben seinem Sohn auch intensiv mit dem begabten Andrew Bynum (heute Los Angeles Lakers / NBA) arbeitete, wechselte Wendell Alexis an das New Jersey Institute of Technology (NJIT).

Dort fungierte er zunächst als Assistenztrainer und in der Saison 2007/2008 sogar auf dem Chefposten als Interimstrainer nachdem Head Coach Jim Casciano aufgrund von gesundheitlichen Problemen das Team verlassen musste. „Ein Albtraum“, ist alles, was Alexis zu seinen Erfahrungen als Trainer auf dem NJIT einfällt, ohne näher ins Detail gehen zu wollen.

Alexis' Coaching-Karriere nahm in der NBA Development League seine Fortsetzung. 2008/2009 war er Assistenztrainer der Austin Toros, der zweiten Mannschaft des NBA-Klubs San Antonio Spurs. „Das war eine tolle Erfahrung“, äußert sich Alexis mit Begeisterung. Denn dort habe er sich auch mit den Legionären Tony Parker, Manu Ginobili und Fabricio Oberto ausgetauscht. „Ich erinnere mich noch an Duelle mit Oberto und wie er mich immer fertig machte, als er noch bei Olympiakos Piräus war“, lacht er.

Alexis bald Trainer in Europa?

1311581483/img_WA5.jpgWährend Alexis' Trainer-Aktivitäten derzeit noch eher unter „Freizeit-Beschäftigung“ einzustufen sind, verdient das ehemalige BBL-Aushängeschild seinen Lebensunterhalt im Bereich Consulting in Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

„Wir entwickeln Programme und Ziele für Krankenhäuser, beraten sie zu Themen wie Anti-Rauchen, gutes Essen, fit bleiben etc. Außerdem klären wir Kinder auf“, beschreibt Alexis die Aufgaben seines Arbeitgebers.

Seine Ambitionen als Trainer habe er nicht aufgegeben, „aber ich muss Rechnungen bezahlen“, begründet er die Ausübung seines Beraterjobs. „Ich werde wahrscheinlich auf freiwilliger Basis an einem College in der Nähe meines Zuhauses weiterarbeiten. Ich beabsichtige immer noch ein Cheftrainer zu werden, sogar in der Beko BBL. Die letzten fünf Jahre habe ich mich im Coaching-Bereich gut entwickelt und an diesen Aufgabenbereich gewöhnt. Als erstes möchte ich in einer europäischen Liga ein Assistenztrainer werden, um ein Gefühl für den Job zu bekommen. Und dann möchte ich natürlich irgendwann Cheftrainer werden, am liebsten innerhalb der nächsten drei Jahre.“

1311581459/img_WA2.jpgDie Liebe für den Sport hat der mittlerweile 46-Jährige nicht verloren. Neben Jogging und Krafttraining spielt der ehemalige Euroleague-Allstar in einer Ü40-Sonntagsliga noch immer mit dem orangefarbenen Leder, zusammen mit ehemaligen Profis aus der New Yorker Gegend, die in Europa und sogar in der NBA ihr Geld verdienten, wie zum Beispiel Charles Smith von den Knicks, Rod Strickland oder Mike Bantum.

„Einige können noch spielen, andere glauben es noch zu können“, scherzt Alexis.

„Wir treffen uns Sonntagmorgens in einer Schulturnhalle. In der Liga gibt's acht Teams, die gegeneinander antreten und einen Champion ausspielen. Ich mache das wegen des Wettbewerbs und dem Spaß am Sport. Wenn das Feuer nicht erlischt, höre ich nicht auf zu spielen.“

1311581497/img_WA6.jpgZur Person:
Als Wendell Alexis im Sommer 1996 bei ALBA BERLIN einen Vertrag unterschrieb, hatte der am 31. Juli 1964 in New York geborene Amerikaner eine knapp zehnjährige Odyssee hinter sich. Zwei Jahre Spanien (Valladolid, Real Madrid), fünf Jahre Italien (Livorno, Siena, Trapani), eine Saison Maccabi Tel Aviv in Israel, Rückkehr nach Italien für ein halbes Jahr zu Reggio Calabria, eine Saison Levallois. Fast überall erhielt er nur einen Einjahresvertrag, lediglich bei Trapani blieb er länger.

„Ich wollte mir immer eine Option offen halten", begründet er diese Kurzlebigkeit. Denn noch bis Mitte der neunziger Jahre machte er sich Hoffnungen auf eine Rückkehr in die NBA (wurde 1986 an 59. Stelle von den Golden State Warriors gedraftet), nahm jeden Sommer an verschiedenen Tryouts teil.

Zu Alexis größten internationalen Erfolgen zählen der Korac-Cup-Sieg 1988 mit Real Madrid, die WM-Bronzemedaille 1998 mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft sowie der Gewinn der FIBA EuroCup Challenge 2004 mit dem Mitteldeutschen BC. Auf nationaler Ebene errang Alexis zahlreiche Meisterschaften, Pokaltitel und MVP-Ehrungen. Der Vater von drei Söhnen lebt mit seiner Familie in Hillsborough, New Jersey und arbeitet im Bereich Consulting.

Vereine:
1982–1986 Syracuse University
1986–1987 Fórum Valladolid (Spanien)
1987–1988 Real Madrid (Spanien)
1988–1990 Enichem Livorno (Italien)
1990–1991 Ticino Assicurazioni Siena (Italien)
1991–1993 Pallacanestro Trapani (Italien)
1993–1993 Fórum Valladolid (Spanien)
1993–1994 Maccabi Tel Aviv (Israel)
1994–1995 Pfizer Reggio Calabria (Italien)
1995–1996 Levallois SC (Frankreich)
1996–2002 ALBA BERLIN
2002–2003 PAOK Thessaloniki (Griechenland)
2003–2004 Mitteldeutscher BC

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