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"Ich bin niemand, der direkt das Handtuch wirft"

Frankfurts de Mello hat endlich seinen Spielrhythmus wiedergefunden und überzeugt mit konstant guten Leistungen, nachdem in der vergangenen Spielzeit alles noch ganz anders war. Wie kam es zu diesem Umschwung? Für Dominik Bahiense de Mello hätte diese Saison ...
image_130190465211.jpeg... nicht viel besser beginnen können. Der Guard der DEUTSCHE BANK SKYLINERS profitierte von der Verletzung von Jimmy McKinney, rutschte in die Anfangsformation und alles lief wie geschmiert.

Nur eine knappe Niederlage (in Berlin) mussten die Frankfurter in den folgenden zehn Spielen hinnehmen, in denen de Mello startete. Die Spielanteile des 1,89-m-Mannes verdoppelten sich im Vergleich zur Vorsaison, sein Punkte- und Reboundschnitt sowie sein Effektivitätsindex ebenfalls. „Ich habe eine klar definierte Rolle, mit der ich mich gut identifizieren kann“, begründet de Mello seinen Quantensprung. „Es läuft gut. Ich habe nicht den Druck immer etwas machen zu müssen, ich bekomme immer meine Chance.“ Unter Gordon Herbert scheint er regelrecht aufzublühen.

Mittlerweile ist McKinney wieder fit und überzeugt mit guten Leistungen. De Mello rückte dadurch wieder ins zweite Glied als Back-up auf der Position des Shooting Guards. Viel weniger Spielzeit bekommt er in seiner Reservistenrolle aber nicht. Lediglich seine Rolle ist wieder die „alte“. De Mello: „Ich bin bekannt dafür, Defensivstopper zu sein und meine offenen Würfe von draußen zu nehmen“, sagt er und fügt an, dass es für ihn ob der Frankfurter Erfolgssträhne vollkommen in Ordnung sei, zunächst auf der Bank Platz zu nehmen. „Es macht großen Spaß, wenn man einen Teil zu den Siegen beitragen kann. Es ist mir nicht so wichtig in welcher Form das ist.“

Ein klärendes Gespräch und der Trainerwechsel brachten die Wende

image_1301904677139.jpegGanz so rosig lief es für de Mello aber nicht immer. Im vergangenen Sommer stand der gebürtige Bonner kurz vor einem Wechsel, da die Saison sportlich für ihn nicht gut gelaufen war. Unter Murat Didin hatte er keine feste Rolle im Team.

De Mello wusste nie wann oder ob er überhaupt eingesetzt werden würde. Seine Spielanteile schwankten wie ein Boot auf Hochsee. Wenn er auf dem Feld stand, musste er prompt mit starken Leistungen überzeugen, ansonsten drohte wieder die Bank. Der Druck war groß, Unzufriedenheit machte sich bei ihm breit. Das eine oder andere Mal eckte er mit den Verantwortlichen der Hessen an, nachdem er in der Öffentlichkeit seinen Unmut äußerte.

Dann kam die Wende: „Ich hatte ein klärendes Gespräch mit Gunnar Wöbke, welches sehr konstruktiv war. Seitdem haben wir eine gute Basis gefunden, weiter zusammen zu arbeiten.“ Auch der Trainerwechsel kurz vor den letztjährigen Playoffs kam für de Mello genau zum richtigen Zeitpunkt und war mit ausschlaggebend für ihn zu bleiben, zumal er immer wieder betonte, „dass ich mich in Frankfurt sehr wohl fühle und ich gerne hier spiele.“

Wer Dominik Bahiense de Mello kennt, weiß, dass er keiner ist, der, trotz widriger Umstände, einfach so aufgibt. „Ich bin niemand, der direkt das Handtuch wirft“, bestätigt die immer optimistisch dreinschauende Kämpfernatur. „Ich glaube an mich und denke, dass sich das ausgezahlt hat.“

Für sein Dasein als Profibasketballer musste de Mello kürzlich jedoch ein Opfer bringen. Um sich voll und ganz auf die Saison zu konzentrieren, legte er sein BWL-Studium vorübergehend auf Eis, welches er vier Semester studierte. Zuletzt sei er nur schwer mit dem Stoff hinterher gekommen, bekam es zeitlich nicht mehr auf die Reihe.

De Mello steht auch in entscheidenden Spielphasen auf dem Feld

image_1301904690746.jpegUnter Gordon Herbert haben sich in Frankfurt strukturell einige Dinge geändert. Der 52-Jährige Kanadier hat eine ganz andere Herangehensweise als zuvor Murat Didin. Herbert ist jemand, der klar definierte Rollen an seine Spieler verteilt, mit denen sie sich gut auseinander setzen können.

Das hat auch de Mello stark geholfen. „Unter 'Gordi' habe ich eine bestimmte Konstanz in meinem Spiel finden können, weil ich seit dem Trainerwechsel auch permanent gespielt und die Chance bekommen habe. Es war für mich wichtig, das Vertrauen vom Trainer zu bekommen.“

Dieses nahm in den letztjährigen Playoffs, in denen die Frankfurter bis ins Finale vorstießen und dort nur hauchdünn den Brose Baskets unterlagen, seinen Anfang und setzt sich bis heute fort. So darf de Mello, wenn er ein gutes Spiel macht, auch am Ende in kritischen Situationen auf dem Feld bleiben, obwohl er nicht als Starter die Partie begann. „Es ist gut, das Gefühl vom Coach zu bekommen, dass er einem in entscheidenden Phasen vertraut“, weiß der 26-Jährige, der jetzt auch mehr Freiheiten in der Offensive genießt.

Coach Herbert erwarte von ihm, dass er sich über die Verteidigung ins Spiel arbeite. De Mello: „Wenn ich gut verteidige, ergeben sich die Dinge im Angriff sowieso von alleine. Da muss ich nichts forcieren.“

Aufgrund seiner gestiegenen Spielanteile und den dadurch bedingten Leistungsschub, hat de Mello auch die Aufmerksamkeit des Bundestrainers erneut geweckt.

image_1301904664203.jpegWenn er fit bleibt und seine gute Performance bis zum Saisonende beibehält, winkt in Hinblick auf die Europameisterschaft in Litauen vielleicht die Einladung in den Kader der Nationalmannschaft.

„Dominik hat nach dem Trainerwechsel deutliche Fortschritte gezeigt, die er jetzt bestätigt“, sagt Dirk Bauermann. „Er ist sicher einer der Spieler, die im Sommer Phlipp Schwethelm, Lucca Staiger und Elias Harris Konkurrenz machen.“

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Zur Person:
Dominik Bahiense de Mello spielt seine sechste Saison bei den DEUTSCHE BANK SKYLINERS und ist damit hinter Pascal Roller der dienstälteste Spieler im Kader. Am Ende dieser Spielzeit läuft zum ersten Mal sein Vertrag aus.

Stationen:
2001 – 2003 SOBA Dragons Rhöndorf
2003 – 2004 Telekom Baskets Bonn
2004 – 2005 SOBA Dragons Rhöndorf
2005 – 2007 TV Langen
seit 2005 DEUTSCHE BANK SKYLINERS
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