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"International Teambuilding" für Fortgeschrittene

Was der Weihnachtsmann zu Ostern macht, bleibt ein wohl gehütetes Geheimnis. Was das Trainerteam von Phoenix Hagen nach der alten und vor der neuen Saison macht, ist gleichwohl weniger mysteriös. Es riecht nach einer Menge Arbeit, getreu dem Motto: „Was du in einer ...
1315898148/img_Ingo_Freyer_in_der_Halle_mit_Jordan_Hasquet,_T.J._Carter_und_Brandon_Brooks.jpg... frühen Phase nicht erledigst, machst du im Laufe einer Spielzeit nur selten wieder gut.“

image_1288779294890.pngBeko BBL-Umfrage: Mitmachen und gewinnen.

Die sportliche Verantwortung bei den Feuervögeln liegt bereits seit 2007 in den bewährten Händen von Ingo Freyer. Der 40-jährige Ex-Nationalspieler und Korac-Cup-Gewinner von 1995 (mit ALBA BERLIN) gibt gemeinsam mit seinem Assistenten Steven Wriedt (40), ehemals Centerspieler der Erstligisten Brandt Hagen und TuS Herten, die Richtung an der Volme vor. Die Troika der Ex-Profis komplettiert ihr Chef: Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann (43), ebenfalls ehemaliger A-Nationalspieler.

Rückblende: Für Zufriedenheit bleibt nach dem 11. Platz der Vorsaison, die am 23. April 2011 mit einem 83:73 gegen Gießen vollendet wurde, nur wenig Zeit. Abschalten ist nicht angesagt bei den Coaches. „Erst einmal stand ein Jugendcamp an“, sagt Ingo Freyer. Anschließend kann er sich aber doch ein wenig freuen: „Das war ein sehr harmonisches Jahr. In 2011 haben wir sogar mehr Spiele gewonnen als verloren.“

„Burtschi und Bell waren nicht zu halten“

1315898213/img_Michael_Tveidt_und_Jordan_Hasquet_beim_Lauftraining.jpgMit dem Erfolgsteam um Jacob Burtschi und David Bell hätte Freyer gerne weiter gearbeitet: „Kontinuität ist immer von Vorteil. Du kannst dann was entwickeln.“ Aber wie das kurz nach einer Saison so ist: Es gibt ein letztes gemeinsames Essen, dann entschwinden die Spieler in alle Himmelsrichtungen. „Zu diesem Zeitpunkt ist natürlich die Hoffnung da: Vielleicht können wir das Team zusammenhalten? Klar, bei Burtschi wird es schwer, aber beim Rest?“ Bis Ende Juni hat Ingo Freyer um den Verbleib seiner Leistungsträger gekämpft: „Irgendwann wird dir dann klar, dass du wirtschaftlich ab einem gewissen Punkt nicht mithalten kannst. Und so sind dann auch Mark Dorris und David Bell gegangen.“

Doch Bundesliga-Basketball in Hagen heißt auch, Fantasie zu entwickeln und immer „Plan B“ in der Tasche zu haben. Darum gibt es bereits Anfang Mai ein viertägiges Probetraining. „Man muss vorbereitet sein, wenn die Absagen kommen“, weiß Freyer. Beim Tryout ist auch US-Forward Jordan Hasquet: „Zu ihm hatten wir schon während der Saison Kontakt, als Eddie Seward sich schwer verletzt hatte. Er hat uns überzeugt und so haben wir frühzeitig einen ersten Neuzugang präsentieren können, als der Abschied von Jacob Burtschi klar war.“

Im Juni findet die Arbeit vor dem PC statt

Ingo Freyer, Steven Wriedt und Oliver Herkelmann sind ständig auf der Suche nach verborgenen Talenten. „Wir müssen kreativ sein, können keine namhaften Spieler verpflichten.“ Stattdessen entsteht eine Prioritäten-Liste mit „Geheim-Tipps“, aufgeteilt nach Positionen. „Fällt ein Spieler aus irgendeinem Grund raus, rückt der nächste auf der Liste automatisch nach.“ Vieles wird dabei im Bauch entschieden: „Wenn Steven, Olli (Herkelmann, Anm. d. Red.) oder ich ein schlechtes Gefühl bei einem Kandidaten haben, wird die Sache noch einmal überdacht.“

Der Alltag hinter der Prioritäten-Liste sieht so aus: An einem handelsüblichen Juni-Tag analysiert Ingo Freyer am Schreibtisch die Saison. Wie ist das abgelaufene Jahr, mit Abstand betrachtet, gelaufen? Was kann man anders machen? Wie kann man sich weiter verbessern? Spieler werden gesichtet, und das im Akkord: „Teilweise schaust du zehn oder mehr Spiele oder Ausschnitte von Spielen am Tag. Das geht meistens über das Internet. Wir sichten Spielerprofile, tauschen uns aus und erstellen Kandidatenlisten. Dann werden wieder Videos geschaut.“ Regelmäßige Treffen der sportlich Verantwortlichen runden den Findungsprozess ab.

Social Media erleichtert die Kontaktaufnahme

1315898122/img_Thomas_Reuter,_Max_Rockmann,_T.J._Carter,_Michael_Tveidt_und_Tristan_Blackwood_beim_Lauftraining.jpgOliver Herkelmann sieht das Internet dabei weitestgehend als Vorteil an: „Die Kommunikation ist viel schneller geworden und man hat Kontakt zu unvorstellbar vielen Beratern und Spielern, viel mehr als früher. Selbst im Vergleich zu 2005, als ich mit dem Job angefangen habe. Man erhält auch ungefragt und ungewollt sehr viele E-Mails, Spielerlisten und Anrufe von Agenten, die einem völlig unbekannt sind. Leider sind da auch etliche unseriöse Kandidaten dabei.“

Besonders das Sichten potenzieller Neuzugänge wird für Herkelmann durch das weltweite Netz leichter: „Über das Internet kann man über jeden Spieler Informationen finden und sammeln, immer auch über das Verhalten ‚Off the Court’. Zudem findet man fast immer Spielszenen oder ganze Spiele, was früher meistens bis zu zehn Tagen gedauert hat, bis man endlich DVDs bekommen hat.“ Co-Trainer Steven Wriedt ergänzt: „Auch die Kontaktmöglichkeiten zu Spielern via E-Mail oder Facebook sind eine große Hilfe.“

Die Fitness muss stimmen

Parallel zur Spielersuche wird am Plan für die Vorbereitung gearbeitet: Trainingslager, Trainingsinhalte und Testspiele sind abzustimmen und festzulegen. Die deutschen Spieler halten sich derweil beim Sommertraining fit. Für Abwechslung sorgt ein Camp mit sechs deutschen Gästen, die zur Probe vorspielen. Ingo Freyer: „Das hat eine Menge Spaß gemacht, es wurde prima gearbeitet.“ Zudem gibt es wenige Wochen später eine Erfolgsmeldung. Maximilian Rockmann überzeugte beim Schaulaufen und bekommt zur Belohnung einen Vertrag in Hagen.

Auch wenn der Kader Ende Juli noch nicht ganz komplett ist – ein Guard und ein Forward fehlen noch -, rückt die Vorbereitung jetzt mehr und mehr in den Vordergrund. Die Spieler werden darüber informiert, in welchen Zustand sie zum Trainingsauftakt im August in Hagen erwartet werden. „Der Fitness-Test zu Beginn der Vorbereitung gibt Aufschluss darüber, ob die Spieler auch im Sommer gearbeitet haben. Das ist für Neuzugänge immer etwas schwieriger. Die ‚Etablierten’ wissen natürlich schon ganz genau, worauf es mir ankommt“, erklärt Ingo Freyer. Schließlich ist den Coaches klar, was ihnen in der Pre-Season blüht:

Trainingslager sind fester Bestandteil

1315898249/img_T.J._Carter_und_Jordan_Hasquet_nach_dem_Lauftraining.jpg„Wenn das halbe Team neu ist, muss man alle Abläufe neu erarbeiten. Da entscheiden oft Kleinigkeiten und die alten Spieler müssen den neuen helfen.“ Fitness, so erinnert sich der Hagener Trainer, war auch zu seiner Zeit als Aktiver immer ein Thema: „Als Spieler bei ALBA BERLIN waren wir zur Vorbereitung im damaligen Jugoslawien. Der Coach sagte uns: ‚Wir werden das Team mit der besten Kondition sein – und das Team, das am besten aussehen wird.’ Wir machten jeden Tag zwei Stunden lang verdammt hartes Konditionstraining, aber der Coach schickte uns auch jeden Tag zwei Stunden lang an den Strand – das war ok!“

Beim Trainingslager im SportCentrum Kaiserau geht es Ende August dann aber doch weniger um den Bräunegrad, als darum, die konditionellen Grundlagen zu erarbeiten. Dafür ist bei Phoenix Hagen schwerpunktmäßig Co-Trainer Steven Wriedt zuständig: „Wenn es um Athletik und Kondition geht, übernimmt Steve in Abstimmung mit mir den Großteil der Arbeit“, verrät Ingo Freyer, der gleichzeitig auch ganz andere Dinge im Auge hat: „Teambuilding ist eine wichtige Sache. Da kann man im Trainingslager gute Voraussetzungen schaffen, und das nicht nur an der Kletterwand oder im Wald. Auch das gemeinsam Essen oder eine Runde Darts, Billard oder Beach-Volleyball helfen dabei, einander besser kennenzulernen. Am Ende geht es schließlich nur als Team.“

„Alle haben gut gearbeitet, keiner hat sich verletzt“

Teambuilding wird für Freyer immer wichtiger: „Zu meiner Zeit als Spieler gab es das Wort nicht einmal. Aber da hatten wir auch nur zwei Ausländerplätze pro Mannschaft.“ Oliver Herkelmann sieht ebenfalls die eine oder andere Veränderung zu seiner aktiven Zeit: „Früher wurde noch viel mehr Konditionsarbeit im Stadion geleistet durch relativ stupides Drehen von Runden. Die Spieler erscheinen dagegen heute sehr gut austrainiert zum Trainingsbeginn.“ Das sieht auch Steven Wriedt so: „Damals wurde im Trainingslager mehr gelaufen, mehr Kondition gebolzt. Die Aufgabe, aus deutschen und sieben ausländischen Spielern in kurzer Zeit ein Team zu formen, gab es früher nicht.“

Mit dabei in Kaiserau sind auch Brandon Brooks und Michael Tveidt. Brooks, einst für Bremerhaven aktiv, besetzt den letzten freien Guard-Platz. Tveidt ist als vielseitiger Spieler für die Positionen drei und vier eingeplant. „Ein guter Werfer, sehr kampfstark und schnell zu integrieren. Ich glaube, das passt“, denkt Ingo Freyer. Auch Steven Wriedt kommt zufrieden aus dem Trainingslager zurück: „Alle haben gut gearbeitet, keiner hat sich verletzt – das ist vielleicht das Wichtigste. Es braucht in einem Trainingslager viel Zeit, die Gewohnheiten der Spieler zu verändern und neue Inhalte zu vermitteln.“

Arbeit und Freizeit - die Mischung macht's

1315898322/img_Max_Rockmann,_T.J._Carter,_Thomas_Reuter_und_Jordan_Hasquet_beim_Lauftraining.jpgEine zentrale Rolle spielt auch Physiotherapeut David Lopez, der das Trainingslager begleitet hat. „Die Spieler müssen gepflegt werden, das ist wichtig. Nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf. Das gibt das gute Gefühl, umsorgt zu sein“, sagt Ingo Freyer. Auch bei der Speisekarte im Trainingslager redet der Trainer mit: „Nudeln, Salat, Fleisch, eine Suppe – das gehört immer zum Buffet. Grundsätzlich ist es schon ein Wahnsinn zu sehen, welche Mengen in einem Trainingslager vertilgt werden.“

Nach einem ersten Test beim Regionalligisten Iserlohn (114:57) im Anschluss an das Trainingslager gibt es endlich einen freien Tag. „Nach acht Tagen am Stück, die man aufeinander hockt, tut das gut“, sagt Ingo Freyer. Wohl wissend, dass auch die nächste Woche hart wird. Zwei Trainingseinheiten warten jeden Tag auf ihn und sein Team. Freyer steht um 7.30 Uhr auf. „Dann geht erst einmal der Rechner an, E-Mails checken.“ Um 9.30 Uhr wartet das erste Training, um 13 Uhr geht es zum gemeinsamen Mittagessen. Danach ist eine Ruhephase angesagt, die Spieler dürfen nach Hause. Für Ingo Freyer heißt das: zurück an den Schreibtisch! Bis zum zweiten Training um 17 Uhr wird weiter geplant und organisiert. „Und das kann, je nach Situation, auch nach dem zweiten Training noch weiter gehen.“

Im September folgt der Feinschliff

Diese Phase der Vorbereitung ist manchmal ein Spagat. Es stehen Sponsorentermine und PR-Verpflichtungen an. „Gleichzeitig ist es ganz besonders wichtig, in den ersten Wochen der Pre-Season alle wesentlichen Dinge taktisch einmal durchzugehen. Jedes System, jede Defense-Situation“, so Freyer. Beim Vorbereitungsturnier in Bad Neuenahr warten anschließend Trier, Bonn und Donetsk als Gegner. „Dann wissen wir schon eher, wo wir stehen!“ Es folgt der Feinschliff. Eine Reihe von weiteren Testspielen hilft dabei. „Es geht um Details, um die Abstimmung. Die Spieler begreifen eigentlich erst in dieser Phase, was wir zu Beginn der Vorbereitung erarbeitet haben.“

Zur Konkurrenz blickt Ingo Freyer zu diesem Zeitpunkt nur hin und wieder. „Du schaust schon auf die Kader der anderen Mannschaften und die Testergebnisse, fragst dich: ‚Wer ist gut drauf?’ Das betrifft natürlich mehr die Teams, die vermutlich unsere direkten Konkurrenten sein werden.“

Fokussiert auf den Saisonstart

1315898350/img_Bernd_„Usain“_Kruel.jpgIn erster Linie beschäftigen sich die Trainer aber mit ihren eigenen Akteuren: „Sportlich sind wir sowieso von ihnen überzeugt, sonst wären sie nicht hier. In der Vorbereitung spielt aber auch die menschliche Komponente eine Rolle. Wie verhalten sie sich in Stresssituationen, wenn zum Beispiel auch mal deutlichere Worte fallen? Wie aufmerksam und konzentriert sind die Spieler? Das alles ist sehr wichtig. Die Spieler müssen sich letztlich sicher fühlen und selbstbewusst sein.“

In den letzten beiden Wochen vor Saisonbeginn gilt es dann auch schon, den Rhythmus für die Liga zu finden. Schließlich wartet am 3. Oktober der schwere Auftakt in der Beko Basketball Bundesliga, wenn es nach Braunschweig geht. „Darauf arbeiten wird hin. Wir wollen gut in die Saison starten“, hofft Ingo Freyer.

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