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"JJ" ist der Koch-Kenner

Keiner der aktuellen Bundesliga-Spieler kennt die Geschwister Michael und Stefan Koch besser als Johannes Strasser. Während der Guard der Artland Dragons die vergangenen drei Spielzeiten in Bonn unter Mikes Fittichen stand, ist sein neuer Trainer nun dessen Bruder.
1302851668/img_JS4.jpgEnde vergangenen Jahres machte er als Mann mit der Maske auf sich aufmerksam: Johannes Strasser erlitt vor Weihnachten innerhalb kürzester Zeit zwei Nasenbeinbrüche in Folge. Nichts, was den Kämpfer aufhalten könnte, nichts, was ihn dazu brächte, sich eine Pause zu gönnen. Mit einem „Carbon-Panzer“ im Gesicht wirft sich „JJ“ seit Wochen in die Schlacht um das orangefarbene Leder.

Nach zwölf Jahren im Rheinland, in Bonn, Köln und Rhöndorf, spielt Strasser, der sich selbst als Großstadtmensch bezeichnet, seit dieser Saison in der beschaulichen 13.000-Seelen-Gemeinde Quakenbrück und fühlt sich dort erstaunlich wohl. „Ich habe mich schnell eingelebt und brauchte keine große Eingewöhnungszeit“, sagt der 28-Jährige.

Im Artland sind die Playoffs das Ziel Nummer eins, nachdem diese in den vergangenen zwei Jahren knapp verpasst wurden. Strasser ist einer von vielen Bausteinen, die im vergangenen Sommer zur Neuformation des Kaders beitrugen. Was ihn von den anderen unterscheidet? Er spielt, trotz Vereinswechsels, immer noch für einen Coach mit dem gleichen Nachnamen, nach wie vor heißt dieser Koch. Zuletzt drei Jahre unter Michael in Bonn und jetzt für seinen Bruder Stefan. Zwei Trainer, die eine unterschiedliche Auffassung von Basketball haben. Wie diese aussieht, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt, fragt man am besten einen, der beide als Spieler erlebt hat. Johannes Strasser ist dafür der perfekte Mann.

Der Spieler- und der Trainertyp

1302851740/img_JS3.jpg„Mike ist ein Spielertyp“, erklärt der 1,89 Meter große Guard. „Er kann sich sehr gut in die Mannschaft hineinversetzen und auch sehr gut mit den jungen Leuten umgehen. Stefan ist hingegen eher der Trainertyp, ein akribischer Arbeiter, der sich unheimlich gut auf die Spiele und jedes einzelne Training vorbereitet.“

Zudem stelle Stefan alles auf den Prüfstand. „Bei ihm wird alles drei, vier Mal durchdacht, ehe es dann tatsächlich zum Einsatz kommt.“ Wenn man die beiden Coaches am Spielfeldrand beobachtet, fällt eins auf: „Mike ist wesentlich entspannter als Stefan“, weiß Strasser. Während der zwei Jahre ältere Coach der Artland Dragons wild gestikulierend unter Dauerstrom zu stehen scheint, bleibt Bruder Michael oft viel länger ruhig und strahlt seine Coolness aus, die ihn schon als Spieler auszeichnete.

Unterschiedliche Herangehensweisen

„Stefan achtet in den Spielsystemen im Angriff und in der Verteidigung mehr auf Kleinigkeiten, während Mike ein bisschen freier spielen lässt und mehr Freiraum für die eigene Kreativität seiner Spieler lässt“, nennt Johannes Strasser weitere Unterschiede der beiden Beko BBL-Trainer. Sein heutiger Coach sei sehr darauf bedacht, dass nicht viel improvisiert, sondern gespielt werde, was im jeweiligen System vorgegeben ist. „Was mir in Quakenbrück auffällt, wenn ich auf die letzten drei Jahre in Bonn zurückschaue, ist, dass wir im Training mehr Verteidigung üben und mehr Verteidigungsregeln haben, an denen man sich festhalten kann“, fügt der Koch-Kenner an.

„Das war jetzt typisch Koch“

1302851836/img_JS2.jpgTrotz aller Unterschiede finden sich bei den Brüdern auch einige Gemeinsamkeiten. Verhaltensweisen, Gestik und Mimik seien es vor allem, die Strasser hervorhebt. „Manchmal denke ich:

‚Okay, das war jetzt typisch Koch‘. Was das genau ist, kann ich nicht sagen. Aber man merkt, dass sie aus derselben Familie kommen.“ Mit beiden könne man, ungeachtet der vermeintlich unterschiedlichen Coaching-Philosophien, wunderbar reden. „Sie sind beide offen für Vorschläge, die aus der Mannschaft kommen.“

Ein offenes Ohr braucht Johannes Strasser auch bei seiner neuen Herausforderung. Ein wichtiger Rollenspieler ist er zwar noch immer, doch schwerpunktmäßig auf einer anderen Position. Nicht mehr Point Guard heißt seine Hauptaufgabe, sondern Shooting Guard. Strasser: „Ich habe in Bonn 90 Prozent auf der eins gespielt und zehn Prozent auf der zwei. In Quakenbrück ist es genau umgekehrt. Hier spiele ich 90 Prozent auf der zwei und zehn Prozent auf der eins.“ Obwohl die Verantwortung jetzt geringer sei, gefalle ihm auch die Position des Shooting Guards, zumal als „Zweier“ weniger Druck auf ihm laste.

Ehemaliger Point Guard ist nun von der Kreativität der Aufbauspieler abhängig

1302851929/img_JS1.jpg„Ich bin jetzt natürlich von der Kreativität unserer Aufbauspieler abhängig. Es kann Spiele geben, da bekommst du in jedem Angriff den Ball und hast eine Menge offene Würfe, weil die Aufbauspieler viel kreieren. Es gibt aber auch Spiele, da läufst du 20 Minuten übers Feld und hast vielleicht fünf Mal den Ball berührt.“

Dass man das Spiel selbst lenken und kontrollieren könne, sei etwas, was auf der Position zwei nicht gegeben ist. „Dennoch fühle ich mich auf der neuen Position sehr wohl – weil wir mit Bryan Bailey und Tyrese Rice kreative Aufbauspieler haben, die ihre Mitspieler sehr gut in Szene setzen können“, berichtet der gelernte Aufbauspieler, der nicht nur in Bonn, sondern auch in Köln und Rhöndorf „Einser“ war.

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Zur Person:
Johannes Strasser erlebte seine bislang größten Erfolge in der Mannschaft von RheinEnergie Köln, mit denen er 2006 die Meisterschaft gewann sowie drei Pokalsiege (2004, 2005, 2007) feierte. 2004 verdiente er sich die Berufung in die Nationalmannschaft. Mit den Telekom Baskets Bonn musste sich der Guard dreimal mit Vizetiteln begnügen. In Strassers zehnjähriger Profikarriere sind die Artland Dragons, denen er seit dieser Spielzeit angehört, erst seine dritte Beko BBL-Station.

Stationen:
bis 1999 TSV Dachau
1999 – 2001 SOBA Dragons Rhöndorf
2001 – 2007 RheinEnergie Köln
2007 – 2010 Telekom Baskets Bonn
seit 2010 Artland Dragons
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