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"Klartext:" Warum "best of five" passt

Wenn etwas länger als zehn Jahre Bestand hat, ohne dass nennenswerte Beschwerden geäußert werden, dann muss es wohl gut sein. Vor elf Jahren fand die deutsche Beletage nach einem Jahrzehnt voller Experimente („Pre-Playoffs“ der Teams auf den Plätzen 5-12, Modus ...
1306958360/img_Bercy.jpg... „best of seven“ oder „best of three“ im Viertelfinale, usw.) den „Stein der Weisen“: Seit 2001 wird der Meistertitel im selben Modus entschieden: Das „Best of five“ (1-1-1-1-1) in Viertel- und Halbfinale sowie im Finale ist dabei nicht nur entwaffnend einfach und transparent, sondern ergänzt sich optimal mit der großen Ausgeglichenheit, die die deutsche Liga kennzeichnet – dieser Auffassung ist jedenfalls unser Autor, ein ausgewiesener Kenner der europäischen Szene.

Frankreich: Finale vor 15.000 Zuschauern in Paris-Bercy

Dass es nicht selbstverständlich ist, einen optimalen Playoff-Modus zu finden, zeigt der Blick in die anderen europäischen Ligen, in denen man ein erstaunlich weites Spektrum von Playoff-Szenarien findet. Von den in der Euroleague vertretenen nationalen Ligen ermittelt dabei keine ihren Meister im Beko BBL-Modus. Ausgerechnet die französische Liga, die von ihren Gegebenheiten her der Bundesliga am meisten ähnelt, hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt: Im Viertel- und Halbfinale wird jenseits des Rheins nur „best of three“ gespielt, den Saisonhöhepunkt bildet ein einzelnes Finalspiel vor großer Kulisse (15.000 Zuschauer) im Sportpalast von Paris-Bercy.

Kritik von Klubs und Medien: Kommt die Reform…?

Mit diesem Finale erhofft sich die Liga eine größere Aufmerksamkeit in den zumeist in der Hauptstadt ansässigen überregionalen Medien – zumindest einmal in der Saison. Die Kürze der französischen Playoffs (dreieinhalb Wochen weniger als in Deutschland) entzerrt zwar den Spielplan in der Punktrunde, trotzdem hagelt es seitens der Medien und der Klubs Kritik an diesem Modus. So verwundert es nicht, dass hinter den Kulissen bereits an einer Reform gearbeitet wird.

Wenn die Favoriten übermächtig sind…

1306958419/img_Pana.jpgDie Attraktivität der Playoffs in der Beko BBL lebt natürlich nicht zuletzt von der Ausgeglichenheit in der Liga. Dass zum Beispiel – wie im vergangenen Jahr – die vier Besten der Hauptrunde gleich im Viertelfinale ausscheiden, ist derzeit in keiner anderen europäischen Liga (außer vielleicht in Frankreich) vorstellbar.

Übermächtige, auf die Euroleague-Spitze hin konzipierte Top-Klubs sorgen in den meisten Ligen dafür, dass sich die Spannung in den nationalen Playoffs zumindest in den ersten Runden in Grenzen hält. So stehen sich in Griechenland in diesem Jahr zum sechsten Mal in Folge Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus im Finale gegenüber. Bei einer solchen Überlegenheit kann auch kein Playoff-Modus für mehr Spannung sorgen – oder doch?

Intervention trotz Protestes des Branchenführers

1306958398/img_Maccabi.jpgIn Israel haben die kleineren Klubs so lange interveniert, bis die Liga – gegen den Protest von Maccabi Tel Aviv – mit einer Reform eingelenkt hat. Wohl wissend, dass der Serienmeister auf nationaler Ebene vielleicht einmal ein Spiel verliert, aber keine Serie, wird in Israel seit 2008 die Meisterschaft nach einem Playoff-Viertelfinale in einem Final4-Turnier in Tel Aviv entschieden.

Gleich im ersten Jahr brachte dies das gewünschte Ergebnis: Hapoel Holon bezwang Maccabi im Finale 73:72, zwei Jahre später erwischte Galil Elyon den Serienmeister im Finale auf dem falschen Fuß. Indes: Zu einem gesteigerten Interesse an der Endrunde hat die Reform nicht geführt.

“Best of three”, “best of five” oder gar “best of seven”…?

Abgesehen von Serbien, Kroatien und Slowenien, wo nach dem Abschluss der Adria-Liga nur verkürzte nationale Playoffs gespielt werden, ähnelt die Endrunde in den meisten Ländern vom Modus her der Beko BBL. In Spanien, Griechenland und Russland wird abweichend das Viertelfinale im Modus „best of three“ gespielt; in Italien, Polen und der Türkei heißt es im Finale „best of seven“. In Litauen wiederum gehen die Spiele des Viertel- und Halbfinales über maximal drei Begegnungen, im Finale dann werden maximal sieben Partien benötigt, um den Champion zu ermitteln. Jede Liga schneidet ihren Modus dabei letztlich auf die Kräfteverhältnisse innerhalb der Liga zu. Wenn im Viertelfinale ohnehin klare Favoritensiege zu erwarten sind, spricht nichts gegen ein „best of three“. Zeichnen sich von vornherein zwei Finalisten ab, dann zelebriert man dieses Finale eben im „best-of-seven“-Modus – um möglichst viel Playoff-Spektakel zu erzeugen.

Die Sonderregelung der türkischen Liga: Mit Bonus in die Finalserie

1306958442/img_tuerkei.jpgOb man die Variante „best of three“ oder „best of five“ wählt, ist dabei nicht unerheblich für den Ausgang einer Serie. Im Falle von „best of three“ hätte sich zum Beispiel in der Beko BBL in dieser Saison im Viertelfinale Braunschweig gegen die Artland Dragons durchgesetzt.

In der vergangenen Saison hätte Göttingen anstelle von Bremerhaven das Halbfinale erreicht. Unterschiedlich gehandhabt wird in einzelnen Ländern auch der Spielrhythmus, wobei der Modus 2-2-1 wegen wegfallender Reisen eine schnellere Spielfolge erlaubt als 1-1-1-1-1. Eine ungewöhnliche Sonderregelung, die die Resultate der Punktrunde einbezieht und aufwertet, hat sich in der Türkei etabliert: Wenn ein Team beide Spiele der Punktrunde gegen seinen Playoff-Konkurrenten gewonnen hat, startet es von vornherein mit 1:0 in die Serie.

Nach dem türkischen Modus würden die Brose Baskets somit in der Beko BBL mit 1:0 in die Finalserie starten. Das wäre sicher eine Belohnung für die souveräne Bamberger Punktrunde, ginge aber zulasten der Spannung. Nach dem Blick über den Tellerrand: Der Modus, den die hiesige Liga praktiziert, hat sich bewährt.

Playoff-Stand in anderen europäischen Ligen (Stand 31. Mai)

Spanien: Barcelona/Vitoria (2:0) – Real Madrid/Bilbao (1:1)
Griechenland: Olympiakos – Panathinaikos 0:2 (“best of five”)
Italien: Siena/Treviso (1:0) – Cantu/Mailand (1:0)
Türkei: Fenerbahce – Banvit/Galatasaray (1:2)
Russland: Kazan/Khimki (1:0) – ZSKA/Krasnodar (1:0)
Israel: Maccabi Tel Aviv – Galil Gilboa 91:64 (Finale)
Frankreich: Cholet – ASVEL/Nancy (1:1)
Polen: Asseco Gdynia – Turow Zgorzelec 4:3 (“best of seven”)
Serbien: Partizan Belgrad – Hemofarm Vrsac 0:0 (“best of five”)
Kroatien: Cedevita Zagreb – CO Zagreb 0:1 (“best of five”)
Slowenien: Krka Novo Mesto – Olimpija Ljubljana 0:0 (“best of five”)
Litauen: Zalgiris Kaunas – Rytas Vilnius 4:1 (“best of seven”)

Zur Person:
Horst Schneider

Geburtsdatum: 23.07.1953 in Berne (Wesermarsch).
Beruf: studierte in Göttingen zu den Hochzeiten von Wilbert Olinde Publizistik und Slawistik und lebt seit 1981 in Berlin, wo er als freier Journalist für diverse Zeitungen und Fachzeitschriften im In- und Ausland über den deutschen und europäischen Basketball schreibt.
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