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"Leidenschaftlich, turbulent und bewegt"

Eine historische Pleite, ungewöhnlich lange Niederlagenserien, Trainerwechsel, Spielerwechsel und am Ende doch Vize-Meister. ALBA BERLINs Saison war geprägt durch eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Geschäftsführer Marco Baldi blickt zurück auf eine bewegte Spielzeit.
1308979044/img_Marco_Baldi_ALBA_BERLIN_2.jpgHerr Baldi, nur wenige Tage ist Spiel fünf gegen Bamberg her. Was überwiegt: Enttäuschung über den knapp verpassten Titel oder Freude über den Gewinn der Vize-Meisterschaft?
Marco Baldi: „Ich habe ein sehr ambivalentes Gefühl. Nach einer sehr turbulenten Saison haben wir die Spielzeit noch zu einem guten Abschluss geführt. Damit meine ich insbesondere, dass wir mehr positive Zuschriften bekommen als nach einer gewonnenen Meisterschaft. Es sind viele Fans dazu gekommen, und es ist eine sehr tiefe Bindung zwischen Fans und Klub entstanden. Darüber können wir froh sein. Was das Resultat anbelangt, ist klar: Wenn man 90 Sekunden vor Schluss die Meisterschaft in den Händen hält und dann noch verliert, ist die Enttäuschung groß. Knapp vorbei, ist leider auch daneben.“

Ist Bamberg aus Ihrer Sicht verdient Deutscher Meister geworden?
Marco Baldi: „Ja! Der Heimvorteil im letzten Spiel war entscheidend. Den haben sich die Brose Baskets verdient, weil sie durch eine sehr starke Hauptrunde dafür gesorgt haben, dass sie dann dieses letzte Spiel zuhause bestreiten können.“

„Haben die Serien in maximalen Zügen genossen“

1308979152/img_Julius_Jenkins_ALBA_BERLIN.jpgALBA hat in den diesjährigen Playoffs gegen alle drei Gegner (Oldenburg, Frankfurt, Bamberg) die maximale Anzahl an fünf Spielen absolviert. Wie haben Sie die Playoffs erlebt?
Marco Baldi: „Ja, wir haben die Serien in maximalen Zügen genossen und alle Spiele gespielt, die möglich waren. Die Gegner waren sehr unterschiedlich. Oldenburg war ein exzellent besetztes Team, das ähnliche Schwierigkeiten hatte wie wir, weil sie während der Saison Veränderungen herbeigeführt haben. Insofern war das eine offene Serie zwischen zwei Teams, die ein sehr hohes Leistungsvermögen haben, aber es an der Konstanz etwas hapert. Dass wir die Serie für uns entscheiden konnten, war extrem wichtig und hat uns Härte für die kommende gegeben. Frankfurt wiederum war ein außergewöhnliches Team, eine starke Einheit, die massiv von einem Spieler gelebt hat, der aus meiner Sicht zu Recht zum MVP gewählt wurde. DaShaun Wood hat dem Spiel komplett seinen Stempel aufgedrückt und jeden Spieler um sich herum besser gemacht. Frankfurt hat aus seinen Möglichkeiten das Optimum herausgeholt. Sie haben uns in eine wirklich schwere Serie gezwungen, die wir am Ende ungewöhnlich durch drei Auswärtssiege für uns entscheiden konnten.“

Drei Auswärtssiege in einer Serie hat noch nie ein Team eingefahren...
Marco Baldi: „Das war schon eine charakterlich sehr herausfordernde Aufgabe. Das zeigt aber auch, aus welchem Holz unser Team in diesem Jahr geschnitzt war. Da gab es kein ‚Oh, jetzt wird es aber schwierig‘, kein Lamentieren oder ‚Oh, jetzt haben wir es verbockt‘, kein Zurückblicken, sondern wir haben immer die letzte Energie mobilisiert und das Beste daraus gemacht. Das hat uns letztlich bis in Spiel fünf um die Deutsche Meisterschaft getragen.“

„Die Zeiten der Dominanz sind vorbei“

1308979402/img_Marco_Baldi_ALBA_BERLIN_1.jpgALBA ist wie immer mit großen Vorschusslorbeeren und großen Ambitionen, mit dem Ziel Meister zu werden, in die Saison 2010/11 gestartet, musste dann aber einige unerwartete Niederlagen hinnehmen, zum Beispiel gegen Ulm, Tübingen oder Hagen. Und schließlich kam es zur Trennung von Luka Pavicevic ...
Marco Baldi: „Vorschusslorbeeren hin oder her: Um Meister in unserer Liga zu werden, muss alles passen. Eine einzige Verletzung kann alles zunichte machen. Es muss langsam mal ankommen, dass die Zeiten der Dominanz vorbei sind. Es gibt fünf bis sechs Klubs, die eine begründete Aussicht haben, ganz vorne zu landen, auch wenn das nicht jeder Klub ausdrücklich erklärt. Mit den Bayern wird jetzt noch ein Klub dazu kommen, und mindestens ein Überraschungsteam taucht auch jede Saison auf. Die Liga ist sehr ausgeglichen. Deshalb ist man gut beraten, eine gewisse Ruhe an den Tag zu legen und nicht nach jeder Niederlage gleich alles in Frage zu stellen. Das machen die Medien in Berlin ohnehin, da müssen wir nicht auch noch am Zeiger drehen. Am Ende ist es eine Frage der Überzeugung, ob man glaubt, mit seinem Setup das Optimum aus seinen Möglichkeiten herausholen zu können. Diese Überzeugung hat um den Jahreswechsel herum deutlich gelitten. Wir haben dann Maßnahmen ergriffen, um nicht irgendetwas zu Ende laufen zu lassen oder auf das Gute zu hoffen, sondern aktiv unserer Überzeugung zu folgen. Es wurden alle Anstrengungen unternommen und Energien gebündelt, um das Team noch in die richtige Richtung zu bringen.“

„Die Mischung macht’s“

1308979446/img_Yassin_Idbihi_ALBA_BERLIN.jpgAm 24. Januar stellte ALBA den neuen Coach Muli Katzurin vor, mit dem es fortan stetig bergauf ging. Als Außenstehender spürte man regelrecht den frischen Wind, den er ins Team brachte. Seine offensiv ausgerichtete Spielphilosophie wirkte auf Anhieb attraktiver auf die Zuschauer. Welche Philosophie favorisieren Sie persönlich: den strukturierten Stil von Pavicevic oder den mehr Freiraum lassenden Stil von Katzurin?
Marco Baldi: „Ich bin sicher, dass man ohne Spielstruktur im europäischen Basketball auf hohem Niveau nicht mithalten kann. Die Individualität der Spieler muss innerhalb einer Struktur wach bleiben, gefordert und gefördert werden. Die Mischung macht’s.“

Wenn Sie die Saison als Ganzes betrachten, welches Fazit ziehen Sie?
Marco Baldi: „ALBAs 21. Saison war eine der bewegtesten, wenn nicht gar die bewegteste und auch turbulenteste. Wir haben 68 Spiele bestritten. So viele wie kein deutsches Team jemals zuvor. Wir haben die meisten Zuschauer in ganz Basketball-Europa bei unseren Heimspielen gehabt und eine sehr erfreuliche Entwicklung, was die Leidenschaft und Identifikation unserer Fans mit ihrem Klub betrifft. Das hat richtig Freude gemacht, wie viel Kreativität und Unterstützung aufkam. Insgesamt war es eine extrem leidenschaftliche Spielzeit, die zwei Minuten früher hätte enden müssen.“

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