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"Mir ging es nie ums Geld" - der leise Abschied des Alexander Seggelke

Im Sommer beendete Alexander „Ali“ Seggelke, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, seine Profi-Karriere. Zuletzt stand der Shooting Guard bei den Artland Dragons unter Vertrag. Nach einer Bully-Tour quer durch Europa im Sommer hat er nun wieder den Kopf freibekommen ...
1318835927/img_Alexander_Seggelke_2.jpg... – für sein neues Leben als Student.

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Es war ein leiser Abschied. Alexander Seggelke, den alle Welt nur „Ali“ ruft, hängte im Sommer seine Stiefel im besten Basketballer-Alter von 31 Jahren an den Nagel. Vor acht Jahren gab er sein Erstliga-Debüt im Dress von Bayer Leverkusen, seit 2009 stand er bei den Artland Dragons unter Vertrag. Nun also das Karriere-Ende, das für viele überraschend kam. Auch für Seggelke selbst. „Ich hätte gerne in Quakenbrück weitergespielt. Der Verein hatte mir auch frühzeitig signalisiert, weiter mit mir zu planen. Insofern kam die Entscheidung für mich schon wie aus heiterem Himmel“, erzählt Seggelke. Letztendlich habe Coach Stefan Koch wohl einen anderen Spielertyp gesucht, „das war dann das Todesurteil für mich“.

Als öffentlich wurde, dass der ehemalige A2-Nationalspieler wieder auf dem Markt ist, häuften sich die Anfragen, auch von Beko BBL-Klubs. Doch Seggelke wurde schnell bewusst, wie es in seinem Leben weitergehen sollte. „Ich war noch nie ein Söldner, habe noch nie wegen des Geldes irgendwo angeheuert. Für ein weiteres Jahr bei einem anderen Verein zu spielen, hätte mich nicht mehr gereizt, und halbe Sachen mache ich nicht. Insofern habe ich für mich relativ schnell die Entscheidung getroffen, ganz mit dem Profi-Basketball aufzuhören.“ Eine Entscheidung ohne Wehmut übrigens. „Wenn ich spiele, dann bin ich mit Herzblut bei der Sache. So war es speziell in Quakenbrück, und so war es auch bei meinen Stationen davor. Ganz oder gar nicht eben.“

Neues Leben als Student in Bremen

1318836114/img_Alexander_Seggelke_1.jpg„Ali“ Seggelke entschied sich für „gar nicht“ und hat nun ein neues Leben, eins nach dem Profisport, begonnen. Als Student. In Bremen hat er sich für „Angewandte technische Biologie“ eingeschrieben. „Ich bin kein Verkäufer, kein Klinkenputzer. Und einfach BWL zu studieren, war mir dann auch zu blöde. Ich habe ein Faible für Naturwissenschaften: Renaturierung, Wasserqualität, das sind Dinge, die mich interessieren“, erzählt Seggelke, der zeit seiner aktiven Karriere sowieso nie im Verdacht stand, seine Freizeit nur an der Playstation zu verbringen.

Die Entscheidung für ein Studium in der Hansestadt Bremen war auch eine Entscheidung für sein privates Umfeld, denn Seggelke ist ein echtes Nordlicht, in Wedel geboren. „Freundin, Familie, Freundeskreis: Alle sind hier im Norden“, erklärt der Blondschopf seine Wahl. Der Wohlfühlfaktor muss stimmen bei Seggelke, im Privaten wie im Laufe seiner Karriere. „Wie ich eben schon sagte: Mit ging es nie ums Geld. Viel wichtiger war mir das Umfeld im Verein. Da war Quakenbrück, wo es familiär zugeht, schon optimal.“

Die Schattenseiten des Business kennen gelernt...

Alexander Seggelke war als Profi immer einer, der mit seiner Meinung nie hinter den Berg gehalten hat. Und einer, auf dessen Wort man sich verlassen kann. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, hat „Ali“ schmerzlich nach seinem zweiten Jahr bei den Giants in Leverkusen erfahren müssen. Sein Vertrag war 2005 ausgelaufen, per Handschlag einigte sich der Guard mit den Verantwortlichen auf eine Verlängerung des Kontrakts. „Da, wo ich herkomme, zählt so etwas noch“, erinnert er sich, und ein wenig Verbitterung klingt durch. „Als ich aus dem Urlaub wiederkam, war gerade die Ausländerbeschränkung gefallen. Plötzlich galt unsere mündliche Vereinbarung nicht mehr.“ Es war das erste Mal, dass Seggelke die Schattenseiten des Profi-Daseins am eigenen Leib erfahren musste.
„Damals habe ich mir gesagt: `Auf so `ne Nummer hast du keinen Bock´. Und habe wenig später in Jena unterschrieben.“

Vom „Spieler des Jahres“ zum wertvollen Rollenspieler

1318836131/img_Alexander_Seggelke_3.jpgBeim damaligen Zweitligisten verdiente Seggelke nicht annähernd das Geld, welches er in Leverkusen bekommen hatte, doch das war dem Querkopf egal. „Genau genommen habe ich in Jena quasi umsonst gespielt, weil mir der Verein eine Ausbildung als Mediengestalter in Aussicht gestellt hatte. Daraus wurde zwar nichts, aber ich habe mich in Jena einfach sauwohl gefühlt. Der Verein, die Stadt, die Fans: Alle haben mich, nach dieser negativen Erfahrung in Leverkusen, aufgefangen.“ Außerdem erwiesen sich die Thüringer als sehr kulant:

„Der Verein hat zweimal trotz laufenden Vertrages meine Bezüge angehoben, so etwas vergesse ich nicht.“ Trotz vieler anderer Angebote hielt Seggelke Jena die Treue – und führte sie 2007 in die 1. Liga. „Sportlich war das sicher mein bestes Jahr. Ich hatte viel Verantwortung, und ich wurde zum Spieler des Jahres in der 2. Liga gewählt.“

Anders als für Ali Seggelke sollte sich die Beletage als eine Nummer zu groß für die finanziell bescheiden aufgestellten Jenaer erweisen: Nur ein Jahr nach dem Aufstieg ging es zurück ins Unterhaus. Trotz des sportlichen Abstiegs blieb Seggelke, obwohl ihm - wieder einmal - andere Offerten vorlagen. Nach einer weiteren Saison mit Jena in der 2. Liga kam dann jedoch der Punkt, an dem es der Hamburger noch einmal wissen wollte: Er nahm ein Angebot von Erstligist Artland Dragons an. Als bissiger Verteidiger und als derjenige, der den (US-) Stars Verschnaufpausen verschafft, wandelte sich „Ali“ vom absoluten Leistungsträger in Jena zum nicht minder wichtigen Rollenspieler für die Dragons.

Doch Seggelke als „Kettenhund“ und Distanzspezialist, dieses Bild ist passé. Um Abstand vom Profi-Dasein zu bekommen und seinen nicht geplanten Abschied aus der Beko BBL zu verarbeiten, setzte sich „Ali“ im Sommer in seinen Bully und fuhr los. Nach Italien, nach Frankreich, nach Dänemark. Insgesamt 15.000 Kilometer riss der Hamburger in dieser Zeit ab. Lange genug war er unterwegs, um den Kopf wieder frei zu bekommen. Für sein neues Leben...

Zur Person:
Name: Alexander „Ali“ Seggelke
Geburtsdatum: 02.11.1979
Geburtsort: Hamburg
Größe: 1,94 Meter
Position: Shooting Guard / Small Forward
Stationen (von neu nach alt): Artland Dragons, Science City Jena, Bayer Giants Leverkusen, Rhöndorfer TV, SC Rist Wedel

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