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"Viel Herz und bemerkenswerte Offensive" - Stephan Baeck in seiner Kolumne

Bamberg und Ulm gefolgt von Berlin und Artland, so sieht die Spitzengruppe der Beko BBL aus. Über Bamberg, Ulm und Berlin, die sich derrzeit eindrucksvoll in BBL und Eurocup präsentieren, haben wir schon oft gesprochen.
1324454133/img_Stephan_Baeck.jpgDie Artland Dragons haben am letzten Spieltag ihre Visitenkarte beim Nordrivalen aus Oldenburg abgegeben. Wer ein solches Derby derart dominieren kann, der zählt zu recht zum engsten Kreis der diesjährigen Titelfavoriten - den Platz dem man eigentlich den Oldenburgern vorbehalten hatte.

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Artland spielt eine bemerkenswert gute Offensive, mit viel Herz und Mut, aber auch mit einem David Holston, der sein Team sehr gut führt.

Dem Pointguard gelingt es immer wieder in entscheidenden Situationen mit großer Leichtigkeit den Weg zum Korb zu finden oder selber aus der Distanz zu punkten. Das schafft Freiräume für die Mitspieler, die das auch zu nutzen wissen.

Auch die Centerspieler unterm Korb mit Anthony King, Darren Fenn und Guido Grünheid lesen das Spiel sehr gut und spielen oft mit Auge und Extrapass für den freien Kollegen, das verschafft einfache Körbe und damit eine hochprozentige Trefferquote.

Mit Brandon Thomas hat man einen weiteren hochtalentierten Spieler gefunden, der die Beko BBL bereits kennt und immer in der Lage ist in kürzester Zeit eine Menge Punkte aufzulegen.

Die momentane Spielqualität ist umso höher anzusiedeln, da den Artländern mit Brian Bailey der eigentliche Motor und das Herz der Mannschaft verletzungsbedingt fehlen. Gerade in der Verteidigung fehlt der pfeilschnelle Guard.

Aus diesem Grund ist das zurzeit auch die einzige Schwachstelle im Spiel der Artländer. Die Verteidigung ist eigentlich der Schlüssel, um auf konstant hohem Niveau erfolgreichen Basketball zu spielen.

Dies ist auch der Grund, warum Oldenburg den hohen Erwartungen hinterherhinkt. Von vielen Experten als einer der Topfavoriten gesehen, ist man momentan eher im Kampf um einen der letzten Playoff-Plätze verstrickt. Die Mannschaft ist auf allen Positionen hochkarätig besetzt, schafft es aber nicht ansatzweise die nötige Einstellung und Aggressivität in der Verteidigung aufzubauen.

Einzig die nimmermüden Rickey Paulding und Ronnie Burrell machen den Eindruck, dass es ihnen etwas ausmacht, wenn sie vom Gegenspieler geschlagen werden. Gerade von der Aufbauposition kommt hier zu wenig Energie. Bobby Brown ist ein exzellenter Scorer, aber in der Verteidigung ist er eigentlich gar nicht anwesend. Er, aber auch alle anderen Starter nehmen sich in der Verteidigung ihre Pausen, um die notwendige Kraft und Energie für die Offensive zu haben.

Das ist eine sehr gefährliche Situation und muss dringend gelöst werden, wenn die Baskets ihre Ambitionen nicht schon früh in der Saison begraben wollen. Gelingt dies, wird das Oldenburger Spiel auch schnell wieder erfolgreich werden - auch gegen starke Gegner.

Im Tabellenkeller gelang den Fraport Skyliners mit dem Sieg über Braunschweig ein Lebenszeichen zur rechten Zeit. Aber sie müssen nun konsequent nachlegen und diesen Erfolg nicht zu einer Alltagsfliege werden lassen, sonst kommen sie aus dem Tabellenkeller nicht heraus.

Das nächste Spiel gegen Göttingen wird richtungsweisend werden. Die BG hat mit dem neuen Coach Michael Meeks erst einmal die Weichen gestellt und das hat der Mannschaft einen Schub gegeben - auch wenn es gegen Ulm letztendlich nicht gereicht hat. Aber das ist der richtige Weg und den müssen die Göttinger nun mit viel Geduld gehen.

Kommen wir zum Allstar Game. Die Fans haben ihre Startformationen gewählt und ich freue mich auf ein tolles Spiel mit dem Reiz des Vergleichs National gegen International. Ich hoffe, wir sehen ein begeisterndes und spannendes Spiel.

Ich finde die Fans haben auf den ersten Blick eine gute Wahl getroffen, nun sind die Coaches gefragt, die Kader qualitativ und gleichmäßig aufzufüllen.

Mehr als ein Bamberger hätte es schon verdient in diesem Spiel dabei zu sein. Steffen Hamann ist auch ein Spieler, der es - wie viele andere Spieler, die noch nicht nominiert worden sind - absolut verdient hätte, dabei zu sein. Er ist nach wie vor einer der besten deutschen Playmaker, auch wenn er natürlich eine große Mitschuld an den knappen Niederlagen der Bayern trägt.

Ich hoffe, dass wir Spieler und Nationalspieler von allen Teams der Beko BBL sehen werden, die es als große Ehre und Bestätigung sehen in diesem Spiel dabei zu sein und das mit viel Spaß auch auf dem Spielfeld zeigen.

Es ist in erster Linie ein Spiel für Zuschauer und Fans, die es verdienen gut unterhalten zu werden, sowie ein Spiel für die Spieler selbst.

In diesem Sinne, NEXXT!

Stephan Baeck

Stephan Baeck, 46, erzielte in 133 Länderspielen 1210 Punkte für Deutschland und wurde 1993 in einem dramatischen Finale gegen Russland Europameister. Der Shooting Guard holte zudem drei Meistertitel mit Bayer 04 Leverkusen, zwei mit dem BSC Saturn Köln und einen mit ALBA Berlin. Mit den "Albatrossen" gewann er 1995 zudem den Korac-Cup. Von 2000 bis 2009 arbeitete Stephan Baeck als Geschäftsführer, Sportdirektor und Head Coach für das Kölner Bundesliga-Team und führte es zu drei Pokalsiegen und zum Meistertitel 2006.
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