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4,6 Sekunden für diesen einen Moment

4,6 Sekunden für diesen einen Moment

Es gibt Momente in einem Leben, die vergisst man nicht: Der erste Kuss, die erste Freundin, das erste Auto, … Gleiches gilt für einen Sportler, der beispielsweise seinen ersten Titel gewonnen oder einen entscheidenden Wurf zum Sieg getroffen hat. Diese einzigartigen und ...
image_1297156732119.jpeg... bedeutenden Sequenzen bleiben im Gedächtnis haften – sowohl beim Protagonisten selbst als auch beim Betrachter.

Wir erinnern in unserer Reihe „Das Spiel meines Lebens“ an unvergessliche und emotionale Momente. Diesmal blicken wir zurück auf den 27. April 2003. An diesem Tag machte Mithat Demirel ALBA BERLIN zum Pokalsieger.

Was fällt Ihnen zu Mithat Demirel ein? Nun gut, Demirel ist seit dieser Saison der neue Team-Manager von ALBA BERLIN. Aber jetzt mal ehrlich:

Auch heute noch hat jeder Basketballfreund in Deutschland Mithat Demirel nicht im Anzug, sondern im ALBA-Trikot mit der Nummer 10 vor Augen. Wie er innerhalb von 4,6 Sekunden „Coast to Coast“ geht, um die Berliner am 27. April 2003 zum Pokalsieger zu machen.

Wer das nicht live in der Max-Schmeling-Halle oder zumindest im Fernsehen verfolgen konnte, hat zumindest eine Aufzeichnung dieser legendären Szene irgendwann schon einmal gesehen. Eine Szene, die ein an sich schon höchst sehenswertes Pokalfinale mit einem historischen Highlight krönte.

Nach kapitalem Fehlstart ist der Kleinste der Größte

image_1297156706848.jpeg2:21 hatten die Berliner nach einem kapitalen Fehlstart gegen die von C.C. Harrison (am Ende 20 Punkte) angeführten Kölner zurückgelegen, hatten sich im zweiten und dritten Viertel dank 18 Punkten von Vladimir Petrovic zurückgekämpft und waren durch je 15 Zähler von DeJuan Collins und Mithat Demirel sogar 64:55 in Führung gegangen. Doch die „Albatrosse“ hatten die Rechnung ohne Kölns Spielmacher Sasa Obradovic (24 Punkte) gemacht:

Der Serbe war in der Schlussphase nicht unter Kontrolle zu bringen und hatte fast im Alleingang für den Ausgleich (80:80) gesorgt. Gerade einmal 4,6 Sekunden blieben den Berlinern jetzt noch für den letzten Angriff. Mithat Demirel, damals 24 Jahre jung, genügten diese 4,6 Sekunden, um aus der eigenen Hälfte mit dem Ball dribbelnd bis zum gegnerischen Korb zu flitzen, mit einem Unterhandkorbleger den Siegtreffer zum 82:80 zu markieren und Basketball-Geschichte zu schreiben. Der Kleinste war an diesem Tag der Größte.



Mithat Demirel, war dieser letzte Spielzug damals von Trainer Emir Mutapcic genau so angesagt? Hatten Sie das in irgendeiner Form im Training schon einmal durchgespielt?
Mithat Demirel: „Trainiert nicht, aber wenn am Ende nur noch so wenig Zeit auf der Uhr ist, versucht man schon, möglichst dem schnellsten Spieler im Team den Ball zu geben. Deshalb war schon die Ansage, dass ich den Ball bekommen sollte. Aber ich hatte nicht explizit den Auftrag, ‚Coast to Coast’ zu gehen. Es war ja noch genügend Zeit, um verschiedene Sachen zu machen. Diese Aufstellungen beim Einwurf von der Grundlinie und dass der Aufbauspieler versucht, sich auf Höhe der Freiwurflinie irgendwie freizulaufen, kann man nicht wirklich trainieren. Man weiß ja nie, was die gegnerische Verteidigung macht. Insofern muss man solch eine Situation spontan lösen.“

image_1297156746119.jpegHaben Sie auf dem langen Weg bis zum gegnerischen Korb überhaupt gesehen, an wem Sie da alles vorbeigestürmt sind?
Mithat Demirel: „Gleich beim Einwurf musste ich C.C. Harrison, einem meiner Lieblings-Gegenspieler überhaupt, entwischen. Ich wusste genau, dass er versuchen würde, mich irgendwie festzuhalten und dass ich mich erst noch irgendwie losreißen musste. Dann erinnere ich mich, wie ich Gerrit Terdenge an der Mittellinie kurz gesehen habe. Da habe ich realisiert, dass er die Seitenlinie nicht so gut zugemacht hat. Ich weiß nicht, ob ich es sonst noch geschafft hätte, aus vollem Lauf in die Mitte zu kommen. Bei Stephen Arigbabu war ich mir ziemlich sicher, dass er auf den Pass spekuliert. Vladi Bogojevic habe ich dann gar nicht mehr wahrgenommen, da habe ich nur noch den Korb gesehen.“

Und das alles in 4,6 Sekunden ...?
Mithat Demirel: „Ja, dazu muss man erwähnen, dass ich natürlich auch einen exakten Pass bekommen habe. Einem Spieler, der bereits in vollem Lauf ist, so genau anzuspielen, ist nicht einfach. Dass ich den Ball so gut bekommen habe, war schon die Voraussetzung, dass das überhaupt klappen konnte.“

Belohnung für eine dramatische Saison

Das gesamte Pokalfinale war ja schon vorher an Dramatik kaum zu überbieten. Hat das gewissermaßen die Sinne geschärft für die letzte Aktion?
Mithat Demirel: „Nicht nur dieses Pokalfinale, die gesamte Saison war dramatisch. Die Spielzeit wurde von Anfang an von vielen Verletzungen überschattet. Jörg Lütcke fehlte mit seinem Kreuzbandriss, Marko Pesic hatte sich die Hand gebrochen. Und dann lagen wir zu Hause im Pokalfinale schon mit 20 Punkten zurück. Wenn ein Team sich dann trotzdem noch einmal so zurückkämpft, will man sich das natürlich nicht mehr nehmen lassen. Das schärft schon die Konzentration. Man möchte sich ja auch für die ganzen Strapazen belohnen. Gerade in jener Saison hat die Mannschaft wegen der vielen Rückschläge einen unglaublichen Willen entwickelt. Ich erinnere mich, dass wir noch viele andere Spiele im letzten Viertel zu unseren Gunsten gedreht haben.“

image_1297156761321.jpegDie Partie wurde damals im DSF übertragen und war nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa zu sehen. Entsprechend oft wurden Sie sicher später auf diese Szene angesprochen…?
Mithat Demirel: „Ja, das war natürlich eine tolle Sache, dass mein Korb ein so großes Echo auch im Ausland gefunden hat. Solche Szenen helfen mit, die Bundesliga populärer zu machen. Irgendwann lief die Sequenz auch mal im Rahmen eines Werbetrailers im Kino. Da haben mich dann tatsächlich auch Leute darauf angesprochen, die noch nie ein Basketballspiel gesehen hatten.“

Ist es nicht irgendwann lästig, immer wieder auf diese Sekunden angesprochen zu werden?
Mithat Demirel: „Überhaupt nicht. Das ist ein schöner Augenblick, an den man gerne zurückdenkt. Es passiert ja nicht allzu häufig, dass man in einem entscheidenden Spiel überhaupt in so eine Situation kommt. Und wenn das ein so positives Ende nimmt, ist das natürlich doppelt schön.“

Manch junger Basketballer träumt möglicherweise davon, irgendwann auch so im Rampenlicht zu stehen wie Sie damals. Ihr Ratschlag?
Mithat Demirel: „Solch ein Highlight entsteht nur sehr selten durch Zufall. Seit 1996 hatte ich unter Emir Mutapcic, erst beim TuS Lichterfelde, später bei ALBA, trainiert. Eine solche Szene war nur durch das jahrelange, mit vielen unangenehmen Sachen verbundene Training möglich. Ich glaube, vielen ist gar nicht bewusst, wie viel Arbeit man investieren muss, um überhaupt in die Situation zu kommen, so etwas machen zu können.“
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