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Chuck Eidson -

Chuck Eidson - "Small Town Guy"

Das zehnte Final Four der Euroleague (das insgesamt 24., wenn man die davor unter der Regie der FIBA seit 1988 durchgeführten Europaliga-Finalturniere mitrechnet) bildete am Wochenende in Barcelona den Höhepunkt der Europapokalsaison 2010/2011.
1304932666/img_CE2.jpgWer aus Deutschland zu diesem Turnier angereist war, konnte sich dort über das Wiedersehen mit gleich drei ehemaligen Bundesligaspielern freuen, die inzwischen tragende Rollen bei europäischen Topclubs spielen.

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Real Madrid trat in Barcelona mit dem früheren Oldenburger Center D’Or Fischer (2006/07) an, Montepaschi Siena mit dem Ex-Bonner Rimantas Kaukenas (2003/04) und Maccabi Tel Aviv mit Chuck Eidson, der von 2004 bis 2006 seine europäische Karriere mit Gießen – an der Seite von Louis Campbell, Anton Gavel und Heiko Schaffartzik - in der Bundesliga so spektakulär begann, dass er 2005 sogar zum MVP der Liga gekürt wurde.

Eidson kann sich Rückkehr vorstellen

„Ich ahnte zwar damals schon, dass die Bundesliga für mich nicht das Ende der Fahnenstange sein wird, aber die familiäre Atmosphäre in Gießen hat mir die Eingewöhnung in Europa sehr erleichtert“, bekommt der heute 30-jährige Chuck Eidson immer noch glänzende Augen, wenn er an seine erste Station in Europa denkt: „Ich bin doch ein Small Town Guy und habe mich dementsprechend in Gießen sehr wohl gefühlt. Tel Aviv ist mir eigentlich schon zu groß.“ Er geht sogar soweit zu sagen, dass er sich eine Rückkehr nach Gießen vorstellen kann - nicht sofort, aber: „Später einmal, wenn ich älter bin, warum nicht?.“

Von Gießen aus kletterte der US-Forward, der mit seiner Vielseitigkeit und Athletik die Positionen eins bis vier bekleiden kann, die Karriereleiter immer höher. 2006/07 spielte er in Frankreich erfolgreich für Strasbourg. Von 2007 bis 2009 sammelte er mit Lietuvos Rytas die ersten Titel, gewann die baltische Liga und den Eurocup, wo er auch zum MVP der Saison 2008/2009 gekürt wurde. Dann kam das Angebot aus Tel Aviv, dass so attraktiv war, dass selbst der „Kleinstadt-Mensch“ Eidson nicht „nein“ sagen konnte.

Starkes Wochenende in Wochenende in Barcelona

1304932715/img_CE3.jpgDer Gewinn der Euroleague wäre die nächste Stufe gewesen und Chuck Eidson tat einiges, um den Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Mit einer Galavorstellung (19 Punkte, 8 Rebounds und 6 Steals) führte er Maccabi gegen Real Madrid ins Finale, wo dann aber doch kein Weg an Panathinaikos und dem tags zuvor zum besten Spieler der Saison und am Sonntag auch zum besten Spieler des Finales gekürten Dimitris Diamantidis vorbei führte. Die 17 Zähler, die Eidson für Maccabi erzielte, genügten nicht, um die 70:78-Niederlage zu verhindern.

Eidson trauerte nach dem Spiel der verpassten Chance nach und bedauerte, dass Doron Perkins nicht mitspielen konnte. Zusammen mit dem US-Guard, der übrigens auch schon einmal in der Bundesliga Station gemacht hat (2006/07 mit Oldenburg), bildete Eidson in dieser Saison die Speerspitze der Pressverteidigung, mit der Maccabi in dieser Saison die Euroleague überraschte, die aber seit Perkins’ Kreuzbandriss im März spürbar stumpfer geworden ist.

ZSKA Moskau fehlt beim Final Four

Für Panathinaikos war der Triumph von Barcelona der vierte Euroleague-Titel in den letzten zehn Jahren. Dreimal gewann Maccabi, zweimal der FC Barcelona und einmal ZSKA Moskau. Überraschungen sind rar geworden in der europäischen Topliga, an deren Spitze sich eine fest umrissene Elite von Ausnahmeclubs etabliert hat, die mit durchweg achtstelligen Budgets ausgestattet sind. Gerade mal 13 verschiedene Clubs schafften in den letzten zehn Jahren den Sprung ins Final Four.

Dass ZSKA Moskau, zuletzt achtmal in Folge beim Final Four vertreten, in dieser Saison nicht dabei war, weil sein „größter Fan“, der schillernde Multimilliardär Michail Prochorow, in den New Jersey Nets nun ein neues, noch bunteres Spielzeug gefunden hat, wirft dabei ein Schlaglicht darauf, dass die meisten dieser Topclubs – vielleicht mit Ausnahme von Maccabi – bei ihren Euroleague-Abenteuern Geld ausgeben, das nicht mit Basketball, sondern anderswo verdient wird.

SPORT1+ in Deutschland am Ball

1304935288/img_CE1.jpgEuroleague-Commissioner Jordi Bertomeu ist das natürlich ein Dorn im Auge. Aber wie soll er das – gerade in Zeiten, in denen speziell die Länder, in denen die Euroleague ihren Schwerpunkt hat, unter der Wirtschaftskrise leiden, ändern? Bertomeu setzt nach wie vor große Hoffnungen darauf, die starken Märkte Mittel- und Nordeuropas zu erobern, wobei sich aber vor allem der deutsche Markt als schwierig erweist. Deutschland zählte auch in diesem Jahr wieder zu den wenigen Ländern in Europa, in denen das Final Four nicht live, sondern zeitversetzt auf SPORT1+ übertragen wurde.

Größeren Widerhall würde das Final Four hierzulande sicher finden, wenn deutsche Clubs dort auch mitspielen, aber zu sportlichen Erfolgen kann Bertomeu den deutschen Vertretern in der Euroleague nun ja auch nicht verhelfen – die müssen sie schon selber bewerkstelligen. Die TOP16-Teilnahmen von GHP Bamberg 2006 und ALBA BERLIN 2009 waren schon einmal ein Anfang, aber dass beide dort schon kein Spiel mehr gewannen, verdeutlicht, wie weit selbst die besten deutschen Clubs noch vom Final Four entfernt sind.

Qualifikationsrunde in neuem Format

Trotzdem: In der kommenden Saison gilt es für den neuen (oder alten) deutschen Meister, den nächsten Schritt nach vorne zu machen. Das Teilnehmerfeld ist mit den 14 über eine A-Lizenz verfügenden Teilnehmern (Real, Barcelona, Vitoria und Malaga aus Spanien, Panathinaikos und Olympiakos aus Griechenland, Siena und Rom aus Italien, Fenerbahce und Efes aus der Türkei sowie Maccabi Tel Aviv, ZSKA Moskau, Zalgiris Kaunas und Asseco Prokom Gdynia) schon fest umrissen. Hinzu kommt Unics Kazan als Eurocup-Gewinner (C-Lizenz) sowie sieben Teams mit einer B-Lizenz, die gemäß dem 2009 definierten Länder-Ranking vergeben werden, unter anderem an den deutschen Meister.

Die letzten beiden Teilnehmer (ebenfalls B-Lizenz) werden wieder in einer Qualifikationsrunde ermittelt, deren Plätze ebenfalls nach dem Länder-Ranking vergeben werden. Dass Deutschland in diesem Ranking hinter Serbien, Kroatien und Slowenien und vor Polen nur auf Platz 11 rangiert, eröffnet dabei kaum Chancen auf einen deutschen Teilnehmer in dieser Quali-Runde, die künftig in einem nicht mehr so zeitaufwendigen Format (zwei dreitägige Turniere mit je acht Teams) durchgeführt werden soll.

Denkbar ist allenfalls eine Wild Card für eines dieser Turniere, für die es aber auch handfeste Argumente geben muss. Bei ALBA BERLIN war das in der letzten Saison z. B. das Erreichen des Eurocup-Finales und der hohe Zuschauerschnitt, bei den französischen Clubs war es ein für die Euroleague höchst attraktiver TV-Vertrag mit Canal+. Nach Ablauf der Saison 2011/12 wird das Länder-Ranking der Euroleague übrigens auf der Basis der in Euroleague und Eurocup erzielten Resultate modifiziert. Ein gutes Abschneiden deutscher Clubs in der kommenden Saison könnte dazu führen, dass die Beko BBL im Ranking aufsteigt und damit für folgende Jahre einen sicheren Startplatz in der Euroleague-Qualifikation erhält.

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