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Der "Basketball-Professor" und sein Know-How

30. und letzter Hauptrunden-Spieltag der Basketball Bundesliga-Saison 2004/2005 am 1. Mai 2005. Ort: Die Bonner Hardtberghalle. Mit einer 84:101-Niederlage verabschiedet sich der TSK Würzburg nach sieben Jahren aus dem Oberhaus – und muss am nächsten Tag Insolvenz anmelden.
1308564928/img_Wolfgang_Malisch_s.Oliver_Baskets.jpgJetzt kehrt die Unterfranken-Metropole Würzburg mit den s.Oliver Baskets zurück in die Beletage des deutschen Basketballs. Damals als verantwortlicher Manager, heute in beratender Funktion an allen Entwicklungen entscheidend beteiligt: Professor Dr. Wolfgang Malisch.

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Wird in deutschen Basketball-Kreisen respektvoll über den “Professor” gesprochen, weiß jeder sofort wer gemeint ist: Wolfgang Malisch, mittlerweile 68 Jahre alt, seit 1980 Professor für Anorganische Chemie an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität. Zum Basketball kam er in den 80er-Jahren durch Zufall: Einige seiner Studenten spielten bei der DJK Würzburg – damals übrigens trainiert vom heutigen Bamberger Manager Wolfgang Heyder – in der 2. Liga Basketball und hatten die Aufgabe, Eintrittskarten in ihrem Bekanntenkreis zu verkaufen. Wolfgang Malisch schaute sich ein paar Spiele an – und war vom Basketball-Virus infiziert.

Garrett, Greene und Nowitzki

“Weil es keiner machen wollte”, so der Professor heute, wurde er erst von einem Tag auf den anderen Abteilungsleiter der DJK-Basketball-Abteilung, später Manager des Würzburger Zweitligisten, der es gut zehn Jahre später erst mit den Frauen und dann mit den Männern bis in die Bundesliga schaffen sollte. Von den ersten Bundesliga-Jahren mit den Würzburger Eigengewächsen und späteren Nationalspielern Robert Garrett und Demond Greene schwärmen die Würzburger Basketball-Fans noch heute.

Zu den “jungen Wilden” der DJK s.Oliver Würzburg in der 2. Liga Süd und – wegen eines Lockouts in der NBA – bis Weihnachten 1998 in der 1. Liga gehörte übrigens auch ein gewisser Dirk Nowitzki. Nicht zu vergessen der Nigerianer Olumide Oyedeji, seines Zeichens “MVP” des ALLSTAR Games im Jahr 2000, der 1998 im Alter von 17 Jahren nach Würzburg kam und es später immerhin auf 97 Spiele in der NBA brachte.

Als BBL-Vize viele Einsichten bekommen

Den Job als Manager eines Basketball-Proficlubs hat der “Basketball-Professor” von der Pike auf gelernt: Verhandlungen mit Spielern und Agenten, Sponsorengespräche, Aufbau und Leitung einer professionellen Sport-Organisation bis hin zum Nachwuchsbereich, den die DJK Würzburg damals in Süddeutschland dominierte, darin hat der 68-Jährige über 20 Jahre lang Know-How, Erfahrung und viele Kontakte gesammelt.

Sechs Jahre lang, von 1998 bis 2004, war der passionierte Gitarrenspieler auch Vizepräsident der BBL: “Dadurch habe ich sehr viele neue Einsichten in die Basketball-Szene bekommen, das hat mir in dem Geschäft sehr geholfen. Außerdem konnte ich viele Bekanntschaften schließen und ein Netzwerk knüpfen, das heute noch existiert”, so Malisch.

„So ziemlich alles schon erlebt“

1308565047/img_Tim_Burnette_s.Oliver_Baskets.jpgNach dem Ende der “X-Rays” wurde es einige Jahre ruhig um den Spitzenbasketball in Würzburg. Aber als die heutigen Geschäftsführer Jochen Bähr und Klaus Heuberger 2007 die “Würzburg Baskets” aus der Taufe hoben und zunächst in der Regionalliga Südost an den Start gingen, da war Wolfgang Malisch von Anfang an mit dabei.

“Er stand uns mit seinem Rat immer zur Seite, wenn wir ihn gebraucht haben”, betont Bähr: “Am Anfang hat er uns mit seinen Kontakten den Weg zur Kooperation mit dem SC Heuchelhof geebnet. Dadurch konnten wir gleich in der Regionalliga starten. In den letzten vier Jahren hat Wolfgang Malisch uns bei allen Fragen immer die entscheidenden Tipps gegeben.”

Malisch: “Der Neuanfang in der Regionalliga machte Sinn. Mit dem von früher vorhandenen Know-How erschien mir die 2. Liga in Würzburg organisatorisch als machbar. Es zeigte sich, dass nach wie vor eine brauchbare Basis vorhanden war, die geschlummert hat.” erinnert sich der Professor. “Fanclub und Mitarbeiter für die Organisation ließen sich auf Anhieb reaktivieren. Und mit meiner Erfahrung konnte ich Klaus Heuberger und Jochen Bähr in vielen Bereichen auch im Detail unterstützen. Schließlich habe ich in diesem Geschäft so ziemlich alles schon mehrfach erlebt.”

Von Anfang an professionell gearbeitet

Als die Baskets 2007 starteten, da wollten sie den Würzburger Fans möglichst bald wieder Profi-Basketball präsentieren und mittelfristig die ProA erreichen. Dass der Club jetzt nach nur vier Jahren bereit ist, die hohen Anforderungen der Beko BBL zu erfüllen, führt Malisch vor allem darauf zurück, dass die neuen Macher sich überzeugen ließen, vom Start weg alles möglichst professionell und mit einem hohen Standard zu organisieren: “Dabei hat uns das frühere Know-How aus der Beko BBL als Orientierung gedient.”

Die Halle mit über 3.000 Plätzen war vorhanden, schon in der Regionalliga gab es eine VIP-Lounge. Der Enthusiasmus der Baskets-Verantwortlichen sorgte schnell für wichtige Ergänzungen wie Parkett, moderne Werbebanden und eine große Video-Leinwand. Mit ihrer Spieler-Präsentation brauchten sich die Würzburger schon in der ProA vor keinem Erstligisten zu verstecken. Letztlich aber, betont Wolfgang Malisch, “liegt die Wahrheit nur auf dem Spielfeld. Wenn du ein paar Spiele verlierst, dann ist das ganze Drumherum sehr schnell zweitrangig. Damit will ich sagen: Das Sportliche ist das A und O.”

Die Baskets wollen Würzburg wieder in der Beko BBL etablieren

1308565161/img_Ivan_Elliott_s.Oliver_Baskets.jpgFür Malisch entscheidend für den schnellen Aufstieg der s.Oliver Baskets in die Beko Basketball Bundesliga und gleichzeitig der größte Unterschied zu den Zeiten der X-Rays: Die ungleich größere Bereitschaft von Firmen aus der Region Würzburg, sich im Sportsponsoring zu engagieren, allen voran s.Oliver und Knauf. “Im Profi-Basketball braucht man zwei große Sponsoren, einen für den Namen und einen für's Trikot, sonst wird es schwer”, weiß der Basketball-Professor.

Die Ziele der s.Oliver Baskets sind klar: “Im ersten Jahr kann es nur um den Klassenerhalt gehen. Dafür haben wir mit John Patrick als Headcoach und Sportdirektor den idealen Mann verpflichtet. Er hat schon bewiesen, dass er auch für mehr gut ist. Mittelfristig wollen wir den Basketball-Standort Würzburg wieder in der Beko BBL etablieren”, so Malisch: “Was hier in den letzten Jahren erreicht wurde, ist für die Stadt eine großartige Sache. Alle zwei Wochen kommen 3.000 Fans, darunter viele Familien, und haben wieder ihren Spaß beim Basketball.” Und sie haben die s.Oliver-Arena wieder zu einer Festung gemacht: 25 Heimspiele in Folge haben die s.Oliver Baskets gewonnen, die letzte Niederlage vor eigenem Publikum datiert vom 6. Dezember 2009.

Inzwischen ist der Professor als offizieller Berater und Kontaktmann zur Liga voll ins Management der s.Oliver Baskets integriert. Aus dem Tagesgeschäft wird sich Wolfgang Malisch aber heraushalten: “Das muss die nächste Generation machen. Viel wichtiger ist mir, das vorhandene Know-How und meine Erfahrungen an Jochen und Klaus weiterzugeben und ihnen bei der Liga und den Beko BBL-Vereinen die Türen zu öffnen.”

Zur Person:
Wolfgang Malisch wurde am 6. Juni 1943 in Oberschlesien geboren und wuchs ab 1949 in Waldbüttelbrunn bei Würzburg auf. Nach Chemie-Studium, Promotion und Habilitation wurde er 1980 zum Professor der Chemie an der Universität Würzburg ernannt. Ab 1987 war Malisch Abteilungsleiter und Basketball-Manager der DJK Würzburg, die er bei Frauen und Männern in die Basketball-Bundesliga führte. Für seine Verdienste, auch als Vizepräsident der BBL, erhielt er 2001 die Carl-Diem-Medaille der Stadt Würzburg und 2004 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Neben seiner Tätigkeit an der Uni Würzburg und im Management der s.Oliver Baskets leitet Wolfgang Malisch mit Partnern seit 2006 eine Firma für industrielle Auftragsforschung und führt regelmäßig an Universitäten im asiatischen Raum Vorträge und Forschungsseminare durch.
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