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Der Berliner

Der Berliner "Schatten"

Er ist der Berliner „Schatten“ und „mittendrin statt nur dabei“: Thomas Pletzinger, Schriftsteller („Bestattung eines Hundes“), begleitet den achtmaligen Deutschen Meister ALBA BERLIN seit August vergangenen Jahres – meist „unsichtbar“, aber zunehmend emotionaler und ...
1307516044/img_TP1.jpg... subjektiver. Für sein Werk „Gentlemen, wir leben am Abgrund“ (erscheint am 24. November 2011 bei Kiepenheuer & Witsch), ein Buch über die turbulente Berliner Basketball-Saison 2010/2011, sammelt er Geschichten und Eindrücke rund um ALBA BERLIN.

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Wie Pletzinger die „Albatrosse“ erlebt, welche Momente ihm besonders in Erinnerung geblieben sind und wie sein Verhältnis zu den Spielern ist, verrät er in folgendem Exklusiv-Interview.

Herr Pletzinger, wie geht es Ihnen?
Thomas Pletzinger: „Mir geht es sehr gut, danke der Nachfrage. Ich bin mit den Nerven vollkommen herunter, habe eine dünne Haut und bin aufgekratzt. Wenn ich ehrlich bin: Genau das habe ich mir von den Playoffs erhofft.“

Wie haben Sie das erste Finalspiel und die 76:90-Niederlage von ALBA BERLIN erlebt?
Thomas Pletzinger: „Zunächst einmal hatte ich das Gefühl, drei Tage lang wach gewesen zu sein. Kaum hatten wir die Frankfurtserie gewonnen, waren wir auch schon wieder in Bamberg. Die Zeit reichte gerade mal zum Trikotwaschen und Teetrinken in Berlin, für vernünftige Vorbereitung blieb sehr wenig Zeit. Ich begleite das Team seit Beginn der Playoffs ja permanent – beim Training, in der Kabine beim Spiel, bei den Besprechungen und natürlich in all den Bussen und Flugzeugen. Und obwohl ich eigentlich nur Beobachter bin, schafft mich ein solches Spiel dann natürlich komplett.“

„Erlebe mit Wonne den Verlust der journalistischen Objektivität“

1307516379/img_TP5.jpgEin Autor, ein Schriftsteller, der sich als Fan outet…
Thomas Pletzinger: „Zunächst habe ich nur beobachtet. Aber ich hatte darauf gehofft, dass ich immer näher an das zu beobachtende Objekt heranrücken würde. Es ist grandios zu erleben, wie ein solcher Distanzverlust vonstatten geht, dass man seine journalistische Objektivität mit Wonne verlieren kann. Ich rege mich auf, ich schreie herum, ich habe stressinduzierte Rückenschmerzen, mir fehlt Schlaf, ich jubele mich heiser. All das ist sehr subjektiv, aber zugleich extrem interessant – weil es mir ermöglicht, von meiner Euphorie und meiner Liebe für das Spiel zu erzählen.“

Dann schildern Sie doch bitte mal, wie die Stimmung nach der Niederlage war und wie Sie sich gefühlt haben.
Thomas Pletzinger: „Ich habe erstmal zwei kurze Minuten erschöpft in dieser winzigen und unfassbar verlotterten Gästekabine in Bamberg gesessen. Das war Saisonspiel 64, aber die Spieler haben Eis auf die Gelenke gepackt und vom nächsten Spiel geredet. ’Jetzt geht der Spaß erst richtig los’ hat einer gesagt. Nach den zwei Minuten ist mir dann aufgefallen, dass lediglich das erste Spiel verloren wurde – mitnichten aber die Serie. Man konnte da jede Menge Zuversicht und Willen in den Augen sehen. Und tatsächlich Freude auf Spiel zwei. Wenn man die Mannschaft so lange begleitet, dann geht das wohl auch nicht anders: Man passt sich der Zuversicht an.“

„Basketball ist meine Sportart – eine Sportart, die mich umtreibt“

1307516153/img_TP4.jpgAls Sie sich dazu entschlossen hatten, ein Buch über ALBA BERLIN zu schreiben, konnten Sie nicht ahnen, dass der Klub Ihnen so viel „Stoff“ liefern würde. Für einen Schriftsteller muss diese ALBA-Saison doch ein Traum sein angesichts der zahlreichen bewegenden, emotionalen und aufregenden Momente, die Ihnen die „Albatrosse“ bislang beschert haben…
Thomas Pletzinger: „In der Tat gib es unheimlich viele herausragende Momente, Tiefpunkte und Euphorie. Da wäre die Katastrophen-Rückreise von unserem Eurocupspiel in Italien (Die Mannschaft war zu Gast in Caserta und wurde auf dem Heimweg von einem Wintereinbruch in Deutschland überrascht – was eine außerplanmäßige Übernachtung in Bamberg zur Folge hatte, Anm. d. Red.). Die Niederlage von Bamberg. Der Abschied von Luka Pavicevic. Eine Halbzeitansprache von Derrick Allen in einer miserablen Partie gegen die Telekom Baskets Bonn. Spiel fünf gegen Oldenburg. Die drei Auswärtssiege in Frankfurt. Die Rückkehr nach Bamberg. Der Showdown jetzt. Das ist jede Menge ganz tolles Material für mein Buch.“

Wie entstand die Idee, ein Buch über ALBA zu schreiben?
Thomas Pletzinger: „Basketball ist meine Sportart – eine Sportart, die mich umtreibt. Ich bin davon überzeugt, dass Basketball gut erzählt werden kann. Also habe ich meinem Lektor bei Kiepenheuer & Witsch vorgeschlagen, ein Buch über Basketball zu schreiben. Da ich in Berlin lebe und über einen gemeinsamen Freund Henning Harnisch kennengelernt habe, lag es nah, über ALBA BERLIN zu schreiben.“

„Spieler sollen mich als Bereicherung wahrnehmen“

1307516165/img_TP6.jpgWie lief denn der erste Kontakt mit den Verantwortlichen des Klubs ab? Und wie ging es dann weiter?
Thomas Pletzinger: „Zunächst einmal habe ich Henning Harnisch, Mithat Demirel (Sportdirektor, Anm. d. Red.) und Marco Baldi (Geschäftsführer, Anm. d. Red.) das Projekt vorgestellt. Nachdem sie der Meinung waren, dass das passt, habe ich den damaligen Coach Luka Pavicevic kennengelernt. Wir haben viel miteinander geredet, schließlich war es seine Mannschaft. Dass sich die Situation später ändern würde, war zu dem Zeitpunkt ja nicht erkennbar. Luka ist ein Leser und ein sehr beredeter Mann, auch ihm gefiel die Idee. Zum Team bin ich dann schon im Trainingslager in Kranjska Gora gestoßen. Von Beginn an habe ich versucht, mich anzupassen und unsichtbar zu sein. Die Spieler sollten mich nicht als Störfaktor wahrnehmen, sondern vielleicht sogar als Bereicherung. In zehn Monaten gewöhnt man sich aneinander.“

„Ich werde einen sehr heißen Sommer haben“

1307516181/img_TP2.jpgSie werden den Klub bis zum Ende der Finalserie begleiten – wie geht es danach weiter?
Thomas Pletzinger: „Ich habe einen sehr harten Sommer vor mir, das Schreiben geht jetzt erst richtig los. Ich muss aus all den Notizen, Fotos, Geschichten und Materialien das Buch komponieren. Am 24. November liegt ‚Gentlemen, wir leben am Abgrund’ dann in den Buchläden.“

Zur Person:
Thomas Pletzinger wurde 1975 geboren und wuchs in der Basketballstadt Hagen auf. Er lebt mit seiner Familie in Berlin, wo er als Schriftsteller und Übersetzer arbeitet. Zudem ist er Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Pletzinger erhielt diverse Preise und Stipendien, zuletzt wurde sein Roman „Bestattung eines Hundes“ mit dem NRW-Förderpreis für junge Künstler 2010 ausgezeichnet. „Gentlemen, wir leben am Abgrund“, sein Sachbuch über die Welt des Profibasketballs, erscheint am 24. November 2011 bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de), hat die ISBN-Nummer 978-3-462-04369-3 und kostet 14,99 Euro.

image_1288779294890.pngWeitere Informationen unter www.thomaspletzinger.de

Fotos: Juliane Henrich

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