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Der scheidende Bundestrainer im Interview

Der scheidende Bundestrainer im Interview

Nach dem Zwischenrunden-Aus bei der EM ist die Ära von Bundestrainer Dirk Bauermann nach acht Jahren zu Ende - nicht endgültig, glaubt er. Doch zumindest in den nächsten Jahren geht es ohne den charismatischen 53-Jährigen weiter, der sich ab Mittwoch auf den ...
1315912538/img_Dirk_Bauermann_Deutschland_EM_2011_2.jpg... Beko BBL-Aufsteiger FC Bayern beschränkt.

image_1288779294890.pngBeko BBL-Umfrage: Mitmachen und gewinnen.

Die EM in Litauen sei sowohl für ihn als auch für Dirk Nowitzki ein würdiger Abschied gewesen - auch wenn ein Sieg gegen die Gastgeber natürlich der würdigere gewesen wäre.

Im SPORT1-Interview wehrt sich Dirk Bauermann gegen den Eindruck, er habe die Erwartungshaltung an den ausgelaugten NBA-Champion Nowitzki erhöht. Und er kann sich trotz aller Prügel vorstellen, dass er Dirkules ein Comeback empfiehlt.

Herr Bauermann, Sie sind früher als erhofft zurück in München. An welche Momente der EM denken Sie dennoch gerne zurück?
Dirk Bauermann: "An einige: die Siege gegen Italien und die Türkei. Und natürlich an die Atmosphäre beim K.o.-Spiel gegen die Litauer."

Ein großes Spiel vor über 11.000 Zuschauern in der grünen "Hölle" von Vilnius. War das ein würdiger Abschied für Sie und Dirk Nowitzki?
Dirk Bauermann: "Absolut. Es war ein würdiger Abschied, auch wenn ein Sieg für uns beide der würdigere gewesen wäre, das hätten wir uns verdient gehabt. Wir hatten auf eine erfolgreichere EM gehofft, aber vielleicht ging das unter diesen Bedingungen nicht."

Hätten Sie im Nachhinein einige Dinge anders gemacht?
Dirk Bauermann: "Ein Trainer trifft seine Entscheidungen zu dem Zeitpunkt, an dem er sie trifft, im besten Wissen und Gewissen. Jede Entscheidung war eine gut begründete. Ob sie auch die richtige war - da ist man, wenn man vom Rathaus kommt, immer klüger. Aber da sehe ich eigentlich keine."

"Er hätte es viel nötiger gehabt am Strand zu liegen"

Wäre es klüger gewesen, die Erwartungen an Nowitzki nicht noch hochzutreiben? Seine Selbstgeißelung nach dem Litauen-Spiel verdeutlicht doch, dass er sich Unmenschliches aufgebürdet hat.
Dirk Bauermann: "Dirk besitzt doch ein großes Maß an Unabhängigkeit. Den wahren Druck machen sich die erfolgreichen Sportler selbst. Natürlich hat er sich viel vorgenommen. Aber ich war doch im Gegenteil der, der gesagt hat: Freunde, übertreibt es nicht! Er kann nicht die Form der NBA-Playoffs haben. Ich habe diesen Druck nicht erhöht, sondern versucht von ihm zu nehmen."

1315912585/img_Dirk_Bauermann_Deutschland_EM_2011_1.jpgEine gewisse Tragik hat es aber, dass er nach seinem vielleicht letzten Turnier für Deutschland vor allem von sich selbst so enttäuscht ist.
Dirk Bauermann: "Tragisch sind andere Dinge. Es war eine logische Konsequenz seiner unzureichenden Pause. Er hätte es viel nötiger gehabt am Strand zu liegen, als sich, ohne angemessen geschützt zu werden, verprügeln zu lassen. Seine eigentliche Größe liegt darin, dass er sich bereit erklärt hat, sich dem auszusetzen."

Kann man angesichts dieser Prügel guten Gewissens versuchen, ihn davon zu überzeugen, 2013 oder 2015 noch mal für Deutschland zu spielen?
Dirk Bauermann: "Es hat ihn glaube ich keiner gedrängt. Natürlich haben wir uns alle unglaublich über seine Entscheidung gefreut. Die war sicher sehr wichtig. Aber andere setzen sich dem auch aus. Und es war ja nicht das erste Mal, dass er sich dem aussetzen musste. Wenn er in einer besseren Verfassung ist, kann er sich auch ganz anders wehren. Wenn er sich, 2015 beispielsweise, körperlich und mental darauf vorbereiten kann, gibt es keinen Grund, ihm nicht dazu zu raten."

Die Zukunft von Chris Kaman im DBB-Team ist ungewiss

Werden auch Sie, ohne Bundestrainer zu sein, dann mit ihm sprechen?
Dirk Bauermann: "Wir werden sicher in regelmäßigem Kontakt sein. Ob das dann ein Thema zwischen uns sein wird, muss man abwarten. Aber natürlich ist es denkbar, dass ich eine entsprechende Empfehlung geben werde, wenn er mich darum bittet."

Herr Bauermann, neben Ihnen und Dirk Nowitzki droht das Nationalteam auch NBA-Center Chris Kaman zu verlieren. Ist es akzeptabel, dass er nicht spielen will, solange Nowitzki nicht dabei ist?
Dirk Bauermann: "Man kann ihn nicht zwingen, aber mit ihm reden. Man muss alles versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten. Er ist der Top-Rebounder der EM, hat einige gute Spiele gemacht - was sicher auch daran lag, dass er ausgeruht hergekommen ist. Aber ehrlich gesagt müssen sich dem Thema andere widmen."

Haben Sie denn Hoffnung, dass Kaman sich überzeugen lässt?
Dirk Bauermann: "Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass Chris ein guter Junge ist, der ein großes Herz hat und sich mit der Nationalmannschaft sehr identifiziert. Er mag seine Mitspieler sehr und umgekehrt, weil er sich toll integriert hat und für Stimmung sorgt. Er hatte viel Spaß und daher kann ich mir vorstellen, dass es sich für ihn lohnt, wieder dabei zu sein."

1315912654/img_Dirk_Bauermann_Deutschland_EM_2011_3.jpgNach acht Jahren bleiben als größte Erfolge der Ära Bauermann die Silbermedaille bei der EM 2005 und die erfolgreiche Olympia-Quali für Peking in Erinnerung. Was macht Sie außerdem stolz?
Dirk Bauermann: "Auch der fünfte Platz 2007, bei einer sehr schwierigen EM. Ganz abgesehen von Platzierungen ist aber der Aufbau einer neuen Generation zu nennen mit Robin Benzing, Tibor Pleiß, Philipp Schwethelm, Lucca Staiger und Elias Harris, der ja in Litauen nicht dabei sein konnte, sowie Per Günther. Nachdem 2008 der große Abgesang kam, gab es dafür in Europa viel Anerkennung. Das Nachhaltigste sind aber die vielen strukturellen, konzeptionellen Veränderungen bei der Jugendarbeit - in den Verbänden und den Vereinen. Wir haben bei der Einstellung zur Förderung deutscher Talente viel bewegt, was sich auch bei den diesjährigen Platzierungen der U 16, U 18 und U 20 bei den Europameisterschaften niederschlägt. Da haben wir große Schritte in die richtige Richtung gemacht."

"Frank Menz ist ein hervorragender Mann"

In Europa gab es Anerkennung, in Deutschland aber auch immer wieder Kritik. Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Arbeit hierzulande nicht genügend wertgeschätzt wurde?
Dirk Bauermann: "Kritik gehört dazu. Ich glaube, die Erfolge sprechen für sich. Ich kann sehr zufrieden sein mit dem, was wir geleistet haben. Ich glaube, das sehen die Allermeisten so."

Sie verabschieden sich mit dem neunten Platz bei der EM. Wie lange wird es dauern, bis Deutschland ohne die beiden NBA-Stars wieder in den Top 10 ist?
Dirk Bauermann: "Schwer zu sagen, der europäische Basketball ist unglaublich stark, mehr als zwei Dutzend NBA-Spieler waren bei der EM. Unsere Jungen sind noch nicht so weit. Erst mal gilt es jetzt, sich für die EM 2013 zu qualifizieren, und da hat Deutschland hoffentlich mehr Setz- und Losglück als dieses Jahr."

Auf jeden Fall hat Deutschland dann einen neuen Bundestrainer. Der Deutsche Handball-Bund hat nach dem Ende der Ära Heiner Brand Martin Heuberger ob seiner Erfolge mit den Junioren den Posten gegeben. Analog dazu wäre doch der U-20-Coach Frank Menz die logische Wahl.
Dirk Bauermann: "Frank ist ein hervorragender Mann, der viel gelernt hat und auch mit uns bei der EM 2009 dabei war. Er kennt das System, er kennt die Spieler, die jetzt nachkommen, und würde die Konzeption weitertragen. Daher ist er sicher ein logischer Kandidat. Ob er mein Nachfolger wird, entscheiden aber andere."

Quelle: SPORT1
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