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Israel: klein, flink und gefährlich von außen

Israel: klein, flink und gefährlich von außen

Nach mehrwöchiger Vorbereitung geht es am Mittwoch (20.00 Uhr MEZ, live auf SPORT1) in Siauliai endlich los. Im ersten Spiel der Vorrundengruppe B wartet dabei auf das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann ein Gegner, dessen Erfolgskurve in den vergangenen ...
1314719212/img_Lior_Eliyahu.jpg... Jahren kontinuierlich nach unten wies: sieben, neun, elf und 13 lauten die israelischen EM-Platzierungen seit 2003.

image_1288779294890.pngTeam Germany berichtet live von der EM.

Allein der Einzug in die Zwischenrunde würde diesen negativen Trend stoppen, aber ohne ihren NBA-Star Omri Casspi (der Forward der Cleveland Cavaliers zog sich im Trainingslager eine Knieverletzung zu) tritt Israel in Siauliai als Außenseiter an, dem nur wenige Experten eine Chance einräumen, über den fünften Vorrundenplatz hinauszukommen.

Fehlende Länge wird kompensiert durch Schnelligkeit

Diese Außenseiterrolle hat aber auch ihren Charme – speziell im Auftaktspiel, für das sich das Team von Trainer Arik Shivek zudem mit einem 89:79-Sieg über Russland im letzten Testspiel zusätzliches Selbstvertrauen geholt hat. Mit einer bescheidenen Verteidigungsleistung taten die Russen dabei genau das, was man gegen Israel nicht machen darf: Sie ließen Yotam Halperin (13 Punkte), den gefährlichen Dreierschützen Guy Pnini (17) und Power Forward Lior Eliyahu (27) „heißlaufen“.

10/24 Dreier und 21 Assists verdeutlichen, was passiert, wenn man den Israelis erlaubt, ihr Spiel zu spielen. Unter den Körben auf dem Papier hoffnungslos unterlegen, sammelten die Israelis trotzdem mehr Offensivrebounds, setzten die Russen mit aggressiver Pressverteidigung unter Druck und fanden über die daraus resultierenden Ballgewinne zu ihren Schnellangriffen. Mit der kleinsten Mannschaft der EM (nur Center Yaniv Green misst mehr als 2,05 Meter) wird Isreal gegen Deutschland (mit im Schnitt 2,04 Meter das größte Team der EM) ohne Frage die gleiche Marschroute einschlagen.

Variabler Backcourt als größter Trumpf

1314719237/img_David_Blu.jpgIm Backcourt kann Trainer Arik Shivek mit gleich vier unterschiedlichen Spielmachern und dem auch über sehr gute Spielmacherqualitäten verfügenden Combo Guard Yotam Halperin aus dem vollen Schöpfen.

Es stehen regelmäßig zwei, mitunter sogar drei Aufbauspieler auf dem Parkett, die mit überraschenden Pässen dafür sorgen, dass Israels kleine Innenspieler ihren größeren Gegnern unter dem Korb (und auch an der Dreierlinie) oft einen Schritt voraus sind.

Meister Maccabi in jeder Hinsicht der Primus

Meister Maccabi stellt fünf Nationalspieler, der „ewige Zweite“ Hapoel Jerusalem drei. Vier Auswahlspieler sind in der Saison 2011/2012 im Ausland unter Vertrag. Das spiegelt in etwa das Kräfteverhältnis in der israelischen Liga wider.

Obwohl diese nur zehn Klubs umfasst, ist es in dem kleinen Land (nur 7,6 Millionen Einwohner) mitunter schwer, überhaupt genug Klubs zu finden, die in ihren teilweise extrem kleinen Spielstätten das offizielle Mindestbudget (umgerechnet ca. eine Million Euro) aufbringen. An der Spitze thront unterdessen der Europaligist Maccabi Tel Aviv mit einem Budget, das so hoch ist wie das der anderen neun Klubs zusammen.

„Verschnupfter“ Seriensieger startet in der Adria-Liga

1314719260/img_Guy_Pnini.jpgWohl wissend, dass dieser übermächtige Verein in einer Playoff-Serie praktisch unschlagbar ist, wird der israelische Meister seit 2005 in einem Final-Four-Turnier ausgespielt.

Nachdem dieser dem Zufall Tür und Tor öffnende Modus Maccabi 2010 jedoch schon zum zweiten Mal den Titel gekostet hat, fordert der Serienmeister aber jetzt die Rückkehr zum Playoff-Modus und deutet der Liga-Konkurrenz schon einmal an, dass man nicht auf sie angewiesen ist: In der kommenden Saison startet Maccabi zusätzlich in der Adria-Liga.

Feldquoten-Regelung hat sich nicht bewährt

Die israelische „Super League“ wird stark von amerikanischen Spielern geprägt, obwohl jedes Team nur vier Ausländer pro Spiel einsetzen darf. Diese strenge Quote wird aber von vielen Klubs mit eingebürgerten Spielern umgangen, zumal die vor fünf Jahren nach russischem Vorbild eingeführte Feldquote (stets zwei Israelis auf dem Feld) sich nicht bewährt hat und zur neuen Saison wieder abgeschafft worden ist.

Für Maccabi ändert sich unter den neuen Regeln nichts: Der Überflieger ist mit derzeit fünf Nationalspielern und acht Ausländern unter Vertrag für den Kampf auf drei Hochzeiten (Europaliga, Adria-Liga und nationale Liga) gerüstet.

1314719280/img_Tal_Burstein.jpgIsraels EM-Aufgebot im Stenogramm

Guards
Gal Mekel (23 Jahre, 190 cm, Treviso/ITA)
Yotam Halperin (27, 196, St. Petersburg/RUS)
Afik Nissim (30, 180, ohne Verein, zuletzt Nymburk/CZE)
Yogev Ohayon (24, 190, Maccabi)
Yuval Naimi (26, 185, Jerusalem)

Forwards
Guy Pnini (28, 200, Maccabi)
Tal Burstein (31, 198, Maccabi)
David Blu (31, 201, Maccabi)
Elishay Kadir (23, 203, Jerusalem)

Center
Lior Eliyahu (26, 203, Maccabi)
Yaniv Green (31, 206, Teramo/ITA)
Uri Kokia (30, 202, Jerusalem)

Headcoach: Arik Shivek (55, Mons/BEL, erste EM)

Israel: „Geladen mit Talent und Verstand“

Aus Siauliai berichtet Michael Spandern (SPORT1)

Der Star fällt aus, der Druck fällt ab - auch wenn Deutschlands EM-Auftaktgegner Israel den ohnehin nicht verspürt haben will. „Wir sind schon immer der Underdog gewesen, und das wird sich auch nie ändern“, meint Kapitän Tal Burstein, dessen Nation bis auf EM-Silber 1979 ohne internationale Basketball-Medaille ist.

Doch er schickt gleich eine Warnung an den mit Dirk Nowitzki und Chris Kaman gerade unter den Körben schier übermächtigen Gegner hinterher: „Ich ziehe es vor, als Außenseiter zu kommen und als Sieger zu gehen.“

Planänderungen wegen Katzurins Tipps

Schließlich seien die Israelis, die mit Shooting Guard Burstein, den Forwards Lior Eliyahu, Guy Pnini und David Blu auf einen Block vom Abomeister Maccabi Tel Aviv setzen „geladen mit Talent, Können und Verstand“.

Und zudem haben sie einen Spion in der Beko BBL: Muli Katzurin, der 2010 mangels Einfluss als Israels Sportlicher Leiter kündigte, um bei ALBA Berlin anzuheuern, und inzwischen die Fraport Skyliners aus Frankfurt betreut.

Katzurin habe mit dem Scout und einem Assistenztrainer gesprochen, verriet Headcoach Arik Shivek. „Muli weiß viel über die deutschen Spieler, und dank seiner Informationen haben wir einige Änderungen an unseren Plänen vorgenommen."

„Deutschland ist nicht nur Nowitzki“

Einen verblüffenden Plan gegen Nowitzki hat Shivek aber unabhängig davon gefasst. Nur in den letzten Minuten soll Dirkules sich zwei Bewachern gegenüber sehen.

„Deutschland ist nicht nur Nowitzki, sie sind mit oder ohne Nowitzki und Kaman ein exzellentes Team“, lobt der Trainer.

Und schließlich sei die Taktik der späten Double-Teams auch beim 89:79-Testspielsieg gegen Russland und den ehemaligen NBA-All-Star Andrei Kirilenko aufgegangen.

„Kirilenko hat 29 Punkte erzielt, aber am Ende haben wir ihn zu zwei Ballverlusten verleitet. Wir wissen, dass in der Schlussphase alle Bälle zu Nowitzki gehen - besonders, wenn wir - so Gott will - in Führung liegen.“

Schwachstelle in der Mitte

Israels Angriff dürfte hingegen recht unberechenbar sein, nachdem der einzige NBA-Profi Omri Casspi (Cleveland Cavaliers) nach einer Knieverletzung in der Vorbereitung erlittenen Knieverletzung nicht fit wurde.

Small Forward Casspi hatte die Israelis mit durchschnittlich 16,9 Punkten pro Partie in der EM-Quali angeführt, doch gerade auf den Außenpositionen sind viele gefährliche Alternativen im Kader.

Schlechter sieht es dagegen in der Mitte aus: „Yaniv Green ist ihr einziger Center“, hat auch Bauermann eine Schwachstelle ausgemacht. Und auch der Italien-Legionär misst nur 2,06 Meter.
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