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Italien: Mit Fastbreaks zurück an Europas Spitze

Italien: Mit Fastbreaks zurück an Europas Spitze

Deutschlands zweiter Vorrundengegner bei der EM am Donnerstag (1. September, 20 Uhr MEZ, live auf SPORT1) hat einen beispiellosen Absturz hinter sich: Bis ins letzte Jahrzehnt eine feste Größe im kontinentalen Basketball (Europameister 1983 und 1999) und 2004 noch ...
1314808080/img_Italien_EM_2011.jpg... stolzer Silbermedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen von Athen, verpasste Italien 2005 und 2007 das EM-Viertelfinale und qualifizierte sich 2009 überhaupt nicht mehr für die Europameisterschaft.

image_1288779294890.pngTeam Germany berichtet live von der EM.

Auch die aktuelle EM würde ohne die Italiener stattfinden, wenn die FIBA nicht die Aufstockung auf 24 Teilnehmer beschlossen hätte und damit nachträglich den schon ausgeschiedenen „Azzurri“ noch zum EM-Ticket verholfen hätte.

Großes Offensivpotenzial der drei NBA-Stars

Aber Totgesagte leben länger: Die Italiener, die schon in der Vorbereitung mit starken Auftritten aufhorchen ließen, unterstrichen im mit 68:80 verlorenen Auftaktspiel gegen Serbien, dass sie unter ihrem neuen Trainer Simone Pianigiani das Zeug haben, bei dieser EM ein spektakuläres Comeback zu feiern.

Einzig eine katastrophale und für dieses Team untypische Dreierquote von nur 12 Prozent (2/17) brachte die Italiener um ihre Siegchance. Das Spiel gegen die Serben zeigte dabei deutlich Stärken und Schwächen der Italiener auf.

1314808096/img_Italien_EM_2011_1.jpgOhne klassischen Aufbauspieler – sowohl die schnellen Guards Daniel Hackett und Antonio Maestranzi als auch Kapitän Marco Mordente sind auf dieser Position eher Notlösungen – tut sich die italienische Offensive im Halbfeldangriff schwer.

Umso gefährlicher blühen die Italiener aber auf, sobald die drei NBA-Akteure Marko Belinelli (ein „streaky Shooter“, der gegen Serbien allerdings mit 2/12 einen schwarzen Tag hatte), Danilo Gallinari (der vielseitigste und talentierteste Spieler im Team markierte 15 Zähler) sowie Center Andrea Bargnani (der Topscorer der Toronto Raptors machte 22 Punkte) ihr Fastbreakspiel in Gang bekommen.

Abgerundet durch den athletischen Power Forward Stefano Mancinelli hat der starke italienische Frontcourt aber ein großes Handicap: Auf der Bank gibt es kaum Alternativen zum Trio Gallinari, Mancinelli und Bargnani. Wie lange die daher vergleichsweise lange auf dem Parkett stehenden Stars diese lange EM durchhalten, könnte daher mit zunehmender Turnierdauer für das Abschneiden der Italiener entscheidend werden.

Auch die italienische Liga wieder im Aufwind

1314808169/img_Simone_Pianigiani_Italien_EM2011.jpgIn den Neunzigern noch die führende Liga in Europa, hat die italienische Lega Basket in den letzten Jahren diese Spitzenposition verloren.

Nicht nur in der einstigen „Basket City“ Bologna haben sich wichtige Geldgeber zurückgezogen, auch in Treviso dreht Benetton den Geldhahn von Jahr zu Jahr mehr zu, womit die Liga drei europäische Topclubs weniger hat.

Einzig Montepaschi Siena, dessen Headcoach Simone Pianigiani 2009 nach dem Verpassen der EM auch den Posten des Nationaltrainers übernommen hat, versteht es, sich in der europäischen Spitze zu halten.

Trotzdem bleibt die italienische Liga eine der für Zuschauer (ca. 4.000 im Schnitt) und Spieler attraktivsten europäischen Ligen: In der folgenden Saison werden nicht weniger als 32 EM-Akteure in der Serie A zu Hause sein und dafür sorgen, dass in einer sehr ausgeglichenen Liga auch in der kommenden Saison (fast) jeder jeden schlagen kann.

Wie hoch das Spielniveau selbst bei weiter unten platzierten Clubs ist, mussten in der letzten Saison auch Bundesligisten erkennen. Den Brose Baskets wurden in der Euroleague zwei Niederlagen gegen Virtus Rom, das in Italien nicht einmal die Playoffs erreichte, zum Verhängnis und die BG Göttingen scheiterte im Eurocup-Viertelfinale an Benetton Treviso.

1314808109/img_Italien_EM_2011_2.jpgZur neuen Saison könnte die italienische Liga auch an der Spitze wieder etwas spannender werden, denn Armani Mailand bläst mit spektakulären Verstärkungen zum Angriff. Auch die alte Basketballhochburg Cantu hat ihren Kader angesichts der Euroleague-Teilnahme und des Umzugs in eine neue Arena verstärkt.

Die Rückkehr des zuletzt nur im Pay-TV übertragenen Basketballs zum Staatssender RAI und damit ins Free-TV nährt bei den italienischen Fans zusätzlich die Hoffnung, dass es auch mit ihrer Liga künftig wieder aufwärts geht.

Italiens EM-Aufgebot im Stenogramm

Guards
Daniel Hackett (23, 200, Pesaro), Marco Belinelli (25, 196, New Orleans/NBA), Antonio Maestranzi (27, 178, Rom), Marco Mordente (32, 192, ohne Verein, zuletzt Mailand), Andrea Cinciarini (25, 190, Cantu).

Forwards
Stefano Mancinelli (28, 203, Mailand), Danilo Gallinari (23, 205, Denver/NBA), Marco Carraretto (33, 198, Siena), Luigi Datome (23, 202, Rom)

Center
Andrea Bargnani (25, 209, Toronto/NBA), Marco Cusin (26, 210, Pesaro), Andrea Renzi (22, 208, ohne Verein, zuletzt Verona)

Headcoach: Simone Pianigiani (42, Siena, erste EM)

Der Squadra fehlt ein Macho

Aus Siauliai berichtet Michael Spandern (SPORT1)

1314808136/img_Italien_EM_2011_3.jpgNach vier Jahren feiert die Squadra Azzurra ihr Comeback auf der großen Bühne. Seit Joe Herber den Italienern bei der EM 2007 mit 15 Punkten den Einzug ins Viertelfinale verbaute und stattdessen Deutschland sich die Türe zu Olympia offenhielt und später durchschritt, verpassten die Korbjäger vom „Stiefel“ auch die EM 2009 und die WM 2010.

Der tragische Held von 2007, Marco Belinello, der sich den linken Knöchel verstauchte und Herbers Großtaten daher nicht stoppen konnte, bekommt am Donnerstag (ab 19.30 Uhr im Live-Ticker und live im TV auf SPORT1) die Chance zur Revanche.

Bei den Hornets als Starter gesetzt

Mittlerweile hat sich der etatmäßige Shooting Guard, der aber im Nationalteam mangels hochkarätiger Alternativen auch mal den Spielmacher gibt, bei den New Orleans Hornets zum Starter gemausert und in der Saison 2010/2011 erstmals einen zweistelligen Punktedurchschnitt (10,4) abgeliefert.

Damit nicht genug: Erstmals hat er die anderen beiden italienischen NBA-Stars an seiner Seite: den ehemaligen Nummer-1-Draftpick Andrea Bargnani sowie Danilo Gallinari, der 2007 wegen Rückenproblemen kurz vor der EM absagen musste.

Kaum Zeit, sich einzuspielen

Dirk Nowitzki weiß, welch gefährliche Schützen die Drei sind: „Die können abdrücken, sobald sie die Mittellinie überquert haben.“

Ob aber drei wurffreudige Stars, von denen einer (Bargnani) als nomineller Center auch innen gebraucht würde, harmonieren, steht trotz des Siegs beim Akropolis-Turnier in den Sternen.

Zumal die Zeit, sich einzuspielen, für das Team von Trainer Simone Pianigiani noch knapper war als bei den Deutschen: Erst hatte der Verband Schwierigkeiten, den „Magier“ Bargnani zu versichern. Dann fehlte mal Belinelli mit Kniebeschwerden, mal Gallinari mit einer Zehenverletzung.

Keiner wie Schultze

1314808153/img_Marco_Mordente_Italien_EM2011.jpgLetzterer, der auf den Kampfnamen „Hähnchen“ hört, ist dennoch großer Hoffnungsträger beim Olympia-Zweiten von 2004.

Der Small Forward, im Carmelo-Anthony-Deal im Februar von New York nach Denver getauscht, reboundete vergangene Saison stark wie nie (4,9 pro Partie).

Sich in die Zone der Schmerzen zu begeben, ist ansonsten nicht der Italiener Ding. Ein Haudegen wie Sven Schultze, der von 2005 bis 2007 bei Armani Mailand spielte, fehlt ihnen.

Ellbogenschlag von der Blindside

Just von diesem Klub kommt nun der Mann, der Dirk Nowitzki bändigen soll: Stefano Mancinelli, der aufgrund der Verletzung von Backup Angelo Gigli fast konkurrenzlos auf der Position Vier ist.

Und der technisch versierte Forward hat tatsächlich etwas auf dem Kerbholz: 2009 knockte Mancinelli in einem Freundschaftsspiel den Kanadier Aaron Doornekamp mit einem Ellbogenschlag an den Kopf aus.

Als kampfeslustiger Macho taugt er deswegen aber noch lange nicht: Der Hieb kam von Doornekamps blickabgewandter Seite, abseits des Balls - und beim anschließenden Handgemenge überließ er den Mitspielern seine Verteidigung.

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