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John Bryant: Vom „Late Night Snacker“ zum Dominator unter den Brettern

John Bryant: Vom „Late Night Snacker“ zum Dominator unter den Brettern

ratiopharm ulm ist die vielleicht größte Überraschung der aktuellen Beko BBL-Saison. Einer der Hauptgründe ist John Bryant. Der Center, der einst 175 Kilogramm wog, gehört erneut zu den effektivsten Spielern der Liga. Es gab nicht viele, die 2005 in John Bryant einen ...
1322477110/img_John_Bryant_ratiopharm_ulm_1.jpg... künftigen professionellen Basketballspieler gesehen haben. Genau genommen: niemand, noch nicht einmal John Bryant selbst.

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Der 2,11 Meter große Center kam damals mit einem offiziellen Gewicht von 375 Pfund an die Santa Clara University, wo er in den nächsten vier Jahren spielen und studieren sollte.

„Oh, ich denke, es waren eher 385 Pfund“, erinnert sich der 24-Jährige. Heute kann er darüber lächeln, denn im Trikot von ratiopharm ulm gehört er jetzt schon im zweiten Jahr zu den besten Centerspielern der Beko BBL. Damals dauerte es zwei Jahre, bis er seinem anfänglichen Gewicht von rund 175 Kilogramm endgültig den Kampf ansagte. Weil er die richtige Ansprache von seinem damaligen College-Coach bekam. Und weil er langsam realisierte, wie sehr er auf dem Basketballfeld dominieren könnte, wenn er seinen Körper in Form bringen würde.

„Kein namhaftes College wollte ein Stipendium an solch einen ‚Dicken“ verschwenden“

„Ich war in meinen ersten beiden Collegejahren ein echter `Late Night Snacker´, einer, der nachts den Kühlschrank leer geräumt hat“, erzählt Bryant. Trotz seines Übergewichts deutete er schon in seinem Freshman-Jahr an, welches Potenzial in ihm steckte. Kerry Keating, Bryants späterer College-Coach, sah „Big John“ schon zu Highschool-Zeiten bei einem Turnier. „Man konnte bereits damals seine technischen Fertigkeiten sehen, aber er war einfach so übergewichtig. Kein namhaftes College wollte ein Stipendium an solch einen ‚Dicken’ verschwenden“, sagt Keating. „Ich bin sicher, dass später viele ihre Entscheidung bereut haben.“

„Ich hatte mich entschieden, mein Leben komplett zu ändern“

1322477365/img_John_Bryant_ratiopharm_ulm_4.jpgIn seinem Senior-Jahr am Santa Clara College avancierte Bryant mit 14,2 Rebounds pro Spiel zum zweitbesten Rebounder der NCAA. Außerdem legte er in der Saison 2008/2009 26 Double-Doubles auf – mehr als jeder andere.

„Ich hatte mich entschieden, mein Leben komplett zu ändern. Zwei Jahre lang habe ich den typischen College-Lifestyle gelebt, bis mich Coach Keating vor die Wahl stellte. Ich könne spielen, aber ich hätte einfach nicht den Körper eines Sportlers.“

Keating griff zu einer drastischen Maßnahme: Entweder Bryant würde bis zum Beginn seiner letzten College-Saison weitere 30 Pfund abnehmen und auf ein Gewicht von maximal 125 Kilogramm kommen, oder er müsse mit der Ersatzbank vorlieb nehmen.


„Sie passt auch heute noch ein bisschen auf mich auf und motiviert mich“

Diese wenig verlockende Aussicht trug Früchte: Unter Anleitung eines Ernährungsmediziners und eines Personal Trainers schuftete Bryant in zahllosen Extraschichten, bis er tatsächlich auf das Wunschgewicht seines Coaches kam. Übrigens: In dem Fitnessstudio, in dem Bryant damals seine Pfunde verlor, arbeitete seine heutige Freundin Casey Monteith – als Personal Trainerin! „Sie passt auch heute noch ein bisschen auf mich auf und motiviert mich, auf meinen Körper und meine Ernährung zu achten“, lacht Bryant.

Über Las Vegas nach Ulm – dank Mike Taylor

John Bryant hat eine wundersame Metamorphose durchlaufen: Vom übergewichtigen, unterschätzten College-Talent zu einem der effektivsten und am schwersten zu verteidigenden Brettspieler in der Beko BBL. Mike Taylor, der ehemalige Trainer von ratiopharm ulm, holte Bryant nach dessen einjähriger Stippvisite in der amerikanischen D-League 2010 nach Deutschland. „Coach Mike hat mich damals in der Summer League in Las Vegas gesehen. Ein großartiger Coach. Ich werde ihm immer dankbar sein, dass er mir solch eine Chance eröffnet hat“, unterstreicht Bryant.

„Wir haben in dieser Saison ein großartiges Team“

1322477204/img_John_Bryant_ratiopharm_ulm_2.jpgIn seinem ersten Beko BBL-Jahr wurde „Big John“ auf Anhieb zum besten Rebounder der Liga. Auch jetzt führt Bryant mit 9,4 Rebounds diese Statistik wieder an. Mit den Ulmern hat er außerdem zum Höhenflug angesetzt, wie ihn die Geburtsstadt von Albert Einstein noch nicht gesehen hat. Vergangene Saison Tabellen-Vierzehnter im Endklassement und um klare sechs Punkte die Playoffs verpasst, sind die Ulmer aktuell an Spitzenreiter Brose Baskets vorbei gezogen und haben selbst die Tabellenführung übernommen.

Am 3. Spieltag schnupperten die Schwaben bei der knappen 59:64-Niederlage in Bamberg lange an der Sensation, Bryant war mit 15 Rebounds einmal mehr Bester in dieser Kategorie. „Wir waren der Underdog und wurden vielleicht auch ein bisschen unterschätzt. Vom Niveau der Bamberger sind wir noch ein gutes Stück entfernt“, weiß Bryant, um im gleichen Atemzug zu ergänzen: „Aber wir haben in dieser Saison ein großartiges Team. Im Angriff haben wir viele Optionen; es gibt ein halbes Dutzend Spieler, die in der Lage sind, 20 oder mehr Punkte in einer Partie zu erzielen. Außerdem legen wir nun größeren Wert auf die Defensive.“

Per Günther: „Der Typ ist einfach der Hammer“

Fels in der Brandung, vorne wie hinten, ist Bryant. „Der Typ ist einfach der Hammer“, sagt Ulms Nationalspieler Per Günther. „Er ist so dominant, und dabei darf man nicht vergessen, dass er erst 24 Jahre alt ist.“ Während der Point Guard seinen 27 Zentimeter größeren und 45 Kilo schwereren „Big Buddy“ über den grünen Klee lobt, wird Günther sachlicher, wenn er auf den aktuellen Höhenflug zu sprechen kommt. „Man darf nicht den Fehler machen und die vergangene Saison mit der jetzigen vergleichen. Der Klub hat den Etat deutlich aufgestockt, daher waren unsere Voraussetzungen bei der Zusammenstellung des Kaders im Sommer ganz andere.“

„Wir wissen aber auch, wann es an der Zeit ist, hart zu arbeiten“

1322477285/img_John_Bryant_ratiopharm_ulm_3.jpgAuch in der Spielzeit 2010/11 habe man ein talentiertes Team gehabt. „Wir haben es nur zu selten geschafft, das auch aufs Feld zu bringen.“ Nun ist der Ulmer Kader runderneuert, und doch stellte sich verblüffend rasch das ein, was für den Erfolg einer Mannschaft unabdingbar ist: die richtige Teamchemie. „Ich habe es selten erlebt, dass ein Team so schnell zusammenfindet“, staunt Günther. „Wir haben viel Spaß auf und abseits des Feldes. Wir wissen aber auch, wann es an der Zeit ist, hart zu arbeiten“, ergänzt Bryant.

Rückenwind durch die neue Arena

Rückenwind erhalten die Ulmer durch die Aussicht, bald in einer brandneuen Sportstätte zu spielen. Der Klub zieht von der 3.000 Zuschauer fassenden „Kuhberg-Hölle“ in die ratiopharm Arena. Zum Eröffnungsspiel gegen die EWE Baskets Oldenburg am 10. Dezember waren sämtliche der 6.000 Tickets binnen vier Stunden verkauft. „Es ist schön, dass wir nicht zuletzt durch unseren aktuellen sportlichen Erfolg eine noch größere Basketball-Euphorie entfachen und so ein bisschen Werbung in eigener Sache betreiben konnten. Es ist nun an uns, diesen Trend zu bestätigen. Für John Bryant war auch die neue Arena ein Grund, seinen Vertrag in Ulm um zwei Jahre bis 2013 zu verlängern. „Der Verein ist auf dem aufsteigenden Ast, wir bekommen eine neue Halle, mir gefällt das Leben in Deutschland. Also warum sollte ich wechseln?“

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Eine weitere Geschichte über „Big John“ können Sie in der aktuellen Orange Zone lesen ...

Fotos 1+3: ratiopharm ulm / Ulli Schlieper

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