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Lettland: Sieglos, aber mit großer Zukunft

Lettland: Sieglos, aber mit großer Zukunft

Zum Abschluss der Vorrunde trifft Deutschland wie vor zwei Jahren bei der EM in Polen auf Lettland, was unangenehme Erinnerungen wachruft: Deutschland unterlag nämlich 62:68. Aber auch die Letten, für die das der einzige Sieg bei jener EM war, denken nicht ...
1315156321/img_Janis_Blums_Lettland_EM_2011.jpg... gerne daran zurück. Das mit vielen alten Stars wie Kaspars Kambala gespickte damalige lettische Nationaltram sorgte nämlich für unrühmliche Schlagzeilen.

image_1288779294890.pngTeam Germany berichtet live von der EM.

Es gab Zoff im Team, Spieler rebellierten offen gegen den damaligen Trainer Kestutis Kemzura, der wiederum Spielern vorwarf, sich für eine Sauftour vom Team entfernt zu haben.

Fünf Spieler wurden nach der EM vom Verband für ein bis drei Jahre gesperrt (alle fünf fehlen bei dieser EM). Trainer Kemzura reichte seinen Rücktritt ein.

Mit 22,6 Jahren das jüngste Team bei der EM

Lettlands neuer Nationaltrainer Ainars Bagatskis fängt somit mit der jüngsten Mannschaft dieser EM (Durchschnittsalter 22,6 Jahre) bei null an. Die Erwartungshaltung war von Anfang an entsprechend gering. Die Letten kamen vor allem zur EM, um zu lernen und zahlten bei den ersten vier Vorrundenspielen, die alle verloren wurden, tatsächlich viel Lehrgeld, sammelten dabei aber auch viel Lob. Nicht wenige dieser überwiegend noch sehr jungen Spieler wird man nicht zum letzten Mal bei einer EM gesehen haben. Auch das deutsche Team tut gut daran, diesen unbeschwert und frech aufspielenden Gegner nicht zu unterschätzen.

1315156405/img_Ainars_Bagatskis_Lettland_EM_2011.jpgSo zählte der 23-jährige Rihards Kuksiks, der die letzten vier Jahre am US-College Arizona State verbrachte, zu den großen Entdeckungen dieser EM. Der Forward, der sich im Spiel gegen Italien nicht scheute, in den ersten fünf Minuten fünf Dreier zu nehmen (und drei davon zu treffen) ist dabei mit seinem schnellen ersten Schritt und großer Explosivität am Brett noch viel mehr als ein gefährlicher Shooter. Sogar erst 18 Jahre alt ist der Rohdiamant Davis Bertans, der schon bei der U18-EM vor einem Jahr ins Allstar-Team gewählt wurde und jetzt in Siauliai unter Beweis stellt, dass er auch schon bei den Großen mitmischen kann.

Angesichts fehlender kräftiger Center baut Lettlands Trainer Ainars Bagatskis, als Spieler früher selbst ein gefürchteter Dreierschütze, das lettische Spiel auf hohem Tempo und Würfen aus der Distanz auf und hat dabei im 29-jährigen Janis Blums einen perfekten Anführer auf dem Feld gefunden. Der schnelle Combo Guard, der auf der Zwei startet, von Zeit zu Zeit aber auch Janis Strelnieks auf der Eins ablöst, befindet sich aktuell in bestechender Form und ist Lettlands Topscorer (19,5 Punkte pro Spiel) und bester Passgeber (4,3).

Lettlands Topclubs verteilen sich auf drei Ligen

Wie beim Nachbarn Litauen ist es in einem so kleinen Land (nur 2,2 Millionen Einwohner) fast unmöglich, eine wirtschaftlich mit anderen Ligen konkurrenzfähige nationale Liga auf die Beine zu stellen. Selbst die Beschränkung auf nur acht Clubs verhindert nicht, dass es in der lettischen LBL zwischen den drei, vier Topclubs im Land und dem Rest zu einem deutlichen Leistungsgefälle kommt. Auch eine strenge Quote, die den Einsatz von nur drei Ausländern pro Team erlaubt, kann deshalb nicht verhindern, dass die besten lettischen Basketballer früh in andere Ligen auswandern.

1315156529/img_Davis_Bertans_Lettland_EM_2011.jpgDie 2004 gegründete Baltische Basketball Liga (BBL) sorgt dafür, dass die immerhin die Topclubs aus Litauen, Lettland und Estland auch außerhalb der europäischen Wettbewerbe regelmäßig auf konkurrenzfähige Gegner treffen. Aus Lettland spielen in der kommenden Saison Vizemeister Ventspils und der Dritte der letzten Meisterschaft, Liepajas Lauvas, in der baltischen Topliga, drei weitere treten in der zweiten Division, dem Challenge Cup der BBL, an.

Lettlands Meister VEF Riga, schon zu Sowjetzeiten die Nummer eins im Land und in der ersten Runde der Euroleague-Qualifikation Gegner von ALBA BERLIN, startet darüber hinaus noch in der von der russischen VTB-Bank gegründeten „United League“, wo man auf Spitzenclubs aus Russland, der Ukraine, Kasachstan, Weißrussland, Litauen, Estland, Finnland, Polen und Tschechien trifft. Ins Geschehen der baltischen Liga und der nationalen Liga steigt VEF erst gegen Ende der Saison zu den jeweiligen Meisterrunden bzw. den zu Playoffs ein.

Lettlands EM-Aufgebot im Stenogramm

Guards

Janis Strelnieks (22, 191, Ventspils), Janis Blums (29, 188, Bilbao/ESP), Edgars Jeromanovs (25, 190, Norrköping/SWE), Dairis Bertans (22, 192, VEF Riga).

Forwards
Rihards Kuksiks (23, 201, ohne Verein, zuletzt Arizona State/NCAA), Arturs Berzins (23, 204, Ventspils), Mareks Jurevicus (26, 198, Ostuni/ITA3), Davis Bertans (18, 205, Ljubjana/SLO), Mareks Mejeris (20, 207, Liepaja).

Center
Andrejs Selakovs (22, 207, ohne Verein, zuletzt VEF Riga), Rolands Freimanis (23, 210, St.Josep/ESP2), Martins Meiers (20, 206, Liepaja).

Headcoach: Ainars Bagatskis (44, ohne Verein, erste EM)

Lettland: Große Zukunft - oder großes Geld?

Aus Siauliai berichtet Michael Spandern (SPORT1)

Im letzten Vorrunden-Spiel gegen Deutschland droht den Letten (Mo., ab 16.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) diesmal kein Drama, wie es ihnen 2009 Jan Jagla einbrockte.

1315156600/img_Andrejs_Selakovs_Lettland_EM_2011.jpgDas Aus ist bereits besiegelt, der letzte Platz in der Gruppe B dito. Was anders als bei der EM vor zwei Jahren aber kaum noch hohe Wellen schlägt.

Die Erwartungen sind gesunken, und nicht mal 300 Fans verfolgen, wie sich ihr Team rund 50 Kilometer von der lettischen Grenze entfernt schlägt.

"Eine Schande", meint einer der unverzagten Schlachtenbummler. Selbst bei der WM in der Türkei voriges Jahr seien es doppelt so viele gewesen.

"Nicht schlechter als andere Teams"

Das Abschneiden dagegen sei "keine Tragödie", betont Nationaltrainer Ainars Bagatskis im Gespräch mit SPORT1. Zu Recht, schickt er doch das mit einem Altersdurchschnitt von 22,6 Jahren jüngste Team der EM ins Rennen.

"Mir gefällt, dass wir jedes Spiel eng gehalten haben und es dem Gegner immer schwer gemacht haben", sagt der 44-Jährige, der 2010 den seither beim großen Nachbarn Litauen amtierenden Kestutis Kemzura beerbte.

"Wir sind nicht schlechter als andere Teams, nur weniger erfahren", glaubt Bagatskis. "Meine Spieler wissen noch nicht, wie sie ein Spiel am Ende zu ihren Gunsten entscheiden."

Zudem vermisst er "einen guten Big Man, der auch respektiert wird. Bei unseren Langen ist das nicht so."

Kristaps Valters drei Jahre gesperrt

Andris Biedrins, Lettlands NBA-Star von den Golden State Warriors, hätte da helfen können. Doch der hat wie der Ex-Bonner Kristaps Janicenoks wegen Sprunggelenksproblemen abgesagt.

Und Spielmacher Kristaps Valters (Unicaja Malaga) wurde vom Verband nach dem enttäuschenden 13. Platz bei der EM 2009 wie vier weitere Spieler aus disziplinarischen Gründen gesperrt. Den Ex-Oldenburger traf es mit drei Jahren am härtesten.

Bleibt an namhaften Spielern nur der in Bilbao aktive Scharfschütze Janis Blum, der mit seinen 32 Punkten zum Auftakt sogar Frankreichs dreimaligen NBA-Champion Tony Parker übertrumpfte.

"Er kann fangen und werfen"

Und vielleicht Davis Bertans, der im Juni an 42. Stelle von den Indiana Pacers im Draft rekrutiert wurde.

1315156679/img_Rihards_Kuksiks_Lettland_EM_2011.jpgDoch Coach Bagatskis geizt mit Einsatzzeit für den 18-Jährigen (rund 21 Minuten pro Spiel) - und auch mit Lob: "Im Moment ist er nichts mehr als ein Spieler, der gedraftet wurde. Ein NBA-Spieler ist er noch lange nicht, vielleicht hat er das Talent dazu", lässt er auch das offen.

Nach den Stärken des 2,08 Meter großen Small Forwards gefragt, fällt Bagatskis auch nicht allzu viel ein: "Er ist lang, er kann fangen und werfen" - wobei er damit die unmittelbare Abfolge von Fangen und Werfen meint.

Wachstumsschub mit 16 Jahren

Bertans wuchs binnen zwei Jahren um 20 Zentimeter, hat aber defensiv einige Schwächen, die er auch beim Nike Hoop Summit nicht kaschieren konnte.

Aber seine Aktien bei Bagatskis dürften eher deshalb so niedrig sein, dass er sich gegen dessen ausdrücklichen Ratschlag für den NBA-Draft anmeldete.

"Für mich ist das der falsche Weg. Er ist jung und ehrgeizig. Aber wenn er nicht hart arbeitet, nützt das nichts", sagt sein Nationaltrainer.

Frühestens 2013 auf dem Zenit

2010 unterschrieb Bertans einen Sechs-Jahres-Vertrag mit jährlicher Ausstiegsklausel bei Olimpia Ljubljana.

Aber lukrative Verträge im Ausland sind in den Augen von Bagatskis nichts, was die Zukunft des Nationalteam begünstigt.

"Dieses Team kann frühestens 2013 sein Potenzial abrufen, wenn es nicht auseinanderfällt und die Spieler eher ans große Geld und dicke Verträge denken", meint er.

Ob er selbst bis dahin Trainer bleibt, sei völlig offen: "Mein Vertrag endet nach diesem Turnier. Keine Ahnung, ob ich weitermachen darf, keine Ahnung, ob ich weitermachen will."

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