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Liga-Report: Die Chemie muss stimmen

Liga-Report: Die Chemie muss stimmen

Nach der Saison ist vor der Saison. Bereits jetzt dreht sich das Personalkarussell bei den Klubs der Beko Basketball Bundesliga (Beko BBL) auf Hochtouren. Wir verschaffen einen Überblick, wer geht, wer kommt und wer bleibt. Heute beleuchten wir die EWE Baskets Oldenburg.
1308563182/img_Rickey_Paulding.jpgAls sich am Samstagabend ALBA BERLIN erst im fünften Finalspiel nach einer intensiven Serie dem alten und neuen Deutschen Meister Brose Baskets geschlagen geben musste, da war das für die EWE Baskets Oldenburg ein bittersüßer Trost.

image_1288779294890.png.

Hatten sie sich doch im Viertelfinale den „Albatrossen“ ebenfalls erst nach fünf Spielen beugen müssen – gegen den neuen Vizemeister ist das auf dem Papier ein vermeintlich respektables Saisonfazit. Dennoch: Man hatte sich insgeheim mehr ausgerechnet an der Hunte, wie Geschäftsführer Hermann Schüller bestätigt.

„Unser Minimalziel war das Erreichen der Playoffs, das haben wir geschafft. Nach dem im vergangenen Sommer eingeleiteten Umbruch hatten wir uns aber mehr erhofft als das Viertelfinale, zumal wir international nicht besonders weit gekommen sind und auch nicht das Beko BBL TOP FOUR erreicht haben.“

Gründe dafür gebe es laut Schüller reichlich. Der wichtigste: der fehlende Teamgeist infolge eines nicht optimal zusammengestellten Kaders. „Es sind Kleinigkeiten, an denen man merkt, dass die Mannschaft keine Einheit ist. Vor allem in der Verteidigung, wo der eine auf die Hilfe des anderen angewiesen ist, tritt das zu Tage. “ Die Konsequenz für Schüller: „Wir müssen bei der Zusammenstellung des neuen Kaders noch genauer hinschauen.“ Genau hinschauen und so sogenannte „bad apples“, die die Teamchemie gefährden, erst gar nicht in die Mannschaft holen. „Das ist leichter gesagt als getan, schließlich können auch wir den Spielern nur vor die Stirn schauen.“

Gesucht: Ein Spielmacher mit Führungsqualitäten

Wie in allen anderen Teams der Beko BBL lenken die Oldenburger ihr Hauptaugenmerk auf die Verpflichtung eines starken Point Guards. „Auf dieser Position hatten wir vergangene Saison lange keine Führungspersönlichkeit“, stellt Schüller fest. Louis Campbell, der als Leader im Backcourt geholt worden war, kam ohne feste Rolle im Team und durch diverse Verletzungen nie an seine Form aus Bremerhavener Zeiten heran. „Lou hatte Probleme mit den Adduktoren, die Ursache war lange unklar. Im Nachhinein wäre es vielleicht besser gewesen, dass er die Verletzung drei, vier Wochen vernünftig auskuriert hätte. So mussten wir ihn ein bisschen mit durchziehen, was für uns genauso unbefriedigend war wie für ihn selbst“, sagt der Baskets-Geschäftsführer. „Mit Eddie Gill, den wir nachträglich verpflichtet haben, waren wir dann sehr zufrieden. Auch Luka Bogdanovic kam noch zum richtigen Zeitpunkt und hat uns geholfen, die Playoffs zu erreichen; mehr war leider in diesem Jahr nicht drin.“ Bei Bogdanovic ist schon klar, dass er nicht mehr nach Oldenburg zurückkehren wird. Der 26-jährige Serbe, im Dezember 2010 von den Baskets nachverpflichtet, unterschrieb einen Zweijahresvertrag beim spanischen Erstligisten Cajasol Sevilla.

Das unbefriedigende sportliche Abschneiden heißt für die Baskets-Verantwortlichen jedoch nicht zwangsläufig, jeden Stein umzudrehen und auszusortieren. „Wir hatten in den Jahren zuvor Erfolg damit, dass wir auf Kontinuität gesetzt haben. Wir sind davon überzeugt, dass dies auch in der Zukunft unser Weg sein muss. Insofern sind wir bestrebt, den Kader nicht völlig neu zusammen zu stellen.“ Leistungsträger und Identifikationsfigur Rickey Paulding bleibt eine weitere Saison, unter Vertrag steht ferner noch Robin Smeulders. Dieser soll in der kommenden Spielzeit mehr Minuten und mehr Verantwortung bekommen, und das war mit ein Grund, warum die „Donnervögel“ den Vertrag mit Nationalspieler Chris McNaughton nicht verlängert haben. „Keine leichte Entscheidung“, wie Schüller betont. Taktische Überlegungen hätten dazu geführt, McNaughton keinen neuen Vertrag anzubieten. „In Robin Smeulders haben wir einen starken, jungen Spieler im Kader, der bereit ist für den nächsten Schritt. Er ist flexibel einsetzbar und konnte sich mit gleich vier Akteuren vor sich auf den großen Positionen in der Vorsaison nicht zufriedenstellend entfalten. Ihm können sich in einer neuen Konstellation bessere Möglichkeiten eröffnen.“ Bei anderen Akteuren der vergangenen Saison bestehen vertragliche Optionen auf ein weitergehendes Engagement.

Kaderzusammenstellung mit Weitblick

Erste Neuverpflichtung bei den Niedersachsen ist Christopher Razis. Der 21-Jährige unterschrieb für eine Saison plus Option für eine weitere. Razis besitzt einen zypriotischen und einen deutschen Pass und spielte zuletzt für ENAD (Zypern). „Christopher ist ein Spieler mit Perspektive“, so. Sein Talent deutete der 1,93 Meter große Akteur in den letzten Jahren in Zypern an, als er nacheinander zum „Newcomer“ und „Most Improved Player“ der zypriotischen Liga gewählt wurde. Die Vorsaison begann er an der Seite des Ex-Oldenburgers Miladin Pekovic bei Keravnos Strovolou. Baskets-Headcoach Predrag Krunic ergänzt: „Christopher ist sehr talentiert und ein höchst angenehmer Zeitgenosse“, so Krunic. Intensiv arbeiten die EWE Baskets an der Verpflichtung eines „sehr guten deutschen Nachwuchsspielers“ (O-Ton Schüller). Und das vor allem mit Blick auf die übernächste Saison, wenn die „6+6“-Regel greift (sechs Spieler auf dem Spielberichtsbogen müssen einen deutschen Pass haben). „Darauf müssen wir uns bereits jetzt entsprechend vorbereiten“, betont der Geschäftsführer.

Trainer Krunic genießt volles Vertrauen

1308563264/img_Predrag_Krunic_EWE_Baskets_Oldenburg.jpgDass die Vorbereitungen auf die nächste Spielzeit wie in den vergangenen vier Jahren mit Predrag Krunic in Angriff genommen werden, daran bestand trotz des eher unbefriedigenden sportlichen Abschneidens der „Donnervögel“ keine Sekunde ein Zweifel, wie Schüller unterstreicht.

„Ich habe bisher keinen Trainer erlebt, der ein größeres Einfühlungsvermögen beim täglichen Umgang mit dem Team hat. Diese Empathie ist eine seiner größten Stärken; von ihm habe ich noch kein einziges Mal ein schlechtes Wort über einen Spieler gehört.“ Eine extrem positive Einstellung, Loyalität, Fleiß: Attribute, die der Verein an dem akribischen Arbeiter so schätzt und deretwegen er „unser volles Vertrauen genießt“, sagt Schüller.

Doch auch der Geschäftsführer weiß, dass der Meistermacher von 2009 kein Garantieschein für das Erreichen der Playoffs ist. „Das wird in der kommenden Saison noch schwerer als ohnehin schon“, so Schüller mit Blick auf den ambitionierten Aufsteiger aus München. „Oldenburg ist nicht vergleichbar mit Berlin oder München. In der Außenseiter-Rolle fühlen wir uns aber sehr wohl. Da kommt der Druck nicht von außen, sonder höchstens von innen – jenen, den wir uns selber machen!“

Der Status-Report


Wer bleibt?
Trainer Predrag Krunic, Rickey Paulding, Robin Smeulders

Wer geht?
Chris McNaughton, Luka Bogdanovic

Wer kommt?
Christopher Razis

Bei wem ist die Zukunft noch ungewiss?
Mindaugas Lukauskis, Oliver Stevic, Louis Campbell, Eddie Gill, Aron Baynes, Daniel Hain, Acha Njei

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