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Liga-Report: Vorfreude auf die europäische Kür

Liga-Report: Vorfreude auf die europäische Kür

Nach der Saison ist vor der Saison. Bereits jetzt dreht sich das Personalkarussell bei den Klubs der Beko Basketball Bundesliga (Beko BBL) auf Hochtouren. Wir verschaffen einen Überblick, wer geht, wer kommt und wer bleibt. Heute beleuchten wir den Double-Gewinner Brose Baskets.
1312272196/img_Julius_Jenkins_Brose_Baskets.jpgWas bleibt zu sagen nach einer Saison, die den erneuten Gewinn der Deutschen Meisterschaft, die Pokalverteidigung und die Erkenntnis, dass man sich auf Augenhöhe der besten europäischen Klubs bewegt?

image_1288779294890.png.

„Es ist alles optimal gelaufen, in allen Belangen“, schaut Wolfgang Heyder, Manager der Brose Baskets, nur zu gern noch einmal auf die aus Franken-Sicht perfekte Spielzeit 2010/11 zurück. Jetzt, da die letzte Meister-Zigarre längst geraucht ist, stecken die Verantwortlichen des zweifachen Double-Gewinners schon wieder in den Vorbereitungen für die kommende Saison. Und für die gilt es, die euphorisierten Bamberger Fans sanft darauf vorzubereiten, dass weitere Erfolge kein Selbstläufer werden.

Das waren sie in der jüngsten Vergangenheit schon nicht, und das werden sie erst recht in der nahen Zukunft nicht sein. „Die Erwartungshaltung im Umfeld, bei den Fans, ist nach dem doppelten Double natürlich riesengroߓ, weiß Heyder um die Begehrlichkeiten der Anhänger. „Klar ist aber auch, dass die Kurve nicht immer nach oben zeigen wird.“

Das i-Tüpfelchen in der EuroLeague setzen

Der umtriebige Manager will dies aber keinesfalls als vorauseilende Erklärung für den Fall, dass es demnächst nicht rund läuft bei den Baskets, verstanden wissen. „Im Gegenteil, der Ehrgeiz bei den Spielern und bei den Trainern ist voll da. Insbesondere auf die Partien in der EuroLeague freuen wir uns. Da wollen wir das i-Tüpfelchen setzen, an dem wir in der vergangenen Saison mit etwas Pech gescheitert sind.“ Dass das Ziel, unter die besten 16 Vereine Europas zu gelangen, angesichts der hochkarätigen Gruppengegner wie Titelverteidiger Panathinaikos Athen, ZSKA Moskau und Unicaja Malaga nicht einfacher wird, weiß auch Heyder. „Auf diesem Niveau ist aber kein Spiel einfach“, erklärt der Manager und freut sich speziell auf den Vergleich mit den Spaniern, mit denen die Bamberger nach der bitteren 65:69-Heimspiel-Niederlage in der letzten EuroLeague-Runde noch eine Rechnung offen haben.

„Bayern wird um den Titel mitspielen“

1312272147/img_Kyle_Hines_Brose_Baskets.jpgDie EuroLeague als Kür, die Bundesliga als Pflicht: Als amtierender Meister bleiben die Brose Baskets die Gejagten. Und die Jäger haben aufgerüstet: ALBA Berlin wird nach der bitteren 2:3-Finalniederlage besonders motiviert sein, Aufsteiger FC Bayer München wird spätestens nach den jüngsten spektakulären Neuverpflichtungen nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand als Titelkandidat gehandelt. Heyder bezeichnete den Hoeneß-Klub in einem Interview gar als Favorit auf die Meisterschaft.

„Das war im Grunde die Replik auf die Aussage aus München, dass man versuchen wolle, unter die ersten Fünf zu kommen. Angesichts des Personals mit sechs aktuellen Nationalspielern werden die Bayern um den Titel mitspielen.“ Doch selbst einen Dreikampf zwischen Bamberg, Berlin und München erwartet der gewiefte Manager nicht: „Ganz stark erwarte ich die Oldenburger, die mit einem ordentlichen Etat aufwarten, die Artland Dragons aus Quakenbrück und die FRAPORT SKYLINERS, die ihre Karten ja bislang noch nicht alle auf den Tisch gelegt haben“, lächelt Heyder. Auch dem ein oder anderen Überraschungsteam – etwa den New Yorker Phantoms Braunschweig – traut der Bamberger Macher zu, im „Konzert der Großen“ mitzumischen.

Ein Liga-Dauerbrenner und ein vermeintliches „Enfant terrible“

Dies wollen natürlich auch die Brose Baskets, müssen dies aber ohne einen wichtigen Leistungsträger der vergangenen Saison tun: Kyle Hines erlag – erwartungsgemäß – den Lockrufen finanziell potenterer Klubs. Dafür lockten die Franken einen klangvollen Namen in den Süden: Vom Liga-Konkurrenten und Finalgegner Berlin wechselte Julius Jenkins zum Meister. Schon 2005 wollte der heutige Brose-Coach Chris Fleming Jenkins zu seinem damaligen Arbeitgeber Quakenbrück locken, doch der geschmeidige Guard entschied sich seinerzeit für die Albatrosse. 2008 und 2010 wurde der US-Boy jeweils zum wertvollsten Spieler und besten Offensivspieler der BBL gewählt.

Während der Name Julius Jenkins in Basketball-Deutschland nahezu ausschließlich mit positiven Attributen besetzt ist, weckt jener von Marcus Slaughter subjektiv eher die negativen. Während seiner kurzen Stippvisite bei den Eisbären Bremerhaven Ende 2008 blieben weniger seine zweifellos vorhandenen athletischen Fähigkeiten als vielmehr seine Eskapaden – Stichwort „Currywurst-Affäre“ – in Erinnerung. Für Manager Heyder spielen diese „alten Kamellen“ keine Rolle. „Marcus wird uns die Athletik auf den Positionen Vier und Fünf geben, die wir in unserem Team brauchen. Wir haben uns genau erkundigt, und in den letzten zweieinhalb Jahren in Frankreich und Spanien hat er sich nichts zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil, in der starken spanischen ACB gehörte er zu den besten Centerspielern der Liga. Ich denke, das spricht für sich“, ist Heyder sicher, kein „faules Ei“ ins eigene Nest geholt zu haben.

Ausfall von John Goldsberry ein schwerer Schlag / Rückkehrer Roberts als Ersatz

1312272084/img_John_Goldsberry_Brose_Baskets.jpgEin schwerer Schlag war für die Brose Baskets die Nachricht, dass sich Playmaker John Goldsberry einer weiteren Operation am linken Knie unterziehen musste und acht Monate ausfallen wird. „Sein Ausfall für voraussichtlich die komplette Saison ist natürlich eine sehr bittere Pille. John ist möglicherweise unser wichtigster Spieler in den letzten beiden Jahren gewesen“, erklärt Coach Fleming. „John ist ein echter Floor General, einer, von denen es heutzutage nur wenige gibt. Er hat einen unschätzbaren Wert für die Mannschaft“, ergänzt Heyder. Goldsberry ist also, zumindest für die kommende Spielzeit, ein „gefühlter“ Abgang.

Verabschiedet hatten sich die Bamberger eigentlich auch schon von Brian Roberts, einem weiteren wichtigen Baustein des Double-Gewinners. Umso überraschender der Coup, dass Manager Heyder den Guard von einem weiteren Verbleib an der Regnitz überzeugen konnte. Roberts soll in der kommenden Spielzeit in die Goldsberry-Rolle schlüpfen: „Brian wird unser Point Guard Nummer eins sein“, unterstreicht Coach Chris Fleming. „Brian hat sich in seiner Zeit bei uns extrem weiterentwickelt und stand bei all unseren Erfolgen auf dem Feld. Wir sind völlig davon überzeugt, dass er die Rolle als Regisseur, die er bereits in langen Phasen der erfolgreichen vergangenen Saison innehatte, in dieser Spielzeit noch besser ausfüllen wird.“

Neu beim Meister ist dagegen Anthony Leon Tucker. Der amerikanische Small Forward, genannt P.J., erhält in Bamberg einen Vertrag für die Saison 2011/12. Nach seinem Karrier-Start bei den Toronto Raptors 2006 war Tucker bei verschiedenen europäischen Klubs, unter anderem in Italien und Griechenland, aktiv. Zuletzt schloss sich Tucker den Quebradillas Pirates in Puerto Rico an. In der Finalrunde legte er bisher 20,5 Punkte und 12,5 Rebounds im Schnitt auf. Mit Tuckers Verpflichtung ist auch klar, dass Reyshawn Terry nicht nach Bamberg zurück kommen wird. Mit dem früheren U20-Nationalspieler Steven Monse, der vom ProB-Ligisten Giants Leverkusen kommt, komplettieren die Bamberger ihren Kader. Der Youngster wird überwiegend im Farmteam Breitengüßbach (ProB) zum Einsatz kommen.

Da es den Brose-Machern insgesamt gelungen ist, den Kern der Mannschaft um Finals-MVP Casey Jacobsen zusammen zu halten sowie mit Jenkins und Slaughter zwei namhafte Neuzugänge zu präsentieren, wird auch 2011/12 mit dem Meister zu rechnen sein – was untertrieben formuliert sein dürfte…

Der Status-Report


Wer bleibt?
Trainer Chris Fleming, John Goldsberry, Tibor Pleiß, Predrag Suput, Karsten Tadda, Casey Jacobsen, Daniel Schmidt, Maurice Stuckey, Anton Gavel, Brian Roberts

Wer geht?
Erik Land (Saar-Pfalz), Kyle Hines (Olympiakos Piräus/GRE), Reyshawn Terry (Ziel unbekannt)

Wer kommt?
Anthony Leon Tucker (Q. Pirates/PUR), Julius Jenkins (ALBA BERLIN), Marcus Slaughter (R. Valladolid/ESP)

Bei wem ist die Zukunft noch ungewiss?
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