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Playoff-Momente:

Playoff-Momente: "High Five" auf 600 Kilometern

25. Mai 2006, JAKO Arena Bamberg, fünftes Halbfinalspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen GHP Bamberg und RheinEnergie Köln. Die Franken liegen kurz vor Schluss 68:66 in Führung, haben den Finaleinzug vor Augen. Köln ist in Ballbesitz, Aleksandar Nadjfeji, der ...
1306134456/img_Bonn1.jpg... bis dato zwölf Punkte erzielt hat, bekommt den Ball an der Drei-Punkte-Linie. Der serbische Power Forward, nicht gerade bekannt für seine Qualitäten von jenseits der 6,25-Meter-Linie, nimmt den Wurf von „Downtown“ – just in time vor der Sirene.

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Der Ball fliegt Richtung Bamberger Korb, die Bamberger Fans halten den Atem an – dann das kollektive Entsetzen: Nadjfejis Wurf rauscht durch die Reuse. Köln geht mit 69:68 in Führung und gewinnt dieses Spiel in letzter Sekunde. Nadjfeji, der „Mozart unter dem Korb“, ist der gefeierte Held.

Ein Playoff-Moment, der im Gedächtnis haften bleibt. Wir stellen Ihnen während der aktuellen Playoffs weitere solcher Momente vor – angefangen mit den legendären Duellen zwischen den Telekom Baskets Bonn und ALBA BERLIN und den Sonderzügen aus dem Rheinland an die Spree. Frank Piontek, Hallensprecher der Telekom Baskets, erinnert sich.

Nicht Flieger, nicht Auto, sondern Bahn

1306134630/img_Bonn5.jpgVor 15 Jahren begann die Geschichte der legendären Sonderzüge, welche die Fans der Telekom Baskets Bonn aus dem Rheinland zu den Finalspielen gegen ALBA Berlin in die Hauptstadt brachten.

Insgesamt fünf Mal zwischen 1997 und 2001 wurden so die 600 Kilometer zwischen den beiden Erzrivalen per Bahn zurückgelegt. Mittendrin statt nur dabei: Frank Piontek, Hallensprecher der Baskets und seit Jahren auch als Moderator des Beko BBL ALLSTAR Days nicht mehr wegzudenken.

Beko-BBL.de schraubt das Rad der Zeit zurück und schaut auf den Reiz, der von den Playoff-Duellen „ALBA Berlin vs. Telekom Baskets Bonn“ ausgeht. Der Ursprung dieser nicht alt werdenden Rivalität liegt in der Saison 1996/97 begründet, als der Zweitligaaufsteiger Bonn vollkommen überraschend durch die Postseason bis ins Finale pflügt und dort den „Albatrossen“ die Stirn bietet. Voller Enthusiasmus machen sich die Baskets auf den auf den Weg gen Berlin. Nicht mit dem Flieger, nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn, woran sich Frank Piontek noch allzu gut erinnern kann.

„Beim nächsten Sonderzug wäre ich wieder dabei"

1306134574/img_Bonn6.jpg„Die Bonner Sonderzüge waren nicht nur einfach eine Mitfahrgelegenheit in die Hauptstadt. Der Entschluss zu den Fahrten entstand aus der Situation, das Unmögliche möglich machen zu wollen. Innerhalb weniger Tage stemmte ein Haufen Verrückter aus Fanclub und Verein das Vorhaben. Sie verwandelten kurz vor der Ausmusterung stehende Bahnwagons in einen langen Zug voller Freude, Teamgeist und Stolz. Es gab Vollverpflegung, Shirts, Programm und Musik im sogenannten Sambawagen. Für die Schüler, die noch Klausuren vor sich hatten, war der Bistrowagen auf der Hinfahrt zum Lernen reserviert. Ob was genutzt hat, weiß ich nicht, denn am Ende waren wir alle völlig fertig und hatten noch Tage an der Tour zu knabbern. Dennoch würde ich keinen Moment zögern, bei der nächsten Gelegenheit mit meiner 12-jährigen Tochter und meiner Frau die Baskets mit dem Sonderzug zu begleiten.“

Die Baskets machten es dem großen Favoriten nicht gerade einfach, auch wenn alles zunächst schwer nach „business as usual“ für die damals aufkeimende Großmacht von der Spree aussah. Den Rheinländern konnte das egal sein, sie hatten als Underdog nichts zu verlieren und konnten befreit aufspielen. Vielleicht war es gerade diese Unbekümmertheit, welche die Sonderzüge erst ermöglichte. Unter der Führung von Bonns Präsident Wolfgang Wiedlich wurden die Züge aufs Gleis gebracht und mit Hilfe vieler, vieler Fans reisefertig gemacht.

1306135176/img_Bonn4.jpgNoch heute hat Wiedlich diverse Ordner mit den entsprechenden Unterlagen zu der Unternehmung in seinem Büro. Das aus der Not geborene Projekt sollte schließlich in bester Baskets-Manier umgesetzt werden. Wenn da nur nicht leidige Bestimmungen gewesen wären, wie die Maximallänge des Zuges von 900 Metern. Darauf angesprochen hat Wiedlich noch im Sinn, dass von hintersten Augen aus in Kurven die Lok nicht mehr zu sehen war. Von den fünf Fahrten gen Hauptstadt ist Hallensprecher Piontek besonders die zu Spiel drei der Finalserie aus dem Jahr 1997 in Erinnerung geblieben.

„Das war am 12.Mai 1997. Als Aufsteiger hatten wir die Playoffs gerockt, Lokalrivale Rhöndorf und Bamberg besiegt. Die Fans, der Vorstand und die Mannschaft waren wie im Rausch. Die Berliner holten uns in den ersten beiden Finalspielen auf den Boden zurück, führten mit 2:0 und standen kurz vor der Meisterschaft. Dennoch sind wir mit dem Sonderzug nach Berlin. Antreten zur Siegerehrung, so kam es uns fast vor – die gelben Luftballons für die Zeremonie hingen schon unter der Decke. Dann nahm Eric Taylor Maß, versenkte den berühmt-berüchtigten Dreier vom Parkplatz und der Wahnsinn hatte uns wieder. Wenige Tage später sicherten sich die Berliner in Bonn verdient die Meisterschaft und wurden von den Bonner Fans fair gefeiert. Etwas woran sich auch viele Spieler und Verantwortliche gerne erinnern, wie sie mir bei den gelegentlichen, kurzen Treffen versicherten.“

„David gegen Goliath“ - daran hat sich nichts geändert

1306135073/img_Bonn3.jpgTrotz Sonderzügen, trotz unerbittlichem Willen, trotz Wunderwürfen … die Mannen von der Spree schafften es in den Finalserien immer die Oberhand zu behalten.

Mal gerade so wie 1999 beim 3:2, dann wieder deutlich wie 2001 beim glatten 3:0. Die Faszination an den Aufeinandertreffen der ehemaligen und der neuen Hauptstadt ist bis dato ungebrochen.

Und es wird auch sicher in Zukunft noch viele spannende Partien geben, die lange in Erinnerung bleiben. Bonn vs. Berlin, das ist auch der sportliche Vergleich von unvergessenen Charakterköpfen, die die Liga geprägt haben. Typen, die besondere Momente schaffen. Momente, die Frank Piontek bis heute nicht aus dem Kopf gehen.

„Bruno Soce und Svetislav Pesic auf der anderen Seite des Anschreibetisches, das war Wahnsinn. In den ersten Bundesligajahren habe ich bei den Duellen gegen Berlin schon ordentlich geschwitzt. Eine falsche Ansage, ein Misston, hätte zu einem Vulkanausbruch führen können. Aber auch die Nachfolger auf beiden Seiten hatten und haben durchaus Potential für einen gepflegten Wutausbruch. Bonn gegen Berlin, das ist auch weiterhin 'David gegen Goliath'. Daran hat sich seit dem Aufstieg 1996 nichts geändert. Als wir 2009 die Halbfinalserie gegen die 'Albatrosse' gewinnen konnten, trat allerdings eine neue Situation ein. Der kleine Bruder, wie die Baskets früher manchmal bezeichnet wurden, trat aus dem Schatten des großen Bruders. Dennoch: Siege gegen Berlin sind etwas Besonderes. Das sehen 16 weitere Bundesligisten vermutlich auch so. Siege gegen Berlin fühlen sich gut an – und das ist verbunden mit einem ganz großem Lob für die Arbeit der Albatrosse.“
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