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Playoff-Momente: Kontakt mit Folgen

Playoff-Momente: Kontakt mit Folgen

Denis Wucherer gehörte zu jener Generation, die in den 90er Jahren des vergangenen Jahrtausends mit Bayer Leverkusen Erfolg an Erfolg reihte. Der damalige Jung-Spund, der nach dem Weggang von Michael Koch, Henning Harnisch und Christian Welp die neue Führungs- und ...
1308556962/img_Dennis_Wucherer_4.jpg... Identifikationsfigur der „Riesen vom Rhein“ werden sollte, erlebte jedoch auch die „Wachablösung“ im deutschen Basketball mit – es war der 18. April 1997, der das Ende der Bayer-Ära und den Beginn der ALBA-Ära einläutete.

18. April 1997, Max-Schmeling-Halle, Berlin. Gegeben wird: ALBA BERLIN gegen Bayer Leverkusen. In den Hauptrollen: Denis Wucherer (Leverkusen) und Sasa Obradovic (Berlin). 8.500 Zuschauer im seinerzeit größten Basketball-Tempel Deutschlands freuen sich auf das dritte Spiel der Playoff-Halbfinalserie zwischen dem Serienmeister aus Leverkusen (sieben Titel seit 1990 in Folge) und dem Herausforderer aus der Millionen-Metropole. Es steht 1:1 zwischen beiden Mannschaften. Spiel eins hatten die „Albatrosse“, bei denen Europameister Svetislav Pesic den Auftrag hat, die Berliner zum Titel zu führen, mit 93:79 für sich entschieden; Spiel zwei ging, durch einen Dreier von Kevin Pritchard, hauchdünn mit 101:100 an das Team des Leverkusener „Titel-Hamsters“ Dirk Bauermann. Beide Chef-Trainer waren sich dabei in der Leverkusener Wilhelm-Dopatka-Halle ziemlich nahe gekommen.

Berliner Star-Aufgebot gegen den Serienmeister klar favorisiert

1308556932/img_Dennis_Wucherer_3.jpgBerlin mit seinem Star-Aufgebot um Wendell Alexis, Henrik Rödl, Sasa Obradovic und Henning Harnisch ist gegen den amtierenden Meister klar favorisiert. Immerhin hatte der Champion den Weggang von gleich vier Leistungsträgern zu verkraften: Neben Christian Welp und Michael Koch, die beide nach Griechenland gewechselt waren – der eine, Welp, zu Olympiakos Piräus, der andere, Koch, zu Panathinaikos Athen – hatten sich Henning Harnisch und Sascha Hupmann dem Konkurrenten aus Berlin angeschlossen.

„Wir hatten zwar eine gute erste Fünf mit Hansi Gnad, Tony Dawson, Kevin Pritchard, Tim Nees und mir“, erinnert sich Denis Wucherer, der damals das Bayer-Trikot getragen hatte und in der Farbenstadt zum Nationalspieler gereift war. „Doch Berlin war personell deutlich besser besetzt als wir. Insofern hatte den Berlinern die Niederlage in Leverkusen überhaupt nicht ins Konzept gepasst – was den ohnehin schon spürbaren Druck weiter erhöhte.“

Psycho-Spielchen vor dem ersten Sprungball

1308556947/img_Dennis_Wucherer_2.jpgBereits vor dem ersten Sprungball beginnen die psychologischen Spielchen:

Der Ex-Leverkusener und Neu-Berliner Sascha Hupmann gibt seinem Gegenüber Hansi Gnad im Mittelkreis vor dem ersten Jump noch ein paar „nette“ Worte mit auf den Weg; dann geht’s los – und zwar richtig.

„Ich glaube, es war noch nicht einmal eine Minute gespielt, da habe ich einen Schlag von Sasa Obradovic im Bereich meiner Leber gespürt“, blickt Wucherer auf jene Szene zurück, die ihm im Gedächtnis haften geblieben ist und die letztlich die Serie zugunsten der „Albatrosse“ entscheiden sollte.

Rudelbildung und weiche Knie nach dem Treffer

Es waren exakt 26 Sekunden absolviert, als sich Folgendes ereignete: Wucherer dribbelt den Ball nach vorne, spielt einen Pass auf die rechte Seite und durchquert die Zone, um auf die Weak Side (ballentfernte Seite) zu laufen.

1308555879/img_Dennis_Wucherer_5.jpg„Dort war ich mit Sasa mutterseelenallein, denn die restlichen Spieler und die beiden Schiedsrichter hatten sich der Ball-Seite zugewandt – dort drohte ja die Gefahr. Und dann ist es passiert...“

Wucherer geht zu Boden – allerdings nur kurz. Denn der Flügelspieler möchte die unfeine Attacke, die von niemandem auf dem Feld beobachtet worden war, nicht auf sich sitzen lassen. Dieses Unterfangen scheitert jedoch, da sich in Windeseile Sascha Hupmann, Hansi Gnad sowie Dirk Bauermann und der Bayer-Teamarzt eingefunden hatten und für ein „Rudel“ sorgten. Die Emotionen kühlen ab (wenn auch nicht vollkommen), Wucherers Knie bleiben indes weich: Er trifft nur drei von zehn aus dem Feld und muss sich mit elf Punkten bescheiden; auch Gnad bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten und erzielt für ihn magere drei Zähler (2/9 aus dem Feld) – Leverkusen verliert das dritte Spiel mit 73:89. Obradovics Manöver hatte Wirkung gezeigt und blieb für den Serben zudem folgenlos – weil die beiden Schiedsrichter die Aktion nicht gesehen und dementsprechend nicht geahndet hatten.

Das Ende einer Ära – der Beginn einer Ära

1308556978/img_Dennis_Wucherer_1.jpgVor dem vierten und wie sich hinterher herausstellen sollte letzten Aufeinandertreffen beider Klubs kommen die Unparteiischen auf Wucherer zu und geben ihm zu verstehen, dass sie ihn ob der Vorkommnisse in der Schmeling-Halle im Blick haben werden. Wenngleich auch diese Partie nicht ohne Emotionen auskommt:

Wucherer und Obradovic gehen mitteleuropäisch zivilisiert miteinander um. Am Ende setzt sich der ambitionierte Herausforderer und Favorit mit 100:80 in der Dopatka-Halle durch und beendet damit nicht nur die Leverkusener Erfolgsgeschichte, sondern startet seine eigene: Kurze Zeit später holt sich Berlin durch ein 3:1 im Finale über die Telekom Baskets Bonn seine erste Meisterschaft – sechs weitere folgen bis zum Jahr 2003.


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